ohGr – Undeveloped

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ohGr - Undeveloped

Skinny Puppy Frontmann Nivek Ogre macht es einem wirklich nicht einfach und man muss schon genau auf Nuancen achten, wenn es wieder einmal heißt: „Ein neues ohGr-Album steht zur Veröffentlichung an“. Aufgrund der großen Namensähnlichkeit neigt man schnell dazu, ohGr als sein Soloprojekt anzusehen, dabei gehört Mark Walk ebenfalls zu ohGr und zieht hier genau wie bisweilen bei Skinny Puppy als Mann im Hintergrund an den Fäden; nur auf den Einfluss von Cevin Key muss man bei ohGr (mittlerweile) verzichten. Wie sich dies soundtechnisch auswirkt, können Fans nun beim neuen Album „Undeveloped“ zum vierten Male genauestens unter die Lupe nehmen.

Los geht es mit einem kleinen Intro zum eigentlichen Eröffnungssong „101“, das einen schon einmal einführt in die leicht kranken Soundkollagen, die den Begriff „Nightmare-Pop“ perfekt vertonen. In der Vergangenheit war es trotz gewisser Ähnlichkeiten sicherlich nicht selbstverständlich ein ohGr Album zu mögen wenn man Skinny Puppy Fan ist oder umgekehrt. Erklingt bei „101“ aber erst einmal Niveks Stimme, stellt sich trotz aller Skurrilität sogleich ein Wohlbehagen ein, ist diese doch das Bindeglied zu den guten alten Skinny Puppy. Austoben kann sich Ogre ja sowieso in beiden Projekten nach Belieben und so ist eine Abgrenzung durchaus auf den ersten Blick etwas schwierig. Allgemein kann man aber sagen, dass ohGr tanzbarer sind und dadurch dem Pop-Begriff vielleicht etwas näher kommen als es Skinny Puppy vermögen, allerdings fernab von weichgespültem Glitzerpop oder gar Chartsingles. Aber gerade in den ersten Songs von „Undeveloped“ lassen es ohGr wieder krachen und gehen durchaus düster zu Werke und so scheint sich die Lücke zum Hauptprojekt mehr und mehr zu schließen. Textlich sticht bei dem, musikalisch fast schon an Marilyn Manson erinnernden „101“ natürlich die Frage „who do I have to fuck?“ heraus und um bei ihren komplizierten Songs wirklich mit Chartplazierungen glänzen zu können, müssten das wohl so einige sein, aber wer will das schon wirklich?! Auch dem nachfolgenden „Crash“ wurde ein eigenes Intro spendiert, bei dem ohGr den Notruf zum Tod von Michael Jackson sampeln und die Stimmung dadurch noch etwas morbider zu gestalten wissen. Der Song selbst ist aber schon fast zugänglich zu nennen und auch „Pissage“ weiß auf Anhieb zu gefallen und Skinny Puppy Fans die Wartezeit auf das ebenfalls noch für dieses Jahr angekündigte neue SP-Album zu versüßen. „Comedown“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, wohingegen „Typer“s Aufgabe wieder stärker in der Erschaffung einer dunklen Atmosphäre besteht. Hypnotische Sounds, eine verfremdete Stimme und der für innere Unruhe sorgende Klang einer Schreibmaschine leiten über zu „ScrewMe“, das schon fast Indiesongstrukturen sein Eigen nennt. Zu diesem Zeitpunkt nähern sich ohGr auch dem Pop-Begriff wieder mehr an und man meint bei den nachfolgenden Tracks fast, dem Albtraum entkommen zu sein. Dieser Trend hält auch bis „Animist“ weiter an, bevor der Schlusstrack „Nitwitz“ wieder für düsterere Klänge sorgt und auch den Härtegrad merklich anzieht. Nach einer kurzen Verschnaufpause beendet ein Hidden Track endgültig das Album und man schaut sich unweigerlich nach der nächsten Lichtquelle um, um sich wieder etwas zu entspannen.

Wie bereits erwähnt sucht man herausstechende Hitsingles bei ohGr weitestgehend vergebens. Nivek und Mark haben sich mit „Undeveloped“ aber durchaus ein kleines Stück aus dem eigenen Schneckenhaus gewagt und könnten ihren Bekanntheitsgrad in diesem Jahr sicher um einiges steigern. Je öfter man „Undeveloped“ hört, desto tiefer wird man in den Kosmos hineingezogen und erkennt von Mal zu Mal klarere Songstrukturen. Diese sind auch das große Plus bei ohGr, denn die Songs werden nie langweilig, das Album ist abwechslungsreich gestaltet und man weiß nie, in welche Richtung sich der (nächste) Song entwickeln wird.

Tracklist:
01. 101 (Intro)
02. 101
03. Crash (Intro)
04. Crash
05. Pissage
06. Comedown
07. Typer
08. Screwme
09. Bellew
10. Hollow
11. Tragek
12. Animist
13. Nitwitz

Bewertung: 7,5/10 Punkte

Autor: Michael Gamon

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