LAIBACH, “Alamut – Historic Symphony” – Frankfurt(M), Jahrhunderthalle (19.10.2023)

Fotos: LAIBACH-Alamut Symphony
Laibach - Alamut Symphony © Sandro Griesbach
Geschätzte Lesezeit: 17 Minute(n)

English version below!

In einer Zeit der globalen Krisen, von Kriegen und sich zuspitzender gesellschaftlicher Verwerfungen hören wir das Wort “Kultur” häufig nur in Verbindung mit “Kampf”. Ein “Kulturkampf” verschiedener Wertesysteme wird beschworen und erbarmungslos ausgefochten. Die Frankfurter Buchmesse (FBM) hingegen hält die wahre Kultur hoch und beweist einmal mehr, dass sie ein Bollwerk der schreibenden und lesenden Zunft geblieben ist, das den Diskurs fördert, aber den Kampf draußen hält. Lesen kann einem ein faktenbasiertes Bild von der Außenwelt verschaffen, kann informieren und bilden. Aber die Belletristik schafft uns auch jederzeit einen Ausweg in die Fiktion, wenn einen die Härte der Realität wieder einmal überwältigt hat. Literatur ist damit von unschätzbarem Wert für unzählige Menschen- heute mehr denn je! Doch längst leben wir auch in einer Zeit der interdisziplinären Verflechtung. Bücher werden verfilmt, Filmmusiken ohne den Film aufgeführt, aus literarischen Vorlagen werden Theaterstücke und aus Musikstücken wiederum Gemälde erschaffen. Kunst fließt in alle Richtungen, Kunst kennt keine Grenzen. Da ist es nur folgerichtig, dass die FBM auch anderen Kunstformen Platz einräumt und zum Beispiel der musikalischen Interpretation eines Werkes der Weltliteratur eine Bühne verschafft.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Eine schöne Tradition der Buchmesse ist es, jedes Jahr einem Gastland besonderen Platz einzuräumen und auf dessen Literatur in Deutschland aufmerksam zu machen. 2023 war Slowenien Gastland und so kam es, dass die bekannteste Band des Landes, Laibach, ihre musikalische Interpretation eines berühmten slowenischen Romans aufführen konnte.

Alamut ist ein Roman des slowenischen Schriftstellers Vladimir Bartol, geschrieben zwischen 1934 und 1938. Dies ist deshalb bedeutsam, weil Bartol in dieser Zeit den Aufstieg des Faschismus unter dem Führer Benito Mussolini in seinem Heimatland mit ansehen musste. Die slowenische Bevölkerung in Italien war, wie viele andere Minderheiten auch, Repressionen und Assimilierungsmaßnahmen seitens der italienischen, rechtsextremen Regierung ausgesetzt. Bartol lebte während der Verfassung von Alamut in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana und kehrte erst nach Ende des zweiten Weltkrieges in seine italienische Geburtsstadt zurück. Die Romanhandlung spielt eigentlich im 11.Jahrhundert im damaligen Persien, heute Iran. Hasan-i Sabbāh, ein Führer der schiitischen Minderheit der Ismailiten, zieht sich mit seinen Anhängern in die Höhen des Elburs-Gebirge zurück. Dort sicherte er sich durch eine Kombination aus Angriff und Verhandlung die Herrschaft über die Festung Alamut, die er zum Hauptquartier seiner ismailitischen Gemeinschaft ausbaute. In den folgenden Jahren vergrößerte Hasan von Alamut aus seinen Einflussbereich und kämpfte gegen die herrschenden sunnitischen Kalifen, die die Schiiten allgemein, und die Ismailiten im Besonderen, als ketzerische Abtrünnige und Feinde des wahren Islams betrachteten und verfolgten. Hasan griff seine Feinde jedoch selten direkt und mit militärischer Kraft an, sondern schickte seine Getreuen, die Fedajin. Diese gut ausgebildeten Attentäter (Assassinen) ermordeten mittels Dolchstößen ganz gezielt die Anführer von Hasans politischen Gegnern. Der charismatische Führer nahm seine treuen Anhänger durch seine persönliche Auslegung des Korans und seine Predigten ganz und gar für sich ein, sodass sie am Ende durch diese Manipulation bereit waren, bei der Erfüllung ihres Auftrages auch selbst für die “gute Sache” zu sterben. “Fedajin” leitet sich von “fida’i” ab und bedeutet genau das: “Diejenigen, die sich selbst für eine Sache opfern”. Die Assassinen i Sabbāhs mussten also, den eigenen sicheren Tod vor Augen, dennoch mit aller Entschlossenheit ihre Aufgabe ausführen. Dies erforderte eine fanatische Hingabe an die Ideologie der religiösen Gemeinschaft. Daher war Manipulation ein so wichtiges psychologisches Instrument und so kommt es auch, dass das Hauptmotiv von Bartols Roman der Einsatz von Macht und die Manipulation Untergebener durch die Mächtigen ist. Viele Literaturkritiker vermuten, dass Bartol, unter dem Eindruck des Aufstieges des faschistischen “Duce” Mussolini in Italien und dessen Propagandamethoden, ein generelles Mahnmal gegen Machtmissbrauch und die verheerende Wirkung von fanatischen Ideologien verfasst hat. Im Roman nutzt Hasan aber auch die berauschende Macht von Drogen (Haschisch), um seine Jünger gefügig zu machen und ihnen vorzugaukeln, welche Freuden sie im Jenseits erwarten, wenn sie ihre Aufträge gewissenhaft ausführen.

