Interview: WALLIS BIRD

Gesch├Ątzte Lesezeit: 6 Minute(n)

Dahin zur├╝ck, wo alles angefangen hat. So in etwa das Motto der j├╝ngsten Tour von Wallis Bird, die sie durch ausverkaufte kleine Clubs f├╝hrte, obgleich sie auch gr├Â├čere Hallen locker h├Ątte bespielen k├Ânnen. Aber die Idee war, einem treuen Kreis von Zuh├Ârern das neue Album Home in G├Ąnze vorzustellen und von den anderen Alben nur jeweils ein St├╝ck. So auch in M├╝nchen, wo man im Milla spielte. Eine ungewohnte Situation, denn das Album war zu diesem Zeitpunkt noch nicht ver├Âffentlicht. Wir haben mit Wallis Bird im Rahmen der Show zwischen Soundcheck und Auftritt ein Gespr├Ąch ├╝ber diese Tour, das neue Album, den Luxus von Auszeiten und mehr gef├╝hrt.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Vor dieser Show hast Du bereits in K├Âln und Weinheim gespielt. Jetzt bist Du in M├╝nchen. Wie war es bisher?
Sehr gut. Klar, dass ich das sage. Aber es war sehr erfrischend, hei├č, schwitzig, laut, emotional und sehr sehr sch├Ân. So gut, wie ich es mir erhofft habe.

Oh ja, ich hab das Schwei├č-Bild aus K├Âln gesehen.
Oh mein Gott. Und gestern war es noch schlimmer. Das war ein Schwitzkasten.

Derzeit spielst Du sehr kleine Clubs, obwohl Du auch gr├Â├čere Hallen ausverkaufen k├Ânntest. Warum hast Du Dich diesmal f├╝r die kleinen Clubs entschieden?
Es ist sch├Ân, das ein bisschen entspannt zu halten, vor allem auch, weil wir das komplette neue Album spielen. Und es ist gut, da wir vor etwa zehn Jahren angefangen haben mit all dem. Da ist es wichtig, zur├╝ck zu den Orten zu kommen, wo wir angefangen haben.

Du hast hier also schon einmal gespielt?
Nein, hier bin ich das erste Mal, da die alte Location nicht mehr existiert. Aber es ist immer noch derselbe Promoter. Wir sind also nah dran.

In der Album-Info habe ich gelesen, dass Du in den letzten Jahren um die 600 Shows gespielt hast. Besteht da die Gefahr, dass das zu sehr zur Routine wird?
Absolut. Deshalb hab ich mir auch eine Auszeit von fast zwei Jahren genommen ÔÇô um den Kopf freizukriegen und zu reflektieren. Das war sehr wichtig. Jetzt f├╝hle ich mich wieder frisch, m├Âchte das hier wieder machen und habe definitiv mehr Energie.

Du spielst diese Tour, aber das Album wurde noch nicht ver├Âffentlicht. Wie f├╝hlt sich das an, die St├╝cke zu spielen, obwohl das Publikum sie noch nicht kennt?
Das ist aufregend, da es so ist, als w├╝rde man seinen Stand-Up zum ersten Mal vor Publikum ausprobieren. Die Leute k├Ânnen sich ihr Urteil bilden. Die erste Emotion ist normalerweise die richtige. Das ist gut, da man ein gutes und realistisches Gesp├╝r daf├╝r bekommt, wie das Album bei den Leuten ankommt.

Und wie waren die Reaktionen bisher?
Super. Viele Tr├Ąnen. Das war ├╝berw├Ąltigend.

Tr├Ąnen sind eine starke Emotion…
Ja… ÔÇ×H├Âr auf zu spielen, das ist schei├če!ÔÇť (lacht)

Ich hoffe, das war nicht die Art von Tr├Ąnen, die Dir begegnete.
Nein, auf keinen Fall. Das war wirklich gut. Die Leute haben super Reaktionen gezeigt.

Wenn Du das Album betrachtest und mit dem vorherigen Studio-Album vergleichst: Was sind die gro├čen Unterschiede? Was ist neu?
Es ist deutlich emotionaler. Ich habe mir mehr Zeit daf├╝r genommen, bereits das macht es besser. Ich habe so lange daran gearbeitet wie zuletzt beim Deb├╝t-Album.

Ich habe gelesen, dass es das erste Mal seit langem ist, dass Du nicht auf Tour geschrieben hast. Wie hat das die Arbeit und den Sound beeinflusst?
Das hat alles beeinflusst! Ich war zu Hause mit all meinem Equipment, hatte Zeit, konnte die Augen schlie├čen und einfach f├╝r Stunden spielen. Ich hatte ganze Tage und Monate. Auf Tour hat man hier und da mal eine Stunde, muss sich aber auf die Tour konzentrieren und irgendwie versuchen, dabei normal zu bleiben. Das war diesmal ein Luxus, sich eine Auszeit zu nehmen.

Das Album hei├čt Home. Was bedeutet Dir der Begriff?
Das bedeutet, ganz bei mir zu sein. Das Gef├╝hl, dass man endlich angekommen ist. K├Ârperlich und geistig ÔÇô Zeit, runterzukommen. Das ist eine emotionale Angelegenheit.

