HURRICANE FESTIVAL 2019 Tag 3 РScheeßel, Eichenring (23.06.2019)

Foo Fighters, © Cynthia Theisinger
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Wie schnell k√∂nnen drei Tage eigentlich vergehen? Diese Frage stellen sich viele, die morgens aus ihren Zelten gejagt werden, als die Nachbarn schon anfangen abzubauen. Der letzte Tag des Hurricane bedeutet f√ľr viele auch den Aufbruch nach der letzten Band. Bis dahin ist aber noch viel Zeit, also lieber nochmal den Sonnenbrand verarzten und geschwind vor die B√ľhne.

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Den Beginn auf der Forest und River Stage machen SWMRS und Mavi Phoenix, welche bereits jetzt mit Problemen durch die Sonne zu k√§mpfen haben. Es ist schwer die Menschen in die pralle Sonne zu locken, gerade als Opener am letzten Tag, wo alle doch schon etwas platt sind. Langsam voller wird es dann aber zu Skinny Lister. Mit viel Charm lassen sie im Publikum Pub-Stimmung aufkommen, bei der auch gleich die ersten Biere besser schmecken. Mit Folk-Punk am Morgen kann man einfach fast nichts falsch machen. Also mal wieder den Nachbarn gekrallt und ordentlich im Kreis getanzt, dann ist die Morgengymnastik auch √ľberstanden.‚ÄĚIt’s so good to be back at Hurricane‚ÄĚ sagt uns S√§nger Dan Heptinstall, was wir ihm gerne glauben.

Irgendeinen trifft es ja bekanntlich immer. In diesem Jahr sind es Grossstadtgefl√ľster, die von technischen Problemen geplagt werden. Daher begr√ľ√üt uns S√§ngerin Jen Bender etwas versp√§tet mit den Worten ‚ÄúWir haben keine Zeit wir m√ľssen durchknattern‚ÄĚ. Die Stimmung l√§sst sich davon aber nicht beirren. Etwas Zeit zwischen den Songs bleibt dennoch, so sagt uns Keyboarder Raphael Schalz ‚ÄúIch spiel jetzt ein Keyboard Solo, aber nur wenn ihr dazu springt!‚ÄĚ. Die Setlist ist bunt gemischt, aber besonders vom im August erscheinenden Album Trips & Ticks feiern einige Songs ihre Premiere.

 

So gut das Wetter auch ist, es macht einen richtig fertig. Nachmittags ist es kaum m√∂glich f√ľr l√§ngere Zeit in der Sonne zu sein, was sich besonders vor den B√ľhnen zeigt. Zwar war es am Vortag auch schon √§hnlich warm, kommen nun ein paar wenige Grad und eine gewisse M√ľdigkeit dazu, die alle heimsuchen und fertig machen. You Me At Six haben, wie auch alle anderen, mit diesem Problem zu k√§mpfen. Obwohl sich viele auf den Auftritt der Briten freuten, ist das Verlangen nach Schatten und Abk√ľhlung gr√∂√üer. Die Band gibt dennoch ihr Bestes und springt wie wild √ľber die B√ľhne. Definitiv kein schlechter Auftritt, nur schlechtes Timing, wof√ľr die Band nichts kann.

 

Das gleiche Schicksal ereilt auch Bear‚Äôs Den auf der River Stage. Dennoch k√∂nnen sie einige vor die B√ľhne locken und dort ansetzen, wo Mumford & Sons am Vortag aufh√∂rten. Eine Stunde Folk-Rock, der zum singen und tanzen animiert. Entsprechend ist die Stimmung recht entspannt und etwas vertr√§umt. Eine gro√üe Show gibt es nicht. Da alle Bandmitglieder gleichzeitig singen und ihr Instrument spielen, ist daf√ľr auch nicht viel M√∂glichkeit gegeben. So liegt der Fokus eher auf der Musik, welche sich vor allem auf das im Mai erschienene Album So That You Might Hear Me konzentriert.

