VAINSTREAM ROCKFEST 2016 – Münster, Am Hawerkamp (02.07.2016)

Fotos: VAINSTREAM ROCKFEST 2016
Vainstream Rockfest © Jan Focken
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Das Vainstream Rockfest lockte am 2. Juli wieder viele Hardcore-, Punk- und Metalfans aus der Reserve. Das Konzertgelände verfügte über vier Bühnen, davon zwei direkt nebeneinander auf denen versetzt gespielt wurde. Generell kann gesagt werden, dass man kaum ein Konzert auf dem Vainstream ohne Circlepit oder Wall of Death erlebt hat. Crowdsurfing und Pogo ist dort sowieso Standard und im Vergleich zu vielen anderen Festivals nicht verboten. Überhaupt hat vor allem die super gelaunte und kompetente Security für einen angenehmen Festivaltag gesorgt. Das Publikum war bunt gemischt, nicht nur von den Haarfarben, generell aber eher U30. Die Stimmung auf dem Vainstream war den ganzen Tag gut und gelassen. Und das obwohl das Vainstream bereits um 9 Uhr seine Pforten öffnete.

Being As An Ocean zeigen sich fannah
Being As An Ocean zeigen sich fannah

Um 9:45 Uhr startet bereits die 1. von 29 Bands in den Tag. Schon um 9:00 Uhr sind viele Fans auf dem Festivalgelände und vor den Bühnen, obwohl es sich im Laufe des Tages noch deutlich weiter füllt. Die Stimmung ist bereits am morgen gut und man merkt dass die Besucher richtig Bock auf Musik haben.

Any Given Day und Being as an Ocean sind die ersten beiden Bands des Tages und haben jeweils 30 Minuten Zeit. Any Given Day präsentieren, in der kurzen Zeit die sie haben, neue und alte Songs, aber auch ihr Rihanna Cover Diamonds als Highlight. Und auch Being as an Ocean mixen Altbewährtes und Neues. Sie präsentieren ihren neuen Song mit dem Titel Dissolve, der beim Publikum gut ankommt. Sänger Joel Quartuccio scheint die Bühne mal wieder zu weit vom Publikum entfernt zu sein und daher kommt er zu den Fans, singt dort und hilft gleichzeitig die zahlreichen Crowdsurfer rauszuziehen.

Bury Tomorrow Sänger Daniel Winter-Bates lässt sich von Skateboard-Unfall nicht beeindrucken

Bury Tomorrow sind sehr präsent und zeigen viel Energie auf der Bühne. Sie reißen die Fans mit und heizen Ihnen so richtig ein. Das Lied Lionheart wird zum Horror für die Fotografen und die Security. Waren es zuvor bereits viele Crowdsurfer, fordert Sänger Daniel Winter-Bates das Publikum nun auf, dass ein Meer aus Corwdsurfern entstehen soll. Gesagt, getan. Hunderte Crowdsurfer lassen sich zur Bühne tragen und feiern gemeinsam mit der Band. Bury tomorrow hatten übrigens zudem schon einen Tag vorher, bei der Eröffnung des Vainstreams im Skaterspalace, einen Auftritt. Dieser Auftritt hat jedoch einen bleibenden Eindruck beim Sänger hinterlassen. Daniel Winter-Bates habe es sich wohl nicht nehmen lassen, sein Skateboard mitzunehmen. Scheinbar sind seine Skater-Zeiten aber schon vorbei, denn der Sänger hat sich beim Skaten leider verletzt. Das Humpeln scheint jedoch nicht seine Präsenz auf der Bühne zu beeinflussen. Ohne Pause geht es direkt danach weiter mit Deez Nuts. Die Fans müssen nicht erst zum mitmachen animiert werden, dies geschieht von ganz alleine. Die Fans zeigen sich vom ersten Song an textsicher, während die Australier musikalisch mit ihrem Mix aus gerappten Texten und Hardcore Musik überzeugen. Zum set gehören unter anderem Stay True und Dont wanna talk about it. August Burns Red Sänger Jake Luhrs überzeugt beim nachfolgenden Auftritt durch eine starke Präsenz und viel Energie auf der Bühne. Das Publikum ist von Anfang bis zum Ende am pogen, moschen und rocken. Zu Composion gibt es eine amtliche Wall of Death und zu Provision wird gehüpft bis der Arzt kommt. Jetzt ist es Zeit für The Amity Affiction und diese sind sowohl durch ihren dröhnenden Bass und die ordentliche Doublebass, als auch durch den guten Leadsänger Joel Birch mit überzeugender Stimme nicht zu verwechseln. Die Zuschauer, darunter scheinbar viele eingefleischte Fans, singen textsicher mit.

Die seit 1993 bestehende US-Amerikanische Politpunk-Band Anti-Flag aus Pittburgh betritt am frühen Abend die Bühne und der Punk geht ab. Die von antikapitalistischer Haltung geprägten, kurzen und knackigen Songs, gepaart mit politischen Aussagen wie „People before profit“ überzeugen das Publikum in null komma nix. Unter anderem wurden The Press Corpse Turncoat Fabled World und This is the End gespielt. Zudem sind Anti-Flag die erste Band, die das Publikum nachsingen und sich hinsetzen lässt um dann im richtigen Moment auszurasten und zu tanzen. Zum Abschluss gibt es als kleines Highlight, da das ganze Konzert bereits ein großes Highlight war, einen Coversong. Auch Anti-Flag verehren The Clash und covern Should I stay or should I go.

