POPPY – Köln, Carlswerk Victoria (14.03.2026)

Poppy, © Hector Clark
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Lesedauer: 12 Minuten

Poppy zählt aktuell zu den spannendsten Künstlerinnen der Metal-Szene. Kaum eine Künstlerin der modernen Alternative- und Metalwelt hat sich in den vergangenen Jahren so radikal gewandelt wie sie. Aus der einst rätselhaften Kunstfigur ist eine kompromisslose Musikerin geworden, die genau weiß, was sie will – musikalisch wie künstlerisch.

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Dass dieser Wandel kein Konzept, sondern gelebte Realität ist, zeigte ein Blick auf ihren Kalender. Allein im vergangenen Jahr spielte Poppy über 90 Konzerte in 22 Ländern – gerade einmal drei Monate konnte sie mit ihrer geliebten Katze zu Hause verbringen. Und auch 2026 ging es nahtlos weiter: Noch vor ihrer aktuellen UK/EU-Tour führte sie ihre Reise bereits wieder nach Australien. Stillstand ist für sie keine Option.

Parallel dazu entstand mit „Empty Hands“ ein beachtliches neues Album. Ihre Entwicklung erreichte einen weiteren Meilenstein – und zugleich den Ausgangspunkt für ihre erste eigene Headliner-Tour hierzulande. In Köln wurde schnell klar, wie groß die Erwartung war. Das Carlswerk Victoria war lange im Voraus restlos ausverkauft – rund 1.600 Fans warteten darauf, Poppy nicht mehr als Support oder Festivalact zu erleben, sondern im Zentrum ihrer eigenen Show.

Die Fans mussten an diesem Abend allerdings zunächst Durchhaltevermögen beweisen. Nach den herrlich frühlingshaften Tagen zeigte der Winter noch einmal seine eisigen Muskeln. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt harrten viele bereits lange vor dem Einlass der Location aus. Einige hatten sich sichtbar von Poppys Ästhetik inspirieren lassen: verspielte Outfits, geflochtene kleine Zöpfe im langen Haar, weiße Blusen unter Corsagen und flatternde Röcke, dazu kunstvolle Make-up-Akzente. Schon am Eingang wurde vor intensiven Stroboskoplichtern gewarnt. Drinnen entpuppte sich die Wartezeit jedoch zunächst als kleine Geduldsprobe: Statt einer düsteren Einstimmung liefen überraschend R&B- und Dance-Tracks aus den Boxen – Musik, die mit der späteren Wucht des Abends kaum etwas gemein haben sollte.

Punkt 19 Uhr fiel der Startschuss. Fox Lake aus Denver eröffneten den Abend – und machten keinerlei Anstalten, sich langsam heranzutasten. „We’re a band called Fox Lake from the USA“, stellte Frontmann Nathan Johnson knapp vor, bevor „Go 4 The Throat“ sofort den ersten Impuls setzte: Hände schnellten nach oben, Johnson hüpfte unablässig auf der Stelle, und vor der Bühne zündete der erste Pit. Köln hatte offensichtlich Bock. Der Sound der Band wirkte wie ein energiegeladener Rückgriff auf die Crossover-DNA der 90er: schwere Nu-Metal-Grooves, Hardcore-Shouts und immer wieder diese markante Rap-Rhythmik, die sich durch die Songs zog. Nathan fungierte mit eher überheblicher Attitüde als rastloser Antreiber – schaffte es aber, die Menge zuverlässig in Bewegung zu versetzen. „Are we feeling good? Thanks for hanging out with us. Are we alive and ready to start a fucking circle pit?“ Die Antwort folgte prompt: In der Mitte begann der Strudel zu kreisen, während sich auch davor immer mehr Körper im Takt nach oben warfen.

Songs wie „Tunnel Vision“ oder „Real Fast“ hielten die Energie hoch, unterstützt von einzelnen Fans, die bereits lautstark mitsangen. Fox Lake wirkten dabei nicht wie eine Aufwärmübung als vielmehr wie ein Adrenalinstoß zum Auftakt. Zum Abschluss des 30-minütigen Sets forderte der Fronter nochmal alles: „We have one more song for you… I wanna see the crowdsurfers up here. This one’s called ‘Freestyle’. Move your ass.“ Sekunden später schoben sich tatsächlich die ersten Crowdsurfer über die Menge, während das Carlswerk noch einmal deutlich an Dynamik gewann.

