PROJECT PITCHFORK – Krefeld, Kufa (28.11.2015)

Project Pitchfork, (c) Michael Gamon
Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Wie die vorherigen Wochenenden bereits gezeigt hatten, war auch Teil 2 der Tour von Project Pitchfork zum Album Blood ein voller Erfolg. Viele begeisterte Reaktionen machten folglich auch neugierig auf das vierte Wochenende. Nach der Freitags-Show in Frankfurt ging die Reise weiter nach Krefeld, wo die Menge bereits neugierig wartete. Bevor der Hauptact des Abends aber die BĂŒhne betrat, war es zunĂ€chst einmal Zeit fĂŒr die beiden bewĂ€hrten Support-Acts dieser Tour: BhamBhamHara und Eisfabrik.

Die schöne Welt hat ein paar Schönheitsfehler

Schon als BhamBhamHara, bestehend aus Jan Bicker und Axel Ermes, live ergĂ€nzt um Nook an den Drums, die BĂŒhne betraten, war eine ansehnliche Menge da, die gespannt wartete. Sie sah ein Set mit elektronischen KlĂ€ngen, die zwar zunĂ€chst gut gelaunt wirkte, aber hinter Titeln wie So ‘ne schöne Welt und Positiv steckten ziemlich kritische Töne. Wenn es heißt „wir denken immer positiv“, so steckt dahinter auch eine VerdrĂ€ngung von dem, was in der Welt schief lĂ€uft, genauso wie eine Meldung wie „die Queen hat einen neuen Hut“ den zur Sensation gemachten Belanglosigkeiten den Spiegel entgegenhĂ€lt. All das wurde durchaus tanzbar aufbereitet, gut und druckvoll dargeboten und bescherte der Band sicher manchen neuen Hörer. Der Abschluss mit Nur fĂŒr euch passte dabei noch einmal gut ins Bild, denn eigentlich ging es darum, was man sich mitunter fĂŒr andere und von anderen gefallen lĂ€sst.

Setlist BHAMBHAMHARA @ Krefeld, Kufa (28.11.2015):
01. So ‘ne schöne Welt
02. Wir feiern
03. Positiv
04. Kreislauf
05. Nur fĂŒr euch

Yeti, Roboter und eine ganze Menge Spaß bei Eisfabrik

Schon bevor in der Folge Eisfabrik die BĂŒhne betraten, machte sich im Publikum teilweise Verwunderung breit, als manche Zuschauer plötzlich MĂŒtzen und lange BĂ€rte trugen, die Skibrille aufsetzen… Wenn man aber auf die BĂŒhne blickte und die winterliche Dekoration sah, kam eins zum anderen und man wusste, dass es sich um die anwachsende Eisfabrik-Fanbase handelte. Warum diese wĂ€chst, bewies in der Folge das Set der Band, bestehend aus acht StĂŒcken der bisherigen beiden Alben der Band. Als Opener gab es den Titelsong des aktuellen Albums Eisplanet, der zunĂ€chst einmal mit gesprochenem Wort den Eisplaneten vorstellte, auf dem 185 Grad unter null herrschen, bevor tanzbarer Elektro gespielt wurde, zudem sich bald auch ein Yeti im Publikum gesellte.

StĂŒcke wie Polar Night und Walking Towards The Sun prĂ€sentierten zeitgemĂ€ĂŸen Elektro mit Future-Pop-Anleihen, der auch gut mit der BĂŒhnenshow von Dr. Schnee, Der Frost und Celsius harmonierte. Das war mal auf Deutsch und mal auf Englisch und die Band wirkte sehr erfreut daran, wie gut das Publikum sie hier annahm. Da gab es nebst gelungenen KlĂ€ngen auch mal Kunstschnee, zu Maschinen –einem StĂŒck ĂŒber Maschinen, die sich verselbststĂ€ndigen– marschierte gar ein großer Roboter durch die vorderen Reihen und es wurde inzwischen zahlreich getanzt. Friends bot dann einen guten Abschluss eines sehr gelungenen Support-Auftritts.

