HAEVN – Köln, Die Kantine (23.10.2023)

Fotos: HAEVN
Haevn, © Michael Gamon
Geschätzte Lesezeit: 9 Minute(n)

Kann es an einem nasskalten Herbstabend etwas Schöneres geben, als die Seele mit einem Konzertabend von Haevn zu erwärmen? Wohl kaum. In den Niederlanden ist das Indie-Pop Duo bestehend aus Sänger Marijn van der Meer und dem Filmkomponisten Jorrit Kleijne bereits äußerst beliebt. Angekündigte Konzerte der Band sind dort in Windeseile ausverkauft. Nun kamen wir hierzulande in den Genuss, die Musiker live zu erleben – befanden sie sich doch aktuell auf einer Deutschlandtour, die aus gleich sechs Terminen bestand. Der Startschuss fiel in der Kölner Kantine. Bereits auf dem Weg zur Location goss es leider in strömen. Durch die Nähe zur Grenze fielen bereits auf dem Parkplatz etliche PKWs mit niederländischem Kennzeichen auf. Zu unserer Freude öffnete sich die Eingangstüte bereits 15 Minuten vor der eigentliche Einlasszeit. Bei diesem Wetter war man froh über jede Minute, die man nicht länger im Regen verbringen musste. Das Konzert in Köln war ausverkauft. Rund 1000 Fans haben sich also an diesem Abend in der Kantine eingefunden. Neben mir befand sich auch ein Paar aus Holland – es war ihr erstes Konzert der Band und sie waren echt happy, Karten ergattern zu können. Bislang kannten sie die das Duo nur von Spotify.

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Auf eine Vorband verzichtete man bewusst. Ein Blick auf die Bühne sorgte für Zufriedenheit. Hier war bereits alles perfekt vorbereitet. Zahlreiche Musikinstrumente standen an Ort und Stelle und das Drumset war von einem Bogen aus dünnem Plexiglas umrundet. Man achtete also auf exzellenten Hörgenuss. Im Vorfeld hörten wir ruhige Wartemusik – die allerdings recht schnell von der Menge übertönt wurde. Im Vorfeld hatte man sich hier noch viel zu erzählen. Um 20:00 Uhr wurde die Geräuschkulisse jedoch jäh gebändigt. Im Bühnenbereich verdunkelte sich das Licht und nach und nach nahmen vier Musiker ihre Plätze ein. Dazu gesellte sich Jorrit an sein Klavier und Sänger Marijn folgte mit einer Akustikgitarre. Eine beruhigende Atmosphäre breitete sich aus. Jonas Pap entlockte seinem Cello zarte Klänge, Bram Doreleijers vertiefte sich in sein Gitarrenspiel und Marijn performte den Opener Keep Your Promise mit sanfter Stimme und geschlossenen Augen. Direkt im Anschluss wurde die Bühne in rotes Licht getaucht. Schon jetzt wurde uns ein erstes Highlight dargeboten.

Obgleich der Titel The Sea nicht einmal mit einem richtigen Musikvideo versehen wurde, erlangte dieser unsagbar schöne Titel bereits 24 Millionen Aufrufe. Und als wäre die Albumversion nicht bereits berührend genug – live bewies dieses musikalische Schmuckstück tatsächlich noch mehr Glanz. Marijn öffnete sein Herz für uns und sorgte für einen Gänsehautmoment. Er sang mit einer angenehmen Seelenruhe und bewegte sich dazu nur ganz seicht und bedächtig. Ganz vorsichtig setzten sich auch die Lippen des Publikums in Bewegung “And all our lives we’re told. The stream will take us home.” Dabei achteten die Fans sorgfältig darauf, dass sie nur ganz leise mitsangen. Schließlich war Marijns Stimme einfach zu wertvoll, um übertönt zu werden. Gegen Ende gelangte Jonas Cellospiel in den Fokus und eine wohltuende Gitarrenmelodie sorgte für die perfekten letzten Augenblicke.