 

In roten Anz√ľgen gekleidet betreten Royal Republic die B√ľhne. Diese haben sich f√ľr den Abend ein klares Ziel gesetzt: So viele Circle Pits wie m√∂glich. Sie begr√ľnden das Vorhaben indem ‚Äúsie ja in irgendwas besser sein m√ľssen, als die anderen Rock Bands‚ÄĚ. Dazu z√§hlt jeder Pit mit mindestens drei Personen. Dabei bef√∂rdern sie einiges an Staub in die Luft und k√∂nnen sich den Erfolg klar zuschreiben. Dennoch liegt der Fokus auf ihrem neuen Album Club Majesty, aus welchem sie einige Songs zum Besten geben. Am Ende verabschiedet sich S√§nger Adam Grahn mit den Worten ‚ÄúWe hope you had as much as a good weekend as we‚ÄĚ.

 

2018 meldete sich Mike Skinner, aka The Streets, nach sieben Jahren Pause wieder zur√ľck. Darauf folgten zwei Singles und ein gro√ü angelegte Tour. Nun hat er aber auf dem Hurricane mit dem Wetter zu k√§mpfen. Als Brite ist man schlie√ülich (angeblich) Regen gewohnt. Dennoch springt er wild √ľber die B√ľhne und ist immer wieder an der Absperrung zum Publikum zu finden. Die Stimmung ist grandios, jedoch haben sich nur wenige vor der B√ľhne versammelt, um die R√ľckkehr von The Streets zu feiern – Freundschaften geschlossen werden trotzdem!

Auch wenn Wolfmother erst 2005 erstmals ver√∂ffentlichten, erinnert ihr Sound an die 90er. Damit treffen sie jedoch genau ins Schwarze, dann fast jeder hat schon vor der Band geh√∂rt und¬† sie konnten somit bisher gro√üe Erfolge erreichen, wenn auch nicht mit allen Songs. So merkt man schnell, dass alle nur auf zwei Songs warten. Joker & The Thief und Woman. Entsprechend ist die Stimmung, abgesehen von den ersten Reihen, etwas schwerf√§llig. Auf der B√ľhne ist es auch eher ruhig. Die Musiker konzentrieren sich auf ihre Musik und S√§nger Andrew Stockdale wirft nur gelegentlich Worte wie ‚ÄúThe international language of rock n roll brings us all together‚ÄĚ in den Raum, bei denen man ihm aber zustimmen muss.

 

Als Interpol die B√ľhne betreten, wendet sich das Wetter langsam zum besseren. Die Sonne wird langsam milder und so treibt es immer mehr Leute vor die B√ľhne. Man merkt allen jedoch die letzten Tage Party an. Die Energie ist etwas weg oder wird noch f√ľr den Abschluss, die Foo Fighters, aufgespart. Zugegeben, zu dem melancholischen Sound der Band ist das feiern auch schwer. Die Band bleibt ihrem Stil treu und verzichtet fast komplett auf Interaktionen. Die Setlist besteht dabei prim√§r aus ihren ersten beiden Alben Turn On the Bright Lights und Antics. Mit diesen Alben konnten sie bisher zwar den gr√∂√üten Erfolg erzielen, k√∂nnen Live aber auch mit ihren anderen vier Alben √ľberzeugen.

 

Christine And The Queens ist in Deutschland noch nicht vielen bekannt, in Frankreich, ihrem Heimatland, ist sie aber schon ein Weltstar. Entsprechend ist es nicht weiter verwunderlich, dass die ersten Reihen schon gef√ľllt mit Fans der Foo Fighters sind. ‚ÄúBecause it’s warm and I’m lazy, you can just call me Chris‚ÄĚ sagt uns S√§ngerin Christine. Sie teilt sich die B√ľhne mit lediglich sechs T√§nzern. Mit diesen tanzt sie entweder zusammen, oder diese unterst√ľtzen sie im Hintergrund. Die Performance wird so durchchoreographiert, dass es schon fast einem Theater gleicht und Erinnerungen an fr√ľhere Michael Jackson Shows kommen auf. Schon beeindruckend, wenn man bedenkt, dass die K√ľnstlerin erst zwei Alben ver√∂ffentlicht hat.

