Interview : GARDENIER

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Die Band Gardenier grĂŒndete sich 2010. Die Essener Deutsch-Rock-Pop Band hat 2011 eine Menge Erfolge zu verzeichnen gehabt. So waren sie sechsfacher Rock-Pop PreistrĂ€ger in den Kategorien: Bester Newcomer (1.Platz), Bester Deutscher Song (1.Platz), Bester Pop SĂ€nger (1.Platz), Bester Rock SĂ€nger (1.Platz), Bester Live Act (1.Platz) und sie rĂ€umten den zweiten Platz als beste Rock Band ab. Mit ihrem DebĂŒtalbum „Aufab!“, das im Mai 2011 erschienen ist, prĂ€sentieren sie ihre gesamte musikalische Bandbreite.

Gardenier ist eine Band zum „Anfassen“ und Mitmachen, dabei ist es ihnen wichtig Geschichten zu erzĂ€hlen. Diese sind in Texte verpackt, die tief gehen und berĂŒhren. Die fĂŒnf Essener: Daniel Gardenier, Philipp Evers, Yvonne Pauli, Tobias Vogelsang, Marius Kannengießer sind Gardenier. Im Februar 2012 werden sie zu zweit und unplugged Glasperlenspiel auf der „Beweg‘ Dich mit mir“- Tour supporten.

Zuvor aber habe ich ihn am Telefon. Er, das ist Daniel Gardenier, Frontmann der Band Gardenier. Trotz Schwierigkeiten mit der Verbindung, schaffen wir es, ein GesprĂ€ch zu fĂŒhren, das in die Welt einer Band entfĂŒhrt und eine Momentaufnahme des Lebens der Deutsch-Rock-Popper gewĂ€hrt.

Gesucht gefunden? Wie kam es zu Gardenier?

Dazu erzĂ€hlte Daniel mir eine schöne Geschichte. Denn es begann alles auf einem Klassentreffen. Er habe auf einem Klassentreffen einen Auftritt gehabt. Engagiert worden sei er von dem Chef des jetzigen Plattenlabels. Nach dem Auftritt habe dieser ihn gefragt ob er Lust habe, etwas auf Deutsch zu machen. „Klar“, habe Dan gesagt und lacht dabei herzlich, als sei es das SelbstverstĂ€ndlichste der Welt. Weiter erzĂ€hlt der Frontmann von Gardenier ĂŒber die Entstehung der Band, dass er mit Yvonne, Philip und Tobi vorher schon bekannt war und man so schließlich auch zusammengefunden habe. Marius aka Porno sei spĂ€ter dazu gekommen. Erst nachdem sie ihre erste EP, mit fĂŒnf Liedern zusammen mit Götz von Sydow produziert hatten. Denn danach im August 2009, gab es einen Auftritt in Monberg bei den Mon-Berg Lichtern. Der erste Auftritt, sollte vor einem Publikum mit 6000 Leuten stattfinden. 2 Âœ Stunden lang sollte dieser Auftritt dauern. Es wurde ein Keyboarder gesucht und Marius half kurzerhand aus. Eigentlich sei er Gitarrist gewesen, so Daniel, aber bei den Proben habe man schnell festgestellt, dass die Konstellation am Keyboard gut passe. Man habe eine Menge Spaß gehabt und so blieb die „Aushilfe“ und wurde ein fester Teil von Gardenier. ZunĂ€chst sei der Name der Band auch „Daniel Gardenier“ gewesen, aber Daniel und die Band entschieden, dass Gardenier ein besserer Bandname sei. Und so blieb es dabei.


Welche Eigenschaft schÀtzt Du an deinen Kollegen:

Phil (Gitarre): Seine ZuverlÀssigkeit in Sachen Band und Management
Yvi (Bass): Sie sei die schönste Bassistin und sie gehöre zu Gardenier
Tobi (Drums): Seine lockere entspannte Art
Marius genannt Porno (Keyboards): Diese unverwechselbare Art den Schalter umzustellen. Man könne Spaß haben, aber auch ebenso ernsthaft sein


Was glaubst Du, was die Bandmitglieder an Dir schÀtzen?

