RECOIL – A Strange Hour with Alan Wilder & Paul Kendall – K├Âln, Alter Wartesaal (28.03.2010)

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Depeche Mode waren noch vor wenigen Wochen zu den letzten Terminen im Rahmen der Sounds Of The Universe-Tour in einigen deutschen Städten unterwegs und kurz vorher erlebten die Besucher des Depeche Mode-Konzerts zugunsten der Kinderkrebshilfe etwas in der Londoner Royal Albert Hall, was wohl so schnell niemand erwartet hätte: unangekündigt begleitete Alan Wilder Martin Gore auf dem Piano zu ?Somebody?, das Publikum war sprachlos. Seitdem brodelt die Gerüchteküche zum Thema Wiedereinstieg und entsprechend groß waren die Ohren und Augen, als es hieß, dass Alan Wilder mit Recoil eine 21 Termine umfassende Tour anberaumt hatte, um sein neuestes Werk "Recoil Selected", welches am 19. April erscheinen wird, zu präsentieren. Es wurde im Vorfeld explizit darauf hingewiesen, dass es sich um einen Special Event handelt, was erst einmal für große Fragezeichen sorgte. Kein Konzert also. Oder doch?

Für den Termin in Alten Wartesaal in Köln wurde ebenfalls Sarah Blackwood aka Client B als Support mit einem DJ-Set angekündigt. Aufgetischt wurde den gut 800 Anwesenden eine solide Mischung aus kühlen Electropop-Sounds und einer Palette zwischen Bryan Ferry und Ladyhawke. Was leider für knapp die Hälfte des Publikums wegen der schlecht einsehbaren DJ-Kanzel etwas unterging, war, dass Frau Blackwood mit Livegesang zu mitgebrachten Instrumentals hinter dem DJ-Pult auch einige Client- und Dubstar-Songs zum Besten gab. Gut gelaunt räumte die zierliche Britin nach einem sehr eingängigen Set den Platz und nach einer kurzen Pause sollte es mit Recoil auf der gegenüberliegenden Bühne weitergehen.

Als Alan Wilder und Paul Kendall die Bühne betraten, knapp und freundlich grüßten, ihre Macbooks, Keyboards und Midicontroller in Betrieb nahmen und kurz darauf A Strange Hour with Alan Wilder & Paul Kendall samt ansprechender Projektionen einiger namhafter Videokünstler begann, wurde es zunächst leise im Publikum. Offensichtlich waren viele Besucher nur da, um das Ex-Depeche Mode-Mitglied zu sehen, denn wirkliche Stimmung kam zunächst nicht auf und in manchen Gesichtern konnte man Ratlosigkeit und ein "Damit-kann-ich-nichts-anfangen-aber-es-ist-Alan-Wilder" ablesen. Als nach dem Intro eine live ordentlich aufgemotzte Version von Prey dann einen Gang rauf schaltete und zeigte, in welche Richtung sich der Abend entwickeln würde, taute das Publikum langsam auf und ließ sich von den Beat- und Basslandschaften und den Projektionen mitreißen. Der Fairness halber sei gesagt, dass es einfach nicht für jeden sonderlich spannend ist, zwei älteren und extrem qualifizierten Herren beim Herumschrauben an Reglern und Fadern zuzusehen, auf jeden Fall aber, ihnen dabei zuzuhören und respektvoll die Ohren anzulegen. Denn was das Duo Wilder/Kendall aus den für die damalige Zeit Maßstäbe setzenden, aber heute leicht angestaubten älteren Stücken live zusammengezimmert und aus den neueren Stücken zusätzlich herausgekitzelt hat, unterstrich deutlich, was der Depeche Mode-Fan heute vermisst und wie fähig beide Künstler in Sachen Komposition, Studiotechnik und Sounddesign sind. Entsprechend reagierte das mittlerweile feiernde Publikum, als die ersten Klänge von ?Never Let Me Down Again? den Puls verdoppelten und tiefergelegte Versionen von ?Faith Healer? und ?Shunt? den Getränkeabsatz ankurbelten. Die Stimmung stieg, als im Hintergrund zu Faith Healer das Video mit einem geschminkten und langhaarigen Douglas McCarthy auch den Laien in Erinnerung rief, wie alt das Stück ist, welches gerade breit grinsend aus den Boxen das Publikum vermöbelt. Nach einer knappen Stunde verabschiedeten sich Alan Wilder und Paul Kendall sichtlich zufrieden an der Bühnenfront Hände schüttelnd vom Publikum, um im Anschluss noch eine satte Stunde lang Autogramme (hauptsächlich auf mitgebrachte Depeche Mode "Violator"-Vinyls) zu geben und trotz anstehender Abreise noch ein paar Worte mit den Fans zu wechseln.

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Concert-Pictures Sektion (für Bildkommentare muss man aus Spamverhinderungsgründen leider angemeldet sein) oder direkt hier durch Anklicken des Bandfotos:

Autor: I. Ill├ęs
Fotos: Michael Gamon

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