ESBEN AND THE WITCH + A-SUN AMISSA, BLACK NARCISSUS, VEDA & NYOS (Fr├╝hjahr 2019)

Esben And The Witch, ┬ę Michael Gamon
Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Passend zu meiner gerade angesetzten Urlaubsplanung hatten Esben and the Witch letztj├Ąhrig ihre Wintertour Part II angek├╝ndigt. Da ich die Band im Vorfeld bereits diverse Male live gesehen habe und um ihre Qualit├Ąten wei├č, lag es f├╝r mich auf der Hand, einfach mal alle Termine wahrzunehmen die, zumindest halbwegs in meiner N├Ąhe stattfanden:

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

01.02. Artheater, K├Âln + A-Sun Amissa
02.02. Magasin 4, Br├╝ssel + Black Narcissus, Veda
03.02. Tivoli Vredenburg (Club Nine), Utrecht
04.02. Merleyn, Nijmegen
06.02. Lux, Hannover + Nyos

Die Vorbands

In K├Âln er├Âffneten A-Sun Amissa den Abend mit ausgedehnten Ambientlandschaften. Das Projekt aus Leeds stand als Trio auf der B├╝hne, wartet jedoch im Studio mit einigen Mitwirkenden/Kollaborateuren mehr auf, darunter auch Colin v. Eckhout von Amenra. Neben Bass, Gitarre, Synthies und Lap-Guitar kam auch eine Klarinette zum Einsatz und man hatte das Gef├╝hl, Teil eines interaktiven Film-Soundtracks zu sein. W├Ąhrend die Band mich gut auf den nachfolgenden Hauptact einstimmte, stie├č die Truppe bei meiner Begleitung aufgrund der Songl├Ąngen auf etwas weniger Gegenliebe.
Den Auftakt in Br├╝ssel gaben gleich zwei dort beheimatete Bands. Obwohl beide Support-Acts gemeinsam hatten, dass nur jeweils zwei Leute auf der B├╝hne standen, h├Ątten die musikalischen Unterschiede kaum gr├Â├čer sein k├Ânnen: Black Narcissus ├╝berzeugten rein instrumental mit brachialen Drums und versiertem, Effekt-lastigem Bassspiel, was so manche vollbesetzte Band alt aussehen l├Ąsst. Fans von Russian Circles (zu denen ich mich auch z├Ąhle) kamen hier sicherlich auf ihre Kosten.┬áVeda hingegen wirkten, als h├Ątte man einer erfahrenen S├Ąngerin einen Gitarrenanf├Ąnger zur Seite gestellt. W├Ąhrend sie ihre Stimme ├╝ber einige Oktaven hinweg irgendwo zwischen┬áNick Cave, Patti Smith und PJ Harvey in Gedichten und Gesang verausgabte, wurde die Performance durch das lasche Gitarrenspiel stark getr├╝bt. Der Gesang wirkte so mitunter eskaliert und ├╝berdimensioniert, da ein passendes Gegengewicht fehlte. Einzig der letzte Track, der – unterst├╝tzt von elektronischen Samples – weitere Assoziationen zu Bat for Lashes bei mir weckte, konnte ├╝berzeugen.
Puristen hatten in Utrecht und Nijmegen ihre helle Freude, denn es gab dort keine Vorbands.
In Hannover wiederum musste man sich auf etwas gefasst machen. Erneut stand ein Duo auf der B├╝hne, in diesem Fall die Finnen von NYOS, die die Band auch bei ihren Folgeterminen in Leipzig, Regensburg und M├╝nchen begleiten sollten. Hier erledigte der Schlagzeuger virtuos und hemmungslos die Hauptarbeit, w├Ąhrend der Gitarrist seinen von einem Pedalboard in Kinderbettma├čen geformten Sound ├╝ber gleich drei Verst├Ąrker in die Welt blies. Tinnitus? Nimmste mit und denen nichtmal ├╝bel.

