SOUTHSIDE FESTIVAL 2018 ‚Äď Samstag (23.06.2018)

Billy Talent, © Markus Hillgärtner
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Ein neuer Tag, ein neues Line-Up, und wirkte die musikalische Orientierung des ersten Tages noch etwas vertr√§umt, so war am zweiten Tag definitiv mehr Abwechslung geboten. Bereits um 13:00 betrat mit The Glorious Sons ein pers√∂nliches Highlight die White Stage, welche mit einer modernen Interpretation klassischen Rocks gut zu √ľberzeugen wussten. W√§hrend Acts wie BKRN, Pale Waves, Gavin James oder Marmozets ein zunehmend gr√∂√üer werdendes Publikum zu bew√§ltigen hatten, wartete mit Juse Ju das n√§chste Highlight gegen 14:45 im Zelt der Red Stage. √Ąhnlich bunt wie der Werdegang des Rappers war die B√ľhnenshow und es war ein unfassbares Erlebnis, wie sehr eine einzelne Person ein Publikum begeistern konnte, wo er doch den meisten vermutlich gar kein Begriff war. Die erste wirklich harte Entscheidung des Tages bildete sich dann gegen 16:00 ab: Chvrches auf der Blue Stage oder Fj√łrt auf der Red Stage? Zum Gl√ľck sind die Laufwege des Festivals gut organisiert und nichts ist zu weit weg, also wird sich kurz das Pflichtprogramm Chvrches angeschaut um danach etwas mehr dem eigenen Musikgeschmack nachzukommen. Fj√łrt¬†also auf der Red Stage, eine etwas unbekannte Band aus Aachen, die irgendwo zwischen Post-Hardcore und Black Metal einzusortieren ist. Obschon doch eher das sehr harte Eisen des Festivals, √ľberzeugt das Trio ein f√ľr das Musikgenre erstaunlich heterogenes, junges Publikum. Es machte Spa√ü zu sehen, wie offen die Festivalg√§nger f√ľr Musik abseits von standardisierten Normen und Klischees sind und einmal mehr konnte man merken, wie angenehm das Klima unter den Festivalbesuchern doch ist. F√ľr diejenigen, welche die etwas normengerechtere Rockdr√∂hnung suchten legten derweil die Donots gegen 16:30 ihr Eisen ins Feuer der Green Stage um einem wohlgewollten und mittlerweile auch nicht mehr so n√ľchternen Publikum ordentlich einzuheizen. Es fiel schwer die F√ľ√üe still zu halten bei so viel Energie, und so durften sogar die fotografierenden Pressevertreter einmal zur Bewegungspause die B√ľhne betreten.

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Auch wenn das restliche Angebot garantiert sowhl angenehm anzusehen, als auch zu h√∂ren war, so wurde im Anschluss bis 18:00 vor der Green Stage gecamped, um Feine Sahne Fischfilet aus n√§chster N√§he zu erleben. Auch wenn die Stimme des S√§ngers deutlich unter seinem Hurricane-Auftritt des Vortages litt, wussten die Punker das Publikum problemlos zu animieren. Manche m√∂gen den Fronts√§nger f√ľr ein Bierspuckendes Walross halten, viele k√∂nnen von ihm allerdings lernen, sich selbst nicht immer ganz so ernst zu nehmen. Entsprechend am√ľsant war die Show vor einer gigantischen Poritze als Backdrop zu erleben. Hart auf hart ging es weiter, denn die √Ėsterreicher von Wanda enterten bereits um 19:00 die Blue Stage, von wo aus sie mit ihrem wohl gr√∂√üten Hit Bologna¬†beginnend eine erstklassige Show ablieferten. Die Menschen vor der B√ľhne feierten sie frenetisch und konnten fast jedes Lied wortgetreu mitsingen. Dennoch zog es den Schreiber dieser Zeilen gegen 19:30 erneut vor die Green Stage, wo man so authentisch wie sonst selten echtes kalifornisches Punk-Feeling erleben durfte. The Offspring begannen p√ľnktlich ihre Show und obschon als Band gut gealtert war die Setlist auf den Punkt abgestimmt und jeder Song z√ľndete. Man merkte den Jungs die Freude an auf der B√ľhne stehen zu d√ľrfen und sich einem Publikum erneut pr√§sentieren zu k√∂nnen, wenngleich die letzte Ver√∂ffentlichung schon sechs Jahre alt ist. Schade, wenn eine Band sich so auf ihren Lorbeeren ausruht, aber herrlich, wenn eine Band sich nicht unbedingt neu erfinden und beweisen muss, sondern den Fans gibt, was sie wollen. Mit Chefket, London Grammar, Ganz und den Broilers folgen einige hochklassige Acts, sodass es gen√ľgend Alternativen gab, sich die Zeit bis 22:00 zu vertreiben. Dann n√§mlich betrat mit Samy Deluxe einer der Dienst√§ltesten noch aktiven deutschen Rapper die B√ľhne der prall gef√ľllten Red Stage. Auch 2018 kickt der Hamburger Junge noch derbe wie seit 20 Jahren und jede Phrase sitzt. Das bemerkt auch schnell das Publikum, welches seine Melange aus perfekter Rap-Technik und klaren Botschaften bereitwillig abfeiert.

