Tying Tiffany – Dark Days, White Nights

Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

8 Bewertung

8


Tying Tiffany - Dark Days, White Nights

Es gibt nur wenige Bands aus Italien, die es in die „schwarze Szene“ schaffen und auch wenn Tying Tiffany mit ihren Füßen nicht ausschließlich in dieser Szene steckt, so rekrutiert sie ihre Fanbase doch vielfach genau hier und wird zur Stilikone erkoren. Dabei ging der Ruhm der extrovertierten Italienerin gar nicht im Musikbusiness los, denn zunächst einmal sorgte sie mit Fotos von sich für Aufsehen, ist sie doch bekennendes „Suicide Girls“ Mitglied, Model und sogar DJane. Das ist zwar für die Musik nur nebensächlich, zeigt sich aber vielfach in ihren energiegeladenen Liveshows, die bei jedem Besucher für bleibende Eindrücke sorgen. Da spielt Tying Tiffany gemeinsam mit ihren Mitstreitern ihre Extrovertiertheit voll aus und bringt die Säle zum Kochen. Doch auch auf Silberling weiß sie zu überzeugen, wovon zuvor bereits drei frühere Alben Zeugnis ablegten. Richtig Fahrt aufgenommen hat der Sturm auf die Musikbastion aber erst mit dem 2010er Werk „Peoples Temple“ und dem daraus resultierenden ausgiebigeren Touren. Jetzt steht mit „Dark Days, White Nights“ endlich der ersehnte Nachfolger in den Regalen. Der Titel ist exemplarisch für Tying Tiffany, denn beides passt irgendwie: Zum einen sorgt ihr an Bands wie Florence + The Machine, Fever Ray oder in ruhigen Momenten gar an Adele erinnernder Stil dank tiefen Bassläufen auch am Tage konsumiert für eine düstere Stimmung, zum anderen erhellt sie selbst jeden dunklen Raum und jede Nacht mit ihrer Ausstrahlung. Wie die Referenzenliste andeutet, befindet sich Tying Tiffany in bester Gesellschaft bei der Aufarbeitung des New Wave Gedanken in der Post Punk Neuzeit. Deutliche Einflüsse hat sie auch aus dem Schaffen einer Siouxsie gesogen, deren Sound adäquat remastered und den Sprung ins neue Jahrtausend gekonnt vollzogen.

Doch was hat sich im Vergleich zum eigenen Vorgänger musikalisch getan? „Dark Days, White Nights“ erscheint stimmiger und in sich geschlossener als „Peoples Temple“, dafür sind aber auch die vollkommenden Extreme in der Musik etwas gewichen. Noch immer wandelt sie auf den breiten Pfaden zwischen düsterem Gothic-Rock und durchgeknalltem Electroclash a la IAMX, lässt sich dieses Mal aber scheinbar etwas enger an die Leine nehmen und so sind die ausufernden Extreme so mancher früherer Songs verschwunden. Poppig oder locker leicht zu konsumieren ist Tying Tiffanys Musik aber zum Glück weiterhin nicht und will trotz erleichtertem Einstieg noch weiter erschlossen werden. Am einfachsten klappt das wohl mit dem Eröffnungstrack „New Colony“, der den Zuhörer düster-schleppend in die Welt der Italienerin einführt. Es geht immer tiefer in die dunklen Gänge italienischer Straßen, hindurch durch „Dark Day“s und man muss schon aufpassen, dass man nicht in dieser Atmosphäre versinkt. „Drowin“ war einigen Zockern jedenfalls vielleicht schon vor Albumrelease bekannt, befindet es sich doch auch als Soundtrack im Spiel „Fifa 2012“. Schön spielt sie wie beim fast trashigen „She Never Dies“ mit Dynamikwechseln und erstickt Langeweile auf komplette Albumlänge schon von Beginn an im Keim. Das Spektrum reicht von schleppend oder verträumt bis hin zu hypnotischen Trashorgien, die sich tief in den Gehörgang bohren. Den Schlusspunkt setzt aber das äußerst atmosphärische „White Night“, bei dem Verzweiflung spürbar wird und welches mit männlichem Gesang auch von The Cure hätte stammen können.

Das Niveau auf „Dark Days, White Nights“ ist durchweg hoch, allerdings fehlen mir die alles überragenden Highlights, die aus dem Gros an Qualität noch zusätzlich herausstechen. Für den fünften Longplayer wünsche ich mir daher wieder etwas mehr Mut zum Extremen, bis dahin wird „Dark Days, White Nights“ aber ein geeigneter Wegbegleiter sein.


Tracklist:

01. New Colony
02. Dark Day
03. Drown
04. Sinistral
05. She Never Dies
06. Unnerse
07. 5 AM
08. Lepers Of The Sun
09. White Night

Autor: Michael Gamon

More from Sparklingphotos.de

TORUL & EGOAMP – Oberhausen, Kulttempel (11.10.2015)

EGOamp wurde von Asmodi Caligari und Cesare Insomnia gegründet. Das Projekt wird...
Read More