ARCHIVE & Orchester – Köln, Philharmonie (11.11.2011)

    Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

    Am 11.11.11 sollte uns in Köln Großes erwarten. Obwohl die Stadt bereits den ganzen Tag gefĂŒllt war mit Karnevalslustigen und Partykarawanen, sollte parallel zur obligatorischen Feierei noch das große Konkurrenzprogramm starten. Und so standen an jenem Abend Archive in der Philharmonie auf der Agenda, die fĂŒr die Fans etwas ganz Besonderes arrangiert hatten. Mit einem großen Live- Orchester gemeinsam sollte der Abend zum Sinnbild der Verschmelzung von klassischer Kunst und hingebungsvollem Trip Hop/ Indie- Rock werden.

    Gegen 20 Uhr fĂŒllte sich die große Konzert- und Theaterhalle schlagartig und die Spannung auf das, was uns erwartete, war deutlich fĂŒhlbar. Archive sind wirklich durch viele Altersschichten hinweg beliebt – das zeichnete sich sofort ab, wenn man einen Blick ins durchaus querbeet gemischte Publikum warf. Sehr schnell wurde auch klar, dass nach dahinschmelzenden Indie- Kiddies an jenem Abend echt punktuell gesucht werden musste.

    Nachdem alle ihre PlĂ€tze eingenommen hatten, das Licht gedimmt wurde und das Orchester sich unter Applaus auf der hinteren Rundung der BĂŒhne positioniert hatte, betrat die begnadete Band um die Stimmen Pollard Berrier und Dave Penney die BĂŒhne. Geigen ertönten und stimmten direkt ins verheißungsvolle „Controlling Clouds“ ein, das SĂ€nger Pollard mit Hingabe dem Publikum schenkte. Alles schien perfekt, doch plötzlich hörten wir es aus einer der großen Boxen knistern. Wir dachten uns zunĂ€chst gar nichts dabei, versuchten sogar gedanklich, das immer mehr störende GerĂ€usch irgendwie in den Song einzubauen, aber irgendwann ging im Publikum und vor allem auf der BĂŒhne gar nichts mehr. Die letzten gesungenen Zeilen kamen in der Menge so abgehackt und verunstaltet an, dass es fĂŒr keinen der Beteiligten mehr zu ertragen war. Der Band konnte man die Wut und EnttĂ€uschung deutlich ansehen. So schnell wie sie die BĂŒhne betreten hatten, verließen Archive diese zunĂ€chst dann auch schon wieder und nicht nur Ärger, sondern echte Sorge um den Abend machte sich im Publikum breit. Nach einigen Minuten vernahmen wir eine Ansage, dass man sich um das technische Problem kĂŒmmern werde. Mit 10 Minuten Pause sei nun zu rechnen. So weit, so gut! Als dann nach 20 Minuten ein weiterer Check durchgefĂŒhrt wurde, da man nun annahm, das Problem sei behoben, und erneut ein stechender, sogar noch viel schrillerer, lauterer Ton in die fragenden Gesichter schlug, schaute man sich nur um, bedauerte die Situation und hoffte das Beste. Etwas Mut machte das Orchester, das hart gesotten noch immer auf seinen PlĂ€tzen verharrte und signalisierte, dass es nun bald weitergehen mĂŒsse. Klare Ansagen bekamen wir nun aber vom technischen Team nicht mehr. Vermutlich war ein Cinch Stecker defekt oder nicht richtig eingesteckt – zumindest hörte es sich so an. Nach und nach verließen immer mehr GĂ€ste die große Konzerthalle, die EnttĂ€uschung deutlich zum Ausdruck bringend. Da wurde dann die 5. Zigarette geraucht, das zweite oder dritte Bier hinunter gekippt oder gar schon ĂŒber Heimfahrt sinniert.