Nun begrüßte uns der smarte Holländer auch endlich “Guten Abend, Köln. we are Haevn. Back in 2003 I was a big fan of John Mayer – you might know him. He played in Germany so I took a train and waited towards the venue. I was very early. Suddenly John Mayer came to me and said ,Hi, I’m John Mayer.’ – I said ,I know!’ This was the moment, when I wanted to play guitar and start to make music. And it was exactly this place here – the Kantine.” Na, haben wir ein Glück, dass es zu dieser bedeutenden Begegnung kam. Für den Titel Trade It For The Night tauschte der Keyboarder sein Tasteninstrument gegen einen Bass ein. Das Stück kam richtig groovy daher. Als nächstes taute Jorrit sprachlich richtig auf:

“Ich versuche, ein bisschen deutsch zu reden. Über den nächsten Song habe ich eine kleine Geschichte. Vor einem halben Jahr hatte ich in einem kleinen Café ein Blind Date mit einer sehr netten Dame. Wir haben einen Rotwein getrunken und dann kam die Frage ,Was machst du beruflich?’ Ich sagte, ich spiele in einer Band. Sie war nicht beeindruckt und fragte, um welche Band es sich handelte. Ich sagte ,Haevn, kennst du die?’ Ich war gespannt, vielleicht dachte sie, dass wir noch auf Hochzeiten spielen. Also sagte ich ,Ja, wir spielen in Holland im Paradiso und wir machen eine Tour in Deutschland’ – nichts! Ich nahm noch einen Rotwein und es war ein schöner Abend. Eine Stunde später war sie auf der Toilette und kam dann zurück- mit einer ganz anderen Energie! Und sie sagte: ,Auf der Toilette habe ich Spotify angemacht. Weißt du, wieviele Stunden ich zu ,Where The Heart Is: geweint habe?!’ Wir werden den Song jetzt spielen und ich hoffe, dass ihr auch dazu weint.”

Diese Single aus dem Jahr 2018 wurde zum riesen Hit für Haevn. Bis heute läuft der Song noch regelmäßig im Radioprogramm. Es geht darum, seinen Träumen zu folgen, niemals den Glauben an sich selbst zu verlieren, eigene Ängste in die Knie zu zwingen und diese zu überwinden. Ihr musikalischer Motivationsschub erreichte die Fans Reihe für Reihe und der immense Chor stimmte zaghaft mit ein: “Where the heart is. When the light’s at your side. When the faith is ready. No more guidance. Take the leap of your life. As the ground is shaking.” Für eine besondere Stimmung sorgte auch die eher schummrige Lightshow. Farblich setzte man auf warme Töne. Frontlicht gab es keins. Stattdessen strahlten die Scheinwerfer von der Seite und aus dem Hintergrund. We Are überraschte mit einem gar zweiminütigen Gitarrensolo, das alle gebannt auf Bram blicken ließ. Jorrit ergriff erneut das Wort:

“I’m so proud of the fact, that our audience is not waiting for that one song at the end of our concert. You’re singing everything along and that’s such a great, great honour. When we started out years ago and when Marijn and I decided to meet in the studio to try to write new songs, I was always very nervous. In the morning under the shower I started to feel anxious, because I thought. ,Now we have to write that one big song!’ And then I saw an interview with an artist, who said, ,You’re not a magician. A new song is not from you. It is already out there. And you are just the antenna who has to grab the song out of the air. Don’t force it. It’s like a butterfly.’ That was such a nice inspiration, that changed everything for me of going to the studio. The song is already there. The next song is called ,Hold On To Your Love’ and it’s a new song which will be on our new album. And it symbolizes exactly that process. We should not force the beauty in life. We should not have a like on Instagram or Facebook for it to be true or to be valuable. It’s all about the voice inside yourself and the silence inside yourself and enjoying that. Because that’s where the greatest power is.” 

Eine bezaubernde Harmonie baute sich in dem neuen Stück auf und er strahlte ganz viel Wärme aus. War das Publikum doch vor dem Konzert noch arg redselig – mittlerweile könnte man während der Songs eine Stecknadel fallen hören. Besonders sphärisch kam Throw Me A Line daher. Nach einem kurzen Break war lediglich das Cellospiel von Jonas zu hören. Marijn erhob seine Stimme und mitten im Song setzen “Woohoo“-Rufe ein. Mit dem letzten Ton erklang ein stattlicher Jubel, der von zahlreichen begeisterten Pfiffen begleitet wurde.

