LOST IN HOLLYWOOD – „Lost In Hollywood“

Lost In Hollywood
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Lesedauer: 12 Minuten
Unsere Wertung
8,5 / 10
plus Sternchen

Mit ihrem selbstbetitelten zweiten Album zeigen Lost In Hollywood, dass sie mehr sind als nur ein weiterer Name in der modernen Metalcore-Landschaft. Die Hamburger verbinden Härte und Atmosphäre mit einer emotionalen Direktheit, die spürbar aus persönlichen Erfahrungen entsteht.

Was zunächst wie ein weiteres stark produziertes Genre-Release wirken könnte, entfaltet beim genaueren Hinhören eine überraschende Tiefe. Gerade die Vielzahl an beteiligten Songwritern lässt zunächst vermuten, dass dabei etwas von der persönlichen Handschrift verloren gehen könnte. Umso stärker wirkt das Gegenteil: Das Album fühlt sich nahbar und ehrlich an. Gleichzeitig sorgen Co-Producer Max Ivory und das Mastering von Christoph Wieczorek (Produzent / Annisokay) für einen internationalen, druckvollen Sound, der diese Emotionalität zusätzlich trägt.

Zwischen wuchtigen Breakdowns, eingängigen Refrains und cineastischen Momenten entsteht ein Sound, der sich zwischen Zerbrechlichkeit, innerem Aufbruch und der Suche nach einem neuen Gleichgewicht bewegt. Was sich hier entfaltet, ist kein glatt poliertes Gesamtbild, sondern ein Album, das von inneren Konflikten, Verlust und dem Versuch erzählt, sich selbst wiederzufinden – ohne dabei einfache Antworten zu liefern.

Track-by-Track

Der Opener setzt den emotionalen Grundton des Albums und stellt direkt die zentrale Stärke von Lost In Hollywood heraus: Selbstreflexion. Entstanden in Zusammenarbeit mit Timo Bonner (Our Mirage) und Manuel Kohlert (Future Palace), verbindet der Track modernes Songwriting mit einer spürbaren emotionalen Intensität. „I Should Have Known Better“ erzählt von einer toxischen Beziehung, ohne sich in Schuldzuweisungen zu verlieren.

Zeilen wie „I should’ve known better when you smiled that way“ oder „I fell for the lies I didn’t wanna see“ verdeutlichen, dass es hier nicht nur um die Fehler der anderen Person geht, sondern auch um das eigene Wegsehen. Genau diese Ehrlichkeit verleiht dem Song Gewicht. Auch musikalisch trägt der Track eine unterschwellige Schwere in sich, die sich von Beginn an bemerkbar macht. Präzises Drumming, fließende Drum-and-Bass-Elemente und eingängige Melodien greifen ineinander, während sich im Hintergrund eine Spannung aufbaut, die sich zunehmend verdichtet. Vor allem Amon Garrasis Stimme macht den Song erlebbar – zwischen Zurückhaltung und dem Moment, in dem alles aufbricht, transportiert sie jede Emotion unmittelbar und lässt die innere Zerrissenheit spürbar werden.

Im Moment des Ausbruchs kippt der Song in pure Konfrontation:

„No more pretending
No more games
I’ll burn the bridges
Forget your name“

Der anschließende Growl wirkt wie ein Ventil – rohe Wut, die sich Bahn bricht und alles mitreißt, was zuvor unterdrückt wurde. An diesem Wendepunkt löst sich der Song aus der Eskalation und öffnet sich für etwas Neues:

„The scars you left won’t define me
I’m moving forward
Now I am free“

Was zuvor von Verletzung und Wut geprägt war, wandelt sich in Klarheit und Loslösung. Der Track endet nicht im Schmerz, sondern in einer Form von Klarheit und Selbstfindung.Ein Opener, der nicht nur thematisch, sondern auch emotional und musikalisch sofort deutlich macht, wie viel Tiefe in diesem Album steckt.

LOST IN HOLLYWOOD - I Should Have Known Better (OFFICIAL VIDEO)

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„Pretty Skin“ verlagert den Fokus in einen Raum emotionaler Leere. Das zentrale Bild des Songs – „We’re nothing more than a dead shell with pretty skin“ – bringt diesen Zustand eindringlich auf den Punkt: eine schöne Oberfläche, hinter der längst nichts mehr trägt. Der Song greift dabei das Gefühl auf, nach einer Trennung emotional weitergehen zu wollen, obwohl das Vergangene noch nicht verarbeitet ist. Genau darin liegt seine Stärke: „Pretty Skin“ beschreibt nicht nur das Ende einer Beziehung, sondern auch diesen Zwischenzustand, in dem man funktioniert, ohne wirklich weiter zu sein.