Wir sehen hier also mehrere Bedeutungsebenen, die komplex miteinander verflochten wurden: Die Handlung des Romans im Persien des 11. Jahrhunderts, Bartols Lebenswirklichkeit als slowenischstämmiger Italiener in den 30er Jahren und die musikalische Interpretation durch Laibach und die iranischen Komponisten in der heutigen Zeit. Kommen wir nun zu meinen Eindrücken, wie die Architekten des Stücks das Material in Musik übersetzt haben. Auf der Bühne befanden sich während der Aufführung:
Das RTV Slovenia Symphony Orchestra, die Band Laibach, der iranische Chor Human Voice Ensemble aus Teheran, der Frauenchor Gallina aus Slowenien sowie die Gruppe Disharmonic Cohort. Gemeinsam schufen sie ein verstörendes, abstraktes Klangkunstwerk. Besonders auffällig war die Disharmonie und der beunruhigende bis beängstigend-bedrohliche Orchestersound. Von einem Sinfonie-Orchester sind wir üblicherweise wohltuende bis majestätisch-pathetische Klänge gewohnt. Besonders die Streicher sorgen eigentlich für den Wohlfühlfaktor, indem sie kontinuierlich fließende Harmonielinien beitragen. Ganz anders hier bei Alamut: Der Klang der Aufführung bestand überwiegend aus strukturarmen Geräuschen, die beständig an den Nerven zerrten. Gegliedert war das Konzert in verschiedene “Kapitel”, die immer mit der Einblendung einer Überschrift auf der Leinwand begannen. Der erste Abschnitt lautete zum Beispiel: “Ouvertüre – Der große Versuch am Menschen”. Zunächst näherten sich aber aus der Dunkelheit hinter dem Publikum Blechbläser, die einfach nur einzelne Töne in unregelmäßigen Abständen von sich gaben. Die Kakophonie aus Trompeten, Hörnern und Posaunen war direkt charakteristisch für das ganze Stück. Langsam bewegten die Musiker sich aus dem Parkett auf die Bühne zu. Im zweiten Abschnitt “Geheime Gärten – Liebe ist etwas, bei dem auch der Löwe schwach wird” setzte dann auch der Chor ein. Insbesondere die europäische Überlieferung behauptete, dass es auf der Festung Alamut geheime Gärten gegeben habe, in denen die Attentäter von Hasan-i-Sabbāh nach der Einnahme von Haschisch aufwachten und berauscht von hübschen Frauen bedient wurden. Der Anführer wollte seinen Gefolgsleuten so angeblich einen Vorgeschmack auf das Paradies geben, das sie erwartete, wenn sie die befohlenen Morde ausführten und dann selbst als Märtyrer starben. Die Existenz dieser Gärten und der Konsum von Drogen sind historisch nicht belegt, aber das Verschwimmen von Realität und Illusion ist ein wesentlicher Faktor in Bartols Werk. Im dritten Kapitel “Fedajin – Die Axt ist geschliffen” wurde das Spiel des Orchesters jetzt deutlich von den einsetzenden Instrumenten der Laibach-Mitglieder ergänzt. Dieser Teil wirkte, passend zum kriegerischen Thema, soundtechnisch stark verdichtet, rasant im Tempo und sehr dynamisch. Als Zuhörer wurde man bewusst einer Überforderung ausgesetzt, man blieb die ganze Zeit innerlich angespannt, bis dieser Teil abrupt endete. Der Mittelteil stand dann ganz unter dem Eindruck des Laibach-Frontmannes Milan Fras, der auf slowenisch Textzeilen rezitierte, während Orchester und Chor ihn begleiteten. Plötzlich wiederholte sich die Einlage der Bläser vom Beginn in der Form, dass im Zuschauerraum elf AkkordeonspielerInnen auftauchten und in gleichbleibender Höhe laute Passagen spielten, während sie sich langsam auf die Bühne zubewegten. Ein eigener Dirigent stand unten und bestimmte den Takt der Neuankömmlinge. Während die AkkordeonspielerInnen vorrückten, konnte man zwei Schauspieler am Bühnenrand beobachten, die das Licht großer Suchscheinwerfer durch das Publikum wandern ließen. Der Lärm der Musik zerrte weiterhin an den Nerven, während man geradezu ängstlich zurückzuckte, wenn das Scheinwerferlicht einen selbst streifte. Im mittleren Kapitel “Krieg – Jeder Tod bringt einen neuen Sieg” steigerte sich das amelodische Getöse noch einmal um ein Level und zu der beklemmenden Musik flimmerten bedrohliche Bilder über die Leinwände. Das Konzept der Show sah vor, dass jedes Kapitel seine eigenen Visualisierungen zur Unterstützung des Klangs bekam. Während die Bilder der ersten Kapitel eher flächig und diffus wirkten, sah man nun im “Krieg”-Kapitel alptraumhafte Bilder, u.a. von Soldaten in dunklen Farben, dazu wurde die Bühne in rotes Licht getaucht.

