SOLAR FAKE / UNZUCHT – Bochum, Matrix (10.12.2010)

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Die Unzucht kehrt in Bochum ein. Doch bis sich der Wahnsinn auch in der Matrix dreht vergeht noch eine gute Stunde. Die Matrix Party E.O.D. wird heute von zwei live Acts -Unzucht und Solar Fake- eingeleitet, bevor sich DJ Mike um den richtigen Sound fĂŒr die dunkelste Nacht der Woche kĂŒmmert.

Die Unzucht hat es in dieser eisigen Dezembernacht von Niedersachen in das Kultur- Ruhrgebiet verschlagen, um die frostigen Pott-Herzen aufzutauen.
Einige Fans des schamlosen Quartetts tummeln sich bereits im Inneren des Kellergewölbes und warten vorfreudig auf den bombastischen Auftakt.

Als genĂŒgend Dunst die BĂŒhne vernebelt, schleicht sich Daniel Schulz auf die BĂŒhne. Das Schattenspiel wird mit dunkel, umrandeten Augen und lackierten FingernĂ€geln schwarz verziert. Das fette Augen Make-up sticht trotz rĂ€umlicher Lichtarmut hervor. Mit solch einer Maske hat auch schon Rock Veteran Alice Cooper auf sich aufmerksam gemacht. Im Alleingang rĂŒckt der SĂ€nger den interessierten Konzertbesuchern und Fans stimmlich auf die Pelle. Die ersten Minuten sind ĂŒberstanden, nun können sich auch seine Bandkollegen dem Publikum stellen. Aber die UnzĂŒchtigen sind nicht auf sich alleine gestellt denn: sie haben „Den Engel der Vernichtung“ mitgebracht! Und dieser kratzt nun mit seinem rĂŒcksichtslosen FlĂŒgelschlag am rauen Mauerwerk der Matrix.

Die Show ist voller GegensĂ€tze und wird ein Zusammenspiel aus Licht und Schatten, Harmonie und Bombast, nackter Oberkörper und Irokesen- Haarschnitt neben einen winterlich eingemummelten Kollegen mit WollmĂŒtze. Diese beiden, SĂ€nger und Gitarrist, stehen auch im hellen Zentrum des Lichtermeers wĂ€hrend Bassmann und Schlagzeuger der Band ein Schattendasein fĂŒhren. Als wĂŒrde der Bassist hinter einer Milchglasscheibe stehen, schimmert seine Silhouette und die des Instruments in die Augen der Zuschauer; nur die dumpfen Basstöne dröhnen ins Ohr. Das treibende Schlagwerkzeug ist ebenfalls nur lautstark zu vernehmen und sein Peiniger verschwimmt im Scheinwerfer-Nebel.

Doch der eigentliche Mittelpunkt gehört der Musik und dem DebĂŒt „Engel der Vernichtung“. „Meine Liebe“ oder „Schwarzes Blut“ zeigen wohin die Unzucht fĂŒhrt. Das Publikum lĂ€sst sich unverzĂŒglich auf die Kraft des handgemachten Sounds ein. Neben den vier Tracks des Silberlings haben Unzucht eine Stunde an massivem Material zusammengepackt. Aufzugeben fĂ€llt ihnen zwar schwer aber ihre Zeit ist begrenzt. Um siegessicher den Abend zu beenden und die BĂŒhne fĂŒr Solar Fake zu rĂ€umen, versinkt die Nacht fĂŒr einige Minuten in einem mĂ€chtigen Flammenmeer.

Außer dem schwarzen Nagellack haben Solar Fake und Unzucht nur wenige Gemeinsamkeiten. Der Sound von Solar Fake ist pure, energiegeladene Elektronik, die kraftvoll mit Melancholie verbunden wird.
Genau das lieben die Fans des Mannes der hinter dem Mikrophon von Solar Fake steht. Die Unzucht- Meute macht Platz vor der BĂŒhne und die AnhĂ€nger des dĂŒsteren Synthetik- Sound bekommen die ersten Reihen angeboten.
Mit „Hiding Memories From The Sun“ bringt Sven Friedrich gleich tanzbaren Schwung in die HĂŒtte. Die Songs vom 2008er Album „Broken Grid“ sind den Zuhörern wohlbekannt. Umso grĂ¶ĂŸer ist die Begeisterung, dass den Bochumer Probanden zuerst die neuen StĂŒcke vom nĂ€chsten Album zu Ohren kommen. Die prĂ€gnante Stimme Friedrichs legt sich geschmeidig auf die kĂŒhlen SynthieklĂ€nge. Der Applaus quittiert dem KĂŒnstler das die NeuentwĂŒrfe den Test bestanden haben. Zwischen dem vorhandenen Inventar schieben sich an diesem Abend, zur Freude der Beteiligten noch einige dieser UrauffĂŒhrungen. Zu den eigenen musikalischen BestĂ€nden, gesellen sich im Hause Solar Fake auch immer gerne Coversongs, die vom Grundsatz her nicht zu viel verĂ€ndert werden aber eine spezielle, erkennbare Sven Friedrich Note verpasst bekommen. Wie „Creed“ eben. Mit „Stigmata Rain“ bleibt es krachig, aggressiv. Der Strom wechselt von harte auf zarte Töne. Wenn die ersten Takte von „Here I Stand“ ertönen wird das Eintanzen auf die lange E:O:D Nacht bestens vorbereitet und so in Form gebracht, werden sich die Plattenteller fĂŒr die anschließende Party bis zum Morgengrauen drehen.

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare nun auch ohne Anmeldung möglich) oder direkt durch Anklicken des Bandfotos.

Solar Fake:

Unzucht:

Autorin & Fotos: Martina Peitz

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