Interview: COCK SPARRER (DARYL SMITH)

Gesch├Ątzte Lesezeit: 7 Minute(n)

Zehn Jahre Pause zwischen zwei Alben? Bei Cock Sparrer nicht ungew├Âhnlich. Wenn sie abliefern, dann stehts auf hohem Niveau, wie sie es auch im April dieses Jahres mit dem┬ádem┬áaktuellen Album Forever┬áeindrucksvoll bewiesen haben. Wir haben das Album zum Anlass genommen, der Band einen Schwung Fragen zu stellen zum Album, zu Unterschieden gegen├╝ber dem Vorg├Ąnger, dem Thema Live-Spielen wie auch der Zukunft der Band. Gitarrist Daryl Smith nahm sich f├╝r uns die Zeit, die Fragen zu beantworten.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Zwischen Here We Stand und Forever lagen zehn Jahre. Zu Beginn w├╝rde ich gerne wissen: Was ist dazwischen passiert? Warum haben wir so lange auf ein neues Album warten m├╝ssen?
Bevor wir Here We Stand aufgenommen haben, hatten wir vielleicht einen Gig pro Jahr. Sogar noch weniger Wir hatten 2001 einen Auftritt, dann einen 2003, und noch einen 2006, glaube ich! Also haben wir die letzten zehn Jahre daran gearbeitet, viel ├Âfter aufzutreten. So um die 12 bis 20 mal pro Jahr. In der Zeit sind wir ├╝berall auf der Welt gewesen. Nicht jeder kann es sich leisten, zu Rebellion-Festivals nach Gro├čbritannien zu kommen, um uns zu sehen. Also sind wir zu den Leuten gefahren. USA, Brasilien, Argentinien, Kanada, ├╝berall in Europa, auch L├Ąnder wie Serbien oder Kroatien. Also gab es jeden Monat einen neuen Gig, auf den wir uns freuen konnten, und der vorbereitet werden musste. F├╝r ein neues Album blieb da nicht viel Zeit. Au├čerdem hatten wir immer gesagt, dass uns Qualit├Ąt wichtiger ist als Quantit├Ąt. Also wollten wir nicht auf Biegen und Brechen ein neues Album rausbringen, bevor wir sicher waren, dass die Songs daf├╝r gut genug waren.

Wie w├╝rdest du die Unterschiede zwischen Here We Stand und Forever beschreiben? Was ist neu, was ist anders auf dem neuen Album?
Der gr├Â├čte Unterschied zwischen Forever und allen anderen Releases von Cock Sparrer ist die Produktion. Fr├╝her haben wir das Geld f├╝rs Studio genommen, sind was trinken gegangen, und mit dem Rest haben wir unsere Songs aufgenommen. Here We Stand klang schon ganz ordentlich, aber dieses Mal wollte ich wirklich ein Album, das so gut klingt wie andere kommerzielle Alben. In den Siebzigern oder Achtzigern war es vielleicht okay, wenn alles ein bi├čchen holprig und blechern klang, aber inzwischen haben wir 2017, und es gibt so viele gut klingende Alben (vor allem von US-Bands), mit denen wir mithalten wollten. Wir sind immer stolz auf unsere Songs gewesen, aber nicht unbedingt darauf, wie sie klangen. Also habe ich viel Zeit investiert, um mich ├╝ber das richtige Equipment zu informieren, ├╝ber Studios und Aufnahmetechniken. Ich habe mit einem j├╝ngeren Typen, James Bragg, zusammengearbeitet, der verstanden hat, was wir wollten, und es umsetzen konnte.

Sehen wir uns zuerst einmal den Titel an. Warum hei├čt das Album Forever?
Es ist verdammt schwer, einen Albumtitel zu finden! Wir sa├čen im Flughafen auf dem R├╝ckweg von einer Show, und ein Typ von unserem Label Pirate Press hat pl├Âtzlich gesagt, ÔÇ×Warum nennt ihr es nicht einfach FOREVER?ÔÇť Und wir hatten alle sofort Ideen, warum das ein guter Titel w├Ąre. Erstens werden wir nat├╝rlich nicht f├╝r immer weiter Musik machen, aber unsere Songs werden f├╝r immer da sein. Wir fanden den Gedanken gut, dass die Songs sofort nach der Ver├Âffentlichung den Fans geh├Âren, und sie uns so ├╝berdauern, noch lange ├╝ber unser Karriereende hinaus. Zweitens haben wir uns gedacht, dass der Titel total gut auf T-Shirts und Tattoos und so aussehen w├╝rde. Also hat alles gepasst, und jeder von uns war aus verschiedenen Gr├╝nden damit einverstanden.

Ich w├╝rde gern ├╝ber ein paar einzelne Songs des Albums sprechen. Einer davon ist Family Of One. Um wen geht es da?
Wie immer in unseren Songs geht es um jeden, den du willst. Wir haben vielleicht an bestimmte Personen gedacht, als wir den Song geschrieben haben, aber wir wollen, dass unsere Songs jeden ansprechen. Viele Leute kennen jemanden, der ihre Freundlichkeit ausgenutzt hat oder nur an sich selbst denkt. Also geht es in dem Song um genau diese Person, die du meinst.

Ein anderer interessanter Song ist In My Town. Was passiert in dieser Stadt? Und welche ist es?
Und wieder k├Ânnte das so gut wie jede gr├Â├čere Stadt sein. Wir stellen uns da nat├╝rlich London vor, aber wenn du aus Berlin oder New York bist, macht das keinen Unterschied. Wenn es dunkel wird, nehmen die meisten Gro├čst├Ądte eine andere Gestalt an, ob sie nun gut oder schlecht ist. Ich glaube, die Lyrics beschreiben das ziemlich gut, also kann man sich dabei jede Stadt vorstellen.