Eine kurze “Entspannung”, so man dieses Wort  bei dieser Aufführung überhaupt verwenden kann, kam erst im folgenden Kapitel, wo es um Träume ging. Hier herrschten plötzlich ausnahmsweise mal sanfte, fließende Wolkenformen in der Visualisierung vor, während der Klang heruntergefahren wurde. Eine ätherisch schwebende Frauenstimme ergänzte den Eindruck. Aber dann zerbrach die Seifenblase mehrmals während der Performance, die bedrohlichen, dunklen Bilder des Vorkapitels “Krieg” durchbrachen den Frieden und korrumpierten den unschuldigen Traum. Totenschädel, Soldaten, martialische, scharfe Kanten zerrissen die Wolken und dazu ertönte ein angsteinflößendes Knurren, das in ein Übelkeit erregendes träges “Schwappen und Schmatzen” überging, als würde man in einem See aus geronnenem Blut untergehen. Der auf- und abklingende Celloklang des Orchesters erinnerte frappierend an einen Luftalarm. Gleich war man wieder gespannt wie eine Feder und wand sich in seinem Sitz unruhig hin und her. Überraschenderweise folgte als nächstes ein Kapitel über das “Metaversum”. Auf den Leinwänden wurden endlos aufwärtsführende Treppenstufen gezeigt, so als sollte man sich die Frage stellen: Quo vadis, Menschheit?. Wo führt die Entwicklung hin, wo wird der ganze Wahn enden? Laibach-Gitarrist Vitja Balžalorsky nutzte bei diesem Abschnitt einen Geigenbogen, um damit seine Gitarrensaiten zu bearbeiten, was einen ungewöhnlichen Klang erzeugte. Der iranische Chor setzte auch wieder ein und der Klang steigerte sich in seiner Lautstärke erst zu einem fulminanten, überwältigenden Crescendo, und ging dann in ängstliche, verhuschte Schreckenslaute über.