Weblinks FOX LAKE:

Webseite: www.foxlakeband.com/
Facebook: @FoxLakeCO
Instagram: @foxlakeco

Zwischen den beiden Supportacts änderte sich auch die musikalische Einstimmung im Saal. Als Songs von Bring Me The Horizon und Beartooth liefen, brandete spürbar Begeisterung auf. Kurz darauf ging es um 19:50 Uhr weiter – und auch die zweite Band ließ sich nicht lange bitten. Ocean Grove starteten ohne Umschweife. Frontmann Dale Tanner, gekleidet in einen grauen Jogginganzug mit roten Turnschuhen – ein für dieses Genre durchaus ungewöhnliches Outfit – headbangte sich direkt mit dem Opener „Cell Division“ in den Abend. Neben ihm sorgte Bassist Brent „Twiggy“ Hunter, blondem Vokuhila und zweiter Stimme, für zusätzliche Dynamik.

Von der ersten Minute an lag eine gewisse Crossover-Energie in der Luft. Immer wieder musste man unweigerlich an Limp Bizkit denken – vor allem wegen der schweren Grooves und des schnellen Sprechgesangs, mit dem Dale die Songs nach vorne trieb. Bei „Superstar“ zeigte sich das besonders deutlich: wild, verspielt und mit einer Bühnenpräsenz, der man sich kaum entziehen konnte. Sein sportliches Outfit wirkte dabei fast wie eine logische Konsequenz – Dale rannte und wirbelte über die Bühne,  als würde er nebenbei noch sein eigenes Workout absolvieren.

„The next one is called ‘Ask For The Anthem’. Everyone over here, everyone at the back – start dancing!“, rief Dale in die Menge. Der schnelle Sprechgesang griff sofort – und ehe ich mich versah, begann auch mein Kopf im Takt nach vorne zu gehen. Es war einer dieser Momente, in denen man sich der Energie im Raum fast unbemerkt anschloss. Wie von selbst begann man mitzuwippen, mitzutanzen, mitzugehen. Zwischendurch suchte der Sänger immer wieder den Kontakt zum Publikum. Ob noch weitere Aussies im Raum seien? Tatsächlich meldete sich einer aus der Menge. Dann kündigte er Songs vom neuen Album „Oddworld“ an – darunter „My Disaster“. „Do you like to party? Put your hands in the air, Cologne!“

Einen der eindrucksvollsten Momente des Sets brachte jedoch ein abrupter Stimmungswechsel. „We’re gonna slow down a little. The song is called ‘Last Dance’. We wrote this thinking about those final moments with the people you love… make sure you tell them you love them.“ Mit „Last Dance“ veränderte sich die Atmosphäre im Raum spürbar. Die Bühne tauchte in rotes Licht, Dales sanfte Klarstimme – dunkler und emotionaler als zuvor – trat plötzlich in den Vordergrund. Ein grungeartiger Gitarrensound legte sich darunter, während die Halle sich in ein Meer aus leuchtenden Handylichtern verwandelte. Für einen Moment stand alles still. Das Stück zog das Publikum vollständig in seinen Bann – berührend, sphärisch, überraschend intensiv. „We love you!“, rief Tanner danach sichtbar beeindruckt zurück.

Doch lange blieb es nicht ruhig. „Guys From The Gord“ brachte das Tempo anschnellen, ein kraftvolles Drumsolo riss die Menge mit. Bei „Raindrop“ forderte der Australier schließlich den nächsten Circle Pit: „Push it back!“ – und die Crowd ließ sich nicht lange bitten. Zwischendurch nahm sich Dale Tanner einen Moment, um Ryan Burnett vorzustellen, der an diesem Abend ebenfalls mit auf der Bühne stand. „Make some noise for Ryan from Architects on the guitar“, rief er ins Publikum. Burnett ist nicht nur Songwriter, Produzent und Live-Musiker bei Architects, sondern arbeitet auch mit Ocean Grove zusammen – entsprechend laut fiel der Applaus im Carlswerk aus. Bei „Stratosphere Love“ hatte Dale inzwischen seine Jacke abgelegt und performte im Tanktop weiter, während schwere Riffs, präzises Drumming und melodische Gesangspassagen ineinandergriffen.

Auf der Zielgeraden ließ Dale noch einmal die „Aussie, Aussie, Aussie“-Rufe durch die Halle schallen – und das Publikum stimmte laut mit ein. Bei „Junkie$“ hätte man mit geschlossenen Augen meinen können, Fred Durst stünde selbst am Mikrofon. Der Groove, die Rhythmik, diese fetten Parts – alles erinnerte stark an die goldene Limp-Bizkit-Ära. Ein Moment, der schlicht Spaß machte.

