Garbage – Not Your Kind Of People

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8 Bewertung

8

Garbage – Not Your Kind of People



„Not Your Kind Of People“ heißt das erste Garbage-Studioalbum seit sieben Jahren und wir wollen doch mal schauen, ob Garbage sich wirklich von uns entfremdet haben, wie man den Titel deuten könnte. Ganz von der Hand zu weisen ist das zunĂ€chst mal nicht, denn der Eröffnungstrack „Automatic Systematic Habit“ klingt fast wie eine rockige Version eines Katy Perry Songs. Etwas durcheinander geht es hier zu, nach einigen HördurchgĂ€ngen hat man sich aber daran gewöhnt und wessen Phantasie regt Shirley nicht mit einer Zeile wie „I wanna be your dirty little secret“ an?! Zumindest zum TrĂ€umen anregen vermag das Album also schon einmal und mit vertrĂ€umtem Gesang geht es auch zunĂ€chst bei „Big Bright World“ weiter, bevor sich dieser normalisiert, die Gitarren erklingen und sich der erste Eindruck verfestigt, dass Garbage nicht mehr ganz die Alten sind, sondern sich -wie viele andere in letzter Zeit vor ihnen- vorgenommen haben, etwas „trendiger“ zu klingen. Dass sie dabei aber durchaus abwechslungsreich vorgehen zeigt die erste Singleauskopplung „Blood For Poppies“, auch wenn diese deutliche PopeinflĂŒsse nicht verleugnen kann und die Stimmung im Refrain so gar nicht zu einem Titel mit Blut im Namen passen möchte. Recht interessant ist „Control“ ausgefallen, das ruhig beginnt, dann an IntensitĂ€t zunimmt und fast hypnotisch wirkt, auch wenn die Soundspielereien zum Ende hin in meinen Augen bzw. Ohren doch etwas „too much“ sind. Es folgt der Titeltrack und höre ich da richtig, eine 60s Ballade? Der ernste Text wird hier jedenfalls mit sĂŒĂŸlichem Gesang und angenehmen Sounds ĂŒberspielt, was einen interessanten Kontrast darstellt.

Post Punk Anleihen und verstĂ€rkter Basseinsatz bestimmen „Felt“ und sorgen fĂŒr richtige RockatmosphĂ€re. Der Song bildet fĂŒr mich eine Art Wendepunkt und zwar hin zum Guten. Der eingeschlagene AufwĂ€rtstrend hĂ€lt jetzt weiter an, denn auch wenn „I Hate Love“ recht poppig ist, besitzt es eine Menge Charme. Die Gitarren sind recht ruhig aber wieder etwas treibender und alles wirkt strukturierter und straighter als noch bei den Experimenten zu Beginn des Albums.

„Kaffee mit Milch und Zucker? Draußen nur KĂ€nnchen!“ – „Sugar“ erinnert nicht nur wegen der genannten BrĂŒcke, sondern auch ob seiner vertrĂ€umten Art an den Schmachter „Milk“ vom 1995er DebĂŒtalbum, reicht in Sachen IntensitĂ€t allerdings nicht ganz an diesen heran. Gut gelungen ist hingegen bei „Battle In Me“ die schon vorher so ersehnte Symbiose der frĂŒheren Rocksongs mit trendigeren Mitteln und dieser Song weiß neben den ruhigeren Songs des Albums ebenfalls zu ĂŒberzeugen.

Richtig interessant wird es bei „Man On A Wire“, denn hier bricht Shirley Mansons Vorliebe fĂŒr Blondie Deborah Harry durch, mit der sie im letzten Jahr u.a. auch deren alten Hit „Call Me“ live im Fernsehen performt hatte. „Man On A Wire“ erinnert an „Hanging On The Telephone“, allerdings im rockigeren Garbage-Gewand und mit ordentlich Druck. Fast scheint es, als wĂ€ren die Songs tatsĂ€chlich in der vorliegenden Albumreihenfolge entstanden und man habe sich nach den Experimenten zu Beginn noch wĂ€hrend der Aufnahmen dazu entschlossen, ĂŒber die ruhigen StĂŒcke zurĂŒck zu alter StĂ€rke zu finden. Sehr gelungen das Ganze!

Mittlerweile ist man als Fan der ersten Stunde bereits lĂ€ngst etwas besĂ€nftigt und da passt der Albumabschluss mit „Beloved Freak“ wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge, denn es klingt beschwichtigend und markiert das sanfte Ende einer turbulenten Reise durchs neue Werk.

Dank Shirleys lasziver Stimme kann man Garbage auch auf dem neuen Album natĂŒrlich deutlich heraushören, sie haben aber leider wiederum nicht ganz an ihre alte Form anknĂŒpfen können. Trotzdem ist „Not Your Kind Of People“ kein schwaches Album, sondern eher im Gegenteil – Die Fussstapfen sind einfach verdammt groß! Das neue Album enthĂ€lt einige wirklich gute Songs und besitzt zudem Potential sich noch mehr zu entfalten und offenbaren. Es bedarf einiger DurchgĂ€nge, um die wahre Schönheit vieler Songs zu erkennen. Garbage haben sich weiterentwickelt, was ja durchaus lobenswert ist. Ein zusĂ€tzlicher Schuss Coolness wie einst bei „Queer“ oder Straightness wie bei „Happy When It Rains“ hĂ€tte „Not Your Kind Of People“ trotzdem sicher an der ein oder anderen Stelle gut gestanden. So ist es ein wirklich gutes, aber kein herausragendes Album geworden.

Neben der hier besprochenenen Standard-Edition gibt es noch eine Deluxe-Edition, die ĂŒber ganze vier Bonustracks verfĂŒgt!

Tracklist:
01. Automatic Systematic Habit (3:18)
02. Big Bright World (3:35)
03. Blood For Poppies (3:38)
04. Control (4:12)
05. Not Your Kind Of People (4:57)
06. Felt (3:26)
07. I Hate Love (3:54)
08. Sugar (3:59)
09. Battle In Me (4:14)
10. Man On A Wire (3:07)
11. Beloved Freak (4:30)

Autor: Michael Gamon

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