Nach einem so prall gef√ľllten Tag steht mit Billy Talent als Headliner der Green Stage eine kanadische Band auf dem Programm, die gef√ľhlt ihre gro√üe Phase schon einige Jahre hinter sich hat und gerade international nicht mehr die Bedeutung zu haben scheint. Dennoch ist es eine Band, die viel zu sagen hat und gerade in Deutschland gut zieht, was man an dem prall gef√ľllten B√ľhnengraben, die bis dato gr√∂√üte Menschenmenge des Tages, bemerkt. Das Quartett aus Kanada √ľberzeugt mit einer sehr gemischten Setlist, welche Songs aller Alben und Schaffensperioden der Band umfasst und so kannte eigentlich jeder im Publikum zumindest irgendein Lied und konnte mitsingen. Besonders herzergreifend wird der Auftritt als Schlagzeuger Aaron Slowoniuk, welcher seit 2016 durch Jordan Hastings vertreten wird, die B√ľhne betritt und trotz seiner MS-Erkrankung mehrere Songs am Drumset zum Besten geben kann. Man kann nur den Hut ziehen vor dem Zusammenhalt und der freundschaftlichen Gef√ľge, welche innerhalb dieser Band herrschen. So manch andere Band h√§tte ihre Musiker schon l√§ngst fallen gelassen und sich aufs Geld machen konzentriert, doch gerade w√§hrend dieser wenigen St√ľcke merkt man den Grund, warum diese Band zurecht noch so erfolgreich ist: Es sind einfach 4 Jungs, welche ihren Traum leben und das machen, was sie wollen, ohne sich gegenseitig als austauschbar oder unsympathisch zu pr√§sentieren.

Als letzter Act des Tages betritt Marteria gegen 00:45 Blue Stage. Der geb√ľrtige Rostocker hat in seinem Leben schon einiges erlebt: Profifu√üball, Model-Dasein, Platz 1 der deutschen Plattencharts und nun auch das Southside-Festival 2018. Als einziger gr√∂√üerer Act, quasi au√üer Konkurrenz, war quasi jeder, der nicht bereits zum Feiern ins Zelt gegangen war, vor der B√ľhne und lauschte den Worten des Rappers, welche eine furiose Show mit allem inklusive abfeierte. Allem inklusive hie√ü nat√ľrlich insbesondere auch St√ľcke seines Nebenprojektes Marsimoto, allerdings auch die Aufforderung ans Publikum, sich um 2:00 nachts von st√∂renden T-Shirts zu trennen oder in Regenbogenfarben leuchtende Alpakak√∂pfe auf Gro√üleinw√§nden. Nach so einem Tag hei√üt es dann gerne Gute Nacht, auf einen ebenso wunderbaren letzten Festivaltag.

Geschrieben von
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