THE NATIONAL – D├╝sseldorf, Mitsubishi Electric Halle (05.11.2013)

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Ich mag The National seit ihren Sad Songs for Dirty Lovers (2003), was f├╝r ein Album, was f├╝r ein Albumtitel. Mit dem ersten, selbstbetitelten Album bin ich dagegen nie wirklich warm geworden. Es waren dann aber Alligator (2005) und vor allem Boxer (2007), die The National auch hierzulande einem breiteren Publikum bekannt gemacht haben. Hauptverantwortlich daf├╝r war mit Sicherheit Fake Empire, der Song, der in einigen TV-Serien eingesetzt wurde und nat├╝rlich als Instrumental-Version in Spots f├╝r den damaligen Pr├Ąsidentschaftskandidaten Obama verwendet wurde. Einer Weile konnte man Fake Empire nicht entgehen, wenn man sich den Medien zuwandte. Diese neue Popularit├Ąt verhalf dann auch dem n├Ąchsten Album High Violet (2010) zu hohen Chart-Platzierungen, weltweiten guten Kritiken und ansprechenden Verkaufszahlen. Ich pers├Ânlich war nicht besonders angetan, was aber nichts ├╝ber die Qualit├Ąt des Albums aussagt, sondern mehr ├╝ber meine musikalischen Vorlieben bei Ver├ÂffentlichungÔÇŽ

Jetzt war es also da, Trouble will find me, das sechste Studio-Album der Band und auch The National sind wieder da, auf deutschen B├╝hnen. F├╝r zwei Konzerte, in Berlin und in D├╝sseldorf hat die Band auf ihrer Europa-Tournee bei uns Halt gemacht, nachdem sie zuletzt in 2011 f├╝r Einzelkonzerte in Deutschland waren. Im Sommer hatten sie noch auf dem Southside und Hurricane gespielt, dieses Mal waren es die Max-Schmeling-Halle in Berlin und die Philipshalle Mitsubishi Electric Halle in D├╝sseldorf.

Viel Zeit war also vergangen, seit dem letzten Album, seit den letzten richtigen Konzerten, und entsprechend hoch waren die Erwartungen. Das neue Album hatte mich bereits ├╝berzeugt, jetzt hie├č es abwarten, wie sich die Band live pr├Ąsentieren w├╝rde.

Als Vorgruppe hatten sich The National die englische Band This Is The Kit eingeladen. Angenehmer, ruhiger Folk-Pop-Rock, nicht mehr und auch nicht weniger.

Um kurz nach 21 Uhr war es dann soweit, The National betraten nach einem kurzen Intro die B├╝hne und I should live in salt vom neuen Album er├Âffnete die Zeremonie. Gefolgt von Don┬┤t swallow the cap, einem der Hits des neuen Albums. Matt Berninger mit Bart, Brille, Anzug ist nicht der typische Frontmann einer Rockband, aber was ist schon typisch bei The National? Mein erstes pers├Ânliches Highlight war dann auch direkt Mistaken for Strangers, ein Song, den ich geradezu verehreÔÇŽ

Und da war sie wieder, diese unverwechselbare Stimme, die jedem Track seine unverwechselbare Stimmung verleiht. Es begann ein vorsichtiger Flirt mit dem Publikum, mal zur├╝ckhaltend, mal offensiver. The National sind keine reine Rockband, daf├╝r gibt es im Repertoire einfach zu viele ruhige Nummern. The National lege ich im Herbst auf, Musik f├╝r die gem├╝tlichen Stunden, zu Tee und Kaffee. Zumindest war das bisher immer mein Eindruck und es hat auch immer funktioniert. Vielleicht ist das ein Geheimnis der Band, was auf Platte (oder CD) noch so ruhig wirkt, entwickelt auf der B├╝hne eine unglaubliche Dynamik, einen unglaublichen Sog, der das Publikum packen kann. Es wurde nicht viel getanzt, es wurde nicht viel geh├╝pft, aber es wurde viel zugeh├Ârt und sehr viel genossen.

Die Band hatte sich auch diesmal wieder mit zwei Bl├Ąsern (Posaune und Trompete) verst├Ąrkt, was den Sound sehr verdichtet hat, so war zum Beispiel England von High Violet auch musikalisch ein Genuss.
Eine besondere Erw├Ąhnung verdient das Licht: Fast schon dezent, aber unglaublich effektiv, hat es nie von der Band abgelenkt, sondern das Geschehen auf der B├╝hne kongenial unterst├╝tzt.

Am Ende der regul├Ąren Setlist war es dann soweit, Fake Empire. Und im Gegensatz zu Obama, dessen Popularit├Ąt gerade in den letzten Monaten doch durchaus gelitten hat, wurde der Song, der seinen ersten Wahlkampf so effektiv begleitet hat (wie im ├ťbrigen auch die Band selber) vom Publikum (immer noch) frenetisch gefeiert.

PS: Trouble will find me ist gro├čartig geworden, ein Album voller fantastischer Momente und grandioser Songs.

Setlist The National:
01. I Should Live in Salt
02. Don’t Swallow the Cap
03. Mistaken for Strangers
04. Sorrow
05. Demons
06. Sea of Love
07. Heavenfaced
08. Afraid of Everyone
09. Conversation 16
10. Squalor Victoria
11. I Need My Girl
12. This Is the Last Time
13. Daughters of the Soho Riots
14. Bloodbuzz Ohio
15. Available
16. England
17. Graceless
18. Fake Empire
19. Learning (Perfume Genius Cover) (Z)
20. Humiliation (Z)
21. Mr. November (Z)
22. Terrible Love (Z)
23. Pink Rabbits (Z)

Autor: Andreas Viehoff
Fotos: Frank G├╝thoff

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