The Pains Of Being Pure At Heart – Belong

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The Pains Of Being Pure At Heart – Belong

Das Achtziger Jahre Revival ist dank neuen Bands a la Hurts und Mirrors und umjubelter Tourneen von GrĂ¶ĂŸen wie OMD und Co in aller Munde, doch was man oft vergisst: Auch die nachfolgenden Neunziger Jahre hatten trotz vielem belanglosen Chartgedudel auch einiges Positives zu bieten. Ganz sicher dazu gehörte die Shoegaze-Szene, welche Mitte der achtziger Jahre dank The Jesus & Mary Chain oder My Bloody Valentine ihren Ursprung fand und deren eingeschlagen Weg Bands wie Ride oder die Pale Saints in den Neunzigern konsequent weitergingen und Gitarrengeschrammel endgĂŒltig auch in der atmosphĂ€rischen Musik salonfĂ€hig machten. Seither berufen sich viele Formationen auf den Shoegaze, aber nur wenigen war es vergönnt den Geist so sehr einzuatmen wie The Pains Of Being Pure At Heart, in deren Adern ganz offensichtlich mit Indierock und Dreampop angereichertes Shoegazeblut pulsieren muss und die mit ihrem gleichnamigen DebĂŒtalbum 2009 fĂŒr ein Raunen in der Musikszene sorgten. Kaum ein Kritiker oder selbsternannter Musikliebhaber konnte sich dem Sound der New Yorker verschließen, auch wenn der Durchbruch in den breiten Bevölkerungsschichten ausblieb. Nun steht mit „Belong“ der Nachfolger in den Regalen und vielleicht ist die Welt eben doch gerecht und die vier Amerikaner Kip Berman (Gesang, Gitarre), Peggy Wang (Gesang, Keyboard), Alex Naidus (Bass) und Kurt Feldman (Schlagzeug) können neben Lorbeeren auch endlich den populĂ€ren Durchbruch feiern.

Ihnen zur Seite stand beim Zweitling Starproduzent Flood, der schon Erasure, Depeche Mode, die Smashing Pumpkins, U2, Nine Inch Nails oder zuletzt die Editors auf deren Erfolgsreise begleitete. Gute Vorzeichen also, aber auch das nicht zu unterschĂ€tzende Risiko, einen gewissen „Außenseiterstatus“ zu verlieren und in der Masse unterzugehen. Um es vorweg zu nehmen: Das ist bei TPOBPAT nicht passiert und sie stehen auch anno 2011 noch immer fĂŒr ausgefeilte Rockmelodien zum trĂ€umen und sich darin verlieren.

Und um gleich dem Vorwurf einer Selbstkopie zu entgehen, krachen die distorted guitars schon beim eröffnenden Titeltrack los um dann zurĂŒck in den Hintergrund zu faden und der wundervollen Stimme von SĂ€nger Kip Platz zu machen. Hier wurde gleich die richtige Mischung aus Krach und Melodie gefunden und der Track ĂŒberzeugt sogar durch einen fast schon profanen Songaufbau mit Strophe und Refrain, bei dem dann auch die Gitarren ein weiteres Stelldichein feiern. Aber natĂŒrlich ist der Songaufbau eines TPOBPAH-Songs noch immer nicht ganz so simpel und so werden Strophe und Refrain gegen Ende hin fast eins. Dass auch Produzent Flood seine Sache gut gemacht hat und dem Quartett zwar einen feinen Schliff verpasste, ohne sie jedoch ihrer Besonderheiten und dem gewissen „Garagenfeeling“ zu berauben, wird bei „Heaven’s Gonna Happen Now“ sehr deutlich und dieser Eindruck zieht sich auch durch das gesamte Album hindurch. Die Pains kopieren sich nicht selbst, verleugnen ihre Anfangstage aber auch nicht und bieten mit sĂŒĂŸlichen Melodien zu teils krachigen Sounds weiterhin einen Klangmix, der einfach nur Spaß macht und fĂŒr gute Laune beim Hörer sorgt. Und so hĂ€tte das Album wohl auch zu keinem Zeitpunkt des Jahres besser veröffentlicht werden können als jetzt, wo die ersten wĂ€rmeren Sonnenstrahlen das Land ĂŒberkommen und TPOBPAH den perfekten Soundtrack zum morgendlichen erwachen und aufraffen in einen spannenden Tag liefern und trotzdem noch genug Möglichkeiten des vertrĂ€umten Entspannens gewĂ€hren.

„Belong“ ist eines jener Alben geworden, dass nicht durch einzelne HochkarĂ€ter besticht, sondern auf dem jeder Song fĂŒr sich eine kleine Perle ist und der persönliche Favorit tĂ€glich wechseln kann, ganz nach Tagesform. Mal ist es vielleicht ein eher melancholischer Song wie „Anne With An E“, dann das trotz des Titels eher fröhlich und in einzelnen Passagen wie The Cure’s „Just Like Heaven“ daher kommende „My Terrible Friend“ oder das shoegazige „Girl Of 1.000 Dreams“. Kein Song sticht als offensichtliche Single heraus, vielmehr könnte dies hier jeder Track sein. TPOBPAH haben mit dem Nachfolger eigentlich alles richtig gemacht und sich ganz sicher wieder einen Platz in den Jahresbestenlisten einschlĂ€giger Personen gesichert – auch bei mir!

Tracklist:
01. Belong
02. Heaven’s Gonna Happen Now
03. Heart in Your Heartbreak
04. The Body
05. Anne With an E
06. Even in Dreams
07. My Terrible Friend
08. Girl of 1,000 Dreams
09. Too Tough
10. Strange

Bewertung: 9,0 / 10 Punkte

Autor: Michael Gamon


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