DEEP PURPLE & EDGUY – K├Âln, LANXESS Arena (15.11.2012)

Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Wird es die letzte Gelegenheit gewesen sein?

Bevor mit Deep Purple eine der einflussreichsten Hard Rock Bands die K├Âlner B├╝hne betrat, war es an den deutschen Power-Metalern Edguy aus Fulda die LANXESS Arena vorzuw├Ąrmen. Edguy wurden 1992 von dem damals vierzehnj├Ąhrigen Tobias Sammet (Gesang), Jens Ludwig (Gitarre), Dirk Sauer (Gitarre) und Dominik Storch (Schlagzeug) gegr├╝ndet. Einige Jahre sp├Ąter gesellten sich Tobias Exxel (Bass) und Felix Bohnke (seit 1999 neuer Schlagzeuger) dazu.

P├╝nktlich um 20:00 Uhr ging das Saallicht aus und "Ladies and Gentlemen – Welcome to the Freakshow!" bekannt als Opener des Songs Mysteria t├Ânte aus den Boxen. Die LANXESS Arena war noch verh├Ąltnism├Ą├čig leer (die Oberr├Ąnge waren komplett verh├Ąngt, die Unterr├Ąnge sp├Ąrlich besetzt und der Innenraum bot noch viel Platz), als die B├╝hne in blaues Licht getaucht wurde und die Band selbige betrat. Anstatt f├╝r Mysteria entschieden sich die Mannen um S├Ąnger Tobi f├╝r Nobody`s Hero als ersten Song des Abends.

Wer Edguy kennt ist auch mit der B├╝hnenpr├Ąsenz der Spa├čtruppe vertraut, die durch rumposen und exzessives Abgehen gekennzeichnet ist. So pr├Ąsentierten sich die Jungs aus Fulda auch an diesem Abend, wobei das Publikum nicht so recht darauf ansprang. Auch flotte Spr├╝che und neue Songs konnten auf Anhieb nichts ausrichten ("Rock of Cashel vom neuen Album, welches eigentlich gar nicht mehr so neu ist, was ihr aber alle kaufen solltet" oder "Deep Purple sitzen hinten und schauen sich diesen lahmen Haufen an und ├╝berlegen sich, ob sie ├╝berhaupt raus kommen"). Frontsau Tobias gab sich alle M├╝he die Menge zu animieren, biss sich an den K├Âlnern jedoch die Z├Ąhne aus. Dies schien er auch selbst zu bemerken, wie er mit "?Ich wei├č, dass einige von euch heute Abend nach Hause gehen und sich denken, dass Deep Purple geil waren, die Vorband okay war aber der S├Ąnger genervt hat. Aber ich mache das nicht f├╝r mich, ich bekomme f├╝r heute Abend so viel Geld, dass ich mich verpflichtet f├╝hle euch m├Âglichst gut vorzubereiten."? selbstironisch feststellte. Es folgte ?Lavatory Love Machine? und Edguy gingen wieder ordentlich ab. Edguy sind zweifelsohne eine exzellente Liveband und sorgen f├╝r ordentlich Partyspa├č, wenn sie vor ihren eigenen Fans spielen. Diese Art von Albernheit und viel Gerede des Fronters ist nicht jedermanns Sache, aber dem gr├Â├čten Teil der Deep Purple Fans schien es eher suspekt zu sein.

Mit ?Ministry Of Saints? und der Ballade ?Save Me? schafften es Edguy dann aber doch, gr├Â├čere Teile der LANXESS Arena f├╝r sich zu gewinnen. Es wurde immer flei├čiger mitgeklatscht und Tobis Animationsspielchen erfreuten sich wachsender Beliebtheit. H├Ąufig wurde auf Deep Purple verwiesen, f├╝r die noch einmal so richtig L├Ąrm ?gemacht werden sollte.

Mit Edguys gr├Â├čtem Hit ?King of Fools? endete das 45 Minuten dauernde Set einer Band, die sich sichtlich bem├╝hte und den anwesenden Edguy Fans ein sehr gutes Konzert ablieferte. Es machte wirklich Spa├č zuzusehen und auch der Sound war erstklassig. Leider konnten die Power-Metaler die meisten Deep Purple Fans nicht richtig ├╝berzeugen. Schade, denn am Konzert gab es nichts zu meckern.