Der Gesang bleibt bewusst zurückgenommen und wirkt stellenweise fast zerbrechlich. Verfremdete Stimmeffekte verleihen dem Track eine distanzierte, beinahe entrückte Atmosphäre. Gleichzeitig zieht sich das wiederkehrende Motiv wie ein Schatten durch den Song:

„Like a ghost
You’re haunting me
Wherever I go
Can’t you just set me free“

Diese Zeilen wirken weniger wie eine direkte Ansprache als vielmehr wie ein innerer Zustand – eine Vergangenheit, die sich nicht abschütteln lässt und jede neue Nähe überschattet. Im Hintergrund verstärkt eine zweite, rauere Stimme das „Can’t you just set me free“ und gibt dem Moment zusätzliche Tiefe. Gerade dieses Bild von schöner Oberfläche und innerer Leere wirkt dabei erstaunlich zeitgeistig. „Pretty Skin“ lässt sich problemlos über die einzelne Beziehung hinaus lesen – als Spiegel einer Generation, die sich oft zwischen Selbstdarstellung, emotionalem Druck und innerer Leere bewegt.

Musikalisch zeigt sich der Track zunächst kontrolliert, fast zurückhaltend, bevor sich die Spannung langsam verdichtet. Im Breakdown bricht dieses Gefühl auf – das wiederholte „Set me free“ wird zum verzweifelten Versuch, sich von etwas zu lösen, das längst fest verankert ist. Die kurzen, harten Akzente wirken dabei wie Störgeräusche im System, bevor ein melodisches Gitarrensolo dem Song noch einmal Raum gibt. Gerade dieser Kontrast macht „Pretty Skin“ so wirkungsvoll: Zwischen Leere, Nachhall und dem Wunsch nach Befreiung entsteht ein Track, der weniger durch Härte als durch seine Atmosphäre trägt.

LOST IN HOLLYWOOD - Pretty Skin (OFFICIAL VIDEO)

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„Pieces“ wirkt wie die emotionale Entladung nach dem Zerfall. Der Song beschreibt den Moment, in dem eine Beziehung endgültig auseinanderbricht – und eine Person die Scherben aufsammelt, während die andere längst weitergezogen ist. Lines wie „How can you sleep with a smile when I’m not over it“ bringen diese Schieflage ungeschönt auf den Punkt. Der Track bündelt Frust, inneren Druck und das langsame Zerfallen dessen, was man sich mühsam aufgebaut hat. Nichts daran wirkt glattgezogen – „Pieces“ ist roh, direkt und von einer Schwere durchzogen, die nicht nur aus der Härte der Riffs entsteht, sondern aus der schonungslosen Offenheit dahinter. Hier trifft Wucht auf Verletzlichkeit, ohne Filter, ohne Schutzschicht.

Gleichzeitig liegt in diesem Zusammenbruch bereits ein Wendepunkt. „Something has changed, I’m breaking the chains“ – ein klares Statement für Abgrenzung, Selbstbehauptung und den Entschluss, den Schmerz nicht länger mitzutragen. Massive Gitarrenflächen treiben den Song nach vorne, während der Gesang mühelos zwischen Intimität und Eskalation pendelt. „Pieces“ fühlt sich an wie ein Kontrollverlust mit Ansage – intensiv, fokussiert und bewusst unbequem. Das macht den Track zu einem der energetischsten des Albums. „Pieces“ ist wie gemacht für die Bühne: Durch die Dynamik entfaltet sich eine Energie, die man direkt live vor sich sieht.

LOST IN HOLLYWOOD - Pieces (OFFICIAL VISUALIZER)

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„Like A River“ fühlt sich an wie ein Strudel, dem man sich nicht entziehen kann. Der Song greift das Gefühl auf, mit voller Wucht von Emotionen erfasst zu werden. Was hier passiert, ist kein langsames Abrutschen, sondern ein Kontrollverlust, der einen mit sich reißt. Die Bildsprache ist dabei deutlich drastischer als auf den vorherigen Tracks. Zeilen wie „Bleed me dry“, „Stab my eyes“ oder „Do you want me dead“ zeichnen ein klares Bild von emotionaler Überforderung – von einem Zustand, in dem Nähe nicht mehr trägt, sondern zerstört.

