IAMX zeichnen den Menschen mit „Artificial Innocence“ als Spielfigur zwischen Kontrolle und Selbstverlust

Translate this post
Lesedauer: 4 Minuten

Mit „Artificial Innocence“ führen IAMX ihre sich stetig wandelnde Klangwelt konsequent weiter und markieren zugleich den Übergang aus der Fault Lines-Phase. Der Track, ursprünglich exklusiv auf der Tour-Veröffentlichung „Unmask“ enthalten, löst sich nun aus dem Schatten seiner ursprünglichen Veröffentlichung und tritt als eigenständige Single ins Licht. Damit rückt ein bislang verborgener Song ins Zentrum und erhält den Raum, seine volle emotionale und klangliche Wirkung zu entfalten.

🔊 Lass Dir den Beitrag vorlesen (KI-Stimme):

Getragen von einem pulsierenden elektronischen Unterstrom und aufsteigenden Synthflächen entfaltet sich „Artificial Innocence“ als düstere Darkwave-Komposition voller spürbarer Spannung und innerer Zerrissenheit. Zwischen fragiler Verletzlichkeit und kontrollierter Eskalation stellt Corner zentrale Fragen nach Identität, emotionaler Abstumpfung und dem Verlust von Selbstbestimmung in einer zunehmend künstlich geprägten Welt. Formulierungen wie „I serve my Queen / Submit and concede“ und „She moves me like a pawn“ offenbaren ein deutliches Machtgefälle, in dem das lyrische Ich zur Spielfigur wird und zunehmend die Kontrolle über sich selbst verliert. Die wiederholte Unterwerfung wird dabei zum Ausdruck eines Zustands, in dem Selbstbestimmung schrittweise erodiert.

Mit der zentralen Frage „Am I colder now? Artificial innocence“ beschreibt Chris Corner eine Form künstlicher Reinheit, die nicht befreit, sondern emotional entleert – eine sterile Unschuld, die aus Distanz statt aus Echtheit entsteht. Wenn er schließlich fragt „What am I silicon?“, wird das Bild noch radikaler: Silizium, das Grundelement moderner Technologie, wird zur Metapher einer Existenz, die ihre Menschlichkeit zu verlieren droht. Besonders eindringlich wirkt dabei die Zeile „Why do we have to crash and burn before we return to presence?“, die den emotionalen Zusammenbruch als notwendige Zäsur beschreibt – als schmerzhaften, aber unausweichlichen Moment, um wieder zu sich selbst und zu echter Empfindung zurückzufinden.

Begleitet wird die Single von einem visuell eindringlichen Musikvideo, das die Themen des Songs in eine surreale Bildsprache übersetzt. Gedreht in der kalifornischen Wüste – vollständig mit einem Smartphone aufgenommen und bewusst in Schwarz-Weiß gehalten – wirkt es wie ein fragmentiertes Kunstwerk zwischen Schönheit und Verstörung. Die Kostüme stammen dabei aus Corners eigener kreativer Hand – ein Ausdruck jener kompromisslosen DIY-Ästhetik, die IAMX seit jeher prägt und seine visuelle Welt ebenso stark definiert wie seine Musik.

Spiegel reflektieren das helle Sonnenlicht und brechen die Realität in einzelne Fragmente, während Corner selbst die Grenze zwischen Mensch und künstlicher Identität bewusst verwischt. Mit überzeichnetem Lippenstift, Kontaktlinsen und schwarzen Zähnen inszeniert er sich als bewusst verfremdete Erscheinung. Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung einer Frau, deren Gesicht vollständig von weißen Rosen samt Perlen bedeckt ist, während herausragende Stacheln ihren Atemraum verschließen – ein verstörend schönes Symbol für künstliche Reinheit und unterdrückte Identität. Rosen stehen traditionell für Reinheit und Unschuld, doch die Stacheln verwandeln diese Unschuld in etwas Schmerzhaftes und Bedrohliches. „Artificial Innocence“ wird hier buchstäblich sichtbar: Schönheit als Maske, die zugleich schützt und erstickt.