Für den nächsten Tag gab uns Jorrit einen Ratschlag mit auf den Weg: “Sometimes live music is the best therapy for yourself. And I personally needed it to change some things a few years ago. And I realized that our brains are always looking for the easiest way out. We like comfort. And we don’t like to challenge our ouwn behaviour or thought. And I found a little trick by asking myself every morning. From everything I started to do: Is this good for me? Is this what makes me happy, or should I change it? We wrote a song about this. About welcoming new behaviours. It’s called ,Welcome To Win.’I hope that, after we played this and you wake up tomorrow. That you think just one time – ask yourself: Is this, What’s making me happy? Is this good for me? Welcome to win!” Auf einmal gaben alle Musiker ihre eingenommen Plätze auf und kamen gemeinsam vorn am Bühnenrand zusammen. Neben dem Cello kamen jetzt drei Akustikgitarren zum Einsatz. Zwischenzeitlich vereinten sie sogar all ihre Stimmen für den Song. Drummer Illan Voshol und Jorrit setzten ihre Hände für die Begleitung des Stückes ein und die Menge klatschte engagiert mit.

Daraufhin wurde Jorrit ernst: “We have a very beautiful friendship. Also with a lot of other people. It has been a beautiful journey. But there is one song that Marijn wrote actually far before he and I ever shaked hands or met. That’s a song that he wrote in a period of heavy illness. He couldn’t do anything else than laying in bet and hoping that he would get better one day. But he is such a die heart musician that he never stopped playing his guitar. He wanted to become John Mayer. So, he lied there playing his guitar, laying on his belly and he wrote a song called ,The Othe Side Of The Sea.’ And that was a song for him to keep faith and a strong mind to know that he would end up one day outside that bed on a stage like this. When I first heard that song, I was deeply moved. I said, ,can we please play that song also live during our concerts?’ He said ,Jorrit, it is a very special song to me. It belongs to my past but we can do it, but under one condition. You write a piano piece to it, so it becomes a little bit our song.’ I said ,yes sure’ – until I was in the studio! I was trying to make something that was doing justice to his story. I realized all of a sudden how deep and personal that song is. It’s his song. So I tried all kinds of parts and melodies and nothing was working.

And I saw the clock go to 3 a.m., 4 a.m., 5 a.m, it was deep in the morning, deep in the night. Until something happened then. All of a sudden there was a piano piece that I actually liked and I thought it was doing justice to his story. Marijn and I have a lot of things in common, like a great love for music. And also huge differences. And one of the differences is, that I go to sleep very often at seven in the morning. And Marijn’s alarm in the morning always goes at seven. So I sent this piece to him and I went to bed. I was so nervous and curious what he was going to think. So I sent him a little text message. ,Marijn, before you go to breakfast, before you take a shower, do me one favour: Go to your studio and play this song, because I wrote a piece for it.’ And I think it was ten minutes after seven and I got a text message back saying: ,Hey Jorrit, I think it is absolute shit!’ So here is this thing, that I tried.” Lediglich das Piano und Marijns Stimme waren fortan zu hören. Seine Worte klangen nach Hoffnung und Zuversicht – doch auch ein gewisses Trübsal war unterschwellig spürbar. Erst gegen Ende setzte der Streicher mit ein. Haevn schafften es wahrlich, einen tief zu berühren. Ein Konzert dieser Band steht für wahren Musikgenuss, Atmosphäre und große Gefühle. Auch die Musiker selbst genossen diese Momente. Im Publikum entdeckte man immer wieder Fans, die mit geschlossenen Augen dastanden, sich in die Musik fallen ließen und bei dieses besondere Erlebnis für sich aufnahmen.

