Interview: SCHATTENMANN (Frank Herzig)

Interview: SCHATTENMANN (Frank Herzig)
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Zuletzt führten wir beim M’era Luna Festival 2018 ein Interview mit Schattenmann, im Anschluss ging es bei der Band quasi nahtlos weiter. Im Oktober spielte die Band in Oberhausen ihre erste Headliner-Show, bald darauf ging es im Vorprogramm von Feuerschwanz erneut auf Tour. Unter anderem auch nach München, wo wir uns vor der Show mit Sänger Frank Herzig unterhalten haben, um gute vier Monate nach dem M’era Luna Festival einmal ein kleines Update zu erhalten. Schnell wurde klar: An Stillstand ist bei der Band nicht zu denken. Neues Material steht in den Startlöchern, es folgt die Headliner-Tour, kurzum: Es wird definitiv nicht langweilig.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Wir haben uns zuletzt beim M’era Luna gesprochen. Was ist seitdem passiert im Hause Schattenmann?
Einiges! Es sind ganz viele Songs für ein neues Album entstanden, wir sind mit Feuerschwanz auf Tour gefahren. Wenn man das mal zusammenzählt: Neue Songs, viele Konzerte… Da ist einiges passiert.

Vor der Tour mit Feuerschwanz war noch die erste Headliner-Show. Wie war es da?
Stimmt, im Kulttempel Oberhausen. Es war absolut toll, es war eine für uns sehr bewegende Show, gerade weil es eben eine eigene Show nach vielen Support-Geschichten und Festivals waren, wo nie so viel Zeit gewesen ist, alle Songs live zu spielen zu können. Mit den Fans zu feiern, das war ein riesiger Moment. Ein richtig schöner Abend!

Woran hast Du im Vorfeld der Show gemerkt, dass es an der Zeit ist, eine Headliner-Show zu spielen, nach den Support-Touren?
Da gibt es verschiedene Faktoren, an denen man das merken kann. Einmal an sich selbst, dass man merkt, dass es schön wäre, alle Songs live spielen zu können, ohne zeitlich limitiert zu sein. Man muss ja da auch als Künstler Abstriche machen: Welchen Song spielst Du? Welchen lässt Du weg? Wie machen wir es am besten? Man muss sich immer zeitlich limitieren und viele Abstriche machen. Das ist der eine Punkt. Der andere: die Fans natürlich. Du hast auf so einem kleinen beschränkten Set wie hier mit 40 Minuten nicht die Chance, jeden Song zu spielen. Es gibt aber Songs, die die Leute hören wollen. Die kommen dann zu einem und fragen, ob wir nicht auch mal ein eigenes Konzert spielen können. Die fragen: „Könnt Ihr auch mal ein eigenes Konzert spielen? Wir haben total Lust, alle Songs zu hören.“ Oder: „Warum habt Ihr denn den oder den Song nicht gespielt?“ Das ist tatsächlich so eine Symbiose aus Fans und Band, die quasi die Headliner-Tour eingeläutet haben.

Interview: SCHATTENMANN (Frank Herzig)Und trotzdem kam nach Oberhausen jetzt einmal die Support-Tour mit Feuerschwanz. Wie kam es dazu?
Ich kenne die Jungs und Mädels von Feuerschwanz schon eine ganze Weile. Das war so eine Schnapsidee, eine Bierlaune. Ich saß irgendwann mal mit Ben zusammen und wir haben uns über Musik unterhalten und über Schattenmann. Da meinte er, er fände das total gut, was wir machen und man könnte doch mal was zusammen machen. Das stand dann lange Zeit im Raum und irgendwann kamen wir wieder drauf. Dann hieß es: „Ja, also was jetzt? Hopp  oder topp?“ Da haben wir gesagt: „Klar, lasst uns ein Experiment wagen.“ Das ist natürlich für alle Beteiligten ein Experiment gewesen. Ich mein, Mittelalter meets NDH 2.0. Es war ein sehr erfolgreiches Experiment und ein sehr sehr sehr schönes Experiment.

