BAD OMENS – Köln, Palladium (29.01.2024)

BAD OMENS - Köln, Palladium (29.01.2024)
Bad Omens © Nadine Kloppert
Geschätzte Lesezeit: 6 Minute(n)

Bad Omens sind aktuell nicht aufzuhalten. Nachdem sie im vergangenen Jahr noch in der Live Music Hall spielten, setzten die Booker bei der aktuellen Tour auf größere Venues. In Köln fiel die Wahl auf das Palladium. Kaum ist der Vorverkauf für die Europatour gestartet, waren die 4.000 Kölner Tickets auch schon restlos ausverkauft. Karten für die Zusatzshow am Folgetag waren zumindest ein paar einzelne Tage im Umlauf. Da die Nachfrage wesentlich größer war, entschied man sich, beide Abende live als Stream zur Verfügung zu stellen. Für schlappe 20,- Dollar war man am Bildschirm dabei. Wir waren natürlich live vor Ort und schlugen am zweiten Abend im Palladium auf. Die ersten Fans warteten bereits seit 09.00 Uhr morgens an der Location. Wer bereit war, neben der Konzertkarte 80,-€ für ein VIP Ticket zu investieren, konnte wesentlich später auflaufen. Der Early Entry sicherte einem demnach einen Platz in den ersten beiden Reihen. Bei angesagten Bands einen schicken Platz zu ergattern ist heutzutage leider kein Zuckerschlecken.

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Als sich die Türen öffneten, erwartete uns eine unschöne Überraschung: Neben den Kameras wurden die Boxen vor der Bühne ca. 2 Meter hoch aufgebaut. Die beiden fest installierten Kameras waren noch ein Stück höher positioniert. Dementsprechend war der Blick auf die Bühne ganz schön eingeschränkt und sorgte für etwas Frust. Im Vorprogramm trafen wir auf die Social Media Berühmtheit aus den USA: Poppy. Über ihren Stil sagte sie einst, sie mache “Musik, die dich dazu bringt, die Welt beherrschen zu wollen.” Große Worte für eine junge Lady. Dementsprechend gespannt war ich auf ihren Auftritt. Um 19:30 Uhr begann ihr 40-minütiges Set. Gefolgt von einem Gitarristen und einem Drummer enterte sie in einem, knallengen Jumpsuit, der mit einer großen schwarzen Schleife verziert war, die Bühne. Ihr dunkles Haar hatte sie seitlich zu zwei hohen Zöpfen zusammengebunden. Ihr Opener Bloodmoney sorgte für Irritation. Auf Sprechgesang folgte ein direkter Schrei. In Church Outfit offenbarte sie uns neben weiteren Screams  ihre liebliche Stimme. Auf den Klang eines Glockenspielt folgte die Double Bass Drum. Auf uns brach vieles gleichzeitig ein. Der Sound wirkte recht wirr und durcheinander.

Bite Your Teeth kam hingegen versöhnlich und zugänglicher daher. Vereinzelt nahm man leicht wippende Köpfe im Publikum wahr. Vollends perplex ließ mich I Disagree zurück. Zu harten Gitarren gesellten sich plötzlich höchst poppige Parts. Geschrammel traf auf Sprechgesang, japanische Lyrics wurden ebenfalls eingearbeitet. Na, und wie wirkte Poppy selbst? Hauptsächlich hielt sie sich im mittleren und dem hinteren Bühnenbereich auf. Dementsprechend sah man sie aufgrund der Aufbauten oftmals erst ab ihrer Schulterhöhe. Interaktion mit dem Publikum erhoffte man vergeblich. Poppy zog ihr Ding durch, es gab keinerlei Ansagen oder echte Blicke ins Publikum. Stattdessen wendete sie sich von der Mimik her eher ihrem Gitarristen zu. Sie marschierte, drehte sich um die eigene Achse und wirkte vom Ausdruck her eher emotionslos. Für den punkig angehauchten Track hängte sie sich einen Bass um, der sie lässiger wirken ließ. Zu den bunten Visuals auf der LED-Leinwand wirkte der Titel Hard recht belanglos. Die Sängerin war in ihrer Zuckerwattenwelt, in ihrer Hand fehlte nur noch ein großer Lolli. Zu Anything Like Me rappte sie erneut. Während der poppigen Parts wollte sie lieblich wirken, aber ihre Rolle auf der Bühne war nicht vollends authentisch. Scary Mask klang soundtechnisch recht fett. Gegen Ende wirkte Poppy sogar leicht fröhlich. Also die Welt wollte ich gerade nicht beherrschen. Wobei, nach einigen Songs hätte ich durchaus eine Fernbedienung gewünscht, denn die skurril wirkende Darbietung verlor recht schnell an Spannung.