Die Unstetigkeit des Klanges zeigte sich auch nun wieder, da der Ausklang des Traum-Kapitels sich wieder trügerisch ruhig gestaltete. Einzelne Pianotöne schwebten in der Leere, während sich auf der Leinwand eine große Spirale aus Sternen, einer Galaxie gleich, drehte. Alle Punkte in der Sternspirale rotierten im Gleichklang. Das harmonische Bild wurde aber gleich darauf wieder zerstört, als sich die Sterne aus dem Gesamtbild zu lösen begannen und nach allen Seiten davonflogen, die verlässliche Ordnung war wieder zerschmettert worden. Das finale Kapitel mit dem Titel “Meditation II & Epilog” gehörte wieder in erster Linie Fras, der erneut Zeilen in Prosa vortrug, die offenbar eine Ansprache des Protagonisten Hasan-i Sabbāh gegen Ende seiner Herrschaft darstellen sollte. Die Festung Alamut wurde gegen Ende von Bartols Roman – wie auch in der realen Geschichte – von den Mongolen erobert. Die prägenden Sätze des Schlusskapitels waren: “Ich erkenne weder Grausamkeit, noch Barmherzigkeit. Ich erfülle nur meine Pflicht!” und “Die Sterne über uns sind stumm”.  Spätestens hier dürfte jedem die schmerzhafte Parallele zum Faschismus bewusst werden, aber auch das generelle Schema der Ausführung von Befehlen unter Auslassung eigener, moralischer Überlegungen. Wie viele Kriegsverbrecher haben sich damit herausgeredet, sie hätten nur ihre Plicht erfüllt bzw. Befehle befolgt? Der Sprecher zitierte auch prägnante Sätze der vorherigen Abschnitte wie eine Conclusio, zum Beispiel “Jeder Tod bringt einen neuen Sieg. Jeder Sieg bringt neue Stärke” und “Schrecklich ist der Gott, der uns führt!”. Eine späte Erkenntnis. Berauscht von religiös motivierten Versprechungen und von halluzinogenen Substanzen haben sich die Fedajin des Anführers in den eigenen Tod gestürzt und dabei ihre Opfer mitgerissen. Verblendung, Fanatismus und Machtmissbrauch führten letztendlich zum Untergang des ismailitischen Ordens im heutigen Iran. Ein Ende der Schreckensherrschaft, das Bartol sicherlich auch für den italienischen Faschismus als wünschenswert erachtete. Die Alamut-Aufführung kam klanglich gesehen und auch durch die Sprechpassagen zu einem interessanten Ende. Erstens war der Chorgesang im letzten Abschnitt sehr viel melodischer als in denen zuvor. Das vorherrschende Gefühl, das jetzt übermittelt wurde war nicht mehr Angst, Chaos, Orientierungslosigkeit, Verwirrung und Panik, sondern schlicht und einfach Traurigkeit. Der letzte Satz, der auf der Schlussleinwand verblieb, lautete, einem düsteren Menetekel und letztem Gruß des grausamen Hasan-i Sabbāh gleichend: “Wir sehen uns in der Hölle!”.

Als Ivan Novak von Laibach am Ende die Danksagungen an die vielen Beteiligten des Projektes auf der Bühne verlas, sagte er den bemerkenswerten Satz: “This was our Alamut. We hope you didn’t like it!”. Auch die drei Co-Komponisten, die das Konzert von der FOH aus verfolgt hatten, wurden am Ende auf die Bühne gebeten. Falls Idin Samimi Mofakham, Luka Jamnik und Nima A. Rowshan gedacht hatten, dass sie sich erfolgreich im Hintergrund würden halten können, so erwies sich das als Trugschluss. Die drei wurden stürmisch beklatscht, genau wie die Akkordeontruppe Disharmonic Cohort und alle anderen Mitwirkenden.

