THE TOTEN CRACKHUREN IM KOFFERAUM – Rostock, Peter-Weiss-Haus (06.04.2019)

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Das Peter-Weiss-Haus in Rostock ist ein gemeinnĂŒtziger kultureller Ort, welches im Zuge der GrĂŒndung eines Kulturvereins eröffnet wurde. Ein schönes GebĂ€ude mit verschiedenen Veranstaltungen von Literaturlesungen, Tanzveranstaltungen und Konzerten. In diesem Umfeld soll dann also das drittletzte Konzert der Toten Crackhuren im Kofferraum (TheTCHiK) auf ihrer aktuellen Bitchlifecrisis-Tour stattfinden.

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TheTCHiK, die einzig wahre Punk-Riot-Girlband in Deutschland. Vier MĂ€dels aus Berlin, die sich selbst nicht zu ernst nehmen und fĂŒr jeden Spaß zu haben sind. Das aktuelle, dritte Album Bitchlifecrisis ist tatsĂ€chlich in Deutschland auf Platz 52 in den Media-Control-Charts eingestiegen und somit das bisher erfolgreichste Album der Band. Also sind TheTCHiK ja quasi Popstars, oder? 😉

Nach Popstar sieht es an diesem Abend in Rostock anfangs aber nicht so ganz aus. Der Vorverkauf lief wohl nicht so erfolgreich, und Zahlen zwischen 100 und 150 verkauften Tickets machten die Runde. Es wird also eher kuschelig, wobei die Crackhuren sich mittlerweile auf eine recht stabile Fanbase stĂŒtzen können. Schließlich sind doch an diesem Abend auch Fans aus Hamburg, Neubrandenburg oder Berlin angereist.

Eröffnet wird der Abend recht Punk untypisch von Haszcara, einer Berliner Hip-Hop-KĂŒnstlerin, die seit September letzten Jahres ihr DebĂŒt Polaris am Start hat. FĂŒr mich wirkt die Kombi etwas irritierend, da ich eine Woche vorher noch die Punk-Krawallmacher von Der Wahnsinn als Support der Crackhuren erleben durfte. Haszcara liefert aber ein solides Set ab, in dem es ihr durch ihre Ausstrahlung und Auftreten auch schnell gelang, das Publikum anzufixen und zum Tanzen zu animieren. Haszcara gehört sicher zu den positiven, hĂŒbschen Seiten des Deutsch-Raps. Höhepunkt des Sets war der kleine Hit Hannah Montana, bei dem der mittlerweile doch schon gut gefĂŒllte Saal lauthals mitsingen konnte. Respekt, diese kleine Frau war ganz groß und da könnte was auf uns zukommen.

Setlist HAZSCARA @ Rostock, Peter-Weiss-Haus (06.04.2019):
  1. Money over Kitchen
  2. Gift
  3. Schon lange
  4. Mit der Clique
  5. Das ist ein Skit
  6. Nachtdepression
  7. Lauter Rapper
  8. Kein Problem
  9. Hannah Montana
  10. Niemand der so redet
  11. Representa

Nach sehr kurzer Umbaupause war es dann schon Zeit fĂŒr das Intro zu den Toten Crackhuren im Kofferraum. Die MĂ€dels haben keine StarallĂŒren, ginge hier heute aber auch eh schlecht, da sie zur BĂŒhne quer durchs Publikum mĂŒssen. Aber egal, jetzt ist Spaß angesagt. Mittelpunkt der Show sind Mastermind Lulu und Doreen K.Bieberface. Eingerahmt von Kristeenager (Kristin) und Ilay ein Ă€ußerst schönes Line-Up. Begleitet werden die MĂ€dels von den drei Musikern Hansi (Drums), Marcel (Gitarre) und Eichi (Bass), die dem Ganzen eine musikalische PunkattitĂŒde verleihen. Der Sound ist erstaunlich gut, und trotz fehlendem Gehörschutz erleide ich nicht die heutzutage schon fast obligatorischen FolgeschĂ€den. Mein voller Respekt fĂŒr den Mann am Mischpult, der sein Handwerk wirklich versteht. Gut, dass es auch solche Menschen noch gibt.

Von sĂŒĂŸen Boys und Patschuli-Öl

Die Setlist lĂ€sst sich ganz einfach erklĂ€ren. Hits, Hits, Hits
 zumindest fĂŒr diejenigen, die den Crackhuren schon lĂ€nger folgen. Ich und mein Pony, Ronny & Clyde, SĂŒĂŸe Boyz und natĂŒrlich im Mittelpunkt die Songs der aktuellen Platte. Den Hauptpart teilen sich Lulu und Doreen, wobei Doreen eher die Rampensau abgibt und auf TuchfĂŒhlung mit dem Publikum geht, Crowdsurfing inklusive. Kristin spielt ein paar Passagen am Keyboard und Ilay entzĂŒckt durch ihr LĂ€cheln und besonders durch ihre lasziven Tanzeinlagen, besonders bei Patschuli-Öl, zu dem die MĂ€dels einen Moderator eines örtlichen Radiosenders auf die BĂŒhne holen, der dann genĂŒsslich von Lulu und Doreen eingeölt wird.

Man ist erstaunt, was die MĂ€dels trotz oder gerade wegen des eher geringen Budgets auf die BĂŒhne bringen. Man könnte abfĂ€llig lĂ€cheln, wenn die Band selbst dafĂŒr verantwortlich ist, mittels Kippschalter am MikrostĂ€nder das Licht ein- oder auszuschalten. Aber das gehört nun mal dazu. Hier gibt es keine Grenzen zwischen der Band auf der BĂŒhne und dem Publikum. Rostock feiert, tanzt und singt mit. Und langsam dĂ€mmert es mir gewaltig, dass es genau das ist, was die Crackhuren ausmacht. Vier Charaktere, die man schnell ins Herz schließt, und die sich nach dem Konzert locker unter das Publikum mischen fĂŒr Selfies, Autogramme und Smalltalk.

Dabei kommt der Höhepunkt der Bitchlifecrisis ja noch auf die Band zu. Nachdem sie 2013 bei Stefan Raabs Bundesvision-Song-Contest auftraten, gehören die Crackhuren 2019 zum Line-Up des Hurricane-Festivals in Scheeßel!

Setlist THE TOTEN CRACKHUREN IM KOFFERRAUM @ Rostock, Peter-Weiss-Haus (06.04.2019):
  1. Intro
  2. Geniale Asoziale
  3. Katzenfleisch
  4. Crackhurensöhne
  5. Wir hassen Sport
  6. Bambi
  7. Spaß muss sein
  8. QVC gegen Geilheit
  9. Ronny & Clyde
  10. Patschuli-Öl
  11. Behindert
  12. HĂ€matom
  13. Ihr kriegt mich nicht
  14. Klaus
  15. Rumlaufen Stress machen
  16. SĂŒĂŸe Boyz
  17. OK Ciao
  18. Kopf Knie
  19. Selbsthilfegruppe (Z)
  20. Minus 1 (Z)
  21. Ich brauch keine Wohnung (Z)
  22. Pony (Z)
  23. Ich hab keinen Spaß (Z)
Geschrieben von
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