INTERNATIONAL MUSIC – Ententraum

INTERNATIONAL MUSIC - Ententraum
Geschätzte Lesezeit: 2 Minute(n)

8 Musik

7 Roter Faden

Gesamtnote

7.5

Zufälle gibt’s… Ein gewisser Karl Valentin beispielsweise sagte mal: „Ich war ein Mensch, der im Schlaf geträumt hat, dass er eine Ente ist!“ Da könnte man meinen: Deshalb heißt das Album also so! Aber: So ist es nicht. Es ist schlicht und einfach Zufall. Und was sagt das nun überhaupt über dieses Album aus? Nun, es wirkt gerade anfangs mitunter relativ zufällig, wie die Musik nebeneinandersteht. Das sei an dieser Stelle zunächst aber mal neutral angemerkt, das sagt nichts über die dargebotenen Klänge aus. Nur, dass sie eben nicht immer so wirkt, als sei ein roter Faden zu finden. Oder ist der rote Faden eben der, dass es keinen gibt? Wenn man bedenkt, was die Albuminfo sagt, könnte man das annehmen: „Vielleicht sind International Music so etwas wie eine hochmusikalische Punkband. Wobei sie unbedingt auch eine Krautrock-Band sind, hörbar große Verehrer von La Düsseldorf, sich aber immerzu dem Song verpflichtet fühlen. Ebenso unüberhörbar: Der Einfluss der brasilianischen Tropicalismo-Bewegung.“ Alle Klarheiten beseitigt? Gut.

Der Fürst von Metternich eröffnet das Album mit verhangen-poppigen Sounds, in die raue Gitarren einfließen, etwas verwoben wirkt das, aber immer noch relativ klar. Etwas verhangener schon ist ein Stück wie Wassermann, das klar zeigt, dass die Band sich auch im Post-Punk wohlfühlt, während Trauminhalte besungen werden und man doch so etwas wie ein Motiv wahrnimmt. Eher sind es wohl einzelne Motive, die ineinander übergehen, aber sich nicht immer direkt erschließen. So wirkt es erst einmal überraschend, wenn mit Spiel Bass! plötzlich ein ordentlicher Stampfer begegnet, für den sich auch S.Y.P.H. nicht schämen würden, hätten sie ihn geschrieben. Eine Prise Noise klingt da durch, die man an anderer Stelle um einiges deutlicher hört, wenn Marmeladenglas in die Vollen geht und in surrealer Manier von „Ansichtskarten aus meiner Wohnung“ erzählt.

All das, was sich da zu so einer solchen Klangwand aufbaut, wird im folgenden Beauty of the bar wieder geerdet. Mit ruhigen Klängen, die an einigen Stellen entfernt an experimentelle Momente des weißen Albums der Beatles erinnern, zerfranst sich der Klangteppich zum Ende des Stücks hin immer weiter. Die genannten Elemente des Traums, des Surrealen, des Noisigen, sie begegnen später auch noch einmal gebündelt im mehr oder wenigen titelgebenden Der Traum der Ente. Ein Stück, das den Hörer fordert, aber ihn dabei im selben Moment fesselt und, ja, fasziniert. Wenn man so will, ist das Stück die Quintessenz des Albums, die verspätete Ouvertüre.

Nach über einer Stunde bleibt man etwas verwirrt zurück und kann nicht immer so ganz einordnen, was man da gehört hat. Aber man weiß, dass man viele gute Stücke gehört hat, die viele Stile und Elemente repräsentieren und teilweise sprunghaft wirken. Aber wenn man dann wieder beim Bild des Traums ist, wirkt es in der Hinsicht schlüssig: Wenn man intensiv geträumt hat, weiß man auch oft nicht, wie der eine Traum zum anderen kam und wie das eigentlich alles zusammenhängt. Aber es entstand genauso im selben Kopf, wie hier die Musik durchweg von derselben Band ist.

Tracklist INTERNATIONAL MUSIC – Ententraum:

01. Fürst von Metternich
02. Höhle der Vernunft
03. Wassermann
04. Erosion Korussion
05. Spiel Bass
06. Museum
07. Insel der Verlassenheit
08. Zucker
09. Misery
10. Kopf der Band (Pedros Version)
11. Marmeladenglas
12. Beauty of the bar
13. Raus ausm Zoo
14. Immer mehr
15. Der Traum der Ente
16. Dschungel
17. Los Angels

Weblinks INTERNATIONAL MUSIC:

Homepage: www.internationalmusic.band
Facebook: www.facebook.com/internationalmusicband

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