DISILLUSION ÔÇô The Liberation

Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Unsere Bewertung:


10

Gesamtnote

10

├ťberw├Ąltigend

Die Leipziger Progressive Death-Metaller haben alles richtig gemacht. Nun muss die Musikwelt auch mal in G├Ąnze zeigen, dass sie zu Gerechtigkeit f├Ąhig ist. Den Grundstein daf├╝r legten Disillusion bereits, bevor die Idee zu The Liberation ├╝berhaupt auf den Weg gebracht wurde. Blicken wir also kurz in die Vergangenheit. Nach ihrem 2006 ver├Âffentlichten Studioalbum Gloria wurde es erst einmal ruhig um die Band. Der Zusammenhang zwischen Begeisterung und Innovation, so mussten auch Disillusion feststellen, ist nur bis zu einem bestimmten Cut-off Punkt ein linearer. Ab diesem Punkt ist er nur noch stratifiziert sichtbar. Will sagen: Was im Feuilleton f├╝r viel Applaus sorgte, stie├č andernorts auf Verwirrung, vor allem weil man beim neuen Album dort auf so etwas wie ein Back To Times Of Splendor 2.0 gewartet hatte. Der sich anschlie├čende Studio-Hiatus hatte sicher auch noch andere Gr├╝nde, w├Ąhrte aber beinahe zehn Jahre und auch auf der B├╝hne machten sich Disillusion erst einmal rar. Mit der Single Alea┬á(2016) erwachten die M├Ąnner dann aus ihrem Dornr├Âschenschlaf. Auf der anderen Seite erinnerte man sich und war sofort wieder angefixt. Im Underground ticken die Uhren eben anders, wie auch die sich anschlie├čenden, kaum zu glaubenden und deswegen erw├Ąhnenswerten Ereignisse beweisen.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Denn hier beginnt die eigentliche Geschichte von The Liberation. Dieses Album Nummer drei der Leipziger ist von Anfang an ein Lehrst├╝ck gelungener, durchdachter Planung und grenzenlosem Enthusiasmus der K├╝nstler und ihrer Fans zu einem gemeinsamen Projekt. Und da wurde von mir noch kein Wort ├╝ber die Musik gesprochen. Um die Qualit├Ąt der beiden Vorg├Ąngeralben zu halten, das war Bandchef Andy Schmidt klar, war es notwendig, sich ├╝ber einen langen Schaffensprozess ausschlie├člich The Liberation zuzuwenden. Die Band richtete eine Crowdfunding-Seite ein, um das Album zu realisieren. Innerhalb von k├╝rzester Zeit konnte man das Erreichen dieses Zieles bekanntgeben. Mehr noch, es war m├Âglich Andy Schmidt ├╝ber den Zeitraum von zwei Jahren ├╝ber diese Seite, die nebenbei gesprochen ein Musterbeispiel an Transparenz ist, finanziell komplett freizustellen. The Liberation erfuhr so die k├╝nstlerische Aufmerksamkeit, die es brauchte, die ihm von Anfang zugedacht wurde und die alleinige Voraussetzung f├╝r seine Entstehung ├╝berhaupt war. Es bleibt in diesem Reigen, da das Ergebnis zwei Jahre langer harter Arbeit nun vorliegt, also nur noch eine Frage offen: Hat sich das alles gelohnt?

Ja, hat es. Schon beim ersten H├Âren ist klar: The Liberation wird sich festschreiben. Die Songs, allen voran Wintertide, The Liberation und The Mountain, die drei kompositorischen Grundpfeiler des Albums, sind von einer so gro├čen emotionalen Dichte und aufw├╝hlenden H├Ąrte, dass man schlicht gepl├Ąttet ist. Da bleibt einem nichts anderes ├╝brig, als sich diesem globalen Gef├╝hl atemloser Euphorie einfach erst einmal auszuliefern. Hat man das ├╝berwundern, entbl├Ąttert sich vor einem allm├Ąhlich die Finesse von The Liberation, seine Ausgereiftheit und seine innere Balance.