Caliban Fronter Andreas Dörner feiert Geburtstag in der Zuschauermenge

Während andere Bands „nur“ mit einem Banner mit ihrem Bandnamen auskommen, wird bei Caliban ein größeres Bühnenbild aufgebaut. Das Schlagzeug steht deutlich erhöht und Flaggen werden passgenau aufgehängt. Nach einem kurzen Intro kommt die Band auf die Bühne. Sänger Andreas Dörner lässt sich von dem starken Bass und der präsenten Doublebass nicht übertönen. Das richtige Caliban-Flair wird mit Hilfe von Licht und Nebelmaschine erzeugt. Das Publikum scheint die Band und ihre Mitglieder gut zu kennen und sie drehen den Spieß um. Sie singen Sänger Andreas aus eigener Initiative ein Geburtstagsständchen. Zur Feier des Tages stagedived der Sänger noch und ist so ganz nah bei den treuen Caliban-Fans.

Vainstream Rockfest © Jan Focken
Caliban rockten das Vainstream Festival 2016

Im Anschluss an das Caliban-Konzert wird auch das Vainstream vom diesjährigen Dauerregen heimgesucht. Innerhalb von Sekunden ist man durchnässt und die Festivalbesucher suchen Schutz unter Bierständen und sogar in den Toilettenwagen. Aber nochmal Glück gehabt, nach einem heftigen Schauer geht es im Sonnenschein gut gestimmt weiter.

Die der New-York-Hardcore-Szene angehörige Band H2O besteht bereits seit über 20 Jahren. Die Band spielt auf einer der kleineren Bühnen, was jedoch auch gut zu ihr passt. Nicht weil sie nicht bekannt oder gut seien, sondern weil H2O Konzerte davon Leben, nah bei der Band zu sein, mit ihr zu singen und zu feiern. Das Publikum wirkt wie eine Familie. Alle singen, tanzen und pogen, es bedarf keiner Aufforderung seitens der Band. Ebenfalls ein gewohntes Bild ist die volle Bühne mit der Crew, Familie, Freunden und anderen Bands. Auch der Sohn des Leadsängers Toby Morse ist dabei, er durfte bei Nothing To Prove Schlagzeuger Todd Friend kurzzeitig ersetzen.

K.I.Z. auf einem Punk, Metal und Hardcore Festival zu sehen ist irgendwie amüsant, vor allem wenn das Publikum die Texte einwandfrei mitrappen und singen kann. K.I.Z. fällt mit einem ausgefallenen Bühnenbild (Soldaten, Panzer, Statuen etc.) und Effekten besonders auf. Die Band feiert sich selbst als die besten Rapper auf dem Festival und lässt zu Das ist Geld einen Konfetti-Geldscheinregen auf das Publikum niedergehen. Schallendes Gelächter erfüllt das Festival, als die Band erklärt, sich zu fühlen, als ob sie die Blaskapelle bei Wacken sei. Ein besonderes Highlight bei diesem Konzert war der erste Schweigepogo meines Lebens. Tausende Festivalbesucher die still und leise pogen, sieht man halt auch nicht so häufig. Abschließend spielt die Band noch ihren aktuellen Hit Hurra,die Welt geht unter, zum Glück ohne entsprechende Unwetteruntermalung!

Weiter geht es mit Flogging Molly. Die Irisch-US-Amerikanische Band wurde 1997 gegründet und das Konzert auf dem Vainstream ist ihr letztes für das Jahr 2016 in Deutschland. Es gibt jedoch auch die freudige Nachricht, dass die Band wieder ins Studio gehen wird um ein neues Album zu produzieren. Eine kleine Kostprobe erhalten die Besucher des Vainstreamfestivals bereits, da die Band einen der brandneuen Songs vom kommenden Album spielt. Der Song kommt gut an, das Publikum schunkelt und tanzt. Ebenso spielen sie Songs wie Drunken Lullabies, Requiem for a dying song und Saints & Sinners. Das Publikum tanzt, pogt, singt und schunkelt, die Stimmung ist ausgelassen. Die gute und gelassene Stimmung von Sänger Dave King überträgt sich einfach auf das Publikum und ein paar Frei-Guinness von der Band erledigen ihr übriges.

Letzte Band des Abends auf der großen Hauptbühne sind Heaven Shall Burn. Leider fällt in den ersten Sekunden das Mikro aus, sodass man nur sieht, wie sich Fronter Marcus Bischoff verausgabt. Das Problem ist jedoch schnell behoben und das Konzert wird problemlos fortgesetzt. Da das Publikum immer noch aufgrund des heftigen Regenschauers durchnässt ist, schüttet sich der Sänger kurzerhand aus Solidarität eine Flasche Wasser über den Kopf. Um die Stimmung der Musik weiter zu verstärken, werden Licht und Pyro zudem besonders effektiv eingesetzt. Ein klasse Abschluss eines tollen Festivals!

Fotos: Jan Focken

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