Fazit

Dies war sicherlich die ungewöhnlichste klassische Musikaufführung, der ich je beigewohnt habe. Die Band Laibach hat sicherlich in ganz entscheidendem Maße an der Erstellung des Werkes mitgewirkt, sie standen bei der Interpretation desselben aber nur punktuell im Mittelpunkt. Stattdessen war das großartige RTV Slovenia Symphony Orchestra, dirigiert vom Iraner Navid Gohardi die durchgängige Konstante und verantwortlich für den quasi durchgehenden, nervenaufreibenden Klangteppich. Besonders die gnadenlos unsinfonische Komposition des Sinfonie-Orchesters schuf eine beständige Anspannung beim Publikum und weckte düstere Instinkte, Fluchtreflexe und eine Mischung aus Faszination und Abscheu. Die Welt des Heerführers der Ismailiten Hasan-i Sabbāh blieb einem fremd, eine Identifikation mit dem Protagonisten war so gut wie unmöglich. Es gab keinen Ausweg aus dem gefährlichen Gebilde aus Illusion, Verblendung, und Machtmissbrauch, dass er für seine Anhänger geschaffen hatte. Letztendlich scheiterte seine Herrschaft und alle Schlüsselfiguren gingen mit ihr unter. Tragischerweise verbrannten die Mongolen bei der Eroberung Alamuts auch große Teile der umfangreichen Bibliothek der Ismailiten. Der Privatsekretär des mongolischen Eroberers Hülegü Khan, Ata al-Mulk Dschuweini rettete damals einige wenige Bücher vor dem Feuer, darunter die Autobiographie Hasan-i Sabbāhs. Da so viele Primärquellen verloren gegangen waren, wurde unser Bild von dem Führer Alamuts hauptsächlich von westlichen, in ihrer Genauigkeit und Motivation anzuzweifelnden Quellen bestimmt. Es kann aber keinen Zweifel daran geben, dass ideologische Verblendung und Machtmissbrauch die Herrschaft i Sabbāhs ermöglicht haben und letztendlich auch zu ihrem Ende beitrugen, wie Bartol es schildert. Die musikalische Interpretation des slowenisch-iranischen Werkes vermittelte deutlich die verhängnisvollen Strukturen dieser historischen Geschichte des Scheiterns. Der Chorgesang (vermutlich war die Sprache Farsi), der mal aus geflüsterten Fetzen, mal aus einzelnen Schleifen, aber stets aus seltsam disharmonischem Auf und Ab bestand, zusammen mit der in tiefer Stimme vorgetragenen unheilvollen Textpassagen Milan Fras’ wühlten die Seele vollumfänglich auf. Insgesamt wurde ein düsteres Bild von einer Gesellschaft gezeichnet, in der die Ideologie jegliche positive Emotion überlagert und in der Träume stets kurz und flüchtig, die Alpträume hingegen lang sind. Die Realität ist immer komplexer als jede Ideologie. Die Ideologie malt schöne Bilder, aber sie hat nur zwei Farben in ihrer Palette: schwarz und weiß. Das ist einfach. Das wahre Leben ist nicht einfach. Es ist chaotisch, aber dafür bunt! Ideologien können die Menschen eine Weile gefangen halten und so ernähren, dass sie sich selbst für satt halten. Aber letztendlich zerbricht jede Ideologie an der Realität und das ist auch gut so. Der Hunger nach Leben kann von einer Ideologie auf Dauer nicht gestillt werden. Man kann tagelang Sand essen und damit seinen Magen füllen. Verhungern wird man trotzdem. Auch heute noch hungern viele Menschen nach einfachen schwarz-weißen Antworten und lassen sich nur zu gern von charismatischen Führern verführen, die ihnen das Paradies versprechen und Lösungen für alle ihre Probleme auf dem Silbertablett servieren. Die Sterne über uns bleiben auch heute stumm. Wir müssen unsere Antworten selbst finden! Und wir tun gut daran, die einfachen, naheliegenden Antworten kritisch zu hinterfragen und lieber den langen Weg zur Wahrheit zu gehen, als den kurzen zur illusorischen Lüge!