Dennoch bleibt ein kleiner Gedanke: Wenn Dale seinen erstaunlich starken Cleangesang häufiger einsetzen würde, könnte Ocean Grove vielleicht noch ein Stück unverwechselbarer wirken. Gerade in Momenten wie „Last Dance“ zeigte sich, wie viel Ausdruck und Atmosphäre in dieser Stimme steckt – schließlich ist man ihr sofort erlegen.

„We love you, Germany. We are Ocean Grove from Australia. This is our final song. Let’s get wild! If you know it, sing it with me – I need you bouncing right now!“ Mit „Fly Away“ entließen Ocean Grove das Publikum schließlich nach rund 40 Minuten – begleitet von einer gelösten Stimmung, hüpfenden Reihen und einigen letzten Crowdsurfern, die über die Menge getragen wurden.

Setlist OCEAN GROVE Köln, Carslwerk Victoria (14.03.2026):
  1. Cell Division
  2. Superstar
  3. Ask For The Anthem
  4. My Disaster
  5. Last Dance
  6. Guys From The Gord
  7. Raindrop
  8. Stratosphere Love
  9. Junkie$
  10. Fly Away
Weblinks OCEAN GROVE:

Webseite: oceangrove.tv/
Facebook: @oceangrove
Instagram: @oceangrove

Nach zwei energiegeladenen Supportacts rückte der eigentliche Mittelpunkt des Abends näher. Für mich persönlich war dieser Moment auch ein kleiner Rückblick. Ich hatte Poppy bereits zweimal zuvor live erlebt – und beide Male hinterließ sie völlig unterschiedliche Eindrücke. Vor rund zwei Jahren, im Vorprogramm von Bad Omens, wirkte ihre Performance noch entrückt. Die Mischung aus Sprechgesang, Screams und zuckersüßer Popästhetik ließ zwar aufhorchen, doch die Distanz zum Publikum blieb spürbar. Poppy hielt sich meist im hinteren Bereich der Bühne auf, während man auf echte Interaktion mit der Crowd vergeblich wartete. Dabei war ihr Potenzial schon damals deutlich zu erkennen – vielleicht hinterließ der Auftritt gerade deshalb ein leicht frustriertes Gefühl. Ihre Darbietung wirkte eher wie eine Inszenierung: faszinierend, aber schwer greifbar. Man spürte, dass deutlich mehr in ihr steckte – nur ließ sie es damals noch nicht vollständig zu.

Im vergangenen Jahr bei Rock am Ring zeigte sich bereits ein anderes Bild. Poppy wirkte präsent, selbstbewusst, greifbar. Ihr „Cotton Candy Metal“ behielt zwar seine verspielte Ästhetik, doch die Show entwickelte eine ganz andere Durchschlagskraft: harte Riffs, brachiale Screams und eine Künstlerin, die das Publikum nun aktiv in ihr Universum hineinzog. Ein starkes Album („Negative Spaces“), zahlreiche Auftritte und spannende Feature-Partner aus der Metal-Szene später stand dort keine rätselhafte Kunstfigur mehr, sondern eine Musikerin, die genau wusste, was sie wollte. Süß, stark und unverschämt cool zugleich dirigierte sie das Geschehen mit Leichtigkeit – und plötzlich funktionierte diese herrlich konträre Mischung aus Pop, Metal und Performance genau so, wie sie vermutlich immer gedacht war.

Und nun warteten wir auf Poppy als Headlinerin. Die Spannung stieg spürbar. Um Punkt 21 Uhr erklang eine künstlich verfremdete Stimme aus den Lautsprechern: „Welcome to the house of Poppy. Every face in this room is a mirror, every sound a pulse in infinite space. The house is breathing. It remembers everyone who’s ever come through its doors. It knows what you’re trying to hide. Don’t look back to the doors. They closed when you came in. Don’t speak – let the silence speak for us. Don’t reach for them. We reach for you. The house is always watching.“ Quer am Bühnenrand verlief ein langer Steg mit seitlichen Erhöhungen. Im Hintergrund thronte auf einem Podest ein opulentes Drumset, das Poppy-Logo prangte auf der Bassdrum. Ein glitzernder Mikroständer markierte bereits die Position der Sängerin.

