CULTHE FEST 2019 MĂŒnster, Sputnikhalle (21.04.2019)

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Sehr entspannt in Erwartung eines Programms, das deutlich entzerrter sein sollte als das vom Vortrag, starten wir am Ostersonntag in den zweiten Festivaltag auf der Art Stage im Triptychon mit dem zweiten Set von Spectrale. Wir nutzen die Zeit, um uns zu den inzwischen vertraut gewordenen KlĂ€ngen der Franzosen die angrenzende Art Exhibition mal genauer anzusehen. Das ganzheitliche Konzept der Veranstalter des Culthe Fests ist es seit einigen Jahren, neben der Musik, verschiedene andere Kunstrichtungen auf einem Festival in freundschaftlich familiĂ€rer AtmosphĂ€re unter ein Dach zu bekommen. Die ausstellenden bildenden KĂŒnstler – Jeff Grimal, Irrwisch und Carmen Alba – sind ihrerseits eng mit der Musikszene verbunden und/oder durch diese in ihrer Arbeit beeinflusst. Die ausgestellten Werke, unter denen ich Cover-Artworks und von H.P. Lovecraft inspirierte Bilder wiedererkenne, können im Original vor Ort sogar erworben werden. Wer das allerdings nicht erschwingen kann, darf auch mit den zahlreichen Kunstdrucken und BildbĂ€nden Vorlieb nehmen.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Wir bleiben gleich an Ort und Stelle, denn Sangre De Muerdago beginnen ihr Set mit einem heimeligen RĂ€ucherritual. Die Band nennt die WĂ€lder von Galizien ihr zu Hause, ist aber auch tief mit den Auenlandschaften von Leipzig verwurzelt und hat im letzten Jahr ein mĂ€rchenhaft entrĂŒcktes Album mit Namen Noite vorgelegt. Sangre De Muerdago, das muss man schon sagen, wirken wie sie da mit vertrĂ€umt verinnerlicht geschlossenen Augen sitzen und von wahrhafter Liebe, Begegnungen mit besonderen Menschen an sonnendurchfluteten Orten voller sĂŒĂŸer GerĂŒche singen, wie von einem anderen Stern. Wundervoll ist es trotzdem.

Noite

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Weiter geht es mit Sun Worship und der grĂ¶ĂŸten Überraschung des gesamten Culthe Fests, denn die Berliner Band hatte es sich offenbar vorgenommen, alle vor der BĂŒhne Versammelten unisono wegzublasen. Durch verschiedene, mir nicht weiter bekannte Widrigkeiten wurde die Besetzung von Sun Worship unlĂ€ngst halbiert, so dass sich die Instrumentierung auf eine Gitarre und das Schlagwerk beschrĂ€nkt und die beiden verbliebenen Mitglieder auf den ersten Blick wirklich verloren auf der BĂŒhne wirken. Die nĂ€chste Stunde zeigen uns die beiden, dass ihr so typischer Sound auch perfekt funktioniert, auch wenn man nur zu zweit ist. Man muss nur eben bereit sein,  sich völlig zu verausgaben. Musikalisch drĂŒcken Sun Worship auf Punkte, an denen alteingesessene Black Metal Hasen seit Jahren Gefahr laufen, den Anschluss zu verpassen. Diffizile Melodien in rasendem Chaos, beinahe zwanghaft prĂ€zise Drums zwischen zweistimmigem organischem GebrĂŒll. Scheinbar unvereinbar GegensĂ€tzliches verschmilzt zu purer, pointierter Innovation, lĂ€sst mich mit offenem Mund stehen und sehnsĂŒchtig auf neues Material warten. Was soll denn da heute noch kommen?

