Leichtmatrose – Gestrandet

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Leichtmatrose – Gestrandet


"Leichtmatrosen habens schwer" singt Andreas Stitz alias Leichtmatrose und wenn es mit dem Erfolg der Platte nicht klappen sollte, dann hat er wohl recht gehabt, denn "Gestrandet" ist für mich eines der interessantesten Alben des Jahres, soviel kann schon jetzt gesagt werden. "Gestrandet" klingt frisch und neu, aber gleichzeitig auch irgendwie bekannt. Auf den ersten Blick scheint der von niemand Geringerem als Joachim Witt entdeckte Leichtmatrose in ähnlichem Fahrwasser wie Bands der Marke Wolfsheim oder Schiller zu schwimmen. Doch wenn man genauer hinsieht oder besser hört, merkt man, dass hier viel Wert auf Details gelegt wurde. Immer wieder schleichen sich neue Klänge in den ursprünglichen Rhythmus und sorgen für Abwechslung. Und natürlich sticht musikalisch zudem die Single "Sexi Ist Tot" heraus, die wir an anderer Stelle hier bereits besprochen hatten. "Sexi Ist Tot" zeichnet sich durch schönste Wavegitarren und beschwörenden Gesang aus und ist ein sicherer Kandidat für die Tanzflächen der Nation.

Mindestens genauso wichtig wie die Musik selbst, sind beim Leichtmatrosen aber auch die Texte, die den Nerv der Zeit treffen und sich dabei um alltägliche soziale Abgründe, vor allem aber um das Thema "Sehnsucht" im Allgemeinen, drehen. "Sexi Ist Tot" behandelt das Problem Magersucht bei jungen Frauen, die ihren Modelvorbildern nacheifern und dabei keinerlei Rücksicht auf die eigene Gesundheit nehmen. Noch einen Schritt weiter geht "Junge Von Nebenan", das sich um das Thema Amokläufe dreht und durch den Amoklauf in Winnenden im März diesen Jahres leider an blutiger Aktualität gewonnen hat.

Los geht es zunächst aber mit dem wunderschönen "Herztransplantation", das gleich zu Beginn das Zerrissensein der handelnden Akteure beschreibt, denn wie bei vielen der folgenden Songs auch, erfährt die Handlung gegen Ende eine völlig neue Wendung, ganz so, wie das Leben eben teilweise tatsächlich spielt. Dieses lyrische Geschick ist es dann neben den eingängigen Melodien auch, was den besonderen Reiz dieser CD ausmacht und selbst ein Vergleich zum Meister der Schwerenot "Morrissey" selbst erscheint nun plötzlich nicht mehr vollkommen widersinnig. Dieser auch gerne mal zum Sarkasmus neigende Wortwitz zeigt sich immer wieder, so zum Beispiel auch beim folgenden "In Wahrheit Gelogen", wo es exemplarisch heißt "dann kam das Jahr in dem Mutti nicht mehr war, es war der 3. März und ich sagte noch zum Scherz, lass dich nicht so hängen".

Das Album hält auch danach weitere Highlights wie die beiden -von der ersten Single bereits bekannten- Songs "Sexi Ist Tot" und "Gestrandet" bereit, bevor mit "Studentenfutter" ein Sommerhit der etwas anderen Art folgt. Unnötig zu erwähnen, dass auch hier der Text genau zu beachten wäre. Der thematische Hintergrund vom süßlich eingängigen "Junge Von Nebenan" wurde oben bereits erwähnt, was nicht der einzige Grund sein wird, warum man den Track auch über Tage hinweg nicht mehr aus dem Kopf bekommt – hier herrscht Ohrwurmgarantie. Das düstere "Der letzte Zug" beendet textlich passend mit einem "Adieu" diese musikalische Klangreise.

Ein durchweg tolles Erstlingswerk, das einen von Beginn an packt und nicht mehr loslässt, einen ganz im Gegenteil sogar immer weiter vereinnahmt und mit seinen intelligenten Texten zum Nachdenken anregt. Auch für Langzeitwirkung ist gesorgt, da man an den Songs immer wieder neue Facetten erkennt und sich daher immer wieder aufs Neue auf die Reise begibt, ohne jemals selbst zu stranden. Würde man dies tun, wäre "Gestrandet" aber wohl absolut erste Wahl als "Einsame Insel-CD".

Tracklist:
01. Herztransplantation
02. In Wahrheit Gelogen
03. Gestrandet
04. Sexi Ist Tot
05. Der Einsame Astronaut
06. Der Mond Trägt Ein Trauriges Gesicht
07. Studentenfutter
08. Junge Von Nebenan
09. Vom Esel Im Gallopp Verloren
10. Himmelfahrt
11. Leichtmatrosen Haben’s Schwer
12. Der Letzte Zug

Bewertung : 9,5 /10 Punkte

Autor : Michael Gamon

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