EINST├ťRZENDE NEUBAUTEN – Bochum, Schauspielhaus (20.11.2018)

Einst├╝rzende Neubauten ┬ęMarcus Nathofer
Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Unvollst├Ąndigkeit und gleichzeitig Wortfetischismus schie├čen mir durch den Kopf, als ich dar├╝ber nachsinne, wie ich eine Rezi zur Greatest-Hits-Tour der Einst├╝rzenden Neubauten beginne. Die EN, die Avantgarde-Ikonen der deutschsprachigen Musikkunst, benennen eine Ansammlung ihrer besten Lieder Greatest Hits. Das sackt jetzt erstmal. So etwas hie├č auch schon einmal Strategies against Architecture. Gut, auch englisch, aber… Greatest Hits? Irgendwie profan, da kann man nur hoffen, dass sich diese Vereinfachung nicht auch im Auftritt widerspiegelt.

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The Garden, Haus der L├╝ge und Nagorny Karabach sind die ersten drei dargebotenen St├╝cke. Leise, Laut, Leise, danach steht dann auch der Klang. Unvollst├Ąndigkeit schie├čt mir erneut durch den Kopf… Haus der L├╝ge. Was ist mit dem Epilog? Obsolet? Weil mittlerweile aktuell? „… gleich Eintagsfliegen, nur noch auf und ab und ab und auf bespielen, um sp├Ąter dann zur├╝ckzukehren, ganz aufgedunsen, l├Ąngst vergessen, nur noch kleine Kreise ziehen? Wir k├Ânnten, aber …“┬áDoch das ist nicht ganz richtig so. Klar sind die Herren Bargeld, Unruh, Hacke sowie die sp├Ąter dazu gesto├čenen Arbeit, Moser und noch sp├Ąter Gebhard nicht mehr die J├╝ngsten und so entwickelt man wohl zwangsl├Ąufig eine Vorliebe f├╝r die etwas gesetzteren und ruhigeren St├╝cke, und eine wirkliche Lustlosigkeit kann man Niemandem unterstellen, allerh├Âchstens eine gewisse M├╝digkeit. Blixa wirkt zun├Ąchst ein wenig unterk├╝hlt und distanziert, wobei diese Distanziertheit wohl auch nur auff├Ąllt, wenn man schon mehrere Neubauten-Konzerte gesehen hat.

Langsam kommt Stimmung auf

Vielleicht ist es auch ein bisschen der Lokalit├Ąt geschuldet. Das Bochumer Schauspielhaus, voll bestuhlt, ist halt etwas anderes als eine Konzerthalle. Dasselbige kann auch vom Publikum sagen, in dem mit Sicherheit auch einige Abonnenten sitzen. Nichtsdestotrotz herrscht eine gute Stimmung und die Band bekommt nach jedem Lied gro├čen Applaus. Der Main-Part des Konzertes wird zusammengesetzt aus den St├╝cken Dead Friends, Unvollst├Ąndigkeit, Youme&Meyou, Die Befindlichkeit des Landes, Sonnenbarke, Von wegen, Sabrina und Susej. In der Zwischenzeit ist auch die Kommunikation zwischen Band und geneigtem Zuh├Ârer besser geworden. Blixa erkl├Ąrt ein paar Kleinigkeiten, wie zum Beispiel den Einfluss neuer EU-Richtlinien in Bezug auf Standardrohrl├Ąngen und der damit einhergehenden Ver├Ąnderung der Tonh├Âhe eben dieser, oder das Zustandekommen eines Samples, indem man eine alte Aufnahme, die der junge Blixa im Matsch eines Hamburger Flutkellers liegend und gleichzeitig gitarrespielend aufnahm, in einen Teil des Liedes Susej verwandelt. Sehr unterhaltsam!

Das St├╝ck How Did I Die? von der aktuellen LP Lament ist das letzte vor dem Ende des Hauptteils und bildet f├╝r mich den H├Âhepunkt des Konzertes, weil man hier mit einem riesigen Schritt in die Vergangenheit in der Gegenwart der Schaffensphase der Neubauten angelangt ist, und mir dieses St├╝ck aus dem Konzeptalbum zum Beginn des Ersten Weltkriegs hier erstmals dargeboten wird. Sehr beeindruckend.

Nach einer circa f├╝nfmin├╝tigen Erholungspause, in der der Applaus nicht abebbt, kehrt die Band auf die B├╝hne zur├╝ck und beginnt die Zugaben mit einer Ruhephase a l├í Silence Is Sexy und einer etwas gr├╝n riechenden Zigarette. Es folgen Let’s Do It A Dada, Ein leichtes leises S├Ąuseln und als letztes Total Eclipse Of The Sun. Zwischen den Liedern kommt es zu einigen Musikwunsch-Au├čerungen seitens des Publikums, wobei sich herausstellt, dass Herr Unruh auch die entlegensten Musikfragmente wie Nag Nag Nag noch kennt und Herr Bargeld mit dem Satz┬á„Also das Letzte kenn ich jetzt nicht“ passen muss …┬áUnvollst├Ąndigkeit schie├čt am Ende des Konzertes wieder durch den Kopf. Es fehlen f├╝r mich einige Greatest Hits wie: Die Interimsliebenden, Feurio, Y├╝-Gung, ZNS, Good Morning Everybody, Redukt, Selbstportrait mit Kater, Zampano, MoDiMiDoFrSaSo und Querulanten. Aber vielleicht sind das ja auch eher Strategies Against Architecture

Alles in Allem hat das Publikum an diesem Abend ein gekonnt in Szene gesetztes Konzert (das Schattenspiel auf der r├╝ckw├Ąrtigen Leinwand habe ich so auch noch bei keiner anderen Band gesehen) einer schon lang gedienten Ausnahmeband gesehen und goutiert.

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