LENNY KRAVITZ – Oberhausen, König-Pilsener-Arena (18.11.2014)

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Nordrhein-Westfalen feiert am heutigen Abend den Rock’n’Roll! Anders kann man es wohl nicht erklĂ€ren, dass am gleichen Tag Lenny Kravitz und Doro in Oberhausen spielen, wĂ€hrend Billy Idol DĂŒsseldorf rockt und die Beatsteaks ihre Fans in Köln begeistern.

Die König-Pilsener-Arena ist, auch wenn der Oberrang heute geschlossen bleibt, mit ĂŒber 7.000 Zuschauern recht gut gefĂŒllt und alle warten gespannt auf den exklusiven NRW-Auftritt und zugleich deutschen Tourabschluss von Frauenschwarm Lenny Kravitz. Erst kĂŒrzlich hat der Amerikaner sein aktuelles Album Strut veröffentlicht und viele sind gespannt, ob die neuen Songs in ihrer Liveumsetzung gegen die alten Klassiker bestehen können. Und nach dem Opener Trombone Shorty & Orleans Avenue wird diese Spannung leider noch etwas weiter strapaziert, denn die Pause will scheinbar kein Ende nehmen und ersten Pfiffe gehen durch das Rund, die von Song zu Song der Zwischenmusik weiter zunehmen. Um kurz vor 21:30 Uhr ist es dann aber endlich soweit…

AtmosphĂ€risch kommen die Musiker in völliger Dunkelheit zum Intro The Chamber auf die BĂŒhne, dann endlich geht das Licht urplötzlich an und bestrahlt aus vielen Scheinwerfern nur einen: die Lichtgestalt Lenny Kravitz! Die Gitarren beginnen zu sĂ€gen und spĂ€testens beim zweiten regulĂ€ren Song American Woman nicken und grooven alle im Takt. Schon beim nĂ€chsten Song findet dies seinen vorlĂ€ufigen Höhepunkt, denn bei It Ain‘t Over ‚Til It‘s Over kann niemand still stehen oder gar sitzen und so erheben sich auch die Fans auf den RĂ€ngen von ihren PlĂ€tzen und es wird laut mitgesungen. Und auch der Titelsong des neuen Albums trifft auf Begeisterung, also kein Grund zur Besorgnis beim Star des Abends, auch wenn die Stimmung in der Folgezeit wieder etwa abebbt. Mehr Sorgen muss man sich da aber schon um die zahlreichen Frauen im Publikum machen, nĂ€mlich immer dann, wenn Lenny seine HĂŒften kreisen lĂ€sst oder locker seine Lederjacke auszieht und schwenkt. Dann schaut man ĂŒberall in verzĂŒckte Gesichter und das Gekreische ĂŒbertönt sogar die ĂŒberlaute Musik der wirklich sehr guten Musiker. Diese erhalten in der Folgezeit auch ausreichend Zeit sich zu beweisen, denn live werden viele Songs wie Sister geradezu ausufernd dargeboten. Das hat dann fast den Charakter einer Jam-Session, was einerseits cool ist, andererseits auch beizeiten anstrengend wird, wenn man wie ich nicht wirklich ein Fan langanhaltender Soli ist. Neben den instrumentalen Passagen wissen aber vor allem die GesĂ€nge von Lenny und seinen BackgroundsĂ€ngerinnen zu ĂŒberzeugen. Wirklich stark wie stimmgewaltig der Amerikaner hier auftrumpft und auch beim Einzelbattle gegen die verschiedensten seiner Mitmusiker beim nicht enden wollenden Always On The Run macht der FĂŒnfzigjĂ€hrige eine gute Figur. Irgendwie sind diese Sessions dann auch faszinierend und nerv tötend zugleich…

Mit Let Love Rule wird es rĂŒhrselig, denn das war der erste Song den er eingespielt hat und der alles das ausdrĂŒckt, warum er dies hier tut. Und nicht wenigen Damen im Publikum entweicht bei seiner Aufforderung „Let‘s all make love together“ ein seufzendes „Ja, gerne“… Und zumindest symbolisch machen wir das dann auch, denn nun stehen alle auf, klatschen und singen mit, wĂ€hrend Lenny durch die Zuschauer im Innenraum wandelt. ZurĂŒck auf der BĂŒhne stellt er seine Band vor und hebt sich seine Drummerin bis ganz zum Schluss auf, denn diese hat heute Geburtstag und natĂŒrlich singen nun alle gemeinsam Happy Birthday.

Eigentlich wĂŒrde das Konzert an dieser Stelle schon passend enden, aber die Zuschauer, die jetzt völlig außer Rand und Band sind, werden noch mit zwei weiteren Welthits verwöhnt: Zum einen Fly Away und dann nach zwei emotionalen Stunden zum großen Finale bei der Zugabe natĂŒrlich mit Are You Gonna Go My Way. „NatĂŒrlich“ werden nun fast alle hier gesagt haben und Lenny weiter folgen, bis er bei der nĂ€chsten Tour wieder leibhaftig vor ihnen steht.

Setlist LENNY KRAVITZ:
01. The Chamber
02. Dirty White Boots
03. American Woman (The Guess Who cover)
04. It Ain’t Over ‚Til It’s Over
05. Strut
06. Dancin‘ Til Dawn
07. Sister
08. Circus
09. New York City
10. Dig In
11. Always on the Run
12. I Belong to You
13. Let Love Rule
14. Fly Away
15. Are You Gonna Go My Way (Z)

Geschrieben von
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