Setlist POPPY – Köln, Palladium (29.01.2024):

01. Bloodmoney
02. Church Outfit
03. Bite Your Teeth
04. I Disagree
05. X
06. Hard
07. Fill The Crown
08. Sit / Stay
09. Anything Like Me
10. Scary Mask
11. Concrete

Weblinks POPPY:

Homepage: impoppy.com
Instagram: www.instagram.com/impoppy

Nach einer dreiviertelstündigen Umbaupause waren Bad Omens um 20:55 Uhr ready to go. Der komplette hintere Bühnenbereich bestand aus einer zweigeteilten LED-Wand. Diese beinhaltete eine Empore, auf der Drummer Nick Folio seinen Platz einnahm. Wir sahen einen düsteren Einspieler in schwarz/weiß. Eine dunkle Gestalt erhob das Wort:“Why do you care about these people, they don’t care about you – none of you. They don’t even know you.” Schon enterten die Jungs mit den bandtypischen Sturmhauben ihre Bühne. Noah trug dazu eine schwarze Jacke mit hochgezogener Kapuze. Abfahrt mit Artificial Suicide! Mit voller Härte preschte uns der glasklare Sound entgegen. Heftige Nebelsäulen wechselten sich mit dramatischen Feuerschüben ab. Was für ein genialer Start, direkt von null auf hundert einzusteigen. Unweigerlich schnellte der eigene Puls in die Höhe und man war mittendrin im Geschehen. Als Sänger Noah Sebastian die Kapuze abnahm, erntete er lautstarken Jubel.

Während die Sturmhauben wichen, folgte der Banger Like A Villain. Die Fans waren in ihrem Element und unterstützte den Fronter mit kräftiger Stimme. Roter Konfettiregen schoss in die Luft und legte sich tanzend auf der Menge nieder. “I need you to open that fucking moshpit right now!” Prompt folgte die Umsetzung und der erste Pit von vielen war eröffnet. “I like that!” Mit einem abgewandelten Anfang folgte Glass Houses. “I want you to jump!” Erneut setzte sich das Publikum in Bewegung, weitere Pits kickten ordentlich rein und einige Crowdsurfer traten ihre kurzweilige Reise über die Köpfe der Menge an. Mit Leibeskräften wurde Noahs Gesang begleitet “I’ve seen the Devil more than I’ve seen God.” An der bemerkenswerten Lightshow konnte man sich übrigens kaum sattsehen. Zu The Grey wurde die Bühne in blaues Licht getaucht und auf der Lichtwand entstand ein riesiges Herz. “Make some noise my friends!” Trotz der fordernden Höhen klang Noahs Stimme absolut brillant.

Inmitten der Nebelschwaden moshte Bassist Nicholas Rufillo heftigst zu What Do You Want From Me? Mächtige Gitarrenriffs verschmolzen mit sphärischen Sound. Zwei Typen eilten zum Bühnenrand und schossen mit ihren Pistolen weitere Nebelschübe in die Höhe. Zu IDWT$ erschien auf der Leinwand ein Video in typischer Minecraft-Marnier. Hier waren allerdings die Bandmitglieder von Bad Omens die Hauptakteure. Beim Songs selbst wurden gar die Growls stimmlich mitgetragen. “It’s time to take some ,Bad Decisions’.” In aller Seelenruhe bot Sebastian die traumhaft schöne Ballade dar. Natürlich ließ ein Lichtermeer bestehend aus Handyflashlights nicht lange auf sich warten. Doch uns blieb nicht viel Zeit zum Durchatmen, denn mit Nowhere To Go gab es wieder mächtig einen auf die Zwölf. “I want to see the greatest wall of death this venue has ever seen!” Angeheizt von weiteren Feuershots entlud sich die Energie in der Menge.

