DREAM THEATER – D├╝sseldorf, Mitsubishi Electric Halle (18.02.2014)

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Hat sich doch einiges in den letzten Jahren bei Dream Theater ver├Ąndert, allen voran der Schlagzeuger, so ist eines doch immer noch gleich geblieben: Dream Theater sind live eine Bank. Dies haben sie zuletzt am Dienstag den 18.02.2014 in D├╝sseldorf im Rahmen ihrer Along for the Ride-Tour bewiesen. Ausverkauft bekamen sie die Mitsubishi Electric Halle in D├╝sseldorf zwar leider nicht, gut gef├╝llt f├╝hlte es sich dennoch an. Besonders war an dieser Tour, dass es nochmal eine "An evening with"-Tour war, was bedeutet, dass es keine Vorbands gab und demnach 3 Stunden Dream Theater mit einer kleinen Pause auf dem Programm standen. F├╝r so manchen war es vielleicht etwas viel, doch gef├╝hlt war es genau die richtige L├Ąnge.

P├╝nktlich um 20:00 Uhr fing dann auch das vom Band laufende Intro False Awakening Suite an und die Band handelte in einem passenden Video ihre Albengeschichte einmal ab um dann, genau wie auf CD, mit The Enemy Inside dem Publikum schnell und hart zu zeigen, dass hier keine alten gebrechlichen M├Ąnner auf der B├╝hne stehen, sondern die Ikonen des Progressive Metals. Eine Verbindung zum Publikum konnte die Band sofort herstellen und so startete man ohne gro├če Pause direkt in den zweiten Song The Shattered Fortress. Der Sound war sehr klar und ausgewogen, und so lie├č sich das Publikum auch problemlos zum anfeuern animieren. Als dritter Track kam mit On the Back of Angels der Opener des vorletzten, doch etwas schw├Ącheren, Albums, welcher vom Publikum gewohnt gut angenommen wurde. Generell fiel einmal mehr auf, dass Dream Theater ein sehr durchwachsenes Publikum, durch alle Altersklassen hindurch, hat. Nach einer kurzen Fahrt mit einem digitalen Taxi f├╝hrte uns Dream Theater auch hin zum vierten Song: The Looking Glass. Ein durchweg guter Song, welcher auf dem Album direkt hinter The Enemy Inside noch etwas deplatziert wirkte. Live und nach On the Back of Angels kam er aber genau richtig. Es groovte sch├Ân und soundm├Ą├čig erinnerte es mehr an fr├╝here DT-Tage. Passend zu alten Sounds kam daraufhin dann auch mit Trial of Tears das letzte St├╝ck von Falling into Infinity, dem einzigen Album welches mit Derek Sherinian an den Keyboards entstand. Nach dieser ersten, kurzen Hommage an die alten Tage wurde es wieder sehr modern – mit Enigma Machine spielten Dream Theater das Instrumentalst├╝ck ihres aktuellen Albums. Es gab schon lange kein neues Instrumentalst├╝ck mehr auf einem DT-Album, zuletzt war es Stream of Consciousness auf Train of Thought. Enigma Machine, wie der Name schon vermuten l├Ąsst, warf einige Fragen auf, besonders durch das humoristisch animierte Video im Hintergrund. Sind Keyboarder spiels├╝chtig? Sind S├Ąnger Verr├Ąter? Und was ist mit den Augen von John Myung los? Fragen, auf die uns DT wohl nie eine Antwort geben wird. Im Song selbst war ein kurzes Schlagzeugsolo von Mike Mangini eingebaut, welches technisch einwandfrei und durchweg zum Song gut passend gespielt wurde, aber irgendwie etwas unspektakul├Ąr war. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt also in dem bis dahin sehr genialen Konzert. Im Anschluss an dieses St├╝ck spielten sie mit Along for the Ride das namensgebende St├╝ck der Tour, welches ohne gro├če M├╝hen dem Publikum sehr schmackhaft serviert wurde. Abgeschlossen wurde der Konzertblock vor der Pause daraufhin mit Breaking All Illusions, dem, zumindest f├╝r mich, einzigen anderen guten St├╝ck von A Dramatic Turn of Events. Insofern also bis dahin eine gelungene Songauswahl, die vor allen dingen eines gezeigt hat: Dream Theater ist viel. Viel Abwechslung, viele Alben und viel Spielfreude.

Die Pause kam dann auch genau richtig, man konnte die Ohren nochmal etwas entspannen und wieder aufnahmef├Ąhig f├╝r neue wunderbare St├╝cke werden. In der ersten H├Ąlfte hatte Labrie angek├╝ndigt, dass man nach der Pause besonders den 20. Geburtstag des Awake-Albums und den 15. Geburtstag des Metropolis Pt. 2: Scenes from a Memory-Albums feiern w├╝rde – in genau dieser Reihenfolge. Angenehm f├╝r die Zuschauer: Eine gro├če Uhr z├Ąhlte die 15 Minuten runter bis die Band wieder auf die B├╝hne kommen w├╝rde – sowas w├╝nsche ich mir ab sofort bei jedem Konzert mit Pause! Um die Wartezeit dann doch etwas zu verk├╝rzen lief nach einigen Minuten dann auch f├╝r den Rest der Pause ein Zusammenschnitt der lustigsten und eindrucksvollsten Youtube-Videos ├╝ber Dream Theater. Ein buntes Potpourri aus Menschen die DT covern, Menschen die DT-Dokumentationen humoristisch angehaucht nachspielen (ÔÇ×this one goes to you, triangle-guyÔÇť) und Menschen, welche DT- Dokumentationen interessant neu vertonen. Insgesamt war es eine der unterhaltsamsten Konzertpausen meines Lebens.