Esben and the Witch

Sobald das Licht ged├Ąmmt war und der Introeinspieler ansetzte, wurde es mucksm├Ąuschenstill im Saal. Gespannte Blicke verfolgten Daniel, Thomas und Rachel auf dem Weg zu ihren Instrumenten; das Intro zu Dull Gret erklang. Inspiriert durch Bruegels ├ľlgem├Ąlde „De Dulle Griet“ von 1562 wird hier eine starke Heldin in einem infernalen Pl├╝nderungszenario besungen, die unbeschadet den Weg durch die H├Âlle ├╝bersteht und dabei den Teufel selbst in St├╝cke rei├čt. Damit w├Ąre dann auch unmissverst├Ąndlich statuiert, mit welchem Frauenbild sich S├Ąngerin Rachel identifiziert.
Schlagzeuger Daniel huldigte der tollen Grete k├╝rzlich ebenfalls, indem er in Zusammenarbeit mit der Berliner Berg Brauerei das fruchtig-herbe Dull Gret IPA schuf.
Damit reiht sich das Trio hinter Gr├Â├čen wie Slayer, Mot├Ârhead und Iron Maiden ein, die auch eigene Biersorten im Merchangebot haben.
Mit Dig Your Fingers In machte die Band danach einen Abstecher in Richtung A New Nature, dem vorvorletzten Studioalbum von 2014. Der Song pirscht sich zun├Ąchst ruhig an die Geh├Ârg├Ąnge und f├Ąhrt dann dort geh├Ârig die Krallen aus. Einer der H├Âhepunkte war das minimalistisch aufgezogene Golden Purifier vom letzten Release Nowhere (V├ľ 16.11.2018), mit dem die Menge endg├╝ltig in den Bann gezogen wurde. Durch die unaufdringliche Gitarre und die dezenten Samples kommt hier Rachels vielseitige Stimme voll zur Geltung. Deutlich heftiger ging es beim Gewitter von Darkness (I Too Am Here) zu, sowie bei dem doomig schleppend-krachenden The Unspoiled, welche sich ebenfalls auf Nowhere befinden. Selbstverst├Ąndlich durften auch die Klassiker Marching Song sowie das eindringliche┬áNo Dog nicht fehlen und ehe man sich versah, wurde mit The Jungle bereits das Ende eingel├Ąutet. Das Publikum lie├č alles nur allzu bereitwillig mit sich machen; man hatte mitunter den Eindruck, die Leute seien hypnotisiert. Man verzeihe mir den Pathos, aber die Hexe verspr├╝hte tats├Ąchlich ein bisschen reale Magie. Hierbei sei gesagt, dass die deutsche Audienz im Vergleich zur belgischen und niederl├Ąndischen insgesamt etwas lebhafter war und es neben Klatschen auch schon mal zu Begeisterungsrufen kam. Ansonsten wurde ehrf├╝rchtig und gefesselt zugeh├Ârt, alles andere w├Ąre ohnehin unangemessen gewesen.
Als Abschiedsgru├č gab die Band eine ├╝berarbeitete Version von Smashed To Pieces In The Still Of The Night (von Wash The Sins Not Only The Face, 2013) in Form einer Zugabe zum Besten, wobei Rachel sich verbal nochmal richtig verausgabte und dabei ihren inneren Glenn Danzig zu channeln schien.
Insgesamt verging die Zeit leider jedes Mal viel zu schnell, trotz der Tatsache, dass die meisten Songs die 5min-Marke deutlich ├╝berschreiten. Deswegen freue ich mich jetzt schon wieder auf zuk├╝nftige Termine. Es wird schlichtweg nie langweilig.
Fangirl over and out.

Setlist Esben and the Witch Wintertour Part II:

01. Dull Gret
02. Dig Your Fingers In
03. Marking the Heart of a Serpent
04. Golden Purifier
05. Darkness (I Too Am Here)
06. Marching Song
07. The Unspoiled
08. No Dog
09. The Jungle
10. (a) The Fall of Glorieta Mountain (Z, nur Nijmegen)
10. (b) Smashed to Pieces in the Still of the Night (Z, nicht in Utrecht)

Weblinks ESBEN AND THE WITCH:

Homepage: esbenandthewitchstore.bigcartel.com
Facebook: www.facebook.com/esbenandthewitch/

Bild: Archiv

Geschrieben von
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