Marijn erinnerte sich an eine einschneidende Kehrtwendung in seinem Leben: “Just before I got ill, I got to know a nice girl. During my time of illness, we had a really nice relationship. At that time I got better and better, but I still wasn’t able to fully live. I was afraid to live, actually. And that was exactly the moment, when she said: ,I’m gonna break up with you.’ That was exactly what I needed. I finally got to do, what I wanted to do. So, I packed my bags and got my guitar. Then I decided to travel Europe and play in train stations, also in Köln. No one was listening then. The song that we’re gonna play now, is about that moment.” One Day wirkte befreit, gar beschwingt und vorantreibend. Ein langer Pianopart begegnete uns zunächst in Sinner Love. Doch dabei blieb es nicht, der Song strahlte plötzlich eine absolute Lässigkeit und Coolness aus. Die Jungs begannen richtig zu rocken und Jonas strahlte über’s ganze Gesicht. Auch Marijn war die pure Freude ins Gesicht geschrieben.

Langsam begaben wir uns auf die Zielgerade. Jorrit fand dazu die passenden Worte: “Ich versuche es noch einmal in deutsch. Es ist sehr besonders für uns auch für unser eigenes Land zu spielen und soviele Leute zu treffen. Es ist ein Traum. Wir sind sehr berührt, dass ihr heute zu sovielen hier seid. Vielen, vielen Dank. Wir haben auch etwas spezielles für dies Tour gemacht – eine Doppel-CD. Viele Menschen haben uns gefragt, ob wir bitte eine Live-CD von einem Konzert machen können. Diese haben wir exklusiv auf dieser Tour zu verkaufen. Die gibt es auch nicht im Webshop. Es wäre wirklich schön, wenn ihr die mitnehmt. Wir signieren die auch gerne. Es wäre schön, euch gleich noch ein bisschen zu treffen. Vielen Dank.” Für den Track Bright Lights wurden ein letztes Mal die Instrumente getauscht. Bram bediente sich einer Mandoline und Illhan widmete sich einem Vibraphon. Die aufmunternden Klänge wurden vom der Menge getragen, ehe sich die Musiker winkend von uns verabschiedeten und sie die Bühne verließen.

Allerlei Pfiffe mischten sich unter den tosenden Applaus. Hier war noch niemand bereit, Haevn endgültig gehen zu lassen. Also kehrten die Musiker nochmal sichtlich glücklich zurück. Klatschend und stimmungsvoll wurde Back In The Water von den Fans empfangen. Der Closer Where Did You Go schoss sogar richtig in die Hüfte und hier kam noch richtig Bewegung ins Spiel. Zum Schluss entließen wir sechs äußerst selige Männer, die voller Dankbarkeit waren. Doch auch wir haben zu danken. Haevn bescherten und schließlich einen hinreißend schönen Abend. Meine benachbartes holländisches Paar war auch restlos begeistert – Spotify kann halt doch nicht einem Live-Erlebnis mithalten.

Direkt im Anschluss hatten die Mitarbeiter am Merchandisestand alle Hände voll zutun. Etliche Artikel gingen hier über die Ladentheke. Natürlich galt es, dieses Erlebnis ein stückweit greifbarer zu machen und mit einem tollen Erinnerungsstück nach Hause zu fahren. Sogleich waren die Musiker auch schon für ihre Fans da, vergaben Autogramme, standen für Selfies und kleine Unterhaltungen zur Verfügung. Das ungemütliche Wetter hat sich draußen mittlerweile auch beruhigt. Nunmehr war selbst der Heimweg angenehm.

Setlist HAEVN – Köln, Die Kantine (23.10.2023)

01. Keep Your Promise
02. The Sea
03. Trade It For The Night
04. Where The Heart Is
05. No Mans Land
06. We Are
07. Hold On To Your Love
08. Kite In A Hurricane
09. Throw Me A Line
10. Welcome To The Wind
11. Other Side Of The Sea
12. Holy Ground
13. One Day
14. Sinner Love
15. Keep Your Promise (Reprise)
16. Bright Lights
17. Where Did You Go (Z)
18. Back In The Water (Z)

Weblinks HAEVN:

Homepage: haevnmusic.com
Facebook: www.facebook.com/haevnmusic
Instagram: www.instagram.com/haevnmusic

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