DEICHKIND – DĂŒsseldorf, Mitsubishi Electric Halle (05.03.2012)

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Schon auf dem Weg zur Mitsubishi Electric Halle (ehemals Philipshalle) wurde deutlich, welche „Crew das Haus derbe rockt", denn die markanten MĂŒllsack- und Pyramidenhutoutfits waren ĂŒber jeden Zweifel erhaben: Deichkind. Einige Fans hatten wohl den ganzen Vormittag damit verbracht in teils liebevoller Kleinarbeit ein passendes KostĂŒm zu basteln.

Bereits vor Beginn des Auftritts war die Stimmung in der Menge richtig gut und man feierte die ĂŒberwiegend skurrile Musik vom Band ab, welche mit dem dazugehörigen Musikvideo, gespielt wurde. Da es keine Vorband gab, wurde die Zeit genutzt, um sich bei Musik aus der Konserve warm zu tanzen.
Nach einiger Wartezeit und einem langen und ĂŒberwiegend unspektakulĂ€ren Introvideo kamen Deichkind dann schließlich auf die noch von einem Vorhang verdeckte BĂŒhne. Durch Stroboskope wurden die Silhouetten der Bandmitglieder auf den Vorhang projiziert und so die schon am Siedepunkt befindliche Stimmung weiter aufgeheizt. Als dann mit „99 Bierkanister“ das Konzert begann und sich der Vorhang öffnete feierte das DĂŒsseldorfer Publikum die Band von Anfang an ab. Auch die Deichkinder haben sich entsprechend gekleidet und erschienen mit LED bestĂŒckten MĂŒlltĂŒten-Outfits und PyramidenhĂŒten. Passend dazu war die BĂŒhne eingerichtet: Es gab einige bewegliche Quader verschiedener Höhe, die sowohl als Videoleinwand, als auch als Podest nutzbar waren und wĂ€hrend des gesamten Auftrittes munter ihre Positionen wechselten.

Die energiegeladene Show der Deichkinder zu beschreiben ist schwierig, da man das Spektakel mit eigenen Augen sehen muss. Auf Aufforderung gingen schon beim ersten Song die Massen in die Hocke um nach einem Zeichen von Deichkind wieder alle in die Höhe zu springen. WĂ€hrend „Dicker Bauch“ wurden die riesigen Quader von den Deichkindern weggeschoben und ein Gewichte stemmendes Skelett tauchte auf.

Neben einem Knicklichtregen seitens der Fans wurde zu Songs wie „Hovercraft“ und „BĂŒck dich hoch“ von der ersten bis zur letzten Reihe getanzt. Und auch im weiteren Verlauf ließen Deichkind keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie mit ganzen LKW Ladungen von BĂŒhnendeko und Showelementen unterwegs waren. So waren unter anderem ein Schlauchboot und ein Fahrrad im Einsatz. Zu „Egolution“ wurde beispielsweise in einer an eine Beerdigung erinnernden Zeremonie eine aus Neonröhren bestehende Sonnenbank auf die BĂŒhne getragen. Ähnlich hĂ€ufig wie die Showelemente wechselten auch die KostĂŒme der Akteure auf der BĂŒhne.

Als bei „23 Dohlen“ wirklich alle HĂ€nde gen Himmel zeigten wurde ein weiteres Mal klar, dass die Hamburger Formation das Publikum vollends im Griff hatte. Deichkind performten zu „Papillion“ mit Regenschirmen auf der BĂŒhne und als sie schließlich ihren Song "Leider geil (Leider geil)" spielten, wurde das neue, offizielle Video auf die BĂŒhnenquader projiziert, wĂ€hrend das Publikum förmlich ausrastete. Beim Song „Pferd aus Glas“ formte die Crowd dann an passender Stelle die, fĂŒr Deichkind typischen Dreiecke mit ihren HĂ€nden und bei "Herz aus Hack" sah man einen rappenden Metzger auf der BĂŒhne.

Zu „Der Mond“ bot man den Fans eine fast Boyband Ă€hnliche Tanzeinlage, doch die Stimmung in der Menge nahm zu keinem Zeitpunkt ab. Als zu Beginn von „Der Strahl“ die Frage „Wollt ihr abfahren?“ durch die ehemalige Philipshalle dröhnte, kam von tausenden Fans das nicht wenig ĂŒberraschende „JAAAA!“ als Echo und wenige Sekunden darauf wurde in eben dieser Einigkeit gesprungen und gefeiert. Die BĂŒhnentĂ€nzer ließen es sich auch nicht nehmen, durch den Graben vor der BĂŒhne zu tanzen und bei "Illegale Fans" kamen dann schließlich Konfetti, Nebel und eine Sirene zum Einsatz. Das Publikum rastete ein weiteres Mal aus und protestierte zusammen mit der Band gegen das Verhalten der GEMA und der großen Plattenfirmen.