Weblinks Laibach

Webseite: www.laibach.org
Facebook: facebook.com/Laibach
Instagram: instagram.com/laibachofficial

English version

In a time of global crises, wars, and escalating social upheaval, we often hear the word “culture” only in connection with “war.” A “culture war” of different value systems is invoked and ruthlessly fought. The Frankfurt Book Fair (FBM), on the other hand, upholds true culture and once again demonstrates that it remains a stronghold of the writing and reading community, fostering discourse but keeping the battle outside. Reading can provide a fact-based picture of the outside world, inform and educate. However, fiction based literature also offers us an escape when the harshness of reality overwhelms us. Literature is thus of inestimable value to countless people, today more than ever! However, we now live in an age of interdisciplinary interweaving. Books are adapted into films, film scores are performed without the film, literary works become stage plays, and musical compositions give rise to paintings. Art flows in all directions, art knows no boundaries. Therefore, it is only logical that the FBM fair also provides space for other forms of art and, for example, gives a stage to the musical interpretation of a work of world literature. A beautiful tradition of the book fair is to give special prominence to a guest country each year, bringing attention to its literature in Germany. In 2023, Slovenia was the guest country, and thus, the country’s most famous band, Laibach, could perform their musical interpretation of a renowned Slovenian novel.

Alamut is a novel by the Slovenian writer Vladimir Bartol, written between 1934 and 1938. This is significant because Bartol had to witness the rise of fascism under the leader Benito Mussolini in his homeland during that time. The Slovenian population in Italy, like many other minorities, was subjected to repression and assimilation measures by the Italian far-right government. Bartol lived in the Slovenian capital, Ljubljana, during the writing of Alamut and only returned to his Italian birthplace after the end of World War II. The novel’s story is actually set in the 11th century in what was then Persia, now Iran. Hasan-i Sabbāh, a leader of the Shiite minority of Ismailis, retreated with his followers to the heights of the Elburz Mountains. There, he secured control of the Alamut fortress through a combination of attack and negotiation, which he developed into the headquarters of his Ismaili community.

In the following years, Hasan expanded his influence from Alamut and fought against the ruling Sunni caliphs, who generally viewed and persecuted Shiites, and Ismailis in particular, as heretical renegades and so called enemies of true Islam. However, Hasan rarely attacked his enemies directly with military force; instead, he sent his loyal followers, the Fedayeen. These well-trained assassins targeted the leaders of Hasan’s political opponents with precisely aimed dagger strikes. The charismatic leader won over his loyal followers entirely through his personal interpretation of the Quran and his sermons, manipulating them to the point where they were willing to die for the “greater good” in carrying out their missions. “Fedayeen” is derived from “fida’i,” meaning exactly that: “Those who sacrifice themselves for a cause.” So, the Assassins of Sabbāh had to carry out their tasks with unwavering determination, even in the face of their own certain death. This required fanatical dedication to the ideology of the religious community, making manipulation an essential psychological tool. This is why the main theme of Bartol’s novel is the use of power and the manipulation of subordinates by the powerful.

Many literary critics speculate that Bartol, influenced by the rise of the fascist “Duce” Mussolini in Italy and his propaganda methods, wrote a general warning against abuse of power and the devastating impact of fanatical ideologies. In the novel, Hasan also employs the intoxicating power of drugs (hashish) to control his followers and deceive them about the joys that await them in the afterlife if they faithfully carry out their missions.

