SLUT – Talks Of Paradise

SLUT - Talks Of Paradise
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8.5 Gesamtnote

Gesamtnote

8.5

Acht Jahre Pause, bis man das neunte Album veröffentlicht. So lief es im Hause Slut. Und das hat sich eben auch einfach so ergeben. Nach der Tour zu Alienation stand es noch nicht fest, was folgen wird. “Es gab erstmals keine Vereinbarung, ob es weitergeht”, so Sänger Chris Neuburger. Aber wie das eben so ist: Es kommt der Tag, an dem man etwas vermisst. So auch hier, als sich Rainer Schaller 2017 bei Neuburger meldete und man sich kurz darauf wieder zusammenfand, um erste Skizzen entstehen zu lassen und den Weg abzustecken, der genommen werden soll. Dass dies zunächst einmal ganz ohne Vorbereitung lief, ist möglicherweise auch eine der Ursachen für den Sound des Albums, bei dem die Gitarren ziemlich im Hintergrund bleiben.

Wie passend, dass der Opener des Albums Good For All heißt. Denn eigentlich ist das ja auch die Frage: Ist das Album gut für alle? Oder, um im Indie zu bleiben, gut für alle, die Slut bisher mochten? Sicher wird es auch diejenigen geben, die sich schwertun mit dem flirrenden, wabernden Synthie-Sound, der ins Album führt und sich zunächst einmal verhalten dem neuartigen Sound nähert (da bekannte Elemente enthalten sind, passt „neuartig“ einfach besser als „neu“). Mit diesem geht man gleich auch in die Vollen, wenn das bereits vor einem guten Jahr als Vorab-Single gebrachte For The Soul There Is No Hospital erklingt, mit dem Slut gut beweisen, dass sie eingängig-treibenden Indie-Sound nach wie vor sehr gut beherrschen und dies auch mit veränderten Mitteln aufzeigen können.

Eigentlich ist es auch ein wenig müßig, den Zweikampf „Synthie vs. Gitarre“ hier aufzupusten, wichtig ist ja vor allem ebendas: Slut sind wieder da! Und sie spielen gerne mit den Dynamiken. Ein Penny Changes Dresses beispielsweise ist im hohen Tempo unterwegs, lässt einen mitwippen und berührt dabei auch mit nachdenklichem Touch. Etwas, das Slut weiterhin sehr gut beherrschen. Auch dem schon im Titel nachdenklich wirkenden How Trivial We Are merkt man seine Melancholie an. Aber eine, die sich irgendwie gut anfühlt. Wie es auch das Album tut. Ob es nun die treibenden Momente sind oder die ruhigen, wie z.B. in Yes No Why Later. Es wirkt alles in sich geschlossen und zeigt eine Entwicklung auf, die der Band gut zu Gesicht steht.

Bestimmt wird es Hörer geben, die sich mit dem neuen Sound schwertun werden, aber es lohnt sich, wenn man sich auf ihn einlässt. Zudem hat es das Potenzial, auch neue Hörer zu erreichen. Wer auf elektronisch inspirierten Indie-Sound steht, kann der Band auch gut eine Chance geben, ohne bisher zur Hörerschaft gehört zu haben. Im Endeffekt bleiben Slut auch weiterhin Slut und erweitern ihren Output um eine neue Facette. Dem Gesamtwerk tut dies keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil!

Tracklist SLUT – Talks Of Paradise:

01. Good For All
02. For The Soul There Is No Hospital
03. Belly Call
04. Penny Changes Dresses
05. Fala
06. How Trivial We Are
07. Tell Your Friends
08. Yes No Why Later
09. The Worst Is Yet To Come
10. Vandals
11. Black Sleep

Weblinks SLUT:

Homepage: www.slut-music.com
Facebook: www.facebook.com/slutmusic

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