Ein diesmal freudiges Wiedersehen gab es nun mit Poppy. Gerade erst wurde ein gemeinsamer Song mit Bad Omens veröffentlicht und diese Zusammenkunft funktionierte tatsächlich wunderbar. Im Hintergrund lief das passende Musikvideo zu der Single V.A.N. Lässig marschierte die junge Künstlerin zu dem göttlichen Metalsound auf der Stelle. Auf der Empore im Hintergrund nahm plötzlich Noah platz – erneut trug er seine schwarze Sturmhaube. Während er bei der Singleversion keinen stimmlichen Anteil hatte, ließ er hier zunächst ein kräftiges “Blegh” auf uns los, bevor er sich zu Poppy nach vorn gesellte und beide nach Herzenslust screamten. Ihre Hände trafen sich für eine saucoole Shake Hands Einlage, ehe Noah Poppy an die Hand nahm und sie sich noch galant drehte. Also die Kombination bockte tatsächlich und Violence Against Nature erntete wohlverdient einen beachtlichen Zuspruch.

Nicht nur aufgrund der etlichen Feuerausbrüche wurde uns bei Broken Youth heiß. Dieses Konzert hat einen richtig gepackt. Noah performte mittlerweile im Achselshirt und dieser Kracher verlangte uns erneut einiges ab. “We are the nuuuumb. We are the broken youth. We come undoooone. We are the ugly truth.” Bad Omens und ihre Fans verschmolzen zu einer untrennbaren Einheit. Elektronische Klänge läuteten Never Know ein. Während die Securities in den vorderen Reihen Wasserflaschen für die hart geforderten Kehlen verteilten, reihten sich muntere “Hey, hey, hey”-Rufe der Fans ein. The Death Of Peace Of Mind – die süchtigmachende Über-Hymne heimste kräftigen Zwischenjubel ein. Die Stimmung war wirklich auf dem Höhepunkt und Noah strahlte über’s ganze Gesicht. “We’ve got a song called ,Just Pretend’. Sing with me!” Selbstverständlich durfte die TikTok-Rakete der Band nicht im Set fehlen. Etliche Herzen schlugen noch einen Tick heftiger. Der Kreislauf einer jungen Frau in meiner Nähe machte leider gänzlich schlapp – schnell wurde sie von den fürsorglichen Securities aus der Menge geholt und von Sanis wieder aufgepeppelt. Noch einmal verteilte sich eine kräftige Ladung Flitter im Palladium, bis die Band gemeinschaftlich die Bühne verließ.

Das Grande Finale wurde von Concrete Jungle eingeleitet. Mit geschlossenen Augen und voller Gefühl sang Noah die ersten sanften Zeilen. Als der Song seine geniale Wendung nahm, und der massiven Seite Einhalt geboten wurde, schrie uns der Sänger an “I can’t fucking hear you, Cologne!” und begann wild zu headbangen. Auf der Leinwand erschienen immer wieder die beiden Worte des Titels und das Publikum rief diese euphorisch mit. Als die Bühne für den Closer Dethrone erneut in rote Töne versetzt wurde, konnte man bereits ahnen, was uns nun schwante: Der finale Abriss par excellence! Zu tonnenschwer klingenden Gitarren growlte sich Noah in Grund und Boden, Nebel und Feuer vereinten sich und mittlerweile hatte der Sänger eine Aura, die ihresgleichen suchte. Völlig euphorisiert ließ uns die Band zurück, ehe die Musiker ein letztes mal gemeinsam zu uns nach vorn kamen, um einige Goodies in die Menge zu werfen und sich gebührend von ihrer Crowd zu verabschieden. Um 22:15 Uhr entließen wir sie in ihren wohlverdienten Feierabend.

Möchte man nach dieser Show ein weiteres Konzert von Bad Omens besuchen? Verdammt, ja! Ziel erreicht, würde ich sagen. Man darf gespannt sein, was sich die Jungs für ihren Gig beim diesjährigen Rock am Ring einfallen lassen. Fakt ist: Sie sind Bands wie Bring Me The Horizon dicht auf den Fersen. Und wenn es Noah gelingt, seine einzigartige Aura weiterhin auszuweiten, steht Bad Omens der nächste Quantensprung bevor.

Setlist BAD OMENS – Köln, Palladium (29.01.2024):

01. Artificial Suicide
02. Like A Villain
03. Glass Houses
04. The Grey
05. What Do You Want From Me?
06. Limits
07. IDWT$
08. Take Me First
09. Bad Decisions
10. Nowhere To Go
11. V.A.N
12. Broken Youth
13. Never Know
14. The Death Of Peace Of Mind
15. Just Pretend
16. Concrete Jungle (Z)
17. Dethrone (Z)

Weblinks BAD OMENS:

Homepage: badomensofficial.com
Facebook: www.facebook.com/badomensofficial
Instagram: www.instagram.com/badomensofficial

Bei den Fotos handelt es sich um Handyaufnahmen.

 

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