Dann gibt es noch IÔÇÖve Had Enough. Wovon hast du denn genug?
Von allem ÔÇô haha! Wenn man sich die Welt heute so ansieht, f├Ąllt es einem leicht, Songs wie diesen zu schreiben. Es gibt da eine Menge Dinge, ├╝ber die man sich aufregen kann. Aber im Grunde hat es was mit dem Generationenkonflikt zu tun. Die Brigade der politisch Korrekten urteilt mit ihren heutigen Standards ├╝ber Vergangenes. Aber fr├╝her waren die Dinge eben anders. Das hei├čt nicht, dass sie richtig waren, und es ist gut, dass sich manches zum Besseren kehrt, aber man kann die Vergangenheit nicht nach heutigen Moralvostellungen bewerten. Au├čerdem geht es darum, dass wir fr├╝her f├╝r die Dinge gek├Ąmppft haben, die uns wichtig waren, aber unsere Kinder finden ganz andere Sachen wichtig und haben ihre eigenen K├Ąmpfe auszutragen. Die Zeile ÔÇ×Did we really fight for all those things our children throw away? We thought we were heroes but it was just another dayÔÇŁ bringt das ganz gut auf den Punkt.

Ich w├╝rde auch gerne noch ├╝ber Us Against The World sprechen. Ist das so etwas wie ein Motto f├╝r euch? Worum geht es da?
Genau. Wir haben uns immer als Au├čenseiter gef├╝hlt. Wir geh├Ârten nie zu den coolen Leuten. Zu Beginn der Punk-├ära kamen wir aus der falschen Ecke der Stadt, um zur West End-Kunsthochschul-Truppe um die Pistols oder The Clash zu geh├Âren. Sogar als Oi! gro├č rauskam, hatten wir das Pub-Rock-Punk-Image, also wollten die anderen Bands nicht viel mit uns zu tun haben. Die Plattenfirmen haben uns nie richtig verstanden, als f├╝hlte es sich schon so an, als h├Ątte sich die ganze Welt gegen uns verschworen. Aber es geht in dem Song nicht nur um die Band. Wenn man sich die Lyrics ansieht, merkt man, dass es um jeden geht, der Probleme hat und einen guten Freund an seiner Seite. Das kann der Ehepartner sein, Familienangeh├Ârige oder Freunde. Arm in Arm, immer f├╝reinander da. Es geht um die Kraft, die loyale Freunde einem verleihen.

Wenn wir uns das Album noch einmal als Ganzes ansehen: Es ist jetzt seit einigen Wochen drau├čen. Wie waren die Reaktionen?
Bis jetzt waren sie gro├čartig. Man erwartet immer eine Mischung aus Lob und Kritik, aber wir waren v├Âllig erstaunt dar├╝ber, wie sehr die Leute das Album m├Âgen. Wir sind sehr stolz darauf, und es ist sch├Ân, wenn es anderen auch gef├Ąllt.

Ihr tourt mit dem Album auch ein wenig. Bis jetzt sehe ich nur Shows in Gro├čbritannien, Frankreich und Schweden auf dem Programm. Kommt ihr auch nach Deutschland?
Das Album ist im April erschienen. Seitdem waren wir in den USA, in Tschechien und in Deutschland (zweimal! Es gab 3 Clubshows in Berlin und ein Festival) Wir kommen noch einmal nach Deutschland, zum MAD Fest in Dresden mit Agnostic Front.

Cock Sparrer gibt es jetzt seit 45 Jahren. Seid ihr vor euren Auftritten noch nerv├Âs, oder ist es inzwischen zur Routine geworden?
Da m├╝sstest du jeden einzeln fragen. Ich glaube, einige von uns sind immer noch ein bi├čchen nerv├Âs, aber das ist ein gutes Zeichen – es bedeutet, dass dir der Auftritt etwas bedeutet, und es eben noch nicht einfach zur Routine geworden ist. Ich pers├Ânlich war vor Auftritten noch nie nerv├Âs. Ich wollte schon als Kind immer nur Punk Rock spielen, also bin ich einfach gl├╝cklich, dass ich genau das machen darf. Es ist unser Leben. Und unsere Fans sind so gro├čartig, dass man ├╝berhaupt nicht nerv├Âs sein muss. Warum sollte man Angst vor dem haben, das man liebt?

Generell gesagt: Warum sollte man zu euren Shows gehen? Was ist das Besondere daran?
Wir spielen nicht zu oft. Wir wollen, dass jeder Auftritt ein richtiges Event ist. Jemand hat mal gesagt, dass unsere Gigs wie Meisterschaftsspiele sind, und alle singen mit. So m├Âgen wir das. Wir wollen, dass die Leute kommen, was trinken, ein bi├čchen tanzen, mit ihren Freunden mitsingen, neue Freunde finden, und danach gl├╝cklich nach Hause gehen.

Am Schluss bleibt mir nur noch eins: Wir haben jetzt ├╝ber euer Album und eure Tour gesprochen. Gibt es denn schon Pl├Ąne f├╝r die n├Ąhere oder auch fernere Zukunft? M├╝ssen wir wieder zehn Jahre warten?
Der Rest der Band ist in zehn Jahren schon ├╝ber 70, also w├╝rde ich nicht unbedingt auf ein weiteres Album hoffen! Aber solange es uns gut geht und uns unser Job Spa├č macht, und solange uns die Leute noch sehen wollen, spielen wir jedes Jahr ein paar Shows; bis wir nicht mehr k├Ânnen!

Weblinks COCK SPARRER:

Homepage: www.cocksparrer.co.uk
Facebook: www.facebook.com/cocksparreruk
Twitter: www.twitter.com/cocksparrer

Forever

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├ťbersetzung: Karoline Zawistowska

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