Das zentrale Motiv des Flusses zieht sich konsequent durch den Song. Er steht für etwas, das unaufhaltsam ist – eine treibende Kraft, die nicht nachlässt, die zieht, zerrt und immer weiter nach unten drängt. Man kämpft dagegen an, aber jede Bewegung scheint einen nur tiefer hineinzuziehen. Auch stimmlich verstärkt sich dieses Gefühl. Im Zusammenspiel mit Tyler Ennis von Of Virtue entsteht eine zusätzliche Dynamik – zwei Stimmen, die sich gegenseitig antreiben und den inneren Konflikt greifbar machen. Gerade diese Kombination verleiht dem Song eine besondere Intensität.

Musikalisch ist „Like A River“ stark elektronisch geprägt und setzt auf moderne Strukturen, die den Track nach vorne pushen. Gleichzeitig bleibt ein Eindruck zurück: Dieser Strudel, den der Song thematisch so eindringlich beschreibt, hätte sich musikalisch noch weiter zuspitzen dürfen. Die Bilder sind unendlich stark – doch gerade in den extremen Momenten fehlt der letzte Schritt, um diese Intensität vollständig auszuspielen.

„Love Is Dying“ schlägt ruhigere Töne an – und zieht gerade dadurch sofort in seinen Bann. Statt nach vorne zu drängen, öffnet sich der Song nach innen. Beim Hören möchte man instinktiv näher an die Lautsprecher heranrücken, als würde jede Nuance leiser erzählt werden und genau deshalb intensiver wirken. Im Zentrum steht eine Liebe, die langsam zerbricht. Nichts daran ist abrupt – vielmehr ist es dieses leise Auseinanderdriften, das den Song so schwer macht. Und doch liegt in all dem Schmerz etwas Tröstendes, beinahe Umarmendes.

Einen entscheidenden Anteil daran hat Philip Strand von Normandie. Seine warme, emotionale Stimme bringt eine Zerbrechlichkeit in den Song, die sich nahtlos mit Amons Gesang verbindet. Gemeinsam tragen sie diese fragile Stimmung, ohne sie zu überladen.

„I tried to hold you
But you slipped through
Every touch felt like
I never knew you“

Diese Zeilen greifen genau dieses Gefühl auf: Nähe, die sich plötzlich fremd anfühlt. Berührung, die nichts mehr hält. Was bleibt, ist Leere – und die Erkenntnis, dass etwas verloren gegangen ist, das sich nicht mehr zurückholen lässt. Auch visuell wird diese Distanz aufgegriffen. Im Musikvideo steht Amon hinter einer Glasscheibe, die ihn verpixelt wirken lässt. In unserem Interview erklärte er die visuelle Umsetzung: „Für mich symbolisiert diese Glasscheibe emotionale Distanz. Man sieht die Welt noch – aber man ist irgendwie davon getrennt. Durch den pixeligen Look soll auch die Frage aufgeworfen werden, ob man die Person in der Beziehung überhaupt richtig kennt oder sehen kann.“ Dieses Motiv zieht sich spürbar durch den gesamten Song: das Gefühl, sich nah zu sein und doch nicht wirklich durchzudringen.

„This broken heart is
All that’s left of me
But I can’t, no I can’t
I can’t set you free“

„Love Is Dying“ endet nicht in einem klaren Schlussstrich, sondern mit einem gebrochenen Herzen, das noch an etwas festklammert, das längst verloren ist.

LOST IN HOLLYWOOD - Love is Dying ft. Philip Strand from NORMANDIE (OFFICIAL VIDEO)

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„Ghost In The Water“ gehört zu den intensivsten Momenten des Albums. Der Song wirkt wie eine unmittelbare Auseinandersetzung mit Trauer und Schuld – nicht als abgeschlossene Erinnerung, sondern als etwas, das weiterhin nachwirkt. Ausgangspunkt ist ein persönlicher Verlust: der Tod von Amons Großmutter, bei der er ab seinem 15. Lebensjahr gelebt hat. Ein Ereignis, das Fragen hinterlässt – und Schuldgefühle, die bis heute nachhallen.

