ARCH ENEMY ‚Äď Hamburg, Grosse Freiheit 36 (29.01.2018)

Arch Enemy © Thomas Papenbreer
Geschätzte Lesezeit: 5 Minute(n)

Im September 2017 ver√∂ffentlichte das popul√§re schwedische Melodic Death Metal-Quintett sein zehntes Studioalbum Will To Power und begibt sich mit der gleichnamigen Tour auf einen rasanten Ritt zuerst durch Europa und dann durch Asien und Australien. Begleitet werden Arch Enemy bei den deutschen Terminen von drei erstklassigen und √§u√üerst unterschiedlichen Gruppen, die bereits jede f√ľr sich genommen ein tolles Konzerterlebnis verspricht. Darum erscheint es fast unangemessen hier von drei Vorbands und einer Hauptband zu sprechen, sondern man hat eher den Eindruck ein Mini-Festival zu besuchen. So ist die Show denn auch restlos ausverkauft und das obwohl sich drei H√§user weiter im renommierten Gr√ľnspan am selben Abend Cradle of Filth und Moonspell die Ehre geben und so die Hamburgische Metal-Szene vor eine schwierige Entscheidung stellen. Bereits zum Einlass um 17:30 Uhr erstreckt sich die Schlange der erwartungsvoll wartenden Fans bis zur Mitte der Grossen Freiheit. Typisch norddeutsches Schmuddelwetter und l√§stiger Schienenersatzverkehr beeindrucken hier niemanden, daf√ľr ist die Vorfreude auf einen exquisiten Abend der extremen Stimmen viel zu gro√ü.

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Um 18:10 Uhr er√∂ffnet das ukrainische Quartett Jinjer um S√§ngerin Tatiana Shmailyuk, das seine Musik als Progressive Metal mit starken Wurzeln im Hardcore und Groove Metal beschreibt, sein kurzweiliges Set mit dem treibenden Captain Clock und gibt von der ersten Minute an Vollgas. Die charismatische Frontfrau ist in Lederweste, knappen Hotpants und mit l√§ssig um die H√ľften geschlungenem Holzf√§llerhemd nicht nur ein absoluter Blickfang, sondern beeindruckt die Anwesenden augenblicklich mit ihren au√üergew√∂hnlichen stimmlichen F√§higkeiten. Spielend wechselt sie zwischen abgrundtiefen Growls und groovigem Klargesang.

√úberhaupt sind die Damen des Extrem-Metals heute die wahren Stars und stecken mit ihrer grenzenlosen Power und ihren brutalen Vocals so manchen m√§nnlichen Kollegen locker in die Tasche. Dementsprechend entsteht bei Jinjer in der schon gut gef√ľllten Grossen Freiheit 36 der erste kleine Moshpit des Konzertabends. Weitere Highlights wie Just Another oder Pisces sto√üen beim Publikum auf eine gute Resonanz und als die Ukrainer den letzten Song ank√ľndigen gibt es sogar einige Buhrufe. Bei Who is Gonna Be the One stellt Tatiana dann noch einmal ihre Vielseitigkeit unter Beweis und growlt nicht nur was das Zeug h√§lt, sondern √ľberzeugt auch mit von Reggae inspiriertem Gesang.

King of Everything

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5.0 von 5 Sternen (9 Kundenbewertungen)

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Setlist JINJER @ Hamburg, Grosse Freiheit 36 (29.01.2018):
  1. Captain Clock
  2. Sit Stay Roll Over
  3. I Speak Astronomy
  4. Just Another
  5. Pisces
  6. Who is Gonna Be the One

Als n√§chstes betreten die schwedischen Tribulation in stilechtem Corpse Paint die B√ľhne. Mit Lady Death legen sie direkt mit einem Ohrwurm aus ihrem brandneuen Werk Down Below los, welches erst einige Tage zuvor ver√∂ffentlicht wurde. Vor stilvoller B√ľhnendeko ‚Äď links und rechts befinden sich zwei gro√üe Aufsteller mit einem kunstvoll gezeichnetem Skelett, das sich in einen schwarzen Umhang h√ľllt ‚Äď gibt S√§nger Johannes Andersson Gas und begeistert mit rauem, kraftvollem Growlgesang. Gitarrist und Mastermind Jonathan Hult√©n fegt beim popul√§ren Melancholia und dem mitrei√üenden Nightbound wie ein vom Metal beseelter Ballettt√§nzer √ľber die B√ľhne und ergeht sich dabei in brillanten Soli.

Langsam platzt die Grosse Freiheit aus allen N√§hten, denn inzwischen haben sich auch alle Sitz- und Stehpl√§tze auf den R√§ngen gef√ľllt. Jedoch st√∂√üt die tiefgr√ľndige Musik der Schweden nicht bei allen Besuchern auf Begeisterung und so wird generell eher mitgewippt als geheadbangt. Dennoch ernten das gro√üartige Strange Gateways Beckon und das intensive The Lament den verdienten Applaus und die talentierte Formation hat nach der gelungenen Show sicherlich den ein oder anderen Fan dazugewonnen.