Das etwa zweimin├╝tige, weit flie├čende Intro In Waking Hours leitet nahtlos in das epochale Wintertide ├╝ber. Beinahe 13 Minuten entfesselt dieses progressive Metal-Epos einen infernalen Sturm innerer seelischer Zerrissenheit. ├ťber mehrere wiederkehrende kompositorische Themen tr├Ągt Wintertide ├╝ber schroff-sch├Âne Krater aus abweisender K├Ąlte, Selbstverachtung, unvers├Âhnlicher Distanziertheit und tiefster Introspektion zu einer einzigen emotionalen Singularit├Ąt, die schlie├člich alles aufzul├Âsen scheint. Wenn Andy Schmidt in diesen letzten zwei Minuten singt:

ÔÇ×Whenever I close my eyes
and stare into the sun
whenever in memories
through golden fields we run
in every waking sleep
in every time of need
whenever the soul will weep
carry on!ÔÇť

kommt das schon fast einer Erl├Âsung gleich. Man sp├╝rt die unvergleichliche W├Ąrme in den Lines und m├Âchte einfach nur heulen. Das hat schon was.

Aber The Liberation hat dar├╝ber hinaus auch geradlinigen, harschen Metal zu bieten, um das sich anschlie├čende The Great Unknown zu nennen. Und wer auf der Suche nach beseelenden Hymnen und eing├Ąngigem Melo-Death Sounds ist, wird auf dem neuen Album ebenso f├╝ndig. A Shimmer In The Darkest Sea (Was ist das bittesch├Ân f├╝r ein Chorus??? Der kommt jedenfalls nicht von dieser Welt.) und Time To Let Go kann man eigentlich instantly mitsingen, wenn man beim Staunen ├╝ber die Vielseitigkeit der Arbeit der drei Gitarristen ├╝berhaupt den Mund zubekommt. Beide Songs liefern beeindruckende Hooklines und sind trotz ihrer Vielschichtigkeit so wenig verkopft, dass sich hier eigentlich keiner beschweren kann und man sich schon fragt, wie man so etwas hinbekommt. ├ťberhaupt wird man es schwer haben, einen pers├Ânlichen Favoriten auf The Liberation zu bestimmen. F├╝r mich sind es die epischen Song-Monster, die diese Ver├Âffentlichung im Wesentlichen tragen, aber festlegen kann und m├Âchte ich mich da auch nicht. Denn das Album ist von der ersten bis zur letzten Minute durchdacht und perfekt aufgel├Âst. Es ist seine eigene Synthese.┬á Soweit man bis zu diesem Zeitpunkt festhalten kann: Das Metal-Album 2019 kommt aus Leipzig und hei├čt The Liberation.

The Liberation wird am 06. September in unterschiedlichen Formaten bei Prophecy Productions erscheinen.

Am 07. September wird es im Werk 2 in Leipzig eine Release-Party f├╝r The Liberation geben.

Disillusion werden dar├╝ber hinaus beim diesj├Ąhrigen Prophecy Fest auftreten. Das Festival findet vom 13. bis zum 14. September in der Balver Steinzeit H├Âhle in Balve statt.

Anspieltipps: Wintertide, A Shimmer In The Darkest Sea

The Liberation

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Tracklist DISILLUSION ÔÇô The Liberation:

01. In Waking Hours
02. Wintertide
03. The Great Unknown
04. A Shimmer In The Darkest Sea
05. The Liberation
06. Time To Let Go
07. The Mountain

Weblinks DISILLUSION:

Official: https://disillusion.de
Facebook: https://www.facebook.com/disillusionBand
Bandcamp: https://disillusion-official.bandcamp.com
Label: https://en.prophecy.de/artists/disillusion
Patreon: https://www.patreon.com/disillusion

Geschrieben von
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