Setlist Edguy:

01. Nobody’s Hero

02. Rock of Cashel

03. Tears of a Mandrake

04. Lavatory Love Machine

05. Superheroes

06. Ministry of Saints

07. Save Me

08. King of Fools

├ťberraschend f├╝llt sich die Arena noch mit etlichen Nachz├╝glern und gemeinsam wartete man auf etwas Gro├čartiges. Die Show einer britischen Hard-Rock-Band der alten Schule (Erstgr├╝ndung 1968), die trotz wechselnder Besetzung, stets einen Garanten f├╝r Erfolg darstellte. Was vielleicht auch mit Drummer Ian Paice zusammen h├Ąngt, welcher als einziges Gr├╝ndungsmitglied bis heute der Band treu blieb.

Endlich war es soweit und das Deep Purple-Intro schallte durch die Boxen.
Als die f├╝nf Herren ihre Positionen bezogen und S├Ąnger Ian Gillan die ersten Zeilen von ihrem Erfolgshit Fireball schmetterte, tobte das Publikum. Dass der Gesang anfangs etwas undeutlich klang fiel nicht weiter ins Gewicht, da er von den Instrumenten ├╝bert├Ânt wurde. Beides wurde von den hervorragenden Tontechnikern sehr schnell behoben. Es folgte eine spannende Reise, durch eine erlesene Auswahl ihrer besten Hits, serviert auf einer Welle aus Nostalgie.

Nun ist ein gro├čer Teil des Publikums dem Alter der Band angepasst und etwas gem├Ą├čigter unterwegs.
Jedoch lie├čen es sich einige nicht nehmen, trotzdem ausgelassen zu tanzen.
Und wer schon mal feiernde Menschen jenseits der 50 hat headbangen sehen, der versteht vielleicht wirklich was HARD ROCK bedeutet.
Das Quintett ist zwar ebenfalls schon etwas in die Jahre gekommen und Ger├╝chte keimen auf, dies w├Ąre vielleicht die letzte Deutschland Tour, doch macht man ihnen musikalisch so leicht nichts vor und auch so schnell nicht nach. So wurde dem Publikum ein riesiges Repertoire an F├Ąhigkeiten und Erfahrung geboten, welches man sich mit 44 Jahren Musikgeschichte angeeignet hatte. Jeder Musiker stand im Laufe des Abends mehrfach im Fokus und konnte, in begnadeten Fills und ├╝berw├Ąltigenden Soli, sein K├Ânnen unter Beweis stellen. F├╝r Letzteres verlie├čen die Bandkollegen die B├╝hne, um dem Solisten das alleinige Rampenlicht zu ├╝berlassen.
Jeder einzelne von ihnen schuf seine eigene Atmosph├Ąre und zauberte ausgelassene Stimmung mit zeitweiliger G├Ąnsehaut.
Don Airey (Keyboard und Hammond-Orgel) lie├č es sich nicht nehmen, neben einem alten Klassikschinken, auch die deutsche Nationalhymne in seinem Solo aufzugreifen und sie in neue Gew├Ąnder zu h├╝llen.
Wer auf das Publikum achtete, konnte einen beachtlichen Teil der Fans beim and├Ąchtigen Mitsingen beobachten.
Ihre erfolgreichsten Songs Smoke on the Water, Hush , Black Night und das Bass-Solo von Roger Glover, hoben sie sich nat├╝rlich bis zum Ende auf und kredenzten sie als absolute Sahnest├╝cke zum Dessert.
Daf├╝r mobilisierten sie nochmal alle Energiereserven und rundeten einen schon mehr als gelungenen Abend noch geb├╝hrend ab.

Setlist Deep Purple:
(Montagues and Capulets)
01. Fireball
02. Into the Fire
03. Hard Lovin‘ Man
04. Maybe I’m a Leo
05. Strange Kind of Woman
06. The Battle Rages On
07. Contact Lost
08. Guitar Solo (by Steve Morse)
09. Sometimes I Feel Like Screaming
10. The Well-Dressed Guitar
11. The Mule (with Drum Solo by Ian Paice)
12. Lazy
13. No One Came
14. Keyboard Solo (by Don Airey)
15. Perfect Strangers
16. Space Truckin‘
17. Smoke on the Water
18. Hush (Billy Joe Royal cover) (Z)
19. Bass Solo (by Roger Glover) (Z)
20. Black Night (Z)

Autoren: Markus Hillg├Ąrtner / Das Dusa

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