Schon der Einstieg ist ruhig, fast vorsichtig. Der Gesang wirkt nachdenklich, getragen, als würde jedes Wort abgewogen. Doch unter dieser Oberfläche liegt eine Spannung, die sich nicht auflösen will. Wenn die Gitarren einsetzen, schlagen sie mit voller Wucht ein und reißen den Song aus dieser Ruhe heraus. Inhaltlich kreist der Track um diese eine, quälende Frage: „Was I too late? Did I miss the signs?“ Es ist die Suche nach Antworten, die es vielleicht nie geben wird. Der Gedanke, ob man hätte mehr sehen, mehr tun, mehr geben können – ob sich der Verlauf hätte verändern lassen. Fragen, die bleiben. Der Refrain trägt diese Emotion nach außen. Eingängig, fast hymnisch, und gerade deshalb so wirkungsvoll. Er setzt sich im Ohr fest, während die Schwere des Themas weiter nachklingt.

Die Breakdowns funktionieren dabei weniger als Ausdruck von Härte, sondern vielmehr als innerer Zusammenbruch. Selbstvorwürfe, die sich entladen. Gedanken, die sich nicht mehr kontrollieren lassen. Besonders berührend ist die Zeile: „You were my shelter, now I’m the thunder.“ Sie beschreibt einen Wandel, der tief verwurzelt ist. Seine Großmutter war für ihn Schutz und Halt in einer schwierigen familiären Situation. Dass er heute sein Leben wieder bewusst leben und genießen kann, steht auch in Verbindung mit dem, was sie ihm mitgegeben hat. Trotz aller Schwere liegt im Song eine emotionale Wucht samt einer deutlich spürbare Stärke – etwas, das geblieben ist. Eine Kraft, die weiterträgt und die aus genau diesem Schutz gewachsen ist.

Mit „Father“ wird das Album plötzlich still – aber nicht leiser im Gefühl. Das Interlude wirkt wie ein offener Brief, der nie für eine Antwort geschrieben wurde. Eine verfremdete, fast distanzierte Stimme trägt die Worte vor, während im Hintergrund eine Sirene aufheult und eine unterschwellige Dramatik mitschwingt. Im Kern geht es nicht um Konfrontation, sondern um Abgrenzung. Nicht darum, verstanden zu werden – sondern darum, endlich auszusprechen, was lange unausgesprochen blieb. Es sind Sätze, die nachhallen: Nicht die Erwartung, dass sich etwas ändert. Nicht die Hoffnung auf Verständnis. Sondern die Erkenntnis, dass man mit dem leben muss, was passiert ist – und dass der andere es nun auch muss.

„I don’t have to forgive.
I have to live with what you did to me.
But now you have to live with it too.
Cause now you know that I still remember.“

Der Brief endet nicht mit Versöhnung, sondern mit einer Frage, die hängen bleibt: „Can you feel the pain?“ Und genau hier setzt der gleichnamige Song an.

„Can You Feel The Pain“ wirkt wie die emotionale Explosion dessen, was zuvor nur angedeutet wurde. Wo „Father“ zurückhält, bricht es hier nach außen. Der Song ist direkt, konfrontativ – und gleichzeitig ein entscheidender Schritt in Richtung Selbstbehauptung. Diese Verbindung und den Hintergrund beschreibt Amon genauer: „Die Songs sind bewusst miteinander verbunden. Das Interlude ist ein sehr persönlicher Moment, während der folgende Song eine Art emotionaler Ausbruch ist. Heilen bedeutet auch, Unabänderliches gehen zu lassen und nicht in der Wut und dem Hass zu verweilen. Der Song musste einfach sein. Dieses Thema beschäftigt mich schon lange und ich habe bemerkt, dass ich dem Impuls darüber zu reden nicht unbeachtet lassen darf, weil die Emotionen einen dann selbst auffressen.“

Inhaltlich markiert der Song einen klaren Perspektivwechsel. Der Blick richtet sich nicht länger auf das Gegenüber, sondern nach innen – auf die eigene Position, die eigenen Grenzen.

„I don’t know what to believe
But I know it’s not me
You are the broken one“

Diese Zeilen stehen für Abgrenzung. Die Schuld wird nicht länger internalisiert, sondern zurückgegeben. Gleichzeitig bleibt spürbar, wie tief die Wunden sitzen. Auch die wiederkehrende Frage „Can you feel the pain?“ wirkt dabei weniger wie ein Vorwurf als vielmehr wie eine Konfrontation – ein Versuch, den Schmerz sichtbar zu machen, der lange keinen Raum hatte. Gleichzeitig zieht sich durch den Song eine Atmosphäre aus innerem Druck, Eskapismus und Selbstzerstörung – angedeutet durch Bilder von Betäubung, Rausch und emotionaler Überforderung.

