TATTOOBASH – Ink & Rock – Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle (21.09.2013)

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Topf sucht Deckel. So irren doch viele durch die Welt, auf der Suche nach einem Deckel oder einer Bestimmung oder der Verwirklichung von sich selbst. Ja und manchmal ist es so verdammt einfach Dinge, die zusammen gehören, zu vereinen. Wie auf dem TattooBash Düsseldorf, dem Ink & Rock Festival. Harte Riffs und surrende Nadeln gehören einfach zusammen.

Aber ganz so simpel ist es sicherlich nun auch nicht. Gerade an den durchdachten Kleinigkeiten wird die Liebe zum Detail, die sich ja auch auf der Haut und in jeder Note wiederfindet, sichtbar. Die Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf ist nahezu zweigeteilt. Auf der einen Seite sind die vielen bunten Stände und auf der anderen Seite, die durch die aufgehängten Tücher schön verdunkelt ist und somit auch das Konzerterlebnis wesentlich atmosphärischer gestaltet, die Bühne auf der gerockt werden darf. Leinwände, die dem Besucher auch im Storebereich einen Blick auf die Bühne gewähren, sind wohlbedacht aufgestellt.

Schnell taucht man ein in diese Tattooszene, die sich gerade hier in Düsseldorf präsentiert. Man schnüffelt an den einzelnen Ständen, schaut den Künstlern über die Schultern und verweilt bei so manch einem Stand doch schon etwas länger – je nach Geschmack. Und genau das muss man auch ganz klar sagen, Kunst sowie Musik ist eine Geschmackssache. Ob man nun auf Old School Motive, Portrait, Comic-Art, Elfen, Leuchttürme, Marienkäfer oder was auch immer steht, es sind kaum noch Grenzen gesetzt – solange halt Platz auf der Haut ist und Geld im Portemonnaie. Jedes einzelne Teilchen ist Kunst und genau diese Verbissenheit erblickt man in den Gesichtern der einzelnen Nadelkünstler. Die positive Verbissenheit diesen Körper vor sich mit einem schönen Ergebnis und einem Lächeln im Gesicht nach Hause zu schicken. Kaum ein gerade farbenempfangener Mensch windet sich schmerzhaft unter den surrenden Nadeln, man schaut eher in freudige und gespannte Gesichter und die schon fertigen Motive werden stolz umhergezeigt. Gerade hier fällt auf, dass es einige Künstler auch schaffen ihrer Kunst Leben einzuhauchen und sich gleichzeitig auch von der Masse abzuheben. Aber auch hier wieder: sicherlich Geschmackssache. Daher werden jetzt auch keine Künstler einzeln von uns in den Himmel gehoben, eine Objektivität ist hier nun mal mehr als schwer.

Das stetige Trommeln der Taiko-Truppe Tentekko erfüllt die Halle. Der Klang der japanischen Trommeln, der gelegentliche Schrei der Trommler, all das macht einfach Laune. Das Rahmenprogramm ist eröffnet. Gleich nach den Tentekko findet der Tattoo Contest „Tattoo of the Day“ statt. Die Herren Eleftherios Mavros (Fotograf) und Ralf Reich, Jakov Maksimovic (Privatdetektive im Einsatz) und die bezaubernde Nina De Lianin (u.a. In Strict Confidence) hauchen den ungefähr 30 präsentierten Motiven charmant Leben ein, entlocken die Geschichten hinter den Motiven, fordern Beifall und zollen den Künstlern Tribut. Es ist schon nicht ganz so einfach auch als Moderator seine Emotionen über die einzelnen Motive zu verbergen. Aber genau das macht den schönen Unterschied. Hier kann jeder Fan sein.

Und schon scharren sich auch schon die ersten Fans vor der Bühne, um den Horror Punkern von The Other ihr Ohr zu schenken. Mit Songs wie Back to the Cemetary, Fright Night oder Take you down schafft es Sänger Rod Usher die Zuhörer vor der Bühne in seinen Bann zu ziehen. Aber auch an den Ständen sieht man so manch einen Besucher im Takt der Drums mit dem Kopf wippen. Es ist halt eine Doppelveranstaltung und man kann sich nicht teilen, aber schön, dass die Ohren trotzdem an dem Konzertgenuss teilhaben können.

Gegen die „musikalische Kälte“ die mit Eisbrecher in die Hallen ziehen wird, hat der Veranstalter strategisch und Wärme-clever die Damen von den Fuel Girls im Programm platziert. Sexy und mit sehr viel Körperbeherrschung präsentieren die leicht bekleideten Ladys ihre Tanz- und Feuershow. Ob mit Spitzenschuhen und Feuer oder auch an der Polestange, die Mädels wissen einfach wie man die Herren – nein, sicher auch die Frauen – vor die Bühne lockt. Eine sagenhafte Show.

Nun zieht er ein, der Eisbrecher. Die anfangs noch zaghaften Stimmen nehmen im Laufe des Sets immer mehr zu. Mit Aufforderungen wie „ihr sollt doch nicht mehr shoppen, sondern rocken“ versucht er auch den Letzten von einem Stand zu sich vor die Bühne zu locken. Im gewohnten silbernen Bühnengewand thront Schlagzeuger Achim über seinem Frontmann Alex Wesselsky und gibt ihm den so eingängigen Eisbrecher Takt vor. Die Mischung aus alten und nicht mehr ganz so neuen Scheiben weiß zu überzeugen und wenn man den Song Leider mal so wirken lässt, dann könnte dies auch ein spezieller Track für dieses Event sein. Eisbrecher untermauern mit Aussagen wie „deshalb machen wir das, damit wir dahin kommen, wo die hübschen Mädels sind“ ihre Stellung bei den ohne zu zögern kreischenden Mädchen, um sogleich auch mit „und die coolen Jungs“ wieder die Männer mit ins Boot zu holen, die sich aber scheinbar zieren wild los zu kreischen. Am Ende zählt sowieso nur eins: gemeinsam rocken! Und das schaffen die Jungs aus Bayern.

Setlist Eisbrecher:
01. Tango Intro
02. Exzess Express
03. Willkommen
04. Leider
05. Augen unter Null
06. Amok
07. Metall
08. Prototyp
09. Engel
10. Schwarze Witwe
11. Heilig
12. This ist Deutsch
13. Verrückt
14. Miststück

Die Mischung aus Rock und Ink passt einfach perfekt und das TattooBash in Düsseldorf vereint dies perfekt. Und auch die Tatsache, dass man mittlerweile so viele tätowierte Gesichter aus der Medienlandschaft (wie z.B. Megan Massacre oder Tschiggy) her kennt, zeigt wieder einmal die Entwicklung und die Akzeptanz in der Gesellschaft, in deren Norm wir uns wohl alle nicht besonders 100%ig heimisch fühlen. Und auch wenn im nächsten Jahr der „Umzug“ von Düsseldorf nach Köln vollzogen wird, sollten sich auch die Düsseldorfer ins verhasste Köln aufmachen, es lohnt sich….

Wir haben für euch eine Bildergalerie zum Event zusammengestellt, die ihr hier oder durch Anklicken der Bilder erreichen könnt:

Bildergalerie TattooBash Düsseldorf 2013 (Tattoo-Künstler, Eisbrecher, The Other, Fuel Girls & Impressionen)

Autorin: Daniela Letzner
Fotos: Michael Gamon

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Bildergalerie TattooBash Düsseldorf 2013 (Tattoo-Künstler, Eisbrecher, The Other, Fuel Girls & Impressionen)

Weitere Fotos des Events gibt es hier

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