MIKE SHINODA – Oberhausen, Turbinenhalle (06.03.2019)

Fotos: MIKE SHINODA
Mike Shinoda © Michael Gamon
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Mike Shinoda ist Mitglied von Fort Minor sowie Linkin Park und veröffentlichte nach dem Suizid von Chester Bennington ein Solowerk, welches er Post Traumatic taufte. Die ersten Gigs in Deutschland im Sommer/Herbst 2018 waren teilweise vor Erscheinen des Albums ausverkauft. Doch auch im Jahr 2019 füllt er noch große Hallen. Wie wird die Stimmung sein? Ist Oberhausen in Feierlaune oder überwiegt doch die Traurigkeit, Songs von Linkin Park so nie wieder live hören zu können? Bevor sich diese und weitere Fragen stellen oder auch beantworten lassen, gehört zunächst dem Support Don Broco die Bühne.

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Und die sind einer Vorband mehr als würdig und durchaus kein unbeschriebenes Blatt. Sie vereinen verschiedene Rock-Stile und animieren die Besucher der Turbinenhalle zum Tanzen. Sie geben sich der Menge zugewandt, lassen das Publikum mitklatschen oder sich hinsetzen und bei lauter Musik wieder gleichzeitig aufspringen. Publikumsnah und voller Spielfreude gelingt es Don Broco geschickt, die Leute mit Charme und Authentizität um den Finger zu wickeln. Vor allem Sänger und Frontmann Rob Damiani scheint eine Anziehungskraft auf die überwiegend weiblichen Fans zu haben.

Setlist DON BROCO @ Oberhausen, Turbinenhalle (06.03.2019):

01. Everybody
02. Automatic
03. Pretty
04. Stay Ignorant
05. Nerve
06. Come Out to LA
07. T-Shirt Song

So hat Mike Shinoda selbstverständlich gleich zu Beginn leichtes Spiel, als er mit Stücken aus der Fort Minor-Ära sein Set beginnt. Und das Schöne? Gefühlt singt mindestens die Hälfte der Halle textsicher mit. Und Mike Shinoda strahlt eine Heiterkeit aus, die ansteckend ist. Sofort ist spürbar, dass die Chemie auf und vor der Bühne stimmt. Und spätestens beim Song When they come for me, und somit dem ersten Stück von Linkin Park, wird klar, dass dieser Abend alles beinhaltet. Trauer und Heiterkeit, Pop und Rock, Zweifel und Selbstsicherheit. Aber eben zu keinem Zeitpunkt Unbehagen oder Langeweile. Und Mike Shinoda lässt das Wechselbad der Gefühle zu und geht auch darauf ein. Er rät nicht jeden Tag als Superlativ zu sehen, sondern auch durchschnittliche Verläufe als gut anzunehmen und nicht zu verzagen. Er empfiehlt sich Hilfe zu suchen und diese anzunehmen und das nicht als Schwäche zu sehen.

Musikalisch präsentiert Shinoda vor allem die Lieder Linkin Parks deutlich softer und versucht erst gar nicht originalgetreu zu covern. Und das ist gut so, denn das würde Shinoda wohl nicht gelingen. Und bei den wohl beliebtesten und prägnantesten Stücken von Linkin Park In The End und Numb übernehmen einfach wir den Gesangspart von Chester. Gänsehautstimmung pur… und das ein oder andere Tränchen fließt auch. Aber besser und geschickter hätte Mike Shinoda es nicht machen können. In knapp zwei Stunden schweigt er die Trauer nicht tot, sondern zeigt eindrucksvoll, wie man mit ihr umgehen kann und das sich Leben und Lieben weiterhin lohnt. Und so gibt es an diesem Abend weitaus mehr als ein gutes Konzert. Es gibt Trost, Zuspruch, Zuwendung, Spaß, Humor aber auch Respekt und keinen erhobenen moralischen Zeigefinger. Diesen Spagat zu schaffen ist eine ganz große Kunst des Menschen Mike Shinoda. Dass der Musiker auch sonst vieles richtig macht, geht dabei fast unter, schmälert aber das eindrucksvolle Endergebnis keineswegs.

Setlist MIKE SHINODA @ Oberhausen, Turbinenhalle (06.03.2019):

01. Welcome (Fort Minor)
02. In Stereo (Fort Minor)
03. Hold It Together
04. When They Come for Me (Linkin Park)
05. Ghosts
06. Roads Untraveled (Linkin Park)
07. Prove You Wrong
08. Make It Up as I Go
09. Sorry for Now (Linkin Park)
10. Crossing a Line
11. Waiting for the End / Where’d You Go
12. In the End (Linkin Park)
13. Numb (Linkin Park)
14. About You
15. Over Again / Papercut
16. Robot Boy (Linkin Park) (Z)
17. World’s on Fire (Z)
18. High Road (Fort Minor) (Z)
19. Castle of Glass (Linkin Park) (Z)
20. Remember the Name (Fort Minor) (Z)
21. Good Goodbye / Bleed It Out (Linkin Park) (Z)
22. Running From My Shadow (Z)
23. A Place for My Head (Linkin Park) (Z)

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