Dann setzte „Bruised Sky“ ein. Maskierte Musiker betraten die Bühne – dicht gefolgt von Poppy. Mit einem Sprung brach sie unmittelbar in heftige Screams aus. Ihre gewellten, hüftlangenschwarzen Haare bildeten einen hübschen Kontrast zu ihrem atemberaubenden Outfit: ein hellblauer Einteiler, der einen samtigen Blazer mit einem Body vereinte. Weite, weiße Rüschen mit Spitzenbesatz schmückten ihre Ärmel, während unter dem Body ebenfalls feine Spitze hervorblitzte. Auch ihr Make-up bewegte sich zwischen Weiß- und Babyblautönen. Alles fügte sich nahtlos in das Bühnenlicht – und in jene Farbe, die ihr aktuelles Album visuell prägt: Hellblau. Eine Farbe, die Poppy selbst als etwas beschrieb, das gleichzeitig kühl, ruhig und seltsam unheimlich wirken kann.

Schräg zur Decke schossen Nebelsäulen durch die Halle. Die Fans waren sofort außer sich vor Freude. „Go, go, go!“, stachelte Poppy ihre Crowd an – und legte direkt mit „Bloodmoney“ nach. Der Song entfaltete sofort seine typische Spannung aus bedrohlichem Sprechgesang und industrieller Klangfläche. Mit erhobener Stimme schleuderte sie die Zeilen in den Raum: „Keep telling yourself that you’ve been playing nice / And go beg for forgiveness from Jesus the Christ.“ Düsterer Sound breitete sich aus, während Poppy headbangend über die Bühne wirbelte. Dann rückte plötzlich ein zentrales Gitarrensolo in den Fokus. Für einen kurzen, fast fragilen Moment nahm die Musik sich zurück – und im Raum herrschte tatsächlich völlige Stille. Man konnte spüren, wie gebannt die Halle diesem Augenblick folgte. Die Faszination war greifbar.

In „Scary Mask“ zeigte sich die Amerikanerin zunächst kurz von ihrer lieblichen Seite. In der Hand hielt sie eine Maske und ließ sie wie eine visuelle Verlängerung der Lyrics wirken. Der Song spielt mit der Idee von Identität und Schutz – der Maske als Rolle, hinter der man sich versteckt, aber auch als Werkzeug der Selbstermächtigung. Doch dieser fragile Moment hielt nicht lange. Ein plötzlich einsetzendes Riff ließ den Song kippen – und die Nummer drehte chaotisch auf. „Cologne, let me see you jump!“ rief Poppy. Gemeinsam sprang die Halle mit ihr in die Höhe, ehe die Crowd aus voller Kehle die Buchstaben „M-A-S-K – Am I okay?“ mitschrie. Mit festem Blick hatte die Sängerin ihre Menge dabei stets im Visier. Die einst entrückte Poppy war endgültig Geschichte.

 

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Bei ihrem Ohrwurm-Garant „The Cost of Giving Up“ fiel vor allem auf, wie textsicher das Publikum inzwischen bei den neuen Songs ist. Der gesamte Song wurde lautstark mitgesungen – und gefühlt! Ein deutliches Zeichen dafür, wie schnell sich das aktuelle Material bereits in den Köpfen der Fans festgesetzt hat. Darauf folgte ein weiteres Interlude. „Do you know what I look like? This mask holds everything together. Without it, I’m only seen in pieces. Would you like to see me in pieces? You don’t want to see the real me? You only see, what you’ve been told to see. If it comes out, who I’ve become – my mask isn’t hiding a monster. It’s keeping you safe from it.“

Mit „Public Domain“ wechselte die Atmosphäre abrupt. Der Song aus dem neuen Album zeichnet eine Welt, in der alles zur Ware geworden ist: Meinungen, Körper, Identität – selbst Wahrheit scheint nur noch eine Frage des Preises zu sein. Moral spielt hier kaum noch eine Rolle. Besonders die Zeile „A sycophant will kill your will“ wirkt wie eine klare Warnung vor Anpassung und blinder Gefolgschaft. Musikalisch unterstrich die Band diese Kälte mit einem beinahe maschinenhaften Rhythmus. Das mechanische Drumming und die industriellen Klangflächen erinnerten stark an klassische Industrial-Rock-Ästhetik – wie ein direktes Echo der Marilyn-Manson-Ära. Vor der Bühne entlud sich die Energie in einem brodelnden Pit, und Poppy dominierte mit bemerkenswerter Kontrolle das Geschehen. Jede ihrer leicht lasziven Bewegungen wirkte bewusst gesetzt – selbstbewusst, aber nie überzeichnet.

