FRONT LINE ASSEMBLY / CONJURE ONE / DIGITAL FACTOR – Bochum, Matrix (02.09.2011)

FRONT LINE ASSEMBLY / CONJURE ONE / DIGITAL FACTOR - Bochum, Matrix (02.09.2011)
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Das FLA-Fan-Sorglospaket Rhys Fulber und Bill Leeb gemeinsam auf Tour lässt sich im Jahre 25 nach FLA-Gründung kein Fan entgehen, setzten die Herren doch auch in Europa spätestens seit den frühen 90ern mit Clubhits, konsequenter Weiterentwicklung und schweißtreibenden Konzerten die Messlatte so hoch, dass kaum eine Genrecombo heute umhin kommt, sie als eine der großen Referenzbands zu nennen. Zwar gab es Ende der 90er einige Selbstfindungs- und Akzeptanzschwierigkeiten nach Fulbers Ausstieg, mit Jeremy Inkel an Bord machte FLA jedoch eine Blitzevolution des eigenen Stils durch und ließ viele Kollegen, die schon sabbernd in die noch warmen Fußstapfen zu treten hofften, respektvoll aufhorchen.FRONT LINE ASSEMBLY / CONJURE ONE / DIGITAL FACTOR - Bochum, Matrix (02.09.2011) Zwar gab es 2011 seitens FLA keine großen Überraschungen, aber aufgrund der erfolgreichen Veröffentlichungen und Auftritte der letzten Jahre strömten auch dieses Mal trotz der berüchtigten Akustik in der Bochumer Matrix etliche hundert Fans in die Tube und füllten diese komplett, um mit den Kanadiern gebührend zu feiern. Den Abend eröffneten in der anfangs noch mäßig gefüllten Tube Digital Factor aus Altenburg/Leipzig mit einem soliden Set, das – mal von Electropop abgesehen – fast alle Spielarten des Electrospektrums abdeckte und sehr vertraut klang. Die Bühnenshow wurde durch Videoprojektionen Marke "Heerscharen gestählter Arbeiterkörper, Frontsoldaten in szeneüblich unaufdringlichem Schwarz/Weiss, ein halber Weltvorrat an Amboss/Hammer/Zahnrad-Romantik mit etwas Metropolis nachgewürzt" zur 2011er Nachholveranstaltung für all diejenigen, die ihre zu spät entdeckten Helden aus den guten alten Zeiten nicht mehr live erleben konnten oder wissen wollten, wie diese heute klingen könnten.
Nach einer ca. 30minütigen Show, die andeutete, in welche Richtung sich der Abend bei hohen Drehzahlen temperatur- und tempotechnisch entwickeln würde, gepaart mit einem für diese Location ungewöhnlich klaren Sound überließen Digital Factor unter anerkennendem Blicken die warmgespielte Bühne den Technikern. Der Einheizer hatte seinen Job nicht verfehlt. Bereits jetzt zeigte das Thermometer in der Matrix 29°C; die Luftfeuchtigkeit zog ehrgeizig nach.


Setlist:

01. A Force Of Unknown People
02. Dein Herz
03. I Have To Hit You
04. Superlife
05. Look Back To Go Forward
06. Falling Down
07. You’re Going Down
08. Electronic Body Makers
09. Links Rechts Links

So hatte der geneigte Fan an diesem Abend alle Frequenzen der Anlage soweit für überraschend tauglich befunden und durfte sich auf Conjure One freuen, was für die meisten FLA-Fans mit Ostern/Weihnachten/Geburtstag an einem Tag vergleichbar sein dürfte. Nach einer knapp 30minütigen Umbaupause flackerten zunächst Landschaftsfotos in der Optik der Conjure One-AlbenFRONT LINE ASSEMBLY / CONJURE ONE / DIGITAL FACTOR - Bochum, Matrix (02.09.2011) mit weichen Überblendungen über die Leinwand und Rhys Fulber betrat, vom Publikum lautstark in Empfang genommen, die Bühne, um hinter einer Instrumentenburg samt Laptop und Livemixer Stellung zu beziehen. Zum Intro gab es ein paar Improvisationseinlagen, gefolgt von einem unerwartet sphärenlastigen Set fast gänzlich ohne Gesang, was auf CD zwar durchaus auch über Albumlänge funktionieren kann, aber in der Klammer mit zwei eher tanzlastigen Bands viele Leute enttäuscht zu haben schien, da weit und breit keine Chanteuse zu sehen war, wie es wohl die meisten Anwesenden erhofft oder vorausgesetzt hatten. Es ist sicherlich schwer, auf diese Weise neue Fans zu gewinnen, aber der Großteil der Anwesenden setzte schwerpunktmäßig eher darauf, dass Rhys Fulber später FLA auf der Bühne verstärkt. So gab er dieses Mal seine Klangschrauberqualitäten zum Besten, was für jemanden mit seinem Können eher eine Lockerungsübung am Rande gewesen sein durfte.