Down Below (Standard CD Jewelcase)

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4.1 von 5 Sternen (8 Kundenbewertungen)

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Setlist TRIBULATION @ Hamburg, Grosse Freiheit 36 (29.01.2018):
  1. Lady Death
  2. Melancholia
  3. The Motherhood of God
  4. Suspiria de profundis
  5. Nightbound
  6. Strange Gateways Beckon
  7. The Lament

Um 20:00 Uhr folgt der Auftritt der finnischen Wintersun. Als die Gitarristen Teemu M√§ntysaari und Asim Searah die B√ľhne entern, werden sie bereits mit lauten ‚ÄěHey‚Äú-Rufen begr√ľ√üt. Anscheinend gibt es durchaus den einen oder anderen Wintersun-Fan unter den Zuschauern. Bassist Jukka Koskinen fehlt leider krankheitsbedingt, sodass Wintersun heute nur zu viert sind. S√§nger Jari M√§enp√§√§ er√∂ffnet das Set dennoch gut gelaunt mit dem fast 15-min√ľtigen Awaken From The Dark Slumber (Spring) vom aktuellen Opus The Forest Seasons. Mit dem energiegeladenen Winter Madess entf√ľhren uns Wintersun gleich im Anschluss zur√ľck in die fr√ľhen Tage der Band. Jari keift aus Leibeskr√§ften, sch√ľttelt enthusiastisch die blonde M√§hne und belohnt den begeisterten Applaus immer wieder breit grinsend mit einem Daumen hoch.

Mit Sons of Winter and Stars geben die Nordm√§nner dann noch eine kolossale 13-min√ľtigen Nummer zum Besten, die von bitterb√∂sem Keifen √ľber nostalgischen Klargesang bis hin zu ruhigen T√∂nen alles enth√§lt was das Metal-Herz begehrt und Wintersun als unumstrittene K√∂nige des Epic (Black) Metal etabliert. Mit dem grandiosen Time heizen Jari und seine Mannen den Anwesenden schlie√ülich nochmal ordentlich ein, bevor sie sich unter lautem Beifall verabschieden und den Weg f√ľr den Hauptact des Abends frei machen.

The Forest Seasons

Preis: EUR 6,99

4.1 von 5 Sternen (30 Kundenbewertungen)

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Setlist WINTERSUN @ Hamburg, Grosse Freiheit 36 (29.01.2018):
  1. Awaken From The Dark Slumber (Spring)
  2. Winter Madness
  3. Sons of Winter and Stars
  4. Loneliness (Winter)
  5. Battle Against Time
  6. Time

Die Vorfreude auf Arch Enemy steigert sich nun immer weiter und als die Schweden um 21:30 Uhr zu den Kl√§ngen von The World Is Yours die B√ľhne st√ľrmen, gibt es im Publikum kein Halten mehr. S√§ngerin Alissa White-Gluz fegt wie ein blauhaariger Wirbelwind √ľber die B√ľhne und fesselt die Zuschauer von der ersten Minute an mit ihrer ungeheuren Energie und Spielfreude. W√§hrend des gesamten Gigs interagiert sie immer wieder gut gelaunt mit den Fans und motiviert sie zum Mitklatschen und Mitbangen. Ihre Bandkollegen stehen der sch√∂nen Frontfrau dabei in puncto Spielfreude und Talent in nichts nach: so liefert Gitarrist Michael Amott nicht nur am laufenden Band fette Riffs ab, sondern begeistert auch mit virtuosen Soli.

Dabei feuern die Schweden nicht nur ein Feuerwerk von Klassikern aufs Hamburgische Publikum ab (Ravenous, My Apocalypse, Dead Eyes See No Future), sondern geben auch einige Songs aus ihrem aktuellen Werk Will To Power, wie zum Beispiel The Race und The Eagle Flies Alone zum Besten. Leider kommt man in Hamburg nicht wie in Oberhausen in den Genuss das gro√üartige Reason to Believe live zu erleben, in welchem Alissa zum ersten Mal in einem Arch Enemy-St√ľck auch ihren cleanen Gesang einsetzt. Schade! – Die weitere Setlist l√§sst dennoch kaum W√ľnsche offen und wird von den Fans mit frenetischem Beifall und begeistertem Stage Diving quittiert.

Beim Live-Kracher Dead Bury Their Dead schwingt Alissa schlie√ülich eine riesige schwarze Totenkopfflagge und verk√ľndet triumphierend: „A room of fucking metal heads is a power to be reckoned with!“ Das k√§mpferische Statement dient als Einleitung zu We will rise, dem letzten Highlight vor den Zugaben. Unter gro√üem Jubel kehren Arch Enemy dann noch einmal auf die B√ľhne zur√ľck und performen zuerst das dramatische Avalanche von War Eternal (2014), bevor sie dem grandiosen Abend mit der Headbang-Hymne Nemesis die Krone aufsetzen.

So bleibt kein Zweifel: Arch Enemy sind Profis im besten Sinne, denn in jedem einzelnen Konzert ist eine riesige Portion Herzblut sp√ľrbar. Doch auch die anderen Bands des Abends konnten auf ganzer Linie √ľberzeugen und machen diesen regnerischen Montagabend zu einem unvergesslichen Konzerterlebnis.

Setlist ARCH ENEMY @ Hamburg, Grosse Freiheit 36 (29.01.2018):
  1. Set Flame to the Night (Intro)
  2. The World Is Yours
  3. Ravenous
  4. The Race
  5. War Eternal
  6. My Apocalypse
  7. You Will Know My Name
  8. Bloostained Cross
  9. Dead Eyes See No Future
  10. The Eagle Flies Alone
  11. As The Pages Burn
  12. Intermezzo Liberté
  13. Dead Bury Their Dead
  14. We Will Rise
  15. Avalanche (Z)
  16. Snow Bound (Z)
  17. Nemesis (Z)
  18. Fields of Desolation (Outro)

Fotos: Thomas Papenbreer

Geschrieben von
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