Nach diesen 15 Minuten Pause erklang mit dem Stakkato-Riffing von The Mirror dann auch das erste Lebenszeichen des Awake-Albums. Mit einem unglaublich klaren und druckvollen Klang durfte daraufhin The Mirror flie├čend in Lie ├╝bergehen, einem der d├╝stersten Lieder die DT je schrieb. Die Vermutung legte nun nahe, dass DT die zweite H├Ąlfte von Awake durchspielen w├╝rde, und mit Lifting Shadows of a Dream schien diese Vermutung nur umso berechtigter. Obwohl von den damaligen Mitgliedern, welche Awake schreiben und einspielten, zwei inzwischen nicht mehr in der Band sind und sich auch gerade was Keyboards angeht entwicklungstechnisch in den letzten Jahren eine Menge getan hat, so hat man gar nicht erst versucht diesen Liedern einen neuen Stempel aufzudr├╝cken. Es h├Ątten genauso gut Mike Portnoy und Kevin Moore in der Band sein k├Ânnen, sie h├Ątten wohl kaum anders geklungen. Damit ein gro├čes Lob an den F├╝nfer, der sich nicht neu erfinden muss, nur weil er es k├Ânnte. Die Songreihenfolge war klar, der Song stand, nun kam Scarred. Traumhaftes Intro vom Bass, die Gitarre blendet langsam die langen T├Âne ein und dann geht es auch los. Die Perfektion und Spielfreude auf der B├╝hne war kaum zu bremsen, und so ging dieser Song schnell zu ende – und dann kam der gro├če Moment. W├╝rden sich Dream Theater tats├Ąchlich dazu durchringen k├Ânnen das geniale Space-Dye Vest, einst von Kevin Moore geschrieben, live zu spielen? Nun, so viel sei verraten: Allein f├╝r dieses eine Lied musste man unbedingt auf dieser Tour dabei sein. Sinnvoll zentral im Programm gehalten war es doch das Highlight des ganzen Konzertes, kaum fing Rudess die ersten T├Âne an schon brach eine Stimmung in der Masse aus, welche man selten, selbst bei so herausragenden Konzerten, vorfinden konnte. 20 Jahre lie├čen sich Dream Theater Zeit diesen Song live zu spielen, obschon er stets einer der Favoriten der Zuschauer war. 20 Jahre warten haben sich gelohnt – sie spielten Space-Dye Vest und feierten mit dem Publikum zusammen damit den absoluten H├Âhepunkt des Konzertes. Unsteigerbar war er als letztes Lied auf Awake enthalten – und somit auch das letzte Lied was sie von Awake spielten. Kam nun die Hoffnung auf, dass sie direkt zur Metropolis-Scheibe ├╝bergehen w├╝rden, so hat Dream Theater das Publikum mit Illumination Theory nochmal daran erinnert, dass diese eigentlich eine Tour zum selbstbetitelten Album war. F├╝r einige ein wundersch├Âner Song, so wirkte gerade live der Song an ein paar Stellen, besonders im Mittelteil The Embracing Circle, etwas zusammenhangslos, dennoch kam er beim Publikum durchweg gut an. Nun aber endlich Metropolis. Zuerst jedoch verschwand das Quintett hinter der B├╝hne und lie├č sich zur Zugabe herausklatschen. Bediente man sich bei Awake noch der hinteren H├Ąlfte des Albums, so fing man hier mit Overture 1928 und einem zur passenden Zahl laufenden Ticker quasi am Anfang des Albums an. Unmittelbar auf das instrumentale Intro, welches nochmal durch die Hauptthemen des Albums musikalisch f├╝hrte, kn├╝pfte man mit Strange D├ęj├á Vu und dem Aufruf ans Publikum mitzusingen albumtechnisch unmittelbar daran an und zeigte sich sehr spielfreudig. Und nun kam ein Sprung. Mit The Dance of Eternity lieferten Dream Theater ihr bekanntes Spektakel aus waghalsigen Taktwechseln, atemberaubenden Hochgeschwindigkeitsmelodiel├Ąufen und in sich stimmigen Songwritings auf allerh├Âchstem Niveau noch einmal ab bevor es mit Finally Free als letztes Lied des Auftritts noch einmal quasi besinnlich wurde. Womit man 1999 Alben beenden kann, kann man 2014 immer noch gut Konzerte beenden.

Am Ende blieb ein wunderbares Gef├╝hl endlich Space-Dye Vest live geh├Ârt zu haben, ein wunderbares Konzert erlebt zu haben und zu sehen, dass Dream Theater trotz allem was die letzten Jahre war und trotz der langen Bestehensdauer ihrer Band kein bisschen an Biss verloren haben. Auf ein neues Album, auf ein neues Konzert – denn beides wird sicherlich kommen.

Setlist Dream Theater:
01. False Awakening Suite (Intro)
02. The Enemy Inside
03. The Shattered Fortress
04. On the Backs of Angels
05. The Looking Glass
06. Trial of Tears
07. Enigma Machine (Mit Schlagzeugsolo)
08. Along for the Ride
09. Breaking All Illusions

10. The Mirror
11. Lie
12. Lifting Shadows Off a Dream
13. Scarred
14. Space Dye-Vest
15. Illumination Theory
16. Overture 1928 (Z)
17. Strange D├ęj├á V├╣ (Z)
18. The Dance of Eternity (Z)
19. Finally Free (Z)

Autor: Matthias Heinrichs
Fotos: Markus Hillg├Ąrtner

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