 

Etwas ungl√ľcklich trifft es The Cure. Zwar k√∂nnen diese auf musikalischer Ebene vollkommen √ľberzeugen, die Musiker wirken aber gewohnterma√üen zumeist statisch auf der B√ľhne und Ansprachen gibts es keine, die w√ľrden jedoch auch etwas die Stimmung brechen. Die kommt f√ľr eingefleischte Fans schnell auf, auch wenn es ungewohnt ist, The Cure im Hellen zu sehen, wenn auch nur kurz vor dem letzten Headliner des Festivals. The Cure polarisieren und auch wenn der gro√üe Platz vor der River Stage nicht bis ganz hinten gef√ľllt ist, so finden sich neben den alten Fans auch so manche j√ľngere Fans im Publikum. Man darf gespannt sein, wie sich dies weiter entwickeln wird, denn The Cure werden im Herbst voraussichtlich ihr erstes neues Album seit √ľber 11 Jahren ver√∂ffentlichen, dem so mancher schon entgegenfiebern d√ľrfte.

 

Die Foo Fighter sind das gro√üe Finale, auf das alle gewartet haben. Beim Hurricane hat man oft den Eindruck, dass viele schon vor dem letzten Headliner abreisen, in diesem Jahr jedoch nicht. ‚ÄúAre you fucking ready? It’s been a long weekend‚ÄĚ begr√ľ√üt uns Frontmann Dave Grohl mit leicht angeschlagener Stimme. Mit The Pretender und Lean To Fly geht es direkt in die Vollen, bis es auch den Letzten nicht mehr an seinem Platz h√§lt. Pausen gibt es nur wenige, was uns Dave wie folgt erkl√§rt: ‚ÄúThere is a reason we play song after song after song.. we have been a Band for 25 years and we have a lot of them‚ÄĚ. Mitten w√§hrend des Konzerts entdeckt Taylor Hawkins einen Schnitzel Verkaufsstand. Schnell l√§sst er das Publikum ‚ÄúSchnitzel‚ÄĚ in allen denkbaren Variationen rufen und dies wird nun zu einem Running-Gag des Abends. Zu dem Queen Cover Under Pressure √ľbernimmt sp√§ter Taylor den Gesang und Dave begibt sich ans Schlagzeug. F√ľr den ehemaligen Nirvana Drummer nat√ľrlich kein unbekanntes Gebiet. Eine Zugabe gibt es nicht. Es werden die ganzen zwei Stunden am St√ľck durchgespielt.

 

Das war es also. Eins der wenigen Hurricane Festivals, die (fast) komplett Regenfrei waren. Auch die Veranstalter ziehen ein sehr positives Res√ľmee. Die Stimmung war selten so gut wie in diesem Jahr und auch die Verkaufszahlen sind wieder gestiegen. 68.000 Personen waren pro Tag da und es ist das erste Mal, dass das Line Up genau so war, wie gew√ľnscht. Auch die Einsatzkr√§fte vor Ort sind zufrieden. Die ganzen Tage zusammen gab es nur so viele Eins√§tze, wie in den Vorjahren an einem einzelnen Vormittag. Auch die Anzahl der Diebst√§hle ist drastisch zur√ľckgegangen. Und die Fans? Zu keinem Zeitpunkt hat man traurige oder genervte Personen gesehen. Es waren drei Tage Party bei fast bestem Wetter, so dass man sich schon direkt auf die n√§chste Ausgabe freuen kann.

Als erster Headliner steht Seeed auf dem Plan, welche damit ihre vierj√§hrige Festival Pause beenden. Der Vorverkauf hat bereits begonnen und die ersten 10.000 Tickets sind schon vergeben. Gebt also acht, nicht dass ihr am Ende ohne Ticket dasteht…

Beitragsbilder: Cynthia Theisinger

Geschrieben von
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