Heisskalt – Vom Wissen und Wollen

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7 Gesamtnote

7

Die innere Zerrissenheit ist das zentrale Motiv.

DĂŒster, dunkel und desolat – diese drei Wörter beschreiben ziemlich genau den ersten Eindruck vom neuen Heisskalt-Album Vom Wissen und Wollen. Auch beim zweiten Hören Ă€ndert sich dieser Anschein nicht, doch das zweite Album der Stuttgarter braucht mehr als nur einen oder zwei DurchlĂ€ufe, um seine vollkommene Dimension zu entfalten. Da schwingt Mut mit, Dinge zu Ă€ndern und Wut ĂŒber die eigene Unzufriedenheit. Heisskalt bauen in den zwölf Songs eine BrĂŒcke zwischen den Kontrasten, die so weit voneinander entfernt liegen wie ihr Bandname es andeutet.

Das DebĂŒtalbum Vom Stehen und Fallen war bereits von dunklen Schatten umzogen, doch siegte in den meisten FĂ€llen der Mut, etwas Ă€ndern zu können. Das spiegelte sich zum einen in Zeilen wie „Will sagen bevor noch jemand hinfĂ€llt. Passt bitte aufeinander auf in dieser Scheißwelt“ und in den poppig-punkigen Melodien wieder. Die Zuversicht auf Besserung ist verschwunden. Deutlich wird dies vor allem musikalisch. Heisskalt haben sich von geraden Mainstream-Melodien entfernt. Verzerrte, schammelige Gitarren haben das Ruder ĂŒbernommen. Ebenso wirre, ungelenke und dramatische MelodiefĂŒhrungen. Es wurde experimentiert – angekommen ist die Band kurz vorm Post-Hardcore.  Die schnelle, rockige, vorab veröffentlichte Single Euphoria, die als Opener der Platte fungiert, ist nicht stellvertretend fĂŒr den bedrĂŒckenden Sound, der sich durch die restliche Platte zieht.

Textlich legen Heisskalt den Finger direkt in die (eigene) blutige Wunde. Der Zweifel scheint in jeder Pore zu stecken, eine Flucht ist schier unmöglich, denn „der Zweifel beherrscht uns“. Die innere Zerrissenheit ist das zentrale Motiv, welches das zweite Album von Heisskalt dominiert. In lautmalerischen GewĂ€ndern wird dieses GefĂŒhl abgebildet, die jede Facette davon verdeutlichen. In den Texten von SĂ€nger Mathias Bloech reicht es nicht, nur zwischen den tonnenschweren Zeilen zu lesen. Wie bei einer Zwiebel muss Schicht fĂŒr Schicht abgezogen werden, um den Kern klar und deutlich vor sich zu sehen. Das ist mĂŒhsam und zeitaufwĂ€ndig. Wem das zu viel Aufwand ist, ist  zu empfehlen: Lied ĂŒber Nichts – ein weiterer Song im Stile von Schatz, bekannt von der EP Mit Liebe gebraut.

Heisskalt sind mit ihrem zweiten Album Vom Wissen und Wollen wie ein Stein im Schuh: unbequem. Sie graben weiter in der Tiefe, dort wo alles dunkel ist und kein Licht hinfĂ€llt, denn sie wollen wissen, ob es wirklich keinen Ort ohne Zweifel gibt. Jeder Song dieser Platte ist unberechenbar, denn alle kommen an den Punkt, an dem sie mit der BrachialitĂ€t einer Lawine ĂŒber einen hereinbrechen. Doch aufgeben ist keine Option fĂŒr die vier Stuttgarter, denn sie haben gelernt, „was uns nicht umbringt macht uns stĂ€rker, was uns nicht umbringt lĂ€sst die Möglichkeit es selbst zu tun“.

Tracklist HEISSKALT – Vom Wissen und Wollen

01. Euphoria
02. Absorder
03. Nacht ein
04. Hab Angst
05. Apnoe
06. Trauriger Macht
07. Von Allem
08. Doch
09. Nichts Weh
10. Lied ĂŒber Nichts
11. Tanz, Tanz
12. Papierlunge

Heisskalt – Absorber (Offizielles Video)

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Vom Wissen und Wollen

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Geschrieben von
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