Nightwish? Eine Trennung, die nun schon über zehn Jahre her ist. Auch wenn man an diesem Kapitel kaum vorbeikommen kann, wenn man über Tarja berichtet, so muss man doch konstatieren, dass sie längst eine eigenständige Größe im Bereich des Symphonic Metal ist, während auch Nightwish eine Größe geblieben sind. Konzentrieren wir uns also fortan an dieser Stelle auf Tarja. Das Album The Shadow Self erscheint zwar erst im August, aber auch das Quasi-Prequel The Brightest Void kann mit Fug und Recht bereits als eigenständiges Album angesehen werden, sodass der geneigte Tarja-Hörer sich nun über zwei Alben binnen zwei Monaten freuen kann.
Insgesamt neun Stücke finden sich auf dem Album, die eine vielseitige Tarja zeigen und zudem auch den einen oder anderen Gast parat halten. Der erste begegnet schon bei der Single No Bitter End, die das Album eröffnet: Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers gibt sich die Ehre und übernimmt in der eingängig-druckvollen Single die Drums. Was er dann auch bei Eagle-Eye noch einmal tut, in dem sich Tarja von einer ruhigeren Seite zeigt und ihre Fähigkeiten als Sopran mehr als gut in den Vordergrund stellt, der hier von ihrem Bruder Toni Turunen als Gegenpart gut ergänzt wird. Die balladeske Seite stellt Tarja auf The Brightest Void generell gerne in den Vordergrund. Auch beispielsweise in An Empty Dream mit seinem cineastischen Charakter – der dabei nicht von irgendwo kommt, sondern darin begründet liegt, dass es für den Film Curazon Muerto geschrieben wurde.
Eine gewisse Freude am Balladesken lässt sich der Veröffentlichung nicht absprechen und Tarja zeigt auch gut, dass sie das hohe Tempo nicht immer nötig hat, aber am meisten Freude bereiten die Riff-schwangeren und schnelleren Titel. Sehr gelungen dabei ist Heaven and Hell mit Gastsänger Michael Monroe von Hanoi Rocks, das mit seiner eingeschobenen Mundharmonika eine eigenwillige Coolness reinbringt und auch das Gitarrensolo nicht scheut. „Saloonige“ Passagen treffen auf Symphonic Metal – eine eindrucksvolle Kombination. Und wenn man von Coolness spricht, darf man auch die Interpretation des James Bond-Songs Goldfinger nicht außer Acht lassen. Diese begegnet druckvoll, mit Spaß am Riff und eigenwillig.
Angezogen wird das Tempo dann auch bei Stücken wie Shameless, bei dem die Instrumentalisten mit Riffs, Solo und co. brillieren, während Tarja zeigt, wie hoch sie mit ihrer Stimme kommen kann und im abschließenden Paradise (What About Us?), das in Zusammenarbeit mit Within Temptation entstand. Zwar erschien es von Seiten der Niederländer bereits im Jahr 2013 als Vorbote zum Album Hydra und der Tarja Mix unterscheidet sich auch nicht merklich von der Version, die Sharon den Adel und ihre Mannen veröffentlichten, aber viel wichtiger ist: Auch jetzt macht es noch Spaß, dieses treibende Stück Symphonic Metal und sein Zusammenspiel zwei der größten Stimmen des Genres anzuhören.
Am Ende hat man mit den neun Stücken tatsächlich weit mehr als ein Prequel – die neun Stücke präsentieren sich abwechslungsreich und machen Lust auf mehr. Stoßen könnte man sich höchstens daran, dass die Stücke teilweise etwas zusammenhanglos nebeneinanderstehen und am recht ausgeprägten balladesken Anteil. Hier und da etwas mehr Druck würden The Brightest Void gut zu Gesicht stehen. Aber das sind im Endeffekt eher Abzüge in der B-Note. Im Gesamteindruck hat man eine gelungene Veröffentlichung, die man gerne anhört und sich dabei zudem umso mehr auf The Shadow Self am 05. August freut.
Tracklist TARJA – The Brightest Void:
01. No Bitter End
02. Your Heaven And Your Hell
03. Eagle Eye
04. An Empty Dream
05. Witch Hunt
06. Shameless
07. House of Wax
08. Goldfinger
09. Paradise (What About Us?) [Tarja Mix] (Within Temptation feat. Tarja)
Weblinks TARJA:
Homepage: www.tarjaturunen.com
Facebook: www.facebook.com/tarjaofficial
Twitter: www.twitter.com/tarjaofficial
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