SECRETS OF THE MOON – Black House

SECRETS OF THE MOON - Black House
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9

Gesamtnote

9

Mit einer Geschichte von 25 Jahren sind Secrets Of The Moon so etwas wie deutsches Black Metal Kulturgut. Sowohl ihr 2009 veröffentlichtes Album Privilegiums als auch dessen Nachfolger Seven Bells (2012) gelten als Meilensteine nicht nur im Schaffen der Band selbst. Beide Alben haben auch nachhaltig auf das Genre gewirkt. Wie nachhaltig prägend die kreative Kraft der Band tatsächlich sein sollte zeigte sich wiederum drei Jahre später als die Niedersachsen mit Sun erstmalig in Teilen zugunsten des musikalischen Gesamtkonzeptes und der Dramaturgie den Metal hinter sich ließen. Im Zentrum stand nun vielmehr das ganzheitliche Vorhaben, etwas Dunkles zu erschaffen. Ja, und dunkle Musik gibt es eben und vor allem auch außerhalb des Black Metal. Was sich bei Sun als folgerichtiger Schritt, als nahe liegend und als kreativer Gewinn herausstellte, wurde vielerorts als “mutiger Schritt”, “Aufbrechen des Dogmas”, “Heranreifen der Band” bezeichnet. Da kann man mal wieder sehen, wie langsam und zäh das Wasser im Fluss des Metals dahinfließt. Man ist und bleibt eben konservativ.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Wie wenig sich Secrets Of The Moon um solcherlei Bewegungsunwillen scheren und tatsächlich Prioritäten in den richtigen Stellen zu setzen scheinen, zeigt uns nun auch Black House. Das neue Album ist eine schöpferische Explosion. Es geht über Sun hinaus, ohne dessen Weg fortzusetzen. Es kann, obwohl man auf künstlerische Ausgestaltung neben der musikalischen Präsentation in der Band immer schon einen starken Fokus gelegt hat, sogar als ganzheitliches Gesamtkunstwerk betrachtet werden. Für jeden der neun Songs wurde ein Video produziert, in dessen Zentrum ein Gegenstand visuell bedeutsam für Text oder Stimmung steht. So sieht man in Sanctum beispielsweise eine Leiter, in Cotard einen Apfel oder in Mute God einen brennenden Baum. Die Videos unterscheiden sich in den Grundzügen nur wenig. Wir befinden uns im Black House. Das ist ein würfelförmiger schwarzer Bau, der inmitten eines schwarzen Gewässers steht, über dem sich dunkle Wolken auftürmen. Aus den Räumen dringt schwacher Schein. Inmitten dieses monochrom flackernden Zwielichts stehen Secrets Of The Moon und performen die neun Songs des Albums. Bisher kann man sich drei der Videos auf Youtube anschauen, alle neun gibt es auf einer DVD in der Artbook-Version von Black House.

Weiterhin hat sich die Band bei der musikalischen Ausgestaltung ihres siebten Studioalbums für Kooperationen mit namhaften Underground-Künstler:innen entschieden. Die symbiotischen Beiträge, unter anderem von Mitgliedern von (Dolch), Jules Näveri (Enemy Of The Sun), Jarboe (ex-Swans) oder Thomas Helm (Noekk, Empyrium), führen zu synergetischen Effekten, die die einzelnen Song-Charakteristika und deren Grundstimmungen wunderbar herausarbeiten. Besonders hervorzuheben ist hier das fiebrige Don’t Look Now, bei dem die glutvolle sphärische Stimme der (Dolch)-Sängerin dem Stück mystische Hitze verleiht. Bei He Is Here werden weite Teile des Songs sogar von Jules Näveri komplett getragen, während Secrets Of The Moon in der Zusammenarbeit mit Thomas Helm bei Mute God und Earth Hour deutlich subtiler vorgegangen sind.

Doch wo ordnet man Black House nun musikalisch ein? Die Songs sind so eingängig, wie sie tief sind. Sie berauschen sich an Finsternis, Abgründen und Melancholie. Beim Hören drängen sich Vergleiche zu Tiamat in ihren besten Zeiten auf, jedoch mit einem innovativen, modernen Anstrich, so gut Wildhoney (1994) insgesamt auch gealtert sein mag. Weitere Parallelen mag man auch bei Phil Jonas Zweitprojekt Crone (Godspeed, 2018) finden. Secrets Of The Moon bedienen sich auf Black House Elementen aus Dark Rock und schwarzen Alternative Rock im besten Sinne und bündeln diese zu wahren Hook-Infernos kathartischer Finsternis. Die Songs sind allesamt auf den Punkt, bis zur letzten Sekunde auskomponiert und deswegen fesselnd, so dass man sehr lange Zeit im Black House verbringen und immer wieder dorthin zurückkehren wird.

Black House ist in unterschiedlichen Formaten am 08. Mai bei Lupus Lounge (Prophecy Productions) erschienen.

Secrets Of The Moon - Don't Look Now [official video]

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Tracklist SECRETS OF THE MOON – Black House:

01. Sanctum – feat. Jules Näveri (Enemy Of The Sun)
02. Don’t Look Now – feat. (Dolch)
03. Veronica’s Room
04. He Is Here – feat. Jules Näveri (Enemy Of The Sun)
05. Cotard – feat. Jarboe (ex-Swans)
06. Black House – feat. Jarboe (ex-Swans)
07. Heart – feat. (Dolch), Meilenwald (The Ruins Of Beverast)
08. Mute God – feat.Thomas Helm (Empyrium, Noekk)
09. Earth Hour – feat.Thomas Helm (Empyrium, Noekk)

Weblinks SECRETS OF THE MOON:

Official: http://www.secretsofthemoon.de
Facebook: https://www.facebook.com/secretsofthemoonofficial/
Bandcamp: https://secrets-of-the-moon.bandcamp.com/
Label: https://de.prophecy.de/kuenstler/secrets-of-the-moon/

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