We can see multiple layers of meaning intricately woven together in this performance: the novel’s narrative set in 11th-century Persia, Bartol’s life as a Slovenian-Italian in the 1930s, and the contemporary musical interpretation by Laibach and Iranian composers. Let’s now delve into my impressions of how the architects of the piece translated these elements into music:
On stage during the performance were: The RTV Slovenia Symphony Orchestra, the band Laibach, the Iranian choir Human Voice Ensemble from Tehran, the women’s choir Gallina from Slovenia, and the group Disharmonic Cohort. Together, they created a disturbing, abstract sonic masterpiece. What stood out most was the dissonance and the unsettling, even frighteningly ominous orchestral sound. From a symphony orchestra, we typically expect soothing to majestically grand sounds. String instruments, in particular, usually contribute to the sense of comfort by providing continuous flowing harmonies. However, in Alamut, the sound of the performance consisted primarily of structureless noises that incessantly grated on one’s nerves. The concert was divided into various “chapters,” each beginning with a title displayed on a screen. The first section, for example, was titled “Overture – The Great Experiment on Humans.” However, the initial approach involved brass instruments emerging from the darkness behind the audience, emitting individual notes at irregular intervals. The cacophony of trumpets, horns, and trombones set the tone for the entire piece. Slowly, the musicians moved from the audience area onto the stage. In the second section, “Secret Gardens – Love is something that even the lion weakens to,” the choir joined in. European tradition, in particular, claimed that there were secret gardens at the Alamut fortress where the Assassins, after consuming hashish, would awaken and be served by beautiful women. The leader supposedly wanted to give his followers a taste of the paradise that awaited them if they carried out the prescribed murders and then died as martyrs. The existence of these gardens and the consumption of drugs are not historically verified, but the blurring of reality and illusion is a key factor in Bartol’s work. In the third chapter, “Fedayeen – The Axe is Sharpened,” the orchestral performance was notably complemented by the instruments of the Laibach members. This part, fitting for the martial theme, was heavily condensed in terms of sound, rapid in tempo, and highly dynamic. As a listener, you were intentionally subjected to overload, remaining internally tense throughout until this section came to an abrupt end. The middle part of the performance was dominated by Laibach’s frontman, Milan Fras, who recited lines in Slovenian while being accompanied by the orchestra and choir. Suddenly, the brass section from the beginning made a return in a unique manner: eleven accordion players emerged in the audience area, playing loud passages at a consistent height as they slowly made their way toward the stage. A separate conductor stood below, dictating the rhythm for the newcomers. As the accordion players advanced, two actors could be seen at the edge of the stage, moving powerful searchlights through the audience. The music’s noise continued to grate on the nerves, and you almost flinched when the spotlight passed over you. In the middle chapter, “War – Every Death Brings a New Victory,” the amelodic cacophony escalated another level, and ominous images flickered across the screens, intensifying the ominous atmosphere. The concept of the show included providing each chapter with its own visualizations to complement the sound. While the images in the first chapters appeared more flat and diffuse, in the “War” chapter, nightmarish images, including soldiers in dark colors, were displayed, and the stage was bathed in red light.

A brief “relief,” if that term can be used in this performance at all, came in the following chapter, which focused on dreams. Here, unusually soft, flowing cloud formations dominated the visualizations, and the sound was toned down. An ethereal, floating female voice added to the impression. However, the bubble burst several times during the performance; the menacing, dark images from the previous “War” chapter shattered the peace and corrupted the innocent dream. Skulls, soldiers, martial, sharp edges tore through the clouds, accompanied by a terrifying growl that transitioned into a nauseating, sluggish “sloshing and smacking,” as if one were drowning in a pool of congealed blood. The rising and falling sound of the orchestra’s cellos strikingly resembled an air raid. You were on edge again, fidgeting in your seat. Surprisingly, the next chapter was about the “Metaverse.” The screens displayed endless upward-leading steps, as if prompting the question: Quo vadis, humanity? Where is development heading, where will all this madness end? Laibach guitarist Vitja Balžalorsky used a violin bow to play his guitar strings in this section, producing an unusual sound. The Iranian choir joined in again, and the sound increased in volume, first building into a magnificent, overwhelming crescendo before transitioning into anxious, furtive sounds of terror.