Zwischen treibender Dynamik und eruptiven Momenten baut sich Stück für Stück Druck auf, der sich schließlich eindrucksvoll in einem explosiven Ausbruch entlädt. Der zentrale Scream wirkt dabei wie ein Ventil – als würde all das herausbrechen, was zuvor noch in Worte gefasst werden musste. Gerade diese Mischung aus Härte und Klarheit macht ihn zu einem der eindringlichsten Tracks des Albums – und zu einem Moment, der emotional besonders trifft und nachwirkt.

LOST IN HOLLYWOOD - Can You Feel The Pain (OFFICIAL VISUALIZER)

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„The Art of Being Torn Out“ ist der radikalste Moment des Albums. Entstanden in Zusammenarbeit mit mehreren Songwritern und mit Chris Zühlke von Half Me als Feature, wirkt der Track wie ein ungebremster Zusammenstoß aus Wut, Kontrollverlust und Selbstzerstörung. Inhaltlich geht es um einen inneren Kampf, der sich nicht beschönigen lässt: Sucht, Identitätsverlust und das Gefühl, sich selbst zu verlieren – und gleichzeitig der Versuch, sich genau daraus wieder herauszureißen.

Musikalisch ist das ein Brett. Hart, direkt, ohne Umwege. Die Screams sind nicht einfach nur aggressiv – sie wirken wie ein permanentes Gegeneinander, als würden sich die Stimmen gegenseitig antreiben, hochschaukeln und immer weiter pushen. Dieses Wechselspiel verstärkt das Gefühl eines inneren Kampfes, der keine Pause kennt. Gerade in dieser Kompromisslosigkeit liegt die Stärke des Tracks. Hier wird nichts abgefedert, nichts geglättet. „The Art of Being Torn Out“ fühlt sich nicht wie ein Song an, der etwas verarbeitet – sondern wie einer, der genau in diesem Moment passiert.

Die Dopamin- und Nadel-Metaphern wirken dabei auf den ersten Blick direkt, sind aber bewusst als Bild gewählt. Es geht weniger um eine konkrete Sucht, sondern um das Gefühl, etwas gefunden zu haben, das einen komplett einnimmt – etwas, das glücklich macht, aber gleichzeitig die Gefahr birgt, sich daran zu verlieren. Genau hier öffnet der Song eine weitere Ebene: Selbstfürsorge. Zwischen all der Wucht steht die Erkenntnis, dass man auf sich selbst achten muss, um nicht an dem zu zerbrechen, was einem eigentlich Halt gibt. „The Art of Being Torn Out“ ist damit mehr als nur der härteste Track des Albums – er ist sein ungeschöntester.

LOST IN HOLLYWOOD - The Art of Being Torn Out ft. Half Me (OFFICIAL VIDEO)

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„Chasing Dreams“ bewegt sich thematisch weiter im Spannungsfeld aus Abhängigkeit, Selbstzweifeln und dem Versuch, sich aus einer zerstörerischen Dynamik zu lösen. Der Song beschreibt das Gefühl, sich in etwas zu verlieren, das man eigentlich als Rettung gesehen hat – nur um festzustellen, dass es einen immer weiter nach unten zieht. Zeilen wie „Hands on my neck, you’re choking me out“ oder „You feel like suicide“ zeichnen ein klares Bild von emotionaler Überforderung und innerem Konflikt. Gleichzeitig steckt darin der Wunsch, sich daraus zu befreien – auch wenn dieser Schritt noch nicht vollständig gelingt. Musikalisch blitzen schöne Ansätze auf, die dem Song eine gewisse Leichtigkeit geben, dennoch fehlt „Chasing Dreams“ im Gesamtbild etwas von der Intensität, die viele der anderen Tracks so besonders macht. Die Energie wirkt stellenweise zurückhaltender, und auch die eingesetzten Effekte – insbesondere im Gesang – nehmen dem Song ein Stück seiner Direktheit. So bleibt ein Track, der zwar stimmig ins Gesamtbild passt, aber weniger nachhallt als die stärkeren Momente des Albums.

Mit „The Fire“ findet das Werk einen Abschluss, der thematisch vieles noch einmal bündelt. Der Song kreist um die bewusste Entscheidung, sich erneut in etwas zu stürzen, von dem man weiß, dass es einen verletzen kann. Das zentrale Bild des Feuers steht dabei für ein Wechselspiel aus Leidenschaft und Zerstörung. Beides ist untrennbar miteinander verbunden: Was intensiv und lebendig macht, kann ebenso zerstören. „The Fire“ erzählt nicht von klaren Entscheidungen oder geradliniger Heilung, sondern von Rückschritten, von Momenten, in denen man sich trotz besserem Wissen noch einmal hineinziehen lässt. Der Song erkennt an, dass Heilung selten linear verläuft – dass es Teil dieses Prozesses ist, auch wieder zu fallen, solange man insgesamt weitergeht.

