NORTHERN LITE – Frankfurt, Zoom (17.01.2026)

Northern Lite © Sandro Griesbach
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Lesedauer: 4 Minuten

27. November 2008: Northern Lite spielen ein Konzert im Zentrum Altenberg in unmittelbarer Nähe zum Oberhausener Hauptbahnhof im Rahmen ihrer Tour zum Album „Super Black“. Das Konzert? Richtig gut. Die Besucherzahl? Richtig schlecht. Es waren keine 100 Leute da, obwohl seinerzeit doch einige Videos der Erfurter noch auf VIVA (Plus) und MTV liefen, zudem war die öffentlichkeitswirksame Teilnahme an Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“ mit dem Song „Enemy“ keine zwei Jahre her. Und trotzdem herrschte leider gähnende Leere vor Ort. Seither machen Andreas Kubat, Sebastian Bohn und Frithjof Rödel im Regelfall einen großen Bogen um das bevölkerungsreichste Bundesland und der Schreiber dieser Zeilen verlor die Band sicher auch diesem Umstand geschuldet aus dem Auge.

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In der Heimatregion des Trios läuft es stattdessen konstant gut. Auch die Tournee zum aktuellen Album „Vorwärts Leben“ umfasst zum Großteil Dates in Ostdeutschland, näher als Frankfurt sollen Northern Lite auch 2025/2026 nicht an NRW herankommen. In der Zwischenzeit wuchs dann doch die Lust, die Band nach mehr als 17 Jahren endlich wieder live zu sehen – auch, weil in so manch Stammdisko im Ruhrgebiet seit geraumer Zeit kein Weg mehr an „Do You Think Of Me?“ und „I See A Darkness“ zur Peaktime vorbeiführt. Also flugs die Tasche gepackt, 2,5 Stunden im ICE verbracht, ein Hotelzimmer gemietet und dann ging es auch schon ab ins Zoom.

Frankfurts Techno-Papst Sven Väth lud hier in den 2000er-Jahren regelmäßig zu den legendären Cocoon-Partys, heute ist er auch immer mal wieder dort hinter den Decks zu finden. Musikalisch ist das Zoom heute aber viel breiter aufgestellt und lädt zu Partys und Konzerten verschiedenster Couleur. Das futurisch anmutende Innendesign sorgt direkt beim Eintritt für einen „Wow“-Effekt. In der Haupthalle sollte das Konzert allerdings nicht stattfinden, hier füllte sich die Fläche erst gegen 23 Uhr zu einer Charli-XCX-Party, die logischerweise eine ganz andere Klientel anziehen sollte als die Thüringer Electrorocker.

Alte Hits zum Auftakt

So versammelten sich die einigen Hundert Fans, größtenteils in Schwarz gekleidet, im Nebensaal, der größentechnisch auch für ein passendes Ambiente sorgte. Auf eine Vorband wurde verzichtet, pünktlich um 19.30 Uhr ging es los. Während viele Bands zum Konzertbeginn gerne erstmal den Fokus auf ihre neuesten Werke legen, starteten Northern Lite mit dem exakten Gegenteil. „I See A Darkness“ und dann direkt die drei verhältnismäßig uralten Hits „Enemy“, „Reach The Sun“ und „What You Want“ hintereinander weg. Fühlte sich fast an wie 2008 in Oberhausen. Passend dazu erspähte Sänger Andreas Kubat in der dritten Reihe einen Fan mit einem Shirt aus der „Super Black“-Ära und nahm direkt mal überrascht-freudigen Blickkontakt auf – scheinbar eine absolute Seltenheit.

Um die Stimmung direkt kochen zu lassen und die Textsicherheit des Publikums zu testen, war dieser Auftakt sicher eine gute Wahl. Der Spaßfaktor war hoch, die Lichtshow stimmig, die Akustik fantastisch ausdifferenziert, Gitarrist Rödel posierte für den einen anwesenden professionellen Fotografen und die tanzwütigen und johlenden Damen mit ihren gezückten Handys in Reihe 1. Natürlich sollten dann auch die Freundinnen und Freunde der neuen Platte „Vorwärts Leben“ auf ihre Kosten kommen. Fünf Stücke schafften es ins Set, darunter der hymnische Opener „Station im All“, das eher sachte, Depressionen thematisierende „Schwarzer Hund“ und das ultra-treibende „Contrails“, das der aus Ludwigsburg stammende Countertenor Nils Wanderer mit Kastraten-ähnlichem Gesang veredelte. Für einen Lacher sorgte Kubat beim Outro, als er zunächst vortäuschte, Wanderers Vokalperformance imitieren zu wollen – nur um dann doch gestenreich klarzumachen, dies auf keinen Fall zu tun. Gut, die Stimmlagen beider Sänger könnten kaum weiter voneinander entfernt sein. Schade nur, dass es ausgerechnet der Titeltrack mit der wohl besten Melodie des gesamten Albums nicht ins Set schaffte.