The discontinuity of sound made itself apparent once again as the conclusion of the dream chapter deceptively calmed down. Individual piano notes floated in emptiness while a large spiral of stars, resembling a galaxy, rotated on the screen. All points on the star spiral rotated in unison. The harmonious image, however, was immediately shattered as the stars began to break away from the overall picture, and the dependable order was once again shattered. The final chapter, titled “Meditation II & Epilogue,” primarily belonged to Fras, who recited lines in prose, apparently representing a speech by the protagonist, Hasan-i Sabbāh, towards the end of his rule. The Alamut fortress, as in Bartol’s novel and real history, was eventually captured by the Mongols. The pivotal lines of the concluding chapter were: “I recognize neither cruelty nor mercy. I only fulfill my duty!” and “The stars above us are silent.” At this point, the painful parallel to fascism should be evident to everyone, as well as the general pattern of executing orders without personal moral considerations. How many war criminals have excused themselves by claiming they were just doing their duty or following orders? The speaker also quoted significant sentences from previous sections as a conclusion, such as “Every death brings a new victory. Every victory brings new strength” and “Terrible is the God who leads us.” A late realization. Intoxicated by religious promises and hallucinogenic substances, the leader’s Fedayeen threw themselves into their own deaths, taking their victims with them. Delusion, fanaticism, and abuse of power ultimately led to the downfall of the Ismaili order in present-day Iran, an end to the reign of terror that Bartol likely deemed desirable for Italian fascism as well. The Alamut performance, in terms of sound and spoken passages, came to an intriguing end. Firstly, the choir’s singing in the final section was much more melodic than in the preceding ones. The predominant feeling conveyed was no longer fear, chaos, disorientation, confusion, and panic, but simply sadness. The final sentence displayed on the concluding screen, resembling a grim omen and the cruel Hasan-i Sabbāh’s farewell, read: “We’ll see you in hell.”

When Ivan Novak from Laibach read out acknowledgments to the many participants of the project on stage at the end, he said the remarkable sentence: “This was our Alamut. We hope you didn’t like it!” The three co-composers who had observed the concert from the back were also called onto the stage at the end. If Idin Samimi Mofakham, Luka Jamnik, and Nima A. Rowshan had thought they could successfully remain in the background, that turned out to be a misconception. The three  were warmly applauded, as were the accordion group Disharmonic Cohort and all the other participants.

Conclusion

This was undoubtedly the most unusual classical music performance I have ever attended. The band Laibach certainly played a crucial role in the creation of the work, but they were only sporadically at the center of its interpretation. Instead, the remarkable RTV Slovenia Symphony Orchestra, conducted by Iran’s Navid Gohardi, served as the continuous constant responsible for the almost unrelenting, nerve-wracking sonic tapestry. Especially the ruthlessly unsymphonic composition by the symphony orchestra created a constant tension in the audience, awakening dark instincts, flight reflexes, and a mix of fascination and disgust. The world of the Ismaili commander Hasan-i Sabbāh remained alien, and identifying with the protagonist was nearly impossible. There was no way out of the dangerous construct of illusion, delusion, and abuse of power that he had created for his followers. Ultimately, his rule failed, and all key figures went down with it. Tragically, during the conquest of Alamut, the Mongols also burned large parts of the extensive library of the Ismailites. The private secretary of the Mongol conqueror Hülegü Khan, Ata al-Mulk Juvayni, saved a few books from the flames at that time, including the autobiography of Hasan-i Sabbāh. Since so many primary sources were lost, our understanding of the leader of Alamut has been primarily shaped by Western sources, whose accuracy and motivation are questionable. However, there can be no doubt that ideological fanaticism and abuse of power enabled the rule of i Sabbāh and ultimately contributed to its downfall, as Bartol describes. The musical interpretation of this Slovenian-Iranian work vividly conveyed the fateful structures of this historical tale of failure. The choir singing (presumably in Farsi), consisting of whispered fragments and individual loops, but always strangely disharmonious with its ups and downs, combined with the ominous text passages recited in a deep voice by Milan Fras, profoundly stirred the soul. Overall, a dark image of a society was painted, where ideology overshadows any positive emotion, and where dreams are always short and fleeting, while nightmares linger on. Reality is always more complex than any ideology. Ideology paints beautiful pictures, but it has only two colors in its palette: black and white. That is simple. Real life is not simple; it is chaotic but colorful. Ideologies can hold people captive for a while, feeding them in a way that they believe they are satisfied. But every ideology eventually shatters against reality, and that’s a good thing. The hunger for life cannot be sustained by an ideology in the long run. You can eat sand for days and fill your stomach with it, but you will still starve.
Even today, many people hunger for simple black-and-white answers and are all too willing to be seduced by charismatic leaders who promise them paradise and serve solutions to all their problems on a silver platter. The stars above us remain silent even today. We must find our answers ourselves! And we would do well to critically question the simple, obvious answers and opt for the longer path to truth rather than the short one leading to illusory falsehood!

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