Ich habe mal St├╝cke aus dem Album ausgesucht. Eines ist Oh Dreams Oh Memories. Worum geht es hier?
Das ist ├╝ber mich, wie ich jemanden darum bitte, mir eine Chance zu geben. Ich m├Âchte Tr├Ąume und Erinnerungen in ihren Kopf bringen. Ein verlorenes Gef├╝hl, bei dem man gern den Mond anheulen w├╝rde.

Da ist auch Pass The Darkness. Ist da eine Dunkelheit, die Du durchlaufen hast? Ist es in irgendeiner Weise autobiographisch?
Es gibt viel Dunkelheit. Daher braucht man oft eine Menge Text, um das auszudr├╝cken. Es geht um etwas Tiefes ÔÇô auch darum, nicht zu reden, sondern auch Stille miteinander zu teilen.

W├╝rdest Du generell sagen, dass es ein autobiographisches Album ist?
Durch und durch. Das sind ausschlie├člich Dinge, von denen ich wei├č.

Dann ist da noch I Want It I Need It. Was ist es, das Du m├Âchtest und brauchst?
Was denkst denn Du? Da geht es um Sex. Um all die schmutzigen Dinge. (lacht)

Wenn Du das Album wieder als Ganzes siehst: Wie sind Deine Erwartungen damit? Gibt es welche?
Einige Erwartungen habe ich bereits erreicht. Ich wollte mit dem Album zufrieden sein. Ich habe auch schon einige coole Reviews erhalten. Solche Sachen. Das habe ich mir gew├╝nscht. Die Leute sollen es sich anh├Âren und m├Âgen.

Jetzt spielst Du die Tour vor dem Album, die gro├če Tour folgt dann in 2017. Warum hast Du Dich entschieden, da so eine lange Zeit zwischenzulassen?
Da liegen noch andere Dinge zwischen. Ich bin eigentlich die ganze Zeit zwischen jetzt und Januar auf Tour. England, Irland, Australien… Eine Pause ist das also nicht wirklich.

Hast Du zwischendurch denn Zeit zur Erholung?
Zwei Tage… (lacht)

Was f├╝r ein Luxus…
Das ist schon recht heavy, aber ich bin bereit.

Wie ich gesehen habe, ist die n├Ąchste M├╝nchen-Show schon in f├╝nf Monaten.
Zu dem Zeitpunkt haben hoffentlich auch mehr Leute das Album f├╝r sich entdeckt oder es Freunden vorgespielt. Die Leute sollen etwas Zeit haben. Ich denke, das ist wichtig.

Die Locations sind bei der Tour dann gr├Â├čer. Warum w├╝rdest Du sagen, sollte man definitiv kommen und Dich live anschauen?
Wenn Du gute Unterhaltung haben m├Âchtest, kannst Du die ganze Familie einpacken und zur Show kommen.

Es ist also in Deinen Augen eine Show f├╝r die ganze Familie?
Ja, bei den letzten Shows habe ich Vierj├Ąhrige und 94-J├Ąhrige gesehen. Es ist eine Show, die von Liebe handelt.

W├╝rdest Du sagen, dass es so etwas wie ein spezifisches Wallis Bird-Publikum gibt?
Nein. Wenn es das g├Ąbe, w├Ąre das spezifische Publikum jeder. Wir haben Metalheads, Elektros, Kinder, Musikkritiker… Alle m├Âglichen Leute sind hier und haben alle zusammen eine gute Zeit.

Hat sich das in Deinen Augen in den letzten Jahren ver├Ąndert?
Nein, das war eigentlich immer so. Was ich auch ├╝berraschend finde.

Das war nur mein Eindruck. Als ich Dich zuletzt live sah, war es einige Monate nach der Tour mit Ina M├╝ller. Da schien mir das Publikum breiter gef├Ąchert als zuvor.
Ja, Ina hat mir auch definitiv geholfen. Ich habe viel von ihr gelernt, wie man auf der B├╝hne so sein sollte.

Seid Ihr noch in Kontakt?
Hin und wieder schreiben wir mal eine E-Mail. Die Zeit vergeht so schnell…

Stimmt, ich glaube, das ist jetzt auch schon wieder vier Jahre her.
Das ist eine be├Ąngstigende Vorstellung, dass das schon vier Jahre her ist…

Das waren dann auch schon fast alle meine Fragen. Am Ende w├╝rde ich nur gerne wissen: Wir haben ├╝ber das Album und die Tour gesprochen… Gibt es schon Pl├Ąne f├╝r das, was danach kommt?
Nein, da habe ich bisher keine Pl├Ąne. Ich bin erst einmal f├╝r ein Jahr auf Tour, vielleicht sogar das gesamte Jahr 2017. Danach hab ich bisher noch keine Pl├Ąne.

Weblinks WALLIS BIRD:

Homepage: www.wallisbird.com
Facebook: www.facebook.com/wallisbird
Twitter: www.twitter.com/wallisbird

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