Das wäre jetzt auch die Frage gewesen, wie die Stile so zusammenkommen. Gibt es irgendwie ein verbindendes Moment zwischen den beiden Bands?
Absolut. Man sieht das zum Beispiel auch auf Festivals. Nehmen wir noch einmal das M’era Luna. Da stehen Bands wie Feuerschwanz, In Extremo, VNV Nation oder Schattenmann, Eisbrecher, alle auf der gleichen Bühne. Die kommen aus den verschiedensten Genres und trotzdem ist es wie eine große Familie. Ich finde es total schön und auch besonders, dass gerade in der Szene, in der wir uns bewegen, auch viel Szene-übergreifend gehört wird. Ein Metaller hört auch Mittelalter und der Mittelalter-Hörer hört auch Metal und so ist es auch mit dem NDHler. Auch der Gothic-Dude hört sich so quer durch. Das finde ich total schön und die Szene ist auch total offen. Das hat man auch bei den Shows mit Feuerschwanz gemerkt, dass die Leute tatsächlich offen sind. Ich glaube, wenn es um Musik geht und die gut gemacht ist, dann kennt Musik auch keine Grenzen. Und das ist das Schöne: Musik kann Grenzen und Barrieren durchbrechen. Ich bin auch kein großer Freund von Schubladen, in die man verschiedene Genres steckt oder zu stecken vermag. Das hat auch diese Tour gezeigt. Wenn es irgendwie cool ist und den Menschen Spaß macht, dann können auch eine NDH-Band und eine Mittelalter-Band  miteinander harmonieren. Ich finde auch, Feuerschwanz haben mit ihrem neuem Album sehr viel Metal-Attitude drin. Wir haben auch mit unserem Material so eine Metal-Attitude, die auf dem zweiten Album auch noch deutlich verstärkt wird. Das beste Beispiel ist auch: Wir spielen Gekentert mit dem Ben zusammen, der spielt das mit Dudelsack mit. Das war tatsächlich auch musikalisch so eine Barriere, die man überwunden hat. Man hat gesehen: Der Dudelsack, ein typisches Mittelalter-Instrument, passt gut zu Schattenmann. Dann ist da auch etwas musikalisch-magisches entstanden. Diese Tour hat tatsächlich in ganz vielerlei Hinsicht Barrieren und Grenzen durchbrochen. Das ist rundum schön. Die Leute gehen raus und haben nach den Shows ein Grinsen im Gesicht. Einfach eine tolle Erfahrung!

Dennoch habt Ihr jetzt noch das Support-Act-Schicksal. Ich denke mal, die meisten Leute sind vermutlich nicht wegen Euch hier. Wie stellt man da eine Setlist zusammen?
So wie sie einem selber gefällt. (lacht)

Ihr habt ja aber keine volle Show…
Wir haben uns einfach überlegt, was uns erst einmal Spaß macht und worauf wir Lust haben. Erst wenn Du als Künstler Spaß hast, kann es den anderen Spaß bereiten. Wir wollten eine Setlist, die knallt, die voll auf die Mütze ist, die haben wir uns dann gebastelt. Ich denke, da haben wir ein gutes Händchen bewiesen, weil die Setlist die Leute richtig mitreißt. Ich würde es auch nicht als Schicksal des Supports sehen, wenn einen keiner kennt, sondern eher als Chance, sich einfach einem anderen Publikum zu präsentieren und seine Musik in die Welt hinauszutragen. Wir haben das sportlich gesehen und genommen. Dadurch hat sich auf jedem Konzert echt etwas Tolles entwickelt. Den Leuten hat es gefallen. Ich hatte nie den Eindruck, dass sie uns nicht mögen. Sie haben es echt richtig abgefeiert. Auch wenn uns stellenweise wirklich nur wenige kannten im Publikum, wie zum Beispiel in Graz. Wir waren noch nie in Graz und tatsächlich haben die Leute uns gefeiert, als wäre es selbstverständlich, dass Schattenmann an diesem Abend in Graz spielen. Das war geil! Das erfüllt einen dann mit Stolz und daher sehe ich das eher als Chance und weniger als Schicksal des Supports.

Interview: SCHATTENMANN (Frank Herzig)Ich habe munkeln hören, Ihr habt auch schon zwei neue Songs mit im Gepäck. Habt Ihr die schon im Set mit dabei?
Ja, tatsächlich. Die haben wir mit ins Set genommen. Epidemie und Kopf durch die Wand. Es ist für uns ja auch so: Man spielt die Songs im Studio, man werkelt daran rum, dann müssen die auch auf die Bühne. Das ist so ein innerer Trieb, gegen den kannst Du nichts machen. Wir wollten das ausprobieren, wie sich das anfühlt und wie sich die neuen Songs im Set einfügen. Was passiert da? Ist das stimmig? Ist das für uns gut? Deswegen mussten wir einfach zwei neue Songs mitnehmen.

