Interview: EMPATHY TEST (Isaac Howlett)

Geschätzte Lesezeit: 6 Minute(n)

Das diesjĂ€hrige M’era Luna Festival ist zwar inzwischen einige Wochen her, aber wir möchten euch natĂŒrlich nicht das Interview vorenthalten, das wir am Festival-Samstag mit Empathy Test gefĂŒhrt haben. Nachdem die Band bereits am frĂŒhen Morgen um 11:20 Uhr auf der Hangar-BĂŒhne ein Set von 20 Minuten gespielt hat, nutzten wir im Anschluss die Möglichkeit, uns mit SĂ€nger Isaac Howlett ĂŒber die Show, das Festival, die Veröffentlichungen der Band, die PlĂ€ne fĂŒr die Zukunft und mehr zu unterhalten. Viel Spaß mit dem Interview!

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Ihr habt heute um 11:20 Uhr gespielt. Wie habt Ihr die Show erlebt?
Es war wirklich gut. Als wir begonnen haben, war es vielleicht zur HĂ€lfte gefĂŒllt, am Ende war es komplett voll. Es war zwar sehr frĂŒh, aber wir hatten eine gute Show mit viel Energie.

Wie ist es fĂŒr Euch, so frĂŒh zu spielen und zu wissen, dass Ihr nur 20 Minuten habt?
Man tut, was man kann, um in der kurzen Zeit Eindruck zu hinterlassen. Wir haben unsere grĂ¶ĂŸten Nummern und die energiegeladensten StĂŒcke gespielt. FĂŒr ein Warmup hat man keine Zeit, man muss direkt rausgehen und das Beste geben.

Wie erstellt man da die Setlist, wenn man so wenig Spielzeit hat?
Es gibt bestimmte StĂŒcke, die wir spielen mĂŒssen, wie Losing Touch. NatĂŒrlich auch ein neues StĂŒck, Empty Handed ist unser aktuellstes. Danach schauen wir auf die Spotify Top Ten. Also kamen noch Bare My Soul und Demons dazu – danach war schon nicht mehr wirklich viel Zeit.

Wie wichtig ist es fĂŒr Euch, auf diesem Festival zu spielen? Ich mein, es ist eines der grĂ¶ĂŸten Festivals dieser Szene.
Wichtig! Wir haben Wave-Gotik-Treffen, Amphi Festival, Plague Noire und Nocturnal Culture Night gespielt, das M’era Luna war am schwersten zu bekommen. Jetzt haben wir es geschafft! Hoffentlich möchten sie uns in zwei Jahren hier wiedersehen und wir können dann 40 Minuten spielen. Es war cool!

Aber warum war es schwierig?
Wir spielen jetzt seit fĂŒnf Jahren und waren zum ersten Mal hier, nachdem wir letztes Jahr beim Amphi Festival gespielt haben. Ich weiß nicht. Wir haben kein Label, daher fehlt uns hier der Hintergrund. Wir haben nur einen Booking-Agenten und sind bei derselben Agentur wie mesh. mesh war die erste Band, mit der wir 2016 in Europa auf Tour waren.

Du hast bereits Empty Handed erwĂ€hnt. Wie habt Ihr das StĂŒck live empfunden?
Das ist ein gutes StĂŒck mit einer Menge Energie. Es braucht seine Zeit, die Leute richtig fĂŒr neue StĂŒcke zu erwĂ€rmen, aber es lief gut.

Ich habe mich gefragt, welche Geschichte dahinter steckt. Wo kommt dieses GefĂŒhl der leeren HĂ€nde her? Wovon ist es inspiriert?
Das ist schwierig zu beschreiben. Es geht darum, jemanden, den man liebt, emotional zu enttĂ€uschen. Es ist kein besonders fröhliches Lied. Aber manchmal ist es ein befreiendes GefĂŒhl, wenn man mit jemandem Schluss gemacht hat.

