LONG DISTANCE CALLING – Eraser

LONG DISTANCE CALLING - Eraser
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9 Gesamtnote

Gesamtnote

9

„Ohne Worte“… Das sagt man gerne mal, wenn einem etwas so unverständlich erscheint, gegen den Strich geht oder auch sonst wie missfällt, dass einem eben schlichtweg die Worte dafür fehlen. „Ohne Worte“ ist auch vieles, was auf unserem Planeten passiert, beispielsweise dann, wenn man das Thema Artensterben betrachtet. Und auch die Musik von Long Distance Calling ist „ohne Worte“ – aber anders. In diesem Fall eben nicht aus Missfallen, sondern im wahrsten Sinne, handelt es sich doch um eine instrumentale Band. An dieser Stelle entsteht die Verbindung, denn auch mit den instrumentalen Klängen ihres nunmehr achten Studioalbums gelingt es der Prog Rock-Band, dezidiert auf das Thema Artensterben aufmerksam zu machen.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Für den Großteil der Stücke auf dem Album steht ein Tier Pate. Kamilah beispielsweise ist dem Gorilla gewidmet. Jedem bekannt und doch in der freien Wildbahn immer seltener begegnend, steht im das Stück gut zu Gesicht. Mit einer proggigen Atmosphöre geht es los, man kann die freie Wildbahn quasi spüren, nach anderthalb Minuten aber schlägt es um und mit hohem Tempo rockt man nach vorne, sodass man meinen könnte, der Gorilla läuft davon, um seine Freiheit zu bewahren. Aber auch der Rückfall in die bedrückende Atmosphäre kommt. Das Spiel der Emotionen, das spürt man, ist eben auch in der Instrumentalität zu spüren. Da kann auch schon mal eine gute Spur Verzweiflung reinkommen, wie das dem Grönlandhai gewidmete 500 Years direkt im Anschluss zeigt.

Überhaupt ist die Artenvielfalt groß, obgleich das Album insgesamt „nur“ neun Stücke enthält und nicht alle direkt einer Art gewidmet sind. Ein Tier, das man sonst eher von Memes kennt, aber eben auch in diese ernste Thematik passt, ist das Faultier. Das entsprechend Sloth betitelte Stück ist dabei auch ein Highlight, da es in seiner entspannt-traurigen Atmosphäre sogar mit einem Saxofon aufwartet. Es ist eben ein Album, das mit Überraschungen aufwarten kann, das zudem zeigt, wie gut man lautmalerisch arbeiten kann, wie in Blood Honey, bei dem man den Flug der Biene aus den Instrumenten heraushören kann. Auf einer Länge von über neun Minuten wird hier verschachtelt und doch klar gearbeitet.

Aus dem Rahmen der Arten fallen lediglich der Opener raus, da Enter: Death Box mit seinen knapp 80 Sekunden eher ein Intro darstellt und das abschließende Titelstück Eraser den Umgang des Menschen mit dem Planeten in den Mittelpunkt stellt. Aber auch hier lässt sich viel erzählen, auch ohne Worte zu verwenden. Trotz der „nur“ neun Stücke kommt man hier auf 57 Minuten Spielzeit, wobei das Intro – wie bereits erwähnt – nur wenig ausmacht. Dementsprechend sollte man gewiss eine Ader für lange Arrangements haben. Aber wer proggige Sounds mag, sollte das gewohnt sein. Ein echt starkes Album!

Tracklist LONG DISTANCE CALLING – Eraser:

01. Enter: Death Box
02. Blades
03. Kamilah
04. 500 Years
05. Sloth
06. Giants Leaving
07. Blood Honey
08. Landless King
09. Eraser

Weblinks LONG DISTANCE CALLING:

Homepage: www.longdistancecalling.de
Facebook: www.facebook.com/longdistancecalling
Twitter: www.twitter.com/LDCBAND

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