HURRICANE FESTIVAL 2013 Tag 2 – Scheeßel, Eichenring (22.06.2013)

Geschätzte Lesezeit: 8 Minute(n)

Weiter geht es an Tag 2 des Hurricane Festivals 2013 zunĂ€chst erst einmal mit dem durchwachsenen Wetter und so wechselt man fließend zwischen Regenschauern und dem berĂŒhmten T-Shirt-Weather. BestĂ€ndiger bleiben wir aber zu Beginn was die Auswahl der BĂŒhnen angeht, denn gleich die ersten drei Bands auf unserem Zettel nutzen die GrĂŒne BĂŒhne um die Zuschauer fĂŒr sich zu gewinnen. Den Anfang machen Frightened Rabbit, die das Publikum mit einem kurzen „Hallo“ begrĂŒĂŸen und dann sofort loslegen um ihren steilen Weg nach oben weiter fortsetzen. Das im Februar erschienene aktuelle Album Pedestrian Verse hat es in England immerhin bis auf Platz 9 geschafft und auch ihr Liveauftritt weiß vollkommen zu ĂŒberzeugen. Sehr dicht und trotzdem abwechslungsreich wirkt das, was uns der sympathische SĂ€nger Scott Hutchinson mit seinen Bandkollegen hier vortrĂ€gt und die sechs Jungs mit den 3Âœ BĂ€rten erhalten dafĂŒr den verdienten Applaus der schon zahlreich vor der BĂŒhne vertretenen Fans. „Good to be here“ lĂ€sst Scott uns bei Living In Colour wissen und wir denken ganz genauso. Und da passt es doch bestens ins Bild, dass die Sonne nun richtig durchbricht und die EisverkĂ€uferdichte sich schlagartig verdreifacht. Wir genießen die letzten Songs der Schotten und vernehmen erfreut, dass die Band wohl bald wieder in Deutschland sein wird! Wir können es kaum erwarten.

Ähnlich begeistert werden danach auch The Maccabees empfangen. Die Band aus London hat mit dem letzten Album Given To The Wild immerhin Gold-Status in England erreicht und die Platz 4 Chartplatzierung lĂ€sst schon erahnen, wie positiv man auf ihre mitreissende Musik reagieren kann oder gar muss. Frontmann Orlando Weeks zeigt sich entspannt im hellblauen Pullover, wĂ€hrend insbesondere seine beiden Mitgitarristen stets zwischen cool und emotional wandeln und man als Zuschauer ihren Spielspaß förmlich mitfĂŒhlen kann. Die Band prĂ€sentiert ein interessantes Set mit Songs wie No Kind Words, Wall of Arms und Feel To Follow und stĂ¶ĂŸt mit uns (und einem Bier) auf den gelungenen Auftritt an – Cheers!

Aktuell sehr angesagt ist City And Colour, das Akustik-Solo-Projekt des ehemaligen Alexisonfire Frontmanns Dallas Green. Der Multiinstrumentalist, der im Studio eigentlich alles selbst einspielt, ist bei seinen Live-Auftritten natĂŒrlich auf fremde Hilfe angewiesen und so wird er in Scheeßel bei Songs wie Of Space And Time oder The Lonely Life tatkrĂ€ftig unterstĂŒtzt. Das klingt alles auch sehr gefĂ€llig, passt gut zum noch immer sonnigen Wetter und sein Publikum ist begeistert. Wir wenden uns aber lieber erstmals an diesem Wochenende der White Stage zu, wo mit nur 15 Minuten Versatz British Sea Power anstehen. Die Band gehört lĂ€ngst zu den etablierten Acts in Großbritannien, in Deutschland scheinen sie hingegen das Schicksal des ewigen Geheimtipps zu fristen. Vollkommen zu unrecht wie wir schnell feststellen, denn ihr gemĂ€ĂŸigter Postpunk fesselt sofort und auch die Liveperformance weiss zu ĂŒberzeugen. Finden sich erst ein Hirschgeweih auf dem Boxenturm und ein chillender BraunbĂ€r auf der BĂŒhne, wird diese etwas spĂ€ter bei No Lucifer auch noch von einem EisbĂ€r geentert, der sich ins Livegeschehen einmischt und fĂŒr große Augen bei den Zuschauern sorgt. Musikalisch abwechslungsreich unterhalten uns die Briten mit experimentellen Songs und wechselndem Gesang der BrĂŒder Yan Scott und Neil Hamilton Wilkinson, sowie Violinistin Abi Fry. Wie alle anderen Zuschauer im Zelt verweilen wir gebannt bis auch wirklich der letzte Ton von All In It verklungen ist und finden uns danach zurĂŒck vor der Green Stage, wo die Zuschauer bei jetzt leichtem Regen dem Auftritt von Bloc Party entgegenfiebern, die sich ĂŒbrigens nach der Festivalsaison mal wieder eine Pause gönnen wollen. Ausgeruht wird jetzt aber noch nicht, denn die BĂŒhne ist bereits mit großen Lichtschirmen bereitet und dann stehen Frontmann Kele und seine Mannen auch schon auf den Brettern die die Welt bedeuten um uns mit Hits a la Banquet, This Modern Love, Flux oder der aktuellen Singleauskopplung Truth zu unterhalten und auch einen musikalischen Ausblick auf Kommendes zu geben. Das Publikum ist bester Laune und bereitet der Band somit das ideale Fundament fĂŒr einen Auftritt nach Maß. Nicht dabei war heute ĂŒbrigens der angestammte Drummer Matt Tong, der allerdings von New Young Pony Club Drummerin Sarah Jones bestens an den Fellen vertreten wurde. Klar im Mittelpunkt steht hingegen Frontmann Kele Okereke, der seine Fans dank seines Charismas und seiner Stimme mit hohem Wiedererkennungswert sofort im Griff hat und diese zu begeistern weiß.

