Homo Futura – Der Neue Mensch

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Homo Futura – Der Neue MenschHomo Futura - Der Neue Mensch

Homo Futura - Der Neue Mensch

Der Mensch der Zukunft wurde eigentlich schon in der Vergangenheit erschaffen, nämlich im Jahre 2004 als Nebenprojekt der Electro- Pop- Formation Welle:Erdball. Als Homo Futura widmen sich Dr. Georg Linde (aka Honey), Frl. Plastique, K. Gross und F. Enstein der Beseitigung des fehlerhaften Homo sapiens – dies natürlich nur im übertragenen Sinne und nicht wortwörtlich – und der Erschaffung einer neuen, idealen Lebensart in Form des Homo futura. Dass solch Zukunftsklänge nur auf einer synthetischen Basis erschaffen werden können, versteht sich hier von selbst.

Weg vom alten C 64 und rein in ein neues, experimentierfreudiges Klangerlebnis? Was der Trend zur Selbstverwirklichung durch Nebenprojekte bringt, darf auf dem Debütalbum „Der Neue Mensch“ vernommen werden.

Begonnen wird mit einem Umriss der Gegenwart. In „Die Welt Von Heute“ werden die Schwächen der Menschheit angeklagt, alles getragen auf einem poppigen Elektroteppich, der teils verzerrte Soundexperimente und teils stark verspielte Drops enthält. Natürlich erinnert die stimmliche Komposition aus wechselndem männlichen und weiblichen Gesang nur all zu sehr an Welle:Erdball. Harte, schnittige Elektrobeats bestimmen den Song „Klaustrophobie“, der leider für mein Empfinden etwas durcheinander gewürfelt klingt. Auch das feine Stimmchen von Frl. Plastique kann diesen Track nicht retten. In „Nemesis“ wird der Sound dann wieder etwas ausgefeilter und in sich bedrohlicher. Die männlichen Parts passen hervorragend zu der übertragenen düsteren Stimmung. Über den Einsatz des weiblichen Parts lässt sich sicherlich streiten. Eindringlich und für ein experimentelles Elektrostück wirklich sauber komponiert kommt der gleichnamige Song „Der Neue Mensch“ daher. Inhaltlich dominiert hier der erwartete Schöpfungsgedanke, der in purem Größenwahn gipfelt. Ein wirklich tolles Stück! Auch „Links Rechts“ dringt sofort in den Kopf. Klackernde Beats gepaart mit feinen, leicht verzerrten Synthiesounds sorgen in Kombination mit einem eingängigen Chorus für absolutes Ohrwurmpotential. Soundmäßig stellt dieser Track auf jeden Fall den Höhepunkt auf der Scheibe dar.

Mit „Unbewegt“ wird nach zwei starken Tracks der erste kleine Stilbruch begangen. Nun muss man wirklich überlegen, welcher Band da gerade gelauscht wird, denn es klingt plötzlich alles ganz anders. Melodischer, gefühlvoller und nicht mehr so schrill. Ein wirklich netter Abstecher in nahezu geradlinige Popgefilde. In „Wir schreien“ und „ICH- Komplex“ kehren wir dann aber schnell wieder zurück und richten den Status quo wieder ein. Und es wird auch wieder etwas dunkler, die Thematik schwerer und um den kompletten Inhalt zu erfassen, muss man diese Songs sicher mehrmals hören, da vor allem bei „ICH- Komplex“ das synthetische Klangspiel sehr dominiert.

Der Ausstieg aus der gegenwärtigen Welt und der Wunsch nach dem Neuen, dem Großen wird in „A.M.O.K.“ provokant und äußerst gelungen transportiert. Der Amoklauf von Winnenden ist hier die zentrale Thematik und die Unzufriedenheit über das Hier und Jetzt und dessen Ablösung durch eine neue Zeit, wie auch immer diese aussehen mag, bekommen in diesem Song ein ganz anderes Gesicht. Leider hinkt der Sound der guten Umsetzung einer heiklen Thematik etwas hinterher. Ein Gruselszenario à la Frankenstein erwartet uns in „Komm In Mein Labor“, bei welchem nicht nur mit Synthieklängen, sondern auch mit Charaktereigenschaften von verschiedenen prägenden Personen (sowohl im positiven, als auch im negativen Sinne) herum experimentiert wird. Interessant ist hier die Nennung der Namen Adam und Jesus, die natürlich tiefst biblischen Ursprungs sind und somit auch Gott als Erschaffer von allem voraussetzen. Dass der Mensch hier als Gott agiert, untermalt den Größenwahn und den Gruselfaktor dieses Songs. „Isidor“ ist dann wieder etwas für Mutige, die sich auf Klangexperimente einlassen können. Für jemanden, der nur nebenbei ein bisschen Musik hören möchte, ist dieser Song eindeutig eine Nummer zu groß. „Geile Tiere“ schließt als letzter Track die Reise in die Zukunft ab und irgendwie befinden wir uns nun auch schon wieder in der Gegenwart, zumindest von der Thematik her. Der Mensch als Tier, das nur auf seine Triebe fixiert ist. Ein Kritikpunkt, der dem Menschen nur all zu gerne anlastet.

„Der Neue Mensch“ wird ein Klangerlebnis sein für alle, die sich auf das unbekannte „Neue“ einlassen können, die nicht zurückschrecken vor skurrilen Soundarrangements und harten Texten.
Man kann nur hoffen, dass Homo Futura nicht wie Das Präparat (ehemaliges Nebenprojekt von Welle:Erdball Mitgliedern) beiseite gelegt wird, sondern sich eher an seinen großen Bruder Welle: Erdball hält.

Anspieltipps: „Der Neue Mensch“, „Links Rechts“, „Wir schreien“

Tracklist:
01. Die Welt von Heute
02. Klaustrophobie
03. Nemesis
04. Der neue Mensch
05. Links-Rechts
06. Unbewegt
07. Wir schreien
08. ICH-Komplex
09. Die Mann-Maschine
10. A.M.O.K.
11. Komm in mein Labor
12. Isidor
13. Das Tourette-Syndrom
14. Geile Tiere

Bewertung: 7/10 Punkte


Autorin: Tanja Pannwitz

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