„Hi Cologne, my name is Poppy. I’d like to see a circle pit for that song. Can you do that for me, Cologne?“ Kaum ausgesprochen, setzte „Concrete“ ein. Eine bedrohliche Sirene heulte auf, mit den ersten Zeilen – „Bury me six feet deep, cover me in concrete, turn me into a street“ – zog das Tempo an, und die Fans setzten sich kreisend Bewegung, beschleunigten Schritt für Schritt. Und dann – der Bruch. Wie so oft bei Poppy kippte der Song abrupt. Auf die düstere Wucht folgte ein herrlich verspielter Sugar-Candy-Moment, der den Run durchbrach. Genau dieses Wechselspiel macht „Concrete“ aus: zwischen Zauber und Zerstörung, Härte und kindlicher Leichtigkeit, Kontrolle und Chaos. In der Menge sah man überall glückliche Gesichter. Auch Poppy wirkte sichtlich zufrieden. Mit einem zarten „Thank you“ hauchte sie diesen Moment sanft aus – als hätte sie die Explosion zuvor selbst kurz innehalten lassen.

„I wanna see you absolutely going mad for this next one.“ Mit diesen Worten leitete Poppy „The Center’s Falling Out“ ein – und sofort war klar: Jetzt kommt die härteste Seite dieses Abends zum Vorschein. Der Song wälzte sich mit brutalen Riffs durch die Halle, während Poppys Screams teils eine biestige Schärfe annahmen. Hier ging es nicht mehr um Kontraste – hier regierte pure Eskalation. Inhaltlich kreist der Track um den völligen Kontrollverlust: Eine Welt, in der alles auseinanderfällt, während niemand eingreift, zuhört oder rettet. „Split the room!“ Körper prallten aufeinander, der Pit öffnete sich und kollidierte im nächsten Moment mit voller Wucht. Wild headbangend peitschte Poppy ihre lange Mähne durch die Luft, während sich vor der Bühne ein chaotisches Bild aus Bewegung, Druck und roher Energie entlud.

Klatschend wurde „Anything Like Me“ empfangen. „Oh yeah, you got this“, rief Poppy entzückt. Im Takt schleuderte sie ihre Beine abwechselnd in die Luft, während in den ruhigeren, fast schon romantischen Momenten die Arme im Publikum sanft hin und her wogten – perfekt abgestimmt auf ihren kessen Hüftschwung. Zu „Have You Had Enough?“ schoben sich zahlreiche Crowdsurfer über die Köpfe der mittlerweile sichtbar verschwitzten Menge, während Poppy ausgelassen über die Bühne fegte und ihren Fans in nichts nachstand. Es entstand dieses besondere Gefühl von Einheit – in dem Bühne und Publikum verschmolzen. „Okay Cologne, let me see you jump!“ Und Köln sprang. „Crystallized“ wurde zum kollektiven Wadenmuskeltraining. Mit kessen Blicken, herausgestreckter Zunge und spielerischem Zwinkern unterstrich Poppy ihre Bewegung, formte mit den Händen passende Gesten zum Song, drehte sich hüpfend um die eigene Achse, klopfte sich aufs Herz – und strahlte dabei eine sichtbare Freude aus, die sich mühelos auf die gesamte Halle übertrug.

 

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„Time Will Tell“ schlug eine rauere Richtung ein. Die erdige, körperliche Wucht erinnerte an frühen Nu Metal, mit einer Direktheit, die unweigerlich an KoЯn erinnern ließ. Mit „V.A.N.“, dem gefeierten Track in Zusammenarbeit mit Bad Omens, erreichte die Stimmung einen weiteren Höhepunkt. Ein gewaltiger Chor aus Metalheads erhob sich aus der Menge – laut, geschlossen, fast schon überwältigend. Poppy marschierte mit lieblicher Stimme beinahe unschuldig auf der Stelle, als könne sie kein Wässerchen trüben – nur um Sekunden später ihre knallharte Seite zu entfachen. Die Screams kamen mit voller Wucht, roh und ungefiltert, während sie ihre Mähne wild von links nach rechts schleuderte. Ein Song, der all das vereint, was Poppy aktuell ausmacht: Kontrast, Kontrolle und Eskalation zugleich. Herrlich konträr, herrlich Poppy. Lachend blickte sie in die Menge und genoss den gewaltigen Jubel.