Zu begeistern weiß allerdings parallel auch Porcupine Tree Frontmann Steven Wilson seine treue Fangemeinde auf der Red Stage. Leider ist der Zuschauerraum nicht ganz so voll wie erwartet, aber wer den Weg hierhergefunden hat, der ist schier begeistert von der Performance der Ausnahmemusiker. Denn jeder der sich hier mit Steven Wilson die BĂŒhne teilt, ist ein wahrer Meister seines Fachs und vollbringt an seinem jeweiligen Instrument Dinge, von denen andere nur TrĂ€umen können. Vor allem Bassist Nick Beggs, vielen von Kajagoogoo, Ellis, Beggs & Howard oder der Kim Wilde Band bekannt, ĂŒberzeugt immer wieder mit BasslĂ€ufen, die sich filigran an der Gitarrenarbeit anschmiegen und so die Rockepen des Barden Steven Wilson perfekt bereichern. Eine Rockoper par excellence und somit ein starker Auftritt, der leider viel zu schnell vorĂŒber ist.

Im Anschluss ist die Blaue Stage komplett in den HĂ€nden von Marsimoto alias Marteria, der die Fans nicht nur mit seinem Hit Lila Wolken zu BegeisterungsstĂŒrmen hinreist, wĂ€hrend Of Monsters And Men mit locker flockigen Folkpopsounds die Green Stage beschallen. Wir sammeln derweil an den verschiedenen BĂŒhnen, der umfangreichen Fressmeile und dem sonstigen Rahmenprogramm einige weitere EindrĂŒcke, bevor es zur Blue Stage geht um zu begutachten, wie sich die derzeit kontrĂ€r diskutierten neuen Songs der Editors live machen. Willkommen geheißen wird die Band jedenfalls von vielen vielen Fans, die nun von ĂŒberall her herbeiströmen um dabei zu sein. Es geht mit zwei neuen Songs los, Sugar und A Ton Of Love, die beide live stark rĂŒberkommen. Locker getoppt werden kann das aber vom nachfolgenden Klassiker Munich, der ebenso wie Bones frenetisch gefeiert wird und nicht nur die anwesenden MĂ€dels strahlen lĂ€sst. Der noch immer leichte Regen wird mit einem kurzen „Fuck this rain“ leider vergeblich zu vertreiben versucht und dann nach einem kurzen Hinweis aufs neue Album mit dem lustigen Wechselspiel aus alt und neu weitergemacht. Das Spiel kommt an und so werden auch Publikumsspielchen wie das bekannte „Armwedeln“ gerne mitgenommen und vor allem Songs wie Eat Raw Meat – Drool Blood oder das von Tom Smith am Piano vorgetragene The Racing Rats werden abgefeiert bis es zum absoluten Showdown kommt, denn auf Papillon haben sich wohl die meisten hier gefreut und sie werden nicht enttĂ€uscht. Tom spielt immer weiter mit dem Publikum, zieht eine Grimasse nach der anderen und so entsteht trotz des nun stĂ€rker werdenden Regens eine tolle AtmosphĂ€re und eine wirklich enge Verbindung zwischen Band und Publikum. Honesty vom aktuellen Album The Weight Of Your Love sorgt fĂŒr den umjubelten Schlusspunkt und die Erkenntnis, dass ganz gleich was man vom neuen Album auf TontrĂ€ger hĂ€lt, die Songs live wirklich gut funktionieren und die Editors es auf diesem Terrain noch immer drauf haben!

Nachdem wir uns ein paar Songs des richtig guten Kasabian-Auftritts auf der Green Stage angesehen haben, zieht es uns zurĂŒck zur Blauen BĂŒhne, wo mit Ska-P ein echter Stimmungsgarant auf dem Plan steht. Die spanische Skapunk-Band macht von der ersten Sekunde an richtig Alarm und es herrscht eine ausgelassene Stimmung, man hĂ€tte den Titel des ersten Songs Full Gas wohl nicht besser umsetzen können! Ska-P lassen sich richtig gehen, feiern auf Teufel komm raus und vor allem die hervorragenden BlĂ€ser ĂŒberzeugen mit ihren choreographierten Tanzeinlagen, wĂ€hrend die beiden SĂ€nger „Pulpul“ und „Pipi“ alles geben um ihre Message auch an diejenigen weiterzugeben, die der spanischen Sprache eigentlich nicht mĂ€chtig sind. Was es mit „Fuck Racism“ auf sich hat verstehen aber alle hier und dieses gemeinsame VerstĂ€ndnis gepaart mit Energie pur macht den Auftritt zu einem der Höhepunkte des heutigen Tages.