Dan (Vocals/Gitarre): Er sei ein guter Frontmann. Damit meine er, er lebe seine Texte und das was auf der BĂŒhne passiert. Jedoch wĂŒrden sie alle diese SpontanitĂ€t besitzen. Selbst wenn etwas „schiefgehen“ wĂŒrde auf der BĂŒhne, wĂŒrden alle das Ruder herum reißen und dies jeder auf seine besondere Art.


Warum nennt sich Marius eigentlich Porno?

Wieder lacht Daniel. Er erzĂ€hlt mir, auch er habe ihn so kennengelernt. Porno habe diesen Spitznamen von seinen vorherigen Bandkollegen bekommen. Warum? Na, weil Porno einfach Porno sei. Also, wegen seinem Styling und den vielen Sonnenbrillen. Er trage aber kein Brusthaartoupet, so Daniel weiter. Der Name sei einfach super passend, alleine schon fĂŒr tolle Geschichten und SpĂ€ĂŸe.

Ihr kommt aus verschiedenen Bereichen der Musik, ist es da nicht manchmal schwer einen gemeinsamen Nenner zu finden?

Manchmal sei es nicht leicht. Aber dann eben wieder doch. Musikalisch fĂ€nden sie meist gut zusammen. Als SĂ€nger habe Daniel den Anspruch, dass die Texte passen und er sich damit wohlfĂŒhlt. Er mĂŒsse sich hineinversetzen können, damit er etwas transportieren könne. Im Allgemeinen sei es aber recht demokratisch gehalten, was bei fĂŒnf Personen ja auch ganz gut passe und somit wĂŒrde es immer eine Entscheidung geben.


2011 war ein erfolgreiches Jahr fĂŒr Euch! Welches Ereignis wĂŒrdest Du sagen hat Dich/ Euch am meisten umgehauen und warum?

Das sei eine schwere Frage, antwortet der SĂ€nger, nachdenklich. Man könne diese auch gar nicht einfach in einem Erlebnis ausdrĂŒcken. In kleineren Clubs zu spielen sei manchmal herrlich intim und knisternd. Dann wiederum sei die RWE Aufstiegsfeier ein ganz anderes Erlebnis gewesen. Dort habe die Mannschaft von Rot Weiß Essen mit ihnen zusammen „KĂ€mpfer“ gesungen. Und Fans des Vereins hĂ€tten mit der Faust zum Himmel gereckt und ebenfalls diesen Text mitgesungen. Auch die „Thomas Godoj – Tour“ wĂ€re sehr beeindruckend. Es sei ein irres GefĂŒhl gewesen, ihn zu supporten. Daniel gerĂ€t ein bisschen ins SchwĂ€rmen, wĂ€hrend er sehr offen ĂŒber diese Erlebnisse berichtet. Er möge das „FernbedienungsgefĂŒhl“, das man im Zusammenspiel von BĂŒhne und Fans entwickle. Wenn die Fans richtig mitgingen und klatschen, wenn er es vormache. Oder aber das Erlebnis im Filmhaus Köln. Als einfach alles ausgefallen sei. Jeder der Band, habe alles gegeben und jegliche Register seien gezogen worden. Nach dem Auftritt seien sie alle fix und fertig, die Fans aber alle rundum begeistert gewesen. Oder aber, dass sie nach der EP die Möglichkeit bekamen das Album einzuspielen. Auch das internationale Pfadfindertreffen in Norddeutschland sei ein tolles Erlebnis gewesen. In meinem nĂ€chsten Leben werde ich Pfadfinder, verrĂ€t Daniel mir und ich glaube ihm. Mir wird klar, dass man so eine Frage vielleicht etwas enger hĂ€tte fassen sollen. Dennoch bin ich beeindruckt, eine so ausfĂŒhrliche Antwort erhalten zu haben.


AufAb! Euer DebĂŒtalbum.

Erinnerst Du Dich noch an deinen ersten Gedanken als Du das Album in den HĂ€nden hieltst?

„Flatline“, höre ich ihn sagen. Ich lache. Er geht darauf ein und meint „nein, wirklich es war wie eine Nulllinie“. Er sei unglaublich Stolz gewesen. Nach einer Woche habe er es noch einmal aus der Vitrine geholt und ansehen mĂŒssen.