Dieser verhältnismäßig ruhige und sehr atmosphärische Auftritt ist von Publikumsseite vermutlich eher als FLA-Jubiläumsbonuspaket gewertet worden und prinzipiell wäre dagegen von Fanseite sicherlich nichts zu sagen, wenn Conjure One regelmäßig in Europa touren würde. So bleibt zu hoffen, dass die nächste Tour sich näher am Albummaterial hält und wie bei vorangegangenen Auftritten um die eine oder andere Sängerin verstärkt würde, zumal einige der Damen aus dem zum Teil sehr nahen benachbarten europäischen Ausland kommen und beispielsweise etliche Besucher aus Belgien zugegen waren. Leider keine belgische Sängerin namens Kyoko Baertsoen, um nur mal eine der Damen zu nennen. Nächstes Mal. Und hoffentlich zeitnah.

Setlist:
01. Intro/Improvisation
02. Like Ice
03. Places That Don’t Exist
04. Demon Inside
05. Dying Light
06. Center Of The Sun
07. Outro

Mit zig Litern Flüssigkeit gerüstet standen die ersten Reihen tanzbereit, um die Kanadier in Empfang zu nehmen. Nachdem Jeremy Inkel, Jason Bazinet und Jared Slingerland die dunkle Bühne mit projiziertem FLA-Logo im Hintergrund unter Samplefluten betraten, brachial auf Drums eindroschen und sich aus dem Dezibelgewirr nach 2 Minuten die ersten Beats von ‘Gun’ herausschälten, kam der vermutlich dienstälteste anwesende Electrofreund des Abends auf die Bühne, um in ca. 90 Minuten 25 Jahre Bandgeschichte zu feiern, den tropisch anmutenden Temperaturen noch eins draufzusetzen und den wenigen stillstehenden Anwesenden wenigstens ein letztes Zucken abzuringen. Stillstand war bei dem Set schlicht keine Option. Bill Leeb und Co. prügelten das Spaßpaket gnadenlos durch und allein Stücke wie ‘Angriff’ oder ‘Prophecy’ ließen im Midtempobereich zwischendurch etwas Luft nach oben.FRONT LINE ASSEMBLY / CONJURE ONE / DIGITAL FACTOR - Bochum, Matrix (02.09.2011) Spätestens bei dem Oldschoolklassiker ‘Resist’ schwitzte und tanzte alles, was atmen konnte und über Puls verfügte; selbst hinter der Theke wippte alles und jeder mit, während Wasser und Bier über selbige gingen wie bei einer Sportveranstaltung im Hochleistungsbereich. Nach ca. 60 Minuten wackelten selbst hartgesottene Kesselbewohner vor der Bühne nur noch Kräfte sammelnd mit den Stiefeln und wurden im Anschluss an den Midtempotrack ‘Prophecy’ umgehend nach kurzer Sichtung der Sachlage durch kanadisches Fachpersonal mit ‘Shifting Through The Lens’ im Bewegungstempo nachjustiert. Um auf Nummer sicher zu gehen, dass die Botschaft ankam, legte man ‘Millenium’ nach und ging danach wortkarg von der Bühne. Dass man den Wahlkalifornier Rhys Fulber nicht "mal so eben" sinnfrei mit FLA auf Tour nach Europa lockt, war bereits im Vorfeld jedem Anwesenden klar. Dass er nicht unter zwei Stücken mit FLA von der Bühne gelassen würde, ebenso. Nach der ersten Zugabe ‘Liquid Separation’ fragte Bill Leeb lachend, ob man sich noch an einen gewissen Herrn samt der nächsten zwei Tracks erinnert. Mehr Worte brauchte es nicht; ‘Mindphaser’ mit von Rhys gespielten Flächen ließ den Puls noch einmal hochschnellen und mit ‘Bio-Mechanic’ schraubte man das Tempo auf "Danke für den genialen Abend, see you next time"-Level, um nach kurzer wohlverdienter Pause direkt Richtung Berlin zum e-tropolis aufzubrechen. Die Herren hätten vermutlich bei einem weniger dichten Zeitplan noch ein paar Stücke wie ‘Social Enemy’, ‘Virus’ oder ‘Provision’ spielen können, aber bei aller Fairness: FLA haben das Publikum ordentlich körperlich zerlegt und nahezu jeder Anwesende grinste erschöpft von verschlissenem Ohr zu verschlissenem Ohr. In der Punktwertung lagen Front Line Assembly knapp vor dem Publikum, das sich jedoch auch nicht lumpen ließ und bis zum letzten Beat mitzog. Endlich wieder eine Ü30-Fete nach unserem Gusto, Wilhelm.


Setlist:

01. Gun
02. Circuitry
03. Angriff
04. Resist
05. I.E.D.
06. Vigilante
07. Plasticity
08. Prophecy
09. Shifting Through The Lens
10. Millennium
11. Liquid Separation (Z)
12. Mindphaser (mit Rhys Fulber) (Z)
13. Bio-Mechanic (mit Rhys Fulber) (Z)

Autor: Istvan Illes
Fotos: Michael Gamon (vom FLA-Konzert in Oberhausen am 03.10.2010)

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