Ja und so passiert, was passieren muss: Der sich anschließende Auftritt von Vanum, einer von mir doch sehr geschĂ€tzten Black Metal Band, die gerade Under The Banner Of Death unterwegs ist, muss sich diesen EindrĂŒcken unterordnen. Die Dichte des Programms und die schiere FĂŒlle dieser EindrĂŒcke mögen den Funken des VerstĂ€ndnisses bergen, der mir dies nun zu verzeihen weiß. Hoffe ich. Anders als noch tags zuvor spielen die letzten vier Bands ausschließlich auf der Black Stage. Die Pausen zwischen den Auftritten werden etwas lĂ€nger und durch die Soundchecks der Bands gefĂŒllt. Trotzdem schleicht sich bereits jetzt eine leichte Verzögerung ein und so lĂ€sst es sich teilweise nicht vermeiden, dass sich erwartungsvoll wartende Metalheads bereits beim Check vor der BĂŒhne versammeln und vereinzelt Unmutsbekundungen zu hören sind.

Pale Dawn

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Das Culthe Fest nĂ€hert sich seinen letzten angekĂŒndigten Höhepunkten.

Einer von ihnen sind Ultha, die mich mit ihrem im letzten Jahr erschienen Album The Inextricable Wandering endgĂŒltig von sich ĂŒberzeugt hatten. Die fĂŒnfköpfige Black Metal Band aus Köln hĂŒllt sich in beinahe komplette Finsternis und undurchdringlichen Nebel und können im Schlaglicht des hektischen Stroboskops nur als Schemen wahrgenommen werden. Die Band hĂ€lt sich mit ambient- und trancelastigen StĂŒcken am Keyboard weitestgehend zurĂŒck und dosiert sie atmosphĂ€risch innerhalb der harten Bretter.

Das Unaussprechliche Culthe Fest 2019 endet mit einem Mahlstrom unaussprechlich kosmischen Grauens, einem Feuerwerk amorphen Schreckens und dem finsterem Ritual zur Anrufung der großen Alten, auf das hier scheinbar jeder gewartet hat. Nach einem nervenzerfetzend langen BĂŒhnenumbau, von dem die Installation der Drums beinahe eine  dreiviertel Stunde beansprucht, wird Sulphur Aeon von der hungrigen Menge in Empfang genommen. Die Bonner Black-Death Metal Band schenkte uns gewissermaßen zu Weihnachten mit The Scythe Of Cosmic Chaos ein Album, das es wörtlich auf alle Best-Of Listen aller Metall Redaktionen in den JahresrĂŒckblicken geschafft hat. Ich habe selten ein Album gehört, das soviel dichte Energie, ausgefeiltes und einfallsreiches Songwriting, ohne einen einzigen Moment der LĂ€nge aufbieten konnte. Dieses jĂŒngste, dritte Album von Sulphur Aeon weist eine klare Richtung, in welche die Band unterwegs ist, und die zeigt nach oben. Klar, dass ich wahnsinnig gespannt auf diesen Auftritt bin. Und ich sollte nicht enttĂ€uscht werden. Denn an PrĂ€senz und Zusammenspiel kann dem Quintetts im gesamten Line-Up wohl niemand etwas vormachen. Die Songs, allesamt epische Hymnen dĂ€monischer Ehrerbietung, gewinnen auf der BĂŒhne noch an Wirkung. In den ersten fĂŒnf Reihen brennt die Sputnik-Halle und bis nach hinten werden zumindest zustimmenden die FĂ€uste gehoben.

The Scythe of Cosmic Chaos (Digipak)

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Großartig war es. Ein großartiges Festival mit einem interessanten, lohnenswerten, handverlesenen und exklusiven Line-Up und einem Rahmenprogramm, das alles noch einmal abgerundet hat. Hinzu kam eine entspannte, familiĂ€re AtmosphĂ€re, bei der man aber trotzdem niemals den Eindruck hatte, irgendwas sei unprofessionell oder unorganisiert. Besser kann man es sich eigentlich nicht wĂŒnschen und eigentlich ist es auch schon fast zu schön um wahr zu sein. Deswegen kommen wir auch gern im nĂ€chsten Jahr wieder!

Geschrieben von
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2 Kommentare

  • Die „personellen Überschneidungen zwischen Vanum und Sun Worship“ gibt es nicht. Lars von SW spielt auch bei Ultha Gitarre, nicht bei Vanum.

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