    Nach einer gefĂŒhlten Ewigkeit um – sage und schreibe – 21:15 Uhr wurde dann ein neuer Versuch gestartet. Mit Erfolg! Das Licht wurde gedimmt, die Band stĂŒrmte mit neuem Mut auf die BĂŒhne und der charismatische SĂ€nger Dave intonierte das mitreißende „Fuck U“, bei dem schlussendlich nicht nur die Fans, sondern auch das Orchester im Strobo- Licht zusammen mit der Band den Moment feierten. Nach diesem zweiten, „echten“ Auftakt, der nun besser nicht hĂ€tte gelingen können, ging es dann mit starken StĂŒcken wie „Sane“ oder „Bastardized Ink“, bei welchem Rapper Rosko John der Menge ordentlich einheizte, weiter. Ein Großteil des Publikums war nun ordentlich am grooven und saugte wirklich jeden Laut auf, der von der genial beleuchteten BĂŒhne kam, die Mal im warmen Rot, Mal im kĂŒhlen Blau strahlte. Ein weiterer Kracher erwartete uns bei „Slowing“, bei welchem das Orchester so stark zur Geltung kam, dass es gar keine andere Möglichkeit gab, sich dieser Klangkulisse hinzugeben. Generell fiel aber auf, dass trotz der großartigen Leistung des Philharmonie- Orchesters dieses oftmals hinter der klanglichen Leistung der Band zurĂŒck stand, das Ganze eher nur untermalte. Alles stand hinter der Musik Archives an diesem Abend zurĂŒck – sogar die Band selbst. Da gab es niemanden, der sich in den Vordergrund drĂ€ngte, zeigte, dass er „der eine“ ist – nein! Bei Archive stand jeder Musiker an diesem Abend auf einer Stufe mit dem anderen, egal, ob er die Vocals, ein Gitarrenriff oder einen dunklen Basssound zum Gesamtwerk beitrug. Diese Achtung und WertschĂ€tzung der Musik selbst machte die Band an jenem Freitagabend ganz besonders sympathisch.

    Langsam nĂ€herten wir uns dem Ende des Sets und einige Fans nutzen somit bei „King Of Speed“ und „Bullets“ die Stimmung, um endlich aufzustehen und zu tanzen. Auch wenn ein Großteil der Menge noch auf ihren PlĂ€tzen saß, sah man hier und da Fans ausflippen vor Freude, ob sitzend oder in den GĂ€ngen stehend. Was zunĂ€chst schon fast verloren schien, konnte sich an jenem Abend noch so stark entwickeln, dass die Menge wirklich komplett geflashed war. Und so wurden die Rufe nach einer Zugabe von der Band und dem Orchester mit den beiden starken Songs „Quiet Time“ und „Numb“ beantwortet.

    Archive und die Philharmonie Köln boten den Fans am 11.11.11 einen unvergesslichen Abend in jeglicher Hinsicht – ob positiv oder negativ, muss jeder selbst fĂŒr sich ergrĂŒnden. FĂŒr diejenigen, die durchgehalten und weiter gehofft haben, kann es nur ein unvergesslich schönes Erlebnis geworden sein.

    Setlist:
    01. Controlling Crowds
    02. Fuck U
    03. Sane
    04. Finding It So Hard
    05. Bastardized Ink
    06. Slowing
    07. The Feeling Of Losing Everything
    08. Lines
    09. The Empty Bottle
    10. System
    11. Kings Of Speed
    12. Bullets
    13. Danger Visit
    14. Again
    15. Quiet Time (Z)
    16. Numb (Z)

    Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der Bandfotos.

    Autorin: Tanja Pannwitz
    Fotos: Michael Gamon

    Geschrieben von
    Mehr von Sparklingphotos.de

    TORUL & EGOAMP – Oberhausen, Kulttempel (11.10.2015)

    EGOamp wurde von Asmodi Caligari und Cesare Insomnia gegrĂŒndet. Das Projekt wird...
    Weiterlesen

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.