Zola Jesus – Conatus

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Zola Jesus - Conatus

Mit 22 Jahren nach diversen EPs und zwei Vorgängern schon das dritte Big-Album auf den Markt zu bringen, das schafft nicht jede. Doch Nika Roza Danilova, die sich hinter diesem Projektnamen verbirgt ist auch nicht Jede, sie ist einzigartig und nicht austauschbar, wie viele Gagas und Spearses, doch dafür ist ihre Musik auch zu verschachtelt und zu indie. Es ist ein Drahtseilakt, ein Spagat, ein heißes Eisen, was diese junge Dame uns vorführt, ja in die Hand drückt, bzw. auf die radiostreamigen Ohren gibt. Harte Drums treffen auf eine Goth-Stimme, verzerrte Electro-Knarzer auf orchestrale Soundwände, das ist nichts für verklebte Gehörgänge à la Daniel Radcliffe.

Wer das Werk einige Male zu sich genommen hat, wird auf verbüffende Weise die Vielseitigkeit entdecken, welche in ihm steckt. Diese Stimme ist so gereift, aber das kommt nicht von ungefähr, da Frau Danilova ursprünglich mal Opernsängerin werden wollte und diesbezüglich Unterricht bekam. Die US-Amerikanerin mit russischen hat schon immer das bekommen, was sie wollte. Aufgewachsen in einem kleinen Kaff in Wisconsin auf einem großen Grundstück lernte sie schon früh, was es heißt, selbstständig und beharrlich zu sein, mit Erfolg.

Während das gefeierte zweite Album "Stridulum II" kleine Pophits wie "Seatalk" oder "Night" hervorbrachte, besinnt sich das jetzige Opus wieder auf Reduzierung, nicht in Form von Purismus, sondern als Abstand zum Mainstream. Das ist das momentane Bestreben (lat.: "Conatus") der Musikerin. Das Werk ist als Gesamtkonzept zu verstehen, einzelne Songs stechen kaum heraus. So ist das Video der ersten Singleauskopplung "Vessel" mit über 60.000 Views bei YouTube zwar ein kleiner Erfolg, aber kein Garant für eine Topplatzierung in den Charts. "Hikikomori", der japanische Begriff für gesellschaftlichen Rückzug, ist ein weiterer wunderbarer Song. Zum Abschluss gibt es mit "Collapse" ein schöne Synthieballade, die entweder vom Bühnenmitglied Ryan York mit Streichern unterlegt wurde oder vom musikalischen Computer. Neben York gibt es bei Auftritten noch gelegentlich Nick Johnson, der das Schlagzeug bedient.

Die abwechslungsreiche Schlichtheit, ist es, die dieses Album auszeichnet, angefangen bei der spärlichen Besetzung des Projektes bis hin zu den meist nur einwortigen Titelnummern, die aber bei fachlicher Übersetzung einiges an Sprengkraft aufbieten können

Conatus ist kein Album, was gebraucht wird, um die überflutete Welt zu trocknen, sicherlich aber auf das persönliche Empfinden einwirken kann und das ist bekanntlich auch nicht unwichtig. It´s "In Your Nature"

Wer nun neugierig geworden ist, bekommt zur Zeit bei Amazon übrigens einen Free Download des Songs "Seekir" [Downloadlink]

Tracklist:
01. Swords
02. Avalanche
03. Vessel
04. Hikikomori
05. Ixode
06. Seekir
07. In Your Nature
08. Lick the Palm of the Burning Handshake
09. Shivers
10. Skin
11. Collapse

Bewertung: 7 / 10 Punkte

Autor: Stefan Weiß

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