Wie fügen die sich bisher ins Repertoire ein?
Dadurch, dass wir ja vor Leuten gespielt haben, von denen uns wie in Graz zum Beispiel kein einziger kannte, haben die das gar nicht gemerkt, dass das neue Titel sind. Wenn ich nichts gesagt hätte, wäre das für sie selbstverständlich gewesen: „Ja, das war Schattenmann.“ Das war für uns aber auch so ein Zeichen: Wir haben den richtigen Riecher. Wir sind unserem Ding treu geblieben, aber für uns und auch musikalisch ist es definitiv eine Weiterentwicklung zum ersten Album, das aber nahtlos anknüpft. Es fühlt sich einfach nur gut an.

Du hast von einer Weiterentwicklung gesprochen. Was würdest Du denn sagen, ist neu und anders an den Stücken?
Ich habe stimmlich viel experimentiert. Ich habe stimmlich versucht, mal ein bisschen mehr zu mir selbst zu finden und auch noch einmal eine Schippe draufgepackt. Wir haben in der Gitarrenarbeit hat Jan noch einmal neue Maßstäbe gesetzt. Was total NDH-untypisch ist: Es sind manche Songs dabei, die sind sehr metallig von den Riffs her. Das geht in eine deutlich härtere und schnellere Richtung. Mehr möchte ich an der Stelle auch noch nicht verraten. Zwei Songs stellvertretend für das Album auszuwählen, ist schwierig. Aber es ist tatsächlich sehr abwechslungsreich, das neue Album. Es treibt dieses Thema „NDH 2.0“, das ein Schattenmann-Begriff ist, mit dem wir ja quasi rausgegangen sind, auf die Spitze, noch mehr als vorher. Wenn man das Album hört, merkt man aber: Ja, das sind Schattenmann und das ist noch mehr NDH 2.0. So wie man es sich glaub ich als Hörer auch wünschen würde, nachdem man das erste Album gehört hat.

Ihr hattet die Headliner-Show in Oberhausen, jetzt gerade ist die Support-Tour, dann kommt die Headliner-Tour aber auch wirklich. Wie sind Deine Erwartungen für die Tour?
Das ist natürlich schwierig. Erwartungen sind etwas, das ich gerne an Erfahrungen koppele. Da es für die Headliner-Tour keine Erfahrungen gibt, bin ich für alles offen. Die einzige Erwartung, die ich habe, ist, dass wir eine gute Zeit haben werden auf Tour und Spaß mit unseren Fans. Und dass wir einfach total rocken.

Wie muss denn so eine Show für Dich gelaufen sein, dass Du dann von der Bühne gehst und sagst „ja wow, das war jetzt mal eine richtig geile Show“?
Es gibt bei jeder Show so einen „magic moment“. Ich hatte ihn bisher in jeder Show, dass dieser Funke zwischen Band und Publikum überspringt in Form der Musik, dass das eine Einheit ist. Für mich ist ein gutes Konzert, wenn genau das passiert ist. Das war eigentlich bis jetzt immer so. Ganz kurioser Weise. Ich bin noch nie unzufrieden von der Bühne runter. Vielleicht ist es auch mein eigener Film, weil ich einfach nur Spaß hab. Aber wenn dieser Funke überspringt und die Leute mit einem Grinsen rausgehen, dann ist das für mich ein erfolgreicher Abend.

Interview: SCHATTENMANN (Frank Herzig)Das war es von mir fast mit Fragen. Ich würde nun gerne noch wissen: Was wünschst Du Dir für 2019?
Ich wünsche mir für 2019, dass es im Endeffekt im Großen und Ganzen so bleibt, wie es ist. Also dass wir alle gesund und munter bleiben, dass das mit Crew und Band alles so bleibt. Wir haben ein wahnsinnig familiäres Verhältnis untereinander und das wünsche ich mir, dass es so weiter geht und natürlich, dass wir die Headliner-Tour ohne größere Komplikationen überstehen. Man weiß ja nie, was kommt, es ist ja die erste. Ich hoffe auch, dass unser neues Album 2019 dann gesund das Licht der Welt erblickt.

Wann ist das angedacht?
Das steht noch etwas in den Sternen. Aber es wird sich irgendwie in der Mitte von 2019 bewegen. Also eigentlich ganz bescheidene Wünsche und Erwartungen für 2019. Mal gucken. Wir harren der Dinge. (lacht)

Ich drück die Daumen, dass sie eintreten.
Danke!

Weblinks SCHATTENMANN:

Homepage: www.schattenmann.net
Facebook: www.facebook.com/schattenmannband
Twitter: www.twitter.com/_schattenmann_

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