Doch der ausgelassene Spaß nahm ein sehr abruptes Ende, als es plötzlich „TschĂŒss DĂŒsseldorf“ hieß und sich nach „Illegale Fans“ der Vorhang schloss. Es wurde natĂŒrlich lautstark nach Zugabe gerufen und die Band ließ sich nicht lange bitten. Hinter dem Vorhang leuchteten schnell die PyramidenhĂŒte der Band wieder auf und man startete die Zugabe mit "Arbeit nervt".

Beim Song „Krieg“ kamen dann auch kriegerisch Wasserpistolen zum Einsatz und die Menge streckte ihre, zu Dreiecken geformten, HĂ€nde in die Höhe, wĂ€hrend jemand in einem schwarz-weiß gestreiften Ganzkörperkondom ĂŒber die BĂŒhne sprang. Als „Komm schon“ gespielt wurde sah man einen elektrischen Rollstuhl, sowie ein Skateboard auf der BĂŒhne, von denen fleißig Gebrauch gemacht wurde. Beim Klassiker „Bon Voyage“ sang das gesamte Publikum mit.
Ein Highlight der BĂŒhnenshow war das ĂŒberdimensionale Fass, welches zu „Roll das Fass rein“ mitsamt den Deichkindern in die Menge rollte und wenig spĂ€ter ĂŒber der BĂŒhne schwebte. Ein derart großes Fass brauchte natĂŒrlich auch besondere Aufmerksamkeit, sodass sich die DĂŒsseldorfer prompt vor ihm verbeugten. Wenig spĂ€ter wurde das Publikum mit Bier aus SchlĂ€uchen belohnt, wĂ€hrend das Fass inzwischen als eine Art Discokugel geschmĂŒckt in der Luft ĂŒber der BĂŒhne baumelte. WĂ€hrend „Hört ihr die Signale“ kam ein kurzer „The Power of Love“ Ausschnitt, zu dem ein Mensch im schwarzen Anzug auf dem Fass stehend sang. Weiterhin feucht fröhlich ging es mit „Prost“ weiter, bevor Deichkind das Publikum die eine Frage stellte: „Wollt ihr mit uns ans Limit gehen?“. Darauf gab es natĂŒrlich nur eine Antwort, die mit „Ja, wir wollen mit euch ans Limit gehen“ aber bitte schön als vollstĂ€ndigem Satz zu formulieren war. Man sah zwei der TĂ€nzer per Bungeeseil ĂŒber die BĂŒhne hĂŒpfen, bevor sich der Vorgang ein zweites Mal schloss und die Menge nach mehr gierend stehen ließ.

Es konnte natĂŒrlich noch nicht aus sein, denn die Hamburger wĂŒrden ihre GĂ€ste nie ohne den absoluten Partykracher „Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)“ gehen lassen, der den wĂŒrdigen Abschluss der Show darstellte. Es gab HĂŒpfburgen, ein Trampolin, einen aufblasbaren Ring und jede Menge Federn, denn zum Ende hin musste sowohl von Band als auch Publikum alle verbleibenden KrĂ€fte mobilisiert und in tanzbare Energie umgesetzt werden.

Das Konzert glich mehr einer wilden, hemmungslosen Party oder einer Massen-Tanz-HĂŒpf-Ekstase und war fĂŒr alle Anwesenden ein Erlebnis. Die einmalige Band konnte mit ihrer noch einmaligeren Show auf ganzer Linie ĂŒberzeugen. Die glĂŒcklichen Gesichter derjenigen, die verschwitzt, mit Federn und sonstigem Krempel verziert, die Mitsubishi Electric Halle verließen, ließen keine Zweifel daran, dass auch die nĂ€chste Deichkindparty besucht werden wird.

Bescheuert, verrĂŒckt, bekloppt, durchgedreht 
. aber „leider geil“

Setlist:
01. Intro
02. 99 Bierkanister
03. Befehl von ganz unten
04. Dicker Bauch
05. Hovercraft
06. BĂŒck dich hoch
07. Egolution
08. Partnerlook
09. 23 Dohlen
10. Papillion
11. Leider geil (Leider geil)
12. Pferd aus Glas
13. Herz aus Hack
14. Luftbahn
15. Der Mond
16. Der Strahl
17. Illegale Fans
18. Arbeit nervt (Z)
19. Krieg (Z)
20. Komm Schon (Z)
21. Bon Voyage (Z)
22. Reimemonster (Afrob Cover) (Z)
23. Roll das Fass rein (Z)
24. Hört ihr die Signale / The Power of Love (Frankie Goes to Hollywood Cover) (Z)
25. Prost (Z)
26. Limit (Z)
27. Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah) (ZZ)
28. Outro (Abspann/Die rote Kiste) (ZZ)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der jeweiligen Bandfotos.

Autor: Markus Gerold
Fotos: Markus HillgÀrtner

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