Ein anderes StĂŒck ist A River Loves A Stone.
Ja, die B-Seite.

Gibt es eine Geschichte hinter dem Titel?
Nun, ein Top-Tipp: Sage niemals jemandem, Du wĂŒrdest ihn so lieben wie ein Fluss einen Stein. (lacht) Das kommt nicht so gut. Generell sind es neue StĂŒcke und ich habe das GefĂŒhl, es dauert manchmal ein wenig, bis ich es schaffe, es in wenige Worte zu fassen, worum es geht. Aber wie liebt ein Fluss einen Stein? Ich sehe das wie eine symbiotische Beziehung. Der Stein Ă€ndert die Richtung, in die das Wasser fließt. Ein Fluss glĂ€ttet den Stein. Es geht um eine Beziehung, die vielleicht seltsam begonnen hat und dann gewachsen ist. So in etwa. (lacht)

Auf der EP sind auch zwei Remixe. Wie habt Ihr die Remixer ausgewÀhlt?
Ari Mason wird auf Spotify bei uns bei den „similar artists“ angezeigt, daher dachten wir, dass es da in der Hörerschaft eine Überschneidung gibt. Also haben wir Kontakt aufgenommen und das mit dem Remix ausgemacht.
Der andere, ziemlich schrĂ€ge Remix, ist von TRAAPS – er war in vorher einer Band namens Black City Lights. Sie sind auf demselben Label, das von Mark Roberts von We Are Temporary betrieben wird, auf dem wir unsere zweite EP veröffentlicht haben. Nachdem wir auf demselben Label waren, sind wir in Kontakt geblieben. Adam, unser Produzent, hat uns da geholfen.

Wie wĂŒrdest Du sagen, haben sie ihre eigene Note in die StĂŒcke gebracht?
Ari Masons Version ist von der Komposition her ziemlich nah am Original. Sie hat etwas mehr House und Dance daraus gemacht, es klingt flĂŒssiger. Wir haben bei uns gerne mal BrĂŒche drin, das hat sie geglĂ€ttet.
TRAAPS hat das StĂŒck ziemlich verĂ€ndert, sodass ich erst einmal etwas geschockt war, als ich den Remix gehört habe. Wir nennen es „gewagt“.

Ich habe zudem gesehen, dass Ihr bereits ein Best Of veröffentlicht. Warum wĂŒrdet Ihr sagen, ist jetzt die richtige Zeit dafĂŒr?
Ehrlich gesagt geht es da nicht wirklich um das Timing. Es ist nur so, dass wir gehofft hatten, zur Amerika-Tour das dritte Album fertig zu haben. Das kam nicht hin. Unser Anspruch an uns selbst ist hoch und Adam hat den Anspruch, sich immer weiter zu verbessern. Aber ich bereits Demos gehört, die er fĂŒr uns gemacht hat und das klingt wirklich gut. Sie haben die Kraft, unsere Fans zu ĂŒberraschen.
FĂŒr Amerika brauchten wir nun etwas, das wir am Merchandise-Stand verkaufen können, daher haben wir uns fĂŒr eine Best Of entschieden fĂŒr diejenigen, die zuvor noch keine CD von uns gekauft haben. Die besten StĂŒcke unserer beiden Alben, einige neuere StĂŒcke und ein neues StĂŒck namens Just Got Home sind darauf. Wenn sie CD nach der Tour ausverkauft ist, machen wir eventuell noch ein paar nach. Aber wir machen wirklich nur die CD, ich sehe keinen Anlass, das auf Streaming-Plattformen zu veröffentlichen. Ob Just Got Home dann auch auf das neue Album kommt, entscheiden wir spĂ€ter.

