THE CRANBERRIES – In The End

Geschätzte Lesezeit: 2 Minute(n)

Unsere Bewertung:


8 Gesamtnote

Gesamtnote

8

Es gibt Alben, bei denen es schwer ist, wirklich objektiv an die Sache heranzugehen. Gerade die Cranberries sind so ein Fall, ist doch schließlich SĂ€ngerin Dolores O’Riordan im vergangenen Jahr tragisch verstorben. Zum einen will man natĂŒrlich einer Verstorbenen nicht Unrecht tun, zum anderen aber kommt dazu, dass derlei „Post-Mortem-Alben“ gerne mal ein GeschmĂ€ckle haben – die durch den Tod entstehende oder neu gewonnene Prominenz kann schnell mal der eine oder andere findige GeschĂ€ftsmann auf Ideen kommen, was man denn mit dem Archiv-Material noch so alles anstellen könnte. Aber: Man kann schon einmal vorab feststellen, dass beides nicht der Fall ist. Weder ist es ein musikalischer Ausrutscher, noch wird hier ein schneller Euro gemacht.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Zwei potenzielle VorwĂŒrfe, zwei EntkrĂ€ftungen: Es handelt sich hierbei nicht um aufgewĂ€rmtes Archiv-Material, sondern um Material, das noch vor dem Tod der SĂ€ngerin entstand, dessen Demo-Versionen bereits vorlagen und nun vom Rest der Band fertiggestellt wurden. Und damit einhergehend: Es ist nicht irgendwelches Material, das den gewohnt hohen musikalischen Standard der Band weiterhin hochhĂ€lt. Wobei das Thema der VergĂ€nglichkeit sich hĂ€ufiger aufdrĂ€ngt. In The End ist ein selbstredender Albumtitel, der Opener All Over Now ist auch deutlich. Und sofort merkt man wieder, welch großen Verlust die Musikwelt da erlitten hat. Treibende Melancholie mit der unglaublich markanten und eingĂ€ngigen Stimme von Dolores O’Riordan, dazu KlĂ€nge in Moll, die einen berĂŒhren und direkt abholen.

Man merkt direkt: Man befindet sich auch nach dem Tod der SĂ€ngerin noch inmitten eines gelungenen Cranberries-Albums. Die StĂ€rken, die man von der Band seit je her kannte, finden auch hier wieder zusammen. Im treibenden wie auch im balladesken Bereich und all den Tönen dazwischen. Lost beispielsweise als sehnsĂŒchtig schmachtende Ballade. Oder auch Wake Me When It’s Over als druckvolles StĂŒck im mittleren Tempo-Bereich, das neben dem Gesang auch maßgeblich von einer Bass-Hookline getragen wird. Oft klingt es melancholisch, was die Band auf diesem letzten Werk nicht daran hindert, dass auch der Optimismus durchschimmert. Illusion beispielsweise klingt traurig, aber verliert dabei nie die Hoffnung, sondern lĂ€sst immer ein Licht durchscheinen.

Und dennoch: Alles geht zu Ende. So ist das letzte StĂŒck dann auch das, das dem Album seinen Titel gab. In The End, mit klaren Gitarrenlinien, einem traurig anmutenden Gesang, die von Dolores O’Riordan gekannte Lautmalerei – ein ruhiger und gelungener Ausklang des Albums. Eines Albums, ĂŒber das man sich freuen mĂŒsste, was jedoch unter den UmstĂ€nden der Entstehungsgeschichte schwer fĂ€llt. Definitiv ist es ein gelungenes Abschiedswerk der Band, das vielleicht nicht den Überhit enthĂ€lt, aber ein zweites Zombie schreibt man auch nicht so schnell. DafĂŒr ist es ein Album ohne Schwachstellen, das einen gelungenen und wĂŒrdigen Abschied gewĂ€hrleistet und der verstorbenen Frontfrau in allen Punkten gerecht wird!

Tracklist THE CRANBERRIES – In The End:

01. All Over Now
02. Lost
03. Wake Me When It’s Over
04. A Place I Know
05. Catch Me If You Can
06. Got It
07. Illusion
08. Crazy Heart
09. Summer Song
10. The Pressure
11. In The End

Weblinks THE CRANBERRIES:

Homepage: www.cranberries.com
Facebook: www.facebook.com/TheCranberries
Twitter: www.twitter.com/the_cranberries

Geschrieben von
Mehr von Marius Meyer

LISA STANSFIELD – Deeper

Schon seit All Around The World muss Lisa Stansfield wohl niemandem mehr...
Weiterlesen