Din [A] Tod – Westwerk

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Din [A] Tod – Westwerk

Die Berliner Band Din [A] Tod ist mein persönlicher Favorit für den unvorteilhaftesten Namen der Szene. Nachdem ich den etwas lächerlich-plakativ klingenden Namen seinerzeit erstmals gehört hatte, bestand meinerseits kein Interesse deren Musik kennen zu lernen. Umso überraschter war ich im November 2007, als ich die beiden damaligen Einzelkämpfer Sven Claussens und Claudia Fasold im Rahmen der Out Of Line Festivals 2007 live sah und durchaus begeistert war. Denn der Stil der Band deckt sich so gar nicht mit dem was man (bzw. zumindest ich) mit einem solchen Namen verbinden würde. Achtziger Jahre beeinflusste Elektronik regiert bei Din [A] Tod und das in einer angenehmen Form. Hörer die dieses Genre bevorzugen werden zumeist sicher durch den Namen abgeschreckt, wohingegen diejenigen, die der reißerische Name anzieht, von der Musik voraussichtlich eher weniger begeistert sein dürften. Vielleicht sehe ich das etwas zu engstirnig, ich bin aber überzeugt, dass die durch den Einstieg von Philip Albus mittlerweile zum Trio angewachsene Band mit einem anderen Namen noch stärker für Aufsehen sorgen würde, musikalisches Potential ist mehr als genug vorhanden.

Das Album beginnt mit dem sich langsam zu Sven’s Gesang aufbauenden "Some Kind Of Hate", bevor Sängerin Claudia mit einsteigt und den Track weiter vorantreibt, bevor er sich im mitreißenden Refrain entlädt. Die wechselnden Gesangsanteile sorgen auch im weiteren Verlauf stets für Abwechslung. Beide Vocalisten mögen keine Anwärter auf den Sieg eines Heavenly Voices Contests sein, sorgen aber trotzdem für eine gute und stimmige Atmosphäre, mal warm, dann wieder eher unterkühlt. Cureähnliche Klänge eröffnen den nächsten Track "Westwerk", einem der Highlights des Albums. Treibende Bassläufe und das agile Schlagzeug bringen den Song in die Nähe vieler Waverockklassiker. Hier ist Din [A] Tod ein echter Kracher gelungen. Nach ein bisschen Zeit zum leichten durchatmen ist "Patron Of the Young" bereits wieder einer jener druckvollen Songs, die die Qualitäten von Din [A] Tod optimal herausstellen, bevor die drei bei "Warsaw" ihren alten Heroen Joy Division huldigen. Eine gelungene Adaption, die zwar nicht ganz so düster wie das Original daher kommt, aber ebenfalls vor Energie strotzt. "Corridors" ist ein schönes Instrumental, das mit einem geschickten Break aufwarten kann.

Im Folgenden geht das heitere Einflussraten weiter und so erinnert mich "Fertile, Yes!" an eine gemäßigte Ausführung eines Skinny Puppy Songs mit verquerem Gesang und nervös wimmerndem Bass. Für einen gelungenen Abschluss sorgt am Ende "Vorwärts, Wir Müssen Zurück", das wie der Eröffnungstrack langsam und verhalten beginnt, dann jedoch eine gewisse Eigendynamik entwickelt, welche man auch dem gesamten Album konstatieren kann. Immer mehr setzt sich dieses in den Gehörgängen fest und weckt Erinnerungen an die großen Tage des Waverocks, ist dabei aber weitestgehend vor Plagiatsvorwürfen gefeit, da Din [A] Tod die bekannten Zutaten mit modernen Electroclash-Einflüssen kombinieren und dadurch durchaus Eigenständigkeit entwickeln.

Ein durchweg überzeugendes Album, das es verdient Beachtung zu finden. Wollen wir hoffen, dass der ungeschickte Name dem Projekt nicht im Wege steht. Es wäre wirklich schade drum …

Tracklist:
01. Some Kind Of Hate
02. Westwerk
03. Glory In The Highest
04. Cold Star
05. Spartakus
06. Patron Of The Young
07. The Clockwork
08. Warsaw
09. Corridors
10. Fertile, Yes!
11. Flames Of The Calvary
12. Vorwärts, wir müssen zurück

Bewertung : 8,5 / 10 Punkte

Autor : Michael Gamon

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