Setlist EISFABRIK @ Krefeld, Kufa (28.11.2015):
01. Eisplanet
02. Polar Night
03. Walking Towards the Sun
04. A Million Lights
05. Strom
06. Far Away
07. Maschinen
08. Friends

Nach zwei guten Vorbands war die Spannung nun auch weiterhin stark gestiegen, sodas die inzwischen zahlreichen Fans Project Pitchfork bereits entgegensehnten. In den vorherigen Tagen hatte man bereits fĂŒr das kommende Jahr diverse AktivitĂ€ten zum 25-jĂ€hrigen BandjubilĂ€um verkĂŒndet, auf der BĂŒhne merkte man schnell, wie homogen diese lange Zeit ist und wunderte sich oft, wie alt manches StĂŒck bereits ist. Und das merkt man schon bei Timekiller als Opener, das auch bereits 2001 auf der Daimonion erschien. So kann man es getrost zu den Klassikern zĂ€hlen, von denen es zahlreiche gab, die auch von Anfang an bereits fĂŒr beste Stimmung sorgten und sich gut mit den Titeln des aktuellen Albums Blood zusammenfĂŒgten.

Project Pitchfork, (c) Michael Gamon
Hitfeuerwerk bei Project Pitchfork

So wurde der Abend zu einer munteren Reise durch die inzwischen riesige Diskographie des Hamburger Elektro-Urgesteins, das mit Nummern wie Conjure, En Garde!, Fire And Ice und Alpha Omega eine Menge Szene-Hits dabei hat, aber auch StĂŒcke aus der Phase um die Jahrtausendwende wie auch der jĂŒngeren Alben im GepĂ€ck hat. Auch die damals sehr polarisierend von den Hörern aufgenommene NUN-Trilogie ist vertreten, so gehört beispielsweise View From A Throne zum Programm dieser Tour. So spielt man sich abwechslungsreich bis hin zum Finale mit Existence als Up-Tempo-StĂŒck und Beholder, bei dem das Publikum gewohnt gut mitging.

Project Pitchfork ĂŒberraschten bei den Zugaben

NatĂŒrlich war es nur vermeintlich das Finale, die Zugaben wurden noch ausgiebig. Hier wunderten sich auch diejenigen, die in den vorderen Reihen bereits auf die Setlist gespickt hatten, denn das Programm wurde kurzerhand angepasst. Über God Wrote und Human Crossing freuten sich dann auch diejenigen sehr, die bereits auf mehreren Shows waren, denn beide wurden in Krefeld erstmalig gespielt auf dieser Tour. Und auch mit The Queen Of Time And Space sollte nicht Schluss sein, es folgte die zweite Zugabe. Der Evergreen Souls sorgte fĂŒr GĂ€nsehaut, das noch relativ junge Acid Ocean zeigte erneut sein Potenzial, ebenfalls eines Tages zum Klassiker zu werden, bevor Blood-Thirst den Abend standesgemĂ€ĂŸ beendete. Nach ĂŒber zwei Stunden Project Pitchfork konnte man sich einig sein: Man hat hier einen Ă€ußerst guten Auftritt der Band gesehen, dessen Besuch sich durch und durch gelohnt hat.

Wer jetzt neugierig geworden ist, hat an den folgenden Terminen die Gelegenheit, Project Pitchfork live zu sehen:
11.12.2015 Potsdam, Waschhaus
12.12.2015 Hamburg, Markthalle
19.12.2015 B-Antwerpen, Bimfest @ Zappa
27.02.2016 CH-ZĂŒrich, Dynamo

Setlich PROJECT PITCHFORK @ Krefeld, Kufa (28.11.2015):
01. Timekiller
02. Blood-Stained
03. Conjure
04. En Garde!
05. Midnight Moon Misery
06. Blood-Diamond (See Him Running)
07. The Dividing Line
08. I Am
09. Blood-Loss (Sometimes)
10. View From A Throne
11. Fire And Ice
12. Blood-Pressure (Just For My Pleasure)
13. Terra Incognita
14. Rain
15. An End
16. Alpha Omega
17. Existence
18. Beholder
19. Continuum (Z)
20. God Wrote (Z)
21. Human Crossing (Z)
22. The Queen Of Time And Space (Z)
23. Souls (ZZ)
24. Acid Ocean (ZZ)
25. Blood-Thirst (ZZ)

Fotos: Michael Gamon

Geschrieben von
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