„Rastlos“ wurde zum besten deutschen Song gekĂŒrt. Was waren SchlĂŒsselerlebnisse zu diesem Song? Wie ist er entstanden?

Dieser Song sei aus einem inneren GefĂŒhl entstanden, erklĂ€rt Dan mir. Dieses GefĂŒhl der Unvollkommenheit, nirgendwo verweilen zu können. Negative GefĂŒhle lassen oft tiefe Texte entstehen, so Daniel weiter. Wir philosophieren einen Moment ĂŒber die Schaffensphasen von KĂŒnstlern. Ich komme zu dem Entschluss, dass etwas Schönes aus einer schweren Phase entstanden ist und somit doch etwas Gutes hinterließ.


Welcher Song bedeutet Dir am Meisten?

„Rastlos“, sagt Daniel nach kurzer Überlegung und mir kommt es so vor als folge ein stummes Nicken.


Zweites Album schon geplant?

Ja, geplant sei ein zweites Album. Aber die Songs dafĂŒr mĂŒssen erst noch geschrieben werden, erzĂ€hlt Daniel im neckischen Plauderton. Aber dafĂŒr sei im Moment wenig Zeit, da sie sich auf die Tour mit Glasperlenspiel vorbereiten wĂŒrden. Als Support von Glasperlenspiel werden sie zu Zweit und unplugged als Kontrast zu Glasperlenspiel unterwegs sein. Danach wollen die FĂŒnf sich auf das Album konzentrieren.


Wie packt man so ein Album an?

Daniel wĂ€gt ab, er denke, es sei wichtig nicht zu versuchen anzuknĂŒpfen an dem was man schon geboten hat. Man sollte keiner Schablone folgen, sondern versuchen freiheraus ans Werk zu gehen.


Geht Dir das Texten einfach von der Hand oder gibt es problematische Songs? Wie geht man mit ihnen um?

Nein, erklÀrt Daniel mir, Texte gehen nicht immer leicht von der Hand. Manchmal kann es sprudeln und man schreibt eine ganze Strophe oder aber man sitzt wochenlang an einer Zeile. Manchmal kann es an einem Wort oder an einer Silbe hÀngen, das sei frustrierend. Er machte eine kurze Pause und ergÀnzte, dass man sich dann Àrgert, wo man doch möchte, dass es nun sprudelt. Dann lacht er wieder auf. In solchen Momenten sollte man den Text erst mal liegenlassen, um ihn dann erneut gelöster angehen zu können.


Plant ihr auch euch englischen Texten zuzuwenden?

Es kommt ein klares „Nein“ von Daniel. Die Band wird deutsche Texte beibehalten. Er habe zuvor englische Lieder geschrieben, aber Deutsch sei seine Muttersprache und so sei es einfacher. Außerdem, so Dan, sei man Wortgewandter auf Deutsch. Man habe viel mehr Möglichkeiten sich auszudrĂŒcken und das Wort an sich herĂŒber zubringen. Das leuchtet ein. Zumal die Tiefe der einzelnen StĂŒcke, in meinen Augen, wirklich sehr beeindruckend und auf den Punkt gebracht ist.

Wenn Du drei WĂŒnsche frei hĂ€ttest, was wĂŒrdest Du Dir fĂŒr Gardenier in 2012 wĂŒnschen?

Daniel lacht. Oh, da fiele ihm gleich ein, dass er sich als allererstes mal einen Schlafplatz im Hotel wĂŒnschen wĂŒrde, statt im Tourbus nĂ€chtigen zu mĂŒssen wenn sie auf Tour sind. FĂŒr 2013 und 2014 im Übrigen auch.

Ich lache und meine, gut damit sind deine drei WĂŒnsche verbraucht. Dann kommt nun die nĂ€chste Frage.

Von Daniel kommt ein schnelles „Ach nein, ich glaube ich verteile es dann noch ein bisschen“. Also der erste Wunsch sei der Schlafplatz im Hotel. Der Zweite, dass sie durch ihre Auftritte noch mehr Leute erreichen, die ihre Musik und CDs mögen. Und Wunsch drei, er wĂŒnsche der Band, eine große KreativitĂ€t, damit sie weitere Hits haben, die sie auf die nĂ€chste CD bringen können.