Mittlerweile ist es spĂ€t und dementsprechend dunkel geworden. Gut so, denn jetzt kommt die große „A“ und „M“ Lauflichtdeko der Arctic Monkeys auf der Green Stage so richtig zur Geltung. Zu Do I Wanna Know, Brainstorm und vor allem Dancing Shoes geht die fein gekleidete Band und ihre Zuschauer sofort voll ab und an allen Ecken und Kanten wird das Tanzbein geschwungen. Jedes ihrer vier Alben hat es in England an die Spitze der Charts geschafft und sie heute an die Spitze des Line-up gehievt. Verdient wie sich nun zeigt, denn Teddy Picker und natĂŒrlich das allseits beliebte I Bet That You Look Good On The Dancefloor sind absolute Stimmungskanonen und sie werden ebenso bejubelt wie alles andere das die Arctic Monkeys hier von sich geben. Dass es -vor allem den weiblichen Fans- dabei aber nicht nur um die Musik geht beweisen die diversen Schilder mit Liebesbekundungen, die meisten davon an SĂ€nger und MĂ€dchenschwarm Alex Turner gerichtet. Dieser gibt ihnen wonach sie verlangen, zumindest zu einem kleinen Bruchteil, und flirtet was das Zeug hĂ€lt. Spielend hĂ€lt die Band derweil die Spannung hoch und bei den Semi-Akustischen Zugaben Cornerstone und Mardy Bum darf weiter geschmachtet werden. FĂŒr den umjubelten Abschluss sorgt aber 505, bei dem die Arctic Monkeys von Miles Kane unterstĂŒtzt werden, der seit gut 5 Jahren gemeinsam mit Alex Turner fĂŒr The Last Shadow Puppets verantwortlich zeichnet. Der Applaus kennt nun -trotz erster Abwanderungstendenzen gen blauer BĂŒhne- keine Grenzen mehr, ganz so wie auf besagter Blue Stage, wo gleich im Anschluss der letzte Act des Tages auf dem Programm steht: Deichkind!

Wie es sich fĂŒr ein echtes Deichkind gehört, fĂŒhlt es sich in einer Mischung aus Sand und Wasser -nein, viiieel Wasser- erst so richtig wohl. Und so wundert es nicht wirklich, dass es plötzlich auch von oben zu schĂŒtten beginnt, was aber hier scheinbar niemanden davon abhĂ€lt immer weiter in Richtung BĂŒhne zu strömen. Es wird voll auf dem GelĂ€nde der Blue Stage, richtig voll! Es geht nun kaum noch vor oder zurĂŒck und man kann quasi mit den FĂŒĂŸen erfĂŒhlen, wie der Untergrund sich immer mehr in Matsch verwandelt und die Beine immer tiefer versinken. Der Stimmung tut dies ebenso wenig Abbruch, wie der nun immer schlechter werdende Sound auf der Blauen Stage. Wohl dem, der es jetzt weit genug nach vorne geschafft hat und noch am ehesten in den Genuss von gutem Klang kommt. Die Band versteckt sich zunĂ€chst zwar noch hinter einem großen Vorhang und macht mit Schattenspielen auf sich aufmerksam, aber schon jetzt steht fest: Es ist Partytime! Fortan bleibt kein Auge, kein Outfit und kein Kamerahandy mehr trocken, ĂŒberall tobt der Mob! Ob mit den bekannten LeuchtdreieckshĂŒten oder bei der Schlauchbootfahrt ĂŒber die Köpfe des Publikums, Deichkind wissen wie sie ihr Publikum unterhalten und zum feiern bringen. Die simplen Texte der allseits bekannten Lieder laden zudem geradezu dazu ein sie mitzugröhlen, was zum GlĂŒck auch noch bei gestiegenem Alkoholpegel des ein oder anderen Fans gelingt. Und wann bekommt man schon einmal solch direkte Aufforderungen wie BĂŒck dich hoch aus derart vielen Kehlen gleichzeitig? Gepaart mit weiteren OhrwĂŒrmern wie Leider geil, Arbeit Nervt oder Roll Das Fass Rein bringen Ferris MC alias Ferris Hilton, Kryptic Joe, Sebastian „Porky“ DĂŒrre und DJ Phono das Terrain zum erbeben und nach der vielumjubelten Zugabe Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah) gleicht der Boden einem Schlachtfeld, aber selten hat eine Schlacht wohl so viel Spaß gemacht wie heute mit den Deichkindern…

Wir haben fĂŒr euch schon einmal eine Galerie mit Bildern des zweiten Tages zusammengestellt, die ihr hier oder durch Anklicken der Bilder erreichen könnt:

Galerie Hurricane Festival Tag 2 (Samstag, den 22.06.2013)

Der Bericht und Fotos von Tag drei folgen kurzfristig!

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Galerie Hurricane Festival Tag 2 (Samstag, den 22.06.2013)

Weitere Fotos des Events gibt es hier

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