Die Kontorsionistin und Performerin Katy Mikelle verleiht dem Video mit ihrem fast schon unmenschlich verbiegenden Körpereinsatz eine intensive physische Dimension, die die emotionale und psychologische Zerrissenheit des Songs visuell verdichtet. Ihre in Lack gehüllten Bewegungen wirken zugleich verführerisch und entrückt, während ihr Körper sich in extremen, fast unnatürlich wirkenden Formen windet – wie ein Organismus unter unsichtbarem Druck. Dabei wird ihre körperliche Präsenz zur Projektionsfläche für innere Konflikte, Unterwerfung und Transformation und verstärkt die beklemmende Atmosphäre.

Auch körperliche Verzerrung wird zum zentralen Element: Wenn sich Corners Mund unnatürlich vergrößert und Bewegungen zwischen Kontrolle und Auflösung oszillieren, entsteht der Eindruck eines Menschen, der sich seiner eigenen Form zunehmend entfremdet. Das Video illustriert den inneren Konflikt zwischen emotionaler Echtheit und künstlicher Existenz und verstärkt die verstörende Intensität des Songs.

Chris Corner zeigt mit „Artificial Innocence“ einmal mehr seine Fähigkeit, Musik und visuelle Kunst zu einer intensiven, ganzheitlichen Erfahrung zu verbinden. Die Veröffentlichung wirkt wie ein eindringliches Signal für das, was als nächstes folgen wird, und unterstreicht die kompromisslose künstlerische Vision, die IAMX seit jeher auszeichnet.

IAMX - Artificial Innocence (Official Music Video)

Erst mit einem Klick auf das Vorschaubild wird das Video von YouTube eingebunden. Klicke nur, wenn du der Datenschutzerklärung zustimmst.

Dieser Aufbruch wird sich schon bald auch auf den Bühnen Europas fortsetzen. Den Auftakt bildet am 14. März ein Headliner-Auftritt beim EoNLY Festival in Leipzig, bevor IAMX auf ihrer „Artificial Innocence“-Tour durch zahlreiche europäische Städte führen, in denen Chris Corner seit Jahren nicht mehr zu erleben war. Begleitet wird die Tour von der in Stockholm ansässigen Hauntwave-Künstlerin aux animaux, deren dunkler Sound von 80er-Goth, Horrorästhetik und okkulten Einflüssen geprägt ist. Mit Bass und Theremin erschafft sie eine ebenso unheimliche wie faszinierende Klangwelt, die sich nahtlos in das emotionale und visuelle Universum von IAMX einfügt.

Im Sommer folgen Auftritte bei ausgewählten Festivals, darunter das M’era Luna in Hildesheim, ehe IAMX im Herbst im Rahmen von UNITY 2026 nach Deutschland zurückkehren. Dort präsentiert Chris Corner neben einem Best-Of-Set auch eine besondere Retrospektive seines Schaffens, eingebettet in ein Festivalprogramm, das mit exklusiven Konzeptshows von VNV Nation und Zeromancer ganz im Zeichen der prägenden Alternative- und Dark-Electronic-Ära steht.

„Artificial Innocence“ erscheint damit zugleich als emotionales und klangliches Signal für die kommende Live-Phase – intensiv, kompromisslos und von jener besonderen Nähe geprägt, die IAMX seit jeher zu einem außergewöhnlichen Erlebnis zwischen elektronischer Dunkelheit und menschlicher Verletzlichkeit macht.

Termine IAMX:

14.03.2026 Leipzig, EoNLY Festival
16.03.2026 PL, Gdansk, Parlament
18.03.2026 HU, Budapest, Dürer Kert
20.03.2026 RO, Bukarest, Control Club
21.03.2026 RS, Belgrad, Dorcól Platz
22.03.2026 HR, Zagreb, Močvara
24.03.2026 SI, Ljubljana, Orto Bar
25.03.2026 IT, Milan, Legend Club
27.03.2026 SK, Bratislava, Trnko
28.03.2026 AT, Krems, Stadtsaal
31.03.2026 NL, Eindhoven, Effenaar
01.04.2026 Köln, Die Kantine
03.04.2026 CH, Zürich, Der Schwarze Ball
04.04.2026 Mannheim, MS Connexion
08.-09.08.2026 Hildesheim, M’era Luna Festival
21.-23.08.2026 UK, Manchester, Infest Festival
18.-19.09.2026 Oberhausen, UNITY Festival
02.-03.10.2026 Berlin, UNITY Festival 

Weblinks IAMX:

Webseite: www.iamxmusic.com/
Facebook: @IAMXOFFICIAL
Instagram: @iamx
YouTube: YouTube


Autor


Entdecke mehr von Monkeypress.de

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Translate »