JOHN CALE – M:FANS

JOHN CALE - M:FANS
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9 Gesamtnote

9

Im März dieses Jahres wird er bereits 74 Jahre alt, jener John Cale, 1965 Mitbegründer des legendären Velvet Underground und bereits seit 1968 auf Solopfaden unterwegs. 74 Jahre – ein Alter, in dem viele längst so etwas wie das, was man gemeinhin als „Altersmilde“ bezeichnet, entwickelt haben. Nicht so ein John Cale. Er geht lieber weiterhin dorthin, wo es weh tut. In dem Fall ist dies gar die eigene Vergangenheit, denn er veröffentlicht mit M:FANS nun ein Rework seines 1982 erschienenen Klassikers Music For A New Society. Warum das Ganze? Tatsächlich war es der Tod seines einstigen musikalischen Partners Lou Reed, der ihn dazu verleitete, noch einmal in die Original-Tapes einzusteigen, die einzelnen Charaktere noch einmal zu durchleben und etwas Neues entstehen zu lassen.

Kann so etwas denn gut gehen? Ja, kann es! Denn es liegt hier kein Versuch vor, ein altes Album neu aufzulegen und erneute Erfolge damit zu feiern, sondern eher eine Art Katharsis, die sich in der Neuinterpretation des eigenen Werkes äußert. Gerne elektronisch, gerne verschachtelt und immer wieder auch gerne verstörend, wie sich schon früh in If You Were Still Around äußert. Mit elektronischen Soundscapes, verstörenden Geräuschen und einem versunken wirkenden Gesang beklemmt einen das, was John Cale hier macht. Tatsächlich sind es Kompositionen, die für sich stehen können, mit Samples der eigenen Originale. Das kann dabei auch durchaus tanzbar klingen, wie man gut im druckvollen Thoughtless Kind bemerkt – ein Stampfer mit einer nicht abzustreitenden Düsternis, der einen nicht unberührt lässt.

Immer und immer wieder wird auf der Veröffentlichung deutlich, dass Emotionen freigelegt wurden. Die aggressive Vertonung von Changes Made legt davon gut Zeugnis ab, bei der die Aggression vor allem im hohen Tempo und dem noisigen Grundton des Stückes deutlich wird, während mehr Harmonie im Gesang zu hören ist. Mehr Nachdenklichkeit wiederum legt Close Watch nahe, das sich in seiner M:FANS-Version schon nah am Dark Wave bewegt und sich beinah für düstere Tanzflächen empfiehlt.

Düster ist dabei ein Stichwort, das für die gesamte Veröffentlichung seine Gültigkeit hat. Als Garant für gute Laune hat sich John Cale eher selten präsentiert. Schon gar nicht im Jahr 1982, als er Music For A New Society veröffentlichte. Warum sollte er dies also nun auf M:FANS plötzlich tun? Eben. Vor allem ist ihm mit der Veröffentlichung das Kunststück gelungen, ein eigenes Meisterwerk zu einer Neu-Interpretation zu bringen und dabei sowohl sich selbst als auch dem ursprünglichen Album mehr als gerecht zu werden. Und das ist eine Leistung, zu der nur wenige in der Lage sind!

Tracklist JOHN CALE – M:FANS
01. Prelude
02. If You Were Still Around
03. Taking Your Life In Your Hands
04. Thoughtless Kind
05. Sanctus (Sanities Mix)
06. Broken Bird
07. Chinese Envoy
08. Changes Made
09. Library Of Force (feat. Man In The Book excerpt)
10. Close Watch
11. If You Were Still Around (Choir Reprise)
12. Back To The End

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