Du hast die Amerika-Tour nun bereits erwÀhnt. Ich habe gesehen, dass Ihr mit Aesthetic Perfection spielt. Wie kam das zustande?
Auf unserer Tour mit mesh war Aesthetic Perfection der Haupt-Support. Daniel sagte mir, dass er unsere Musik ziemlich mag und dass er uns gerne in Amerika mit auf Tour nehmen wĂŒrde. Das hat jetzt drei Jahre gedauert, bis es klappt. Wir sind schon aufgeregt. Ich denke, in Amerika haben einige eine ganze Weile gewartet, uns live zu sehen.

WĂŒrdest Du eine musikalische Verbindung zwischen Eurer Musik und Aesthetic Perfection sehen?
Ich denke, es ist recht unterschiedlich, aber sowohl Daniel als auch ich mögen Popmusik. Wir mögen eingĂ€ngige StĂŒcke und eingĂ€ngige Refrains. Er hat dabei Industrial-Elemente, die wir nicht so wirklich haben, auch wenn er uns schon als Industrial Pop beschrieben hat. Aber ich denke, wenn man eingĂ€ngige PopklĂ€nge mit interessanten, intelligenten Texten mag, gibt es da eine Verbindung. Wenn man wirklich auf Industrial steht, findet man Empathy Test eventuell zu seicht oder so, aber ich glaube, es gibt da eine gute Schnittmenge.

Was denkst Du, wie das Publikum auf Eure Musik reagieren wird?
Das wird interessant, weil er als Opener noch Lazerpunk dazugebucht hat. Lazerpunk ist auch eine gute Schnittmenge. Sie machen Synthwave und wir haben auch Elemente davon in unserer Musik, aber er ist auch ziemlich hart. Wir sind der ruhige Part eines etwas hÀrteren Gesamtpakets.

Gibt es PlĂ€ne, nach der Amerika-Tour dann auch wieder nach Europa zu kommen fĂŒr ein paar Shows?
Direkt nach der Tour kommen wir auch wieder nach Europa und nach Deutschland. Wir spielen bei den Pluswelt Festivals in Berlin und Oberhausen und spielen Halloween in Hamburg. Es gibt auch eine Show in Warschau, wir sind in Braunschweig… In Januar sind wir dann auch wieder in Deutschland.

Generell betrachtet: Warum sollte man unbedingt eine Show von Empathy Test besuchen?
Ich denke, das ist eine sehr emotionale Erfahrung, vor allem, wenn man die StĂŒcke mag und eine Verbindung dazu hat. Wir legen alles in die Musik und auch, wenn sie etwas langsamer und seichter ist als manch andere Szene-Band, haben wir live viel mehr Energie als auf CD. Wir haben Chrisy an den Live-Drums, was dem ganzen mehr Energie gibt. Und ja, wir haben Leidenschaft! Eine Menge Leidenschaft!

Das waren fast alle meine Fragen. Zum Schluss wĂŒrde ich nur noch gerne wissen: Gibt es schon PlĂ€ne fĂŒr die nahe und ferne Zukunft, die Du nennen kannst?
Wir wissen noch nicht, wann das Album wirklich rauskommt. Wenn wir in Amerika auf Tour sind, wird unser Produzent Adam an den StĂŒcken arbeiten. Ich hoffe, das Album erscheint dann, wenn wir wieder da sind. Eventuell werde ich unterwegs ein paar Gesangsspuren aufnehmen und ihm schicken. Ich hoffe, es kommt dann vor Weihnachten raus – im November oder im frĂŒhen Dezember. Wenn das nicht klappt, wird es denke ich der Januar. Und wir möchten an Orten spielen, an denen wir vorher nicht waren. Ich möchte in Spanien, Frankreich, Italien und Schweden spielen. Wir mĂŒssen unbedingt mal nach Schweden. Also: Mehr Shows, mehr Musik, mehr Fans!

Weblinks EMPATHY TEST:

Homepage: www.empathytest.com
Facebook: www.facebook.com/empathytest
Twitter: www.twitter.com/empathytest

Bilder: Sandro Griesbach

Geschrieben von
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