Es kommt etwas Neues: NORTHERN LITE präsentieren „Vorwärts Leben“ auf Tour – Monkeypress.de

In Hälfte zwei ging es quer durch die Bandgeschichte, zeitlich wie stilistisch. Das technoid geprägte „In ganz Berlin“ sorgt mit seinem utopischen (oder doch eher dystopischen? 😉 ) Text immer wieder für Schmunzeln. Bei deutlich älteren „Letters & Signs“ schmiss sich Frithjof fürs Gitarrensolo gleich mal auf den Bühnenboden, für Entspannung sorgte direkt danach „Some Time Soon“. „Running“ wurde von Kubat mit den Worten „Das nächste Stück ist sehr alt. Aber du da mit dem ‚Super Black‘-Shirt müsstest es kennen“ angekündigt, ist aber im Vergleich zum wiederum folgenden „Trusting Blind“ von 2003 noch ein junger Hüpfer der Northern-Lite-Diskografie. Doch egal, ob alt, mittelalt oder frisch: Das Stimmungslevel blieb hoch, die Fans präsentierten sich textsicher.

Dass es nach „Wir reisen zusammen“ natürlich noch nicht zu Ende sein konnte, wussten wohl alle Anwesenden. „Ohne den können wir ja gar nicht gehen“ , äußerte der Frontmann zu „My Pain“ – und hat damit völlig Recht. Ein zeitloser, stets Euphorie bei den Fans auslösender Kracher und ein Paradebeispiel dafür, dass es für einen richtig guten Song nicht zwingend mehr als vier Textzeilen braucht. Was noch fehlte, waren Coverversionen, die die Thüringer eigentlich immer im Gepäck haben – und „Go With The Flow“ von Queens Of The Stone Age sowie Depeche Modes „Enjoy The Silence“ setzten die aktivierenden Schlusspunkte. Fast zwei Stunden lang unterhielten Northern Lite mit feinstem abwechslungsreichen und super tanzbarem Electro-Rock-Sound – die lange Anfahrt hatte sich wahrlich gelohnt.

Bleibt am Ende nur noch eine Frage offen: Wer war eigentlich der Typ in dem „Super Black“-Shirt? Nur so viel sei gesagt: Gekauft wurde es am 27. November 2008 in Oberhausen …

Setlist NORTHERN LITE @ Frankfurt, Zoom (17.01.2026)
  1. I See A Darkness
  2. Enemy
  3. Reach The Sun
  4. What You Want
  5. Closer
  6. Into The Night
  7. Falling
  8. Do You Think Of Me?
  9. Gone Tomorrow
  10. Contrails
  11. Wenn etwas Neues kommt
  12. Red Apples
  13. Station im All
  14. Schwarzer Hund
  15. In ganz Berlin
  16. Letters & Signs
  17. Some Time Soon
  18. Running
  19. Trusting Blind
  20. Girl With A Gun
  21. Wir reisen zusammen
  22. My Pain (Z)
  23. Go With The Flow (Z)
  24. Enjoy The Silence (Z)

Weitere Tourdaten 2026:

23.01.2026 Hamburg, Uebel & Gefährlich
24.01.2026 Potsdam, Waschhaus
31.01.2026 Halle (Saale), Steintor
06.02.2026 Jena, Kassablanca
07.02.2026 Bautzen, Stadthalle Krone
14.02.2026 Zwickau, Club Seilerstraße
19.02.2026 Stuttgart, Im Wizemann
20.02.2026 München, Muffathalle
21.02.2026 Nürnberg, Die Rakete
13.03.2026 Neubrandenburg, Haus der Kultur und Bildung
14.03.2026 Cottbus, Glad House
27.06.2026 Niederau /OT Oberau, Freilichtbühne Gellertberg

Weblinks NORTHERN LITE

Homepage: www.northernlite.de
Instagram:  www.instagram.com/northernlite_official
Facebook:  www.facebook.com/NorthernLiteBand

 


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