Besonders intensiv wurde es mit „If We’re Following the Light“ – selige Stimmung schwirrte durch die Halle, als würde für einen Moment alles zur Ruhe kommen. Doch diese hielt nicht lange an: „Hey Cologne, our time together is coming to a close.“ Sofort brandeten laute „Poppy!“-Rufe auf. Für einen kurzen Augenblick wirkte die Künstlerin beinahe verlegen – doch sie fing sich schnell wieder. „Okay Cologne, let me see you go crazy for this next song. Can you do that?“ Dann setzte „They’re All Around Us“ ein. Ein blitzschnelles Drummgewitter brach los, begleitet von tonnenschweren Riffs und vernichtenden Screams. „What are you waiting for? We need a circle pit – bigger, faster!“ Vor der Bühne entstand ein wildes Gemenge, während weitere Crowdsurfer über die Menge getragen wurden. Die Sängerin ging zwischenzeitlich auf die Knie, zeigte für einen kurzen Moment ihre zarte Seite – nur um im nächsten Augenblick wieder mit voller Wucht auszubrechen. Fliegende Haare, pure Energie, völlige Hingabe. Sie tobte sich über die Bühne aus, als gäbe es kein Zurück mehr. Ein fast schüchternes „Thank you“ und das Licht in der Halle erlosch, während Poppy und ihre Musiker die Bühne freigaben.

Doch die Fans waren noch nicht bereit, die US-Amerikanerin einfach ziehen zu lassen. Erneut erklang die Stimme aus den Lautsprechern – doch diesmal veränderte sie sich. Aus der zunächst männlich wirkenden Klangfarbe wurde nach und nach Poppys eigene Stimme. Was genau sie uns noch mit auf den Weg geben wollte, ging im ohrenbetäubenden Jubel der Menge unter – doch in diesem Augenblick spielte das ohnehin keine Rolle mehr. Denn die letzten Minuten des Abends brachen mit der Zugabe an.

„New Way Out“ setzte ein – zusammen mit einer Masse aus headbangenden Körpern. Ein regelrechter Gefühlsrausch, und auf der dicht frequentierten Crowdsurfer-Bahn wurde ein Körper nach dem nächsten über die Menge getragen. „Give me everything you have – split it!“ Selbst Tourfotograf Adam Rossi geriet mitten im Pit in das unkontrollierte Gewusel. Die Stimmung erreichte ihren absoluten Höhepunkt, als plötzlich eisblaues Konfetti durch die Halle schoss. Fans streckten die Hände in die Luft, fingen die kleinen Flitterschnipsel ein – als wollten sie sich diesen Moment physisch bewahren. Poppy bedankte sich ein letztes Mal, ihre Musiker warfen Plektren in die Menge. Langsam löste sich die Ekstase, während sich lange Schlangen am Merchstand bildeten.

Zwischen Zartheit und Zerstörung entstand an diesem Abend kein Widerspruch – sondern Identität. Eine, die nahbar wirkte, echt und frei von jeder Inszenierung. Poppy strahlte an diesem Abend eine Präsenz aus, die keinen Zweifel ließ: Ihr neuer Headlinerstatus ist absolut verdient. Eindrucksvoll stellte sie unter Beweis, dass sie längst im Zentrum ihrer eigenen Welt angekommen ist – und doch bleibt ihre Wandelbarkeit ihr stärkster Antrieb. Man darf gespannt sein, wohin diese Reise noch führt.

Zwischen Zartheit und Zerstörung entstand an diesem Abend kein Widerspruch – sondern Identität. Eine, die nahbar wirkte, echt und frei von jeder Inszenierung. Poppy strahlte eine Präsenz aus, die keinen Zweifel ließ: Ihr Headlinerstatus ist absolut verdient. Eindrucksvoll stellte sie unter Beweis, dass sie längst im Zentrum ihrer eigenen Welt angekommen ist – und doch bleibt ihre Wandelbarkeit ihr stärkster Antrieb. Man darf gespannt sein, wohin diese Reise noch führt.

Setlist POPPY – Köln, Carslwerk Victoria (14.03.2026):
  1. Bruised Sky
  2. Bloodmoney
  3. Scary Mask
  4. The Cost Of Giving Up
  5. Public Domain
  6. Concrete
  7. The Center’s Falling Out
  8. Anything Like Me
  9. Have You Had Enough?
  10. Crystallized
  11. Time Will Tell
  12. V.A.N.
  13. If We’re Following The Light
  14. They’re All Around Us
  15. New Way Out (Z)
Weblinks POPPY:

Webseite: impoppy.com
Facebook: @Poppy
Instagram: @impoppy


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