Entstanden unter anderem in Zusammenarbeit mit Jules Mitch (SETYØURSAILS), fügt sich „The Fire“ nahtlos in das moderne Metalcore-Klangbild ein, ohne dabei an emotionaler Direktheit zu verlieren. Druckvolle Gitarren treffen auf eingängige Melodien, während gezielte Stimmeffekte dem Song zusätzliche Dynamik verleihen. Als Abschluss funktioniert „The Fire“ deshalb weniger als endgültiger Schlusspunkt, sondern eher wie ein offenes Weitergehen. Kein klares Ende – sondern die Erkenntnis, dass Veränderung ein Prozess bleibt.

Foto: Robin Schmiedebach Photography
Fazit:

„Lost In Hollywood“ ist mehr als ein Album – es öffnet einen Raum, in dem Emotionen spürbar werden und beim Hörer etwas in Bewegung setzen, das bis ins emotionale Zentrum trifft.

Ein Werk, das mit ungeschönter Ehrlichkeit punktet. Genau darin liegt seine Kraft. Zwischen all der Wucht, den Melodien und der cineastischen Atmosphäre entfaltet sich etwas, das bleibt – Songs, die nicht nur gehört, sondern gefühlt werden. Momente, die nachhallen, weil sie aus etwas Echtem entstehen.

Es erzählt von Verlust, von Schmerz, von dem Versuch, loszulassen – und von der leisen Stärke, die genau daraus wachsen kann. Es zeigt, wie eng Zerbrechlichkeit und Kraft miteinander verbunden sind. Und dass Heilung kein klarer Weg ist, sondern ein Prozess, der sich manchmal erst im Rückblick begreifen lässt. Lost In Hollywood gelingt es, all das in Musik zu übersetzen, die berührt, ohne sich aufzudrängen – und genau deshalb wirkt. Ein Album, das nicht mit einem Schlusspunkt endet, sondern mit einem Gefühl, das bleibt. Und mit der Gewissheit, dass hier eine Band steht, die gerade erst beginnt, ihr volles Potenzial zu entfalten. Gerade einmal ihr zweites Album – und doch lässt sich bereits erahnen, wohin die Reise gehen kann.

„Lost In Hollywood“ erscheint am 20. März 2026 via Arising Empire und ist als Digipack, Vinyl und digital erhältlich. Passend dazu feiert die Band den Release mit einer besonderen Show im Hamburger Passage Kino – zwischen Screening, Acoustic-Live-Momenten und direkter Nähe zu den Fans.

Wer Lost In Hollywood live erleben möchte, kann sie im April als Support von Archers auf ihrer Europa-Tour sehen – erste Headliner-Shows sind bereits in Planung.

Doch bis dahin gilt: Heavy Repeat.

Tracklist LOST IN HOLLYWOOD – „Lost In Hollywood“
  1. I Should Have Known Better
  2. Pretty Skin
  3. Pieces
  4. Like a River ft. Of Virtue
  5. Love Is Dying ft. Normandie
    06. Ghost in the Water
  6. Father
  7. Can You Feel the Pain
  8. The Art of Being Torn Out ft. Half Me
  9. Chasing Dreams
  10. The Fire
Termine LOST IN HOLLYWOOD als Support von ARCHERS:

18.04.2026 FR, Paris, Les Étoiles
19.04.2026 Köln, MTC
21.04.2026 Wiesbaden, Kesselhaus
22.04.2026 CH, Aarau, Kiff
23.04.2026 IT, Milan, Legend Club
24.04.2026 München, Live Evil
25.04.2026 AT, Salzburg, Rockhouse Bar
26.04.2026 AT, Wien, Viper Room
28.04.2026 CZ, Prag, Bike Jesus
29.04.2026 Stuttgart, Wizemann Studio
30.04.2026 Hamburg, Molotow

Kürzlich sprachen wir mit Sänger Amon Garrasi über die Entstehung des neuen Albums. Unser großes Interview könnt ihr hier nachlesen:

LOST IN HOLLYWOOD im Interview: „Emotionen muss man auch mal rausbrüllen“

Weblinks LOST IN HOLLYWOOD:

Facebook: @lostinhollywood.official
Instagram: @lostinhollywood.official
YouTube: @lostinhollywood.official


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