Mit wem wĂŒrdet ihr gerne mal auf der BĂŒhne stehen?

Es sei schwierig, da jeder der Bandmitglieder seinen eigenen Geschmack habe. Aber sie wĂŒrden mit jeder Band gerne auf der BĂŒhne stehen. Vorbilder seien jedenfalls Udo Lindenberg und Jan Delay.


Wo seht ihr euch in 5 Jahren?

Es kommt ein „Ui“ vom anderen Ende der Leitung. Ich wĂŒnsche mir, beginnt er, dass wir uns in Deutschland als eine bestĂ€ndige GrĂ¶ĂŸe etabliert haben. (Somit wĂ€ren wir schon bei vier WĂŒnschen Herr Gardenier. Geschickt, geschickt. ;o))


Ab Februar supportet ihr Glasperlenspiel. Auf was freut ihr euch am meisten?

Auf die Fans von Glasperlenspiel, erzĂ€hlt mir der SĂ€nger. Sie haben sie vorab schon einmal bei Auftritten im Dezember kennenlernen dĂŒrfen. Die Band sei sehr begeistert gewesen von der toleranten und offenen Art der Fans, die ihnen entgegen gebracht wurde. Sie wĂŒrden sich sehr freuen wieder vor diesem Publikum spielen zu dĂŒrfen.


Magst Du abschließend noch etwas erzĂ€hlen? Liegt Dir etwas am Herzen?

„Klar“, sagt Daniel auf sehr charmante Art und Weise, darauf folgt eine kurze Pause. Im gleichen Ton fĂ€hrt er kurz darauf fort, und schließt so das Interview mit den Worten, „aber dann schreibe ich“.

Mir bleibt ein dickes DANKE, fĂŒr dieses tolle GesprĂ€ch, zu sagen. Ich wĂŒnsche Euch viel Spaß auf der Tour und wir sehen uns am 15.02.2012 in der KuFa in Krefeld!


Tourdaten (im Vorprogramm von Glasperlenspiel):

02.02.2012 – Stuttgart – Universum
03.02.2012 – Weinheim – CafĂ© Central
04.02.2012 – Fulda – Kreuz (verlegt vom Kulturkeller)
08.02.2012 – Mainz – Frankfurter Hof
09.02.2012 – Freiburg – Jazzhaus
15.02.2012 – Krefeld – Kulturfabrik Krefeld
16.02.2012 – OsnabrĂŒck – Glanz & Gloria
17.02.2012 – Bremen – Kulturzentrum Lagerhaus
18.02.2012 – Zwickau – Alter Gasometer
04.03.2012 – Dortmund – FZW / Freizeitzentrum West
21.03.2012 – Leipzig – WERK2 – Halle D
22.03.2012 – Magdeburg – Projekt7 e.V.
23.03.2012 – Rostock – Zwischenbau
24.03.2012 – Köln – Die Werkstatt
28.03.2012 – Greven – Kulturschmiede Greven
29.03.2012 – Hamburg – Logo
30.03.2012 – Berlin – Postbahnhof am Ostbahnhof, Fritz Club
31.03.2012 – Erfurt – HsD Gewerkschaftshaus
19.04.2012 – Neu-Ulm – Kulturpark
20.04.2012 – Trier – Tuchfabrik
21.04.2012 – Kaiserslautern – Kammgarn
22.04.2012 – Karlsruhe – JubeZ Karlsruhe
28.04.2012 – Dresden – Messe Halle 1
30.04.2012 – Hettenrodt – SportgelĂ€nde Hettenrodt
08.05.2012 – NĂŒrnberg – HIRSCH
09.05.2012 – MĂŒnchen – Ampere / Muffatwerk
10.05.2012 – Augsburg – Spectrum Club
17.05.2012 – Regensburg – GLORIA Kulturtheater
18.05.2012 – Ingolstadt – eventhalle Westpark

Das Interview fĂŒhrte Stephanie Brockhaus mit Daniel Gardenier (